Landwirtschaftliches College


Von der Schulung für Kleinbäuerinnen zum College für organischen Landbau



Ein Grundstein  für den organischen Landbau in Ostafrika

In Kilimambogo bei Thika, Kenia, wurde am 19. September 2014 das Richtfest für das College für ökologischen Landbau gefeiert. Anwesend waren auch die Landwirtschaftsministerin von Kenia und unsere Geschäftsführerin, Dr. Annette Massmann. Die Zukunftsstiftung Entwicklung konnte dank der Förderung durch weitere Stiftungen und herausragende Einzelspenden den Bau dieses richtungsweisenden Colleges finanzieren. Das College ist auf die Vermittlung des Wissens und der Techniken ökologischen Landbaus mit geringen Eingangskosten für die kleinbäuerliche Landwirtschaft ausgerichtet. Es vermittelt den Aufbau lokaler Versorgung und lokaler bis internationaler Vermarktung. Das Wissen und die Erfahrung der Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP, die seit zwanzig Jahren in der Förderung von organischem Anbau in Kenia und Ostafrika aktiv ist, bildet die Grundlage für die Lehrinhalte, die in Kooperation mit zwei Universitäten erarbeitet wurden.

Fokussiert wird auf Ernährungssicherheit und -souveränität, Erhalt der Biodiversität, Wassermanagement, angepasste Technologien und den Einsatz regenerativer Energien. Die Wissensvermittlung erfolgt praktisch und theoretisch. Zielgruppen sind neben Universitätsabsolventen konventioneller Agrarwissenschaft, Agronomen, Berater in Nichtregierungsorganisationen sowie erfahrene Bauern. Das College wird zukünftig richtungsweisende Impulse für die landwirtschaftliche Entwicklung in der Region geben.

Historie

„May I have a walk and a talk about your work with you?“ Während dieses Spaziergangs 1992 schilderte Joseph Ngugi Mutura dem Leiter des damaligen Entwicklungshilfefonds, Walter Burkart, seine Vision von einem Afrika ohne Hunger. Noch im selben Jahr begann die Zusammenarbeit. Und das war auch der erste Schritt in die Zukunft für inzwischen fast 70.000 kleinbäuerliche Familien in Kenia. Diese Familien sind dank der Projektförderung inzwischen ernährungs­sicher und erwirtschaften ein kleines Einkommen.

In Gruppen von 30 bis 40 Personen, überwiegend Frauen, werden Kleinbauern und -bäuerinnen vier Jahre lang von Beratern der Organisation SACDEP, deren Leiter Herr Mutura ist, im organischen Landbau geschult. Die Bauern und Bäuerinnen lernen Kompostierung und Kompostdüngung, Herstellung und Anwendung natürlicher Pflanzenschutzmittel, Diversifizierung des
Anbaus, Wassermanagement, Saatgutlagerung und Erhaltung lokalen Saatguts, Kleintier- und Rinderhaltung.

Es ist ein Ansatz, der mit der Nutzung verfügbarer natürlicher Ressourcen und geringen externen Investitionen arbeitet und auf die optimale Nutzung der kleinen Parzellen der Bauern und Bäuerinnen bei Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit abzielt. Die Ausgangsfrage ist stets: Über welche Ressourcen verfügt ihr, was könnt ihr nutzen?

Jede Gruppe erhält zu den Gesamtkosten ihres Vorhabens nur einen Zuschuss. Die Mitglieder der Gruppe entscheiden, wer als Erster eine Förderung erhält. Die Tiere werden so verteilt, dass zum Beispiel in einer Gruppe von 30 Frauen drei Frauen je eine Ziege erhalten, die dann die Zicklein an die nächsten Frauen weitergegeben, bis alle Mitglieder einer Gruppe Tiere haben.

In die Zukunft gehen

Doch Herr Mutura will noch einen weiteren Schritt auf dem Weg zum hungerfreien Afrika gehen. Sein Konzept: Der Aufbau eines Colleges für ökologischen Landbau – ausgerichtet auf das Lehren organischen Landbaus für die kleinbäuerliche Landwirtschaft und den Aufbau regionaler Versorgung. Dieser Ansatz
beruht auf dem in nun 20 Jahren angesammelten Wissen und Methoden.

Ein Wissen, das im Einklang mit dem 2008 veröffentlichten Weltagrarbericht steht. Über 400 internationale Wissenschaftler beschreiben dort, dass der Schlüssel zur Welternährung bei Erhaltung von Artenvielfalt in den Händen von Kleinbauern und -bäuerinnen liegt. In der regulären Ausbildung der Agronomen spielt dieses Wissen jedoch, wenn es überhaupt gelehrt wird, nur eine Nebenrolle. Die Lehre ist weitestgehend auf das Betreiben industrieller Landwirtschaft ausgerichtet. In Kenia wäre das
College für ökologischen Landbau das erste seiner Art. Eine Keimzelle der Zukunft.

Mit diesem College für die Ausbildung von BeraterInnen für klein­bäuerlichen, organischen Anbau in Ostafrika will Herr Mutura einen weiteren Impuls für die nachhaltige Entwicklung organischer Landwirtschaft zum Wohle der Menschen und der Natur setzen. In Kursen von zwei Jahren werden die Studierenden im organischen Landbau geschult. Unter der Maßgabe der Nutzung verfügbarer natürlicher Ressourcen, geringer Eingangs­kosten, angepasster Technologien, kleiner, auf Ernährungssicherheit und Dürreresistenz ausgelegter Landwirtschaft mit dem Erhalt großer Biodiversität wird so für ein Afrika ohne Hunger gearbeitet.

Langfristig wird das College über eigene Einnahmen durch Seminare, Workshops und Studiengebühren getragen. Um auch bedürftigen Studenten das Studium zu ermöglichen, ist dabei ein Stipendiumprogramm geplant.

In 2016 konnte das College baulich weitestgehend fertiggestellt werden. Der Prozess der Erstellung des Curriculums und der formalen Akkreditierung durch die kenianischen Behörden ist seit Juli 2019 erfolgreich abgeschlossen. Nun folgt die formale Registrierung, der Beginn der ersten Kurse ist für Herbst 2019 geplant.

Für Rückfragen stehen wir jederzeit sehr gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns an.

Bildunterschriften:
1. Erster Rohbau der zukünftigen Student/innenunterkünfte
2. Ziegenmilch verbessert die Ernährung und das Einkommen.
3. Joseph Ngugi Mutura, Direktor von SACDEP