Uganda: Ein Pilotprojekt für Mobilität

Müheloser Transport von Menschen, Wasser und Ernte

Wie können Waren kostengünstig und umweltfreundlich transportiert werden? Das Green Light Forum möchte ein Pilotprojekt mit Elektrofahrrädern starten.

4.860 Bäuerinnen und Bauern werden von unseren fünf Partnerorganisationen in organischem Landbau geschult. Inzwischen haben die Kleinbäuer*innen Ernährungssicherheit erreicht und produzieren zusätzliche Lebensmittel, die sie gemeinsam über Kooperativen vermarkten. Wenn sie selbst direkt auf regionalen Märkten oder gar in der Hauptstadt verkaufen, erzielen sie deutlich höhere Preise. Erfahrungsgemäß investieren die engagierten Bäuer*innen diese Einnahmen in den Ausbau der eigenen Farmen, die Bildung ihrer Kinder und verbessertes Wohnen.
Uganda verfügt nur über ein rudimentäres Straßennetz. Während der Verkehr rund um die Hauptstadt Kampala in unglaublichen Staus erstickt, gibt es auf dem Land fast ausschließlich rotstaubige oder matschige hügelige Pisten mit tiefen Löchern und Rinnen, ausgewaschen von schweren Regenfällen. Für den Transport auf diesen beschwerlichen Verkehrswegen mieten sie teure Lastwagen, was sie sich kaum leisten können, oder müssen Handkarren benutzen, die sie entweder selbst ziehen oder durch Esel oder Ochsen ziehen lassen. Wahlweise transportieren sie auch Waren mit Fahrrädern (zumeist chinesischer Produktion), die zwar robust, aber recht schwergängig sind und nicht viel laden können.

Elektroräder: Eine Lösung bahnt sich an
Dr. Jürgen Perschon vom Verein Eurist e.V. in Hamburg hat Erfahrungen mit den Transportschwierigkeiten in Uganda. Gemeinsam mit der Organisation First African Bicycle Information Organization (FABIO), die sich für die Verbreitung von Fahrrädern in Uganda einsetzt, entwickelten sie extrem robuste Elektrofahrräder mit Anhängerkupplung. FABIO ist in Jinja ansässig und führt Wartungen und Reparaturen vor Ort aus; bei der Finanzierung halfen Spenden und Mittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW). Zunächst dachten sie vor allem an den Transport Kranker im Sinne von Ambulanzrädern, an den Transport schwerer Wasserbehälter oder daran, Taxibikes anzubieten.
Die ersten Fahrräder wurden in Deutschland entworfen, in Indien gebaut und in Uganda fertig montiert. Dann wurden sie in einer Testphase erprobt. Nach dieser Phase wurden die Rahmen verstärkt, Gepäckträger verändert und Ladestationen für die Batterien nachjustiert. Gleichzeitig verfolgten die Konstrukteure das Ziel, dass das Fahrrad mit und ohne Motorunterstützung nutzbar ist. Nun ist das Modell serienreif. Heute können schon Wartung und Reparaturen in Uganda vorgenommen werden. Auch die Batterien, wenn sie ihren Dienst versagen, werden durch FABIO ausgetauscht. Perspektivisch soll auch in Uganda produziert werden.



„African E-Bike“
Das Elektrorad ist sehr robust, pistentauglich und extrem belastbar. Es kann mit bis zu 100 Kilogramm beladen werden. Dann hat es noch bis zu 50 Kilometer Reichweite bei einer Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h. Es gibt Ausführungen als Taxi, Ambulanz und Warentransportfahrzeug.

Vertriebsfahrzeug für die Kooperativen des Green Light Forums
Genau dieses „African E-Bike“ würden die Bauernkooperativen des Green Light Forum Ugandas gerne im Rahmen eines Pilotprojektes für den Warentransport ihrer Produkte zu den regionalen Märkten einsetzen. Wenn die Anschaffung der Fahrräder bezuschusst wird, können sie die laufenden Kosten der Fahrräder selbst tragen. Auch entstünde in jeder Kooperative der neue Job des Lieferdienstfahrers.

Kioske für Waren und Strom
Neben den Lagerräumen der Kooperativen sollen mit der Anschaffung der Elektroräder Ladestationen aufgebaut werden, an denen dann die Räder, aber auch Handys aufgeladen werden. Alle rechnen damit, dass diese Plätze Menschen anziehen und planen deshalb, Kioske zum Verkauf für Lebensmittel und Güter des primären Bedarfs aufzubauen. Auch dies führt zu weiteren Jobs.
In einem ersten Schritt sollen 45 Elektroräder angeschafft werden, die pro Fahrrad 750 Euro kosten, also insgesamt 33.750 Euro. Als Einfuhrzoll kommen rund 120 Euro pro Elektrofahrrad hinzu. Dazu kommen die Kosten für die Installation von fünf solaren Ladestationen, die jeweils täglich fünf bis zehn Elektroräder aufladen können (insgesamt rund 7.800 Euro). Für die Wartung der 45 Räder und für 30 zusätzliche Batterien, die in Uganda recycelt werden, sind rund 5.250 Euro vorgesehen. 2.660 Euro entfallen auf Koordinationskosten des Vereins Eurist sowie auf FABIO für Schulungskurse zum Umgang mit dem Fahrrad und zum Aufbau der solaren Ladestationen.

Das Pilotprogramm kostet also insgesamt rund 55.000 Euro. Pro Kooperative bedeutet das ein einmaliges Investment von etwa 11.000 Euro. Da den Kooperativen rund 4.860 Bäuerinnen und Bauern angeschlossen sind, bedarf es pro Bäuer*in einer Spende von rund 11 Euro, um ein strapazierfähiges, umweltfreundliches Transport- und Vertriebssystem in Uganda aufzubauen.

Bildunterschriften:

1. Zuckerrohr auf dem Weg zum lokalen Markt: Ernte zum Markt zu bringen, ist oft sehr mühselig.
2. Dr. Jürgen Perschon (re.) entwickelte das Elektrorad mit. Hier nimmt er einen Spendencheck für das Projekt von Schauspieler Bjarne Mädel entgegen.
3. Das Elektrorad ist auch als Ambulanz einsetzbar.


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