Wenn Schule zur Lebenshilfe wird

Vom Kaninchen zur Kuh oder: Was habe ich in der eigenen Hand?

Die sieben ugandischen Partnerschulen der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung sind Lebensorte. Das zeigt sich besonders in Corona-Zeiten. Damit die Schulen trotz der anhaltenden Schließung erhalten bleiben und die Kinder zu Hause weiter gefördert werden, ist Unterstützung erforderlich.

Henry Kayondo kommt aus einer armen, kleinbäuerlichen Familie. Dank einer Patenschaft besucht er die Kisaakye Landschule. Neben den üblichen Schulfächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturwissenschaften, Englisch, Musik, Sport und Theater, erlernte er organischen Landbau, Bewässerungstechniken, die Anlage einer Baumschule, Tierzucht und -haltung, den Bau von Feuerholz sparenden Öfen, nähen, stricken, Matten- und Körbeflechten. Henry Kayondo (15) ergriff die Chance. Sein unternehmerischer Aufstieg begann mit einem Kaninchen. Nach ihrer Einführung in Tierzucht und -haltung erhalten diejenigen Kinder, die Zuhause einen Stall bauen, ein Kaninchen. Zusätzlich bekommen diejenigen, die Zuhause einen Platz für einen kleinen Garten vorbereiten, Saatgut und Baumsetzlinge.

Henry verwandelte die Nachzucht seines ersten Kaninchens und einen Teil seiner Ernteerträge aus dem Gemüsegarten in Hühner; aus Eiern und weiteren Kaninchen wurden ein Fahrrad, das den Schulweg und die Auslieferung von Eiern und Gemüse erleichterte, aus den erneuten Erträgen erarbeitete er sich ein Feld mit Bananensetzlingen und ein Kälbchen. Sein Antrieb war eigentlich, jeden Tag genug zu essen zu haben. Inzwischen erarbeitet sich Henry nicht nur sein Essen, sondern auch seine Schulbücher und -uniformen.  Auch Winnie Batwenda (12) ist so ein inspirierendes Beispiel. Sie lebt als Waise bei ihrem Großvater. Es gab maximal einmal täglich ein Essen – das Schulessen. An Wochenenden und in den Ferien litt sie sehr. Ihre Karriere startete mit zwei Kaninchen. Mit Kaninchendung und -urin düngte sie acht kleine Gemüsegärten und verkauft inzwischen Gemüse an Nachbar*innen. Aus ihren Einkünften kaufte sie Hühner und Schulmaterial. Sowohl Winnie als auch Henry sind inzwischen Ausbilder*innen ihrer Mitschüler*innen – ihre Beispiele machen Schule.

Schulschließung in Coronazeiten

Die ugandischen Partnerschulen sind seit März 2020 geschlossen – mit einer kurzen Öffnungsphase im ersten Halbjahr 2021 für die höheren und Abschlussklassen. Die Kinder aus den Kindergärten und Klassen 1-4 sind seit fast anderthalb Jahren zu Hause. Uganda durchlebt eine schwere ökonomische Krise und die Versorgungslage spitzt sich weiter zu. Auch steigen die Fälle häuslicher Gewalt rapide. Die Zahl der Kinder, die informeller Arbeit nachgehen, hat sich vervielfacht. Auch Kinderehen und Zwangsheiraten sind wieder auf dem Vormarsch, da sich Eltern nicht in der Lage sehen, ihre Töchter zu versorgen. Viele Familien sind schon unter normalen Bedingungen auf die Schulspeisung angewiesen, um ihre Kinder zu ernähren.

Je länger diese Situation andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder nicht in die Schulen zurückkehren, wenn diese wieder öffnen dürfen. Um den Kontakt zu den Kindern zu halten, haben deshalb unsere Partnerschulen Aktivitäten wie Pflege der Schulgärten, Baumpflanzung als outdoor-Aktivitäten gestartet und den Kindern gleichzeitig Lernmaterial mitgegeben.

Strukturen erhalten, Hunger bekämpfen 

Ein großes Problem stellt die Ernährung für die Kinder dar, die noch nicht wie Winnie und Henry eine solch erfolgreiche Karriere durchlaufen haben. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Partnerschulen Corona-Nothilfefonds aufgebaut, über die Saatgut, Setzlinge, Hühner und Kaninchen an Kinder aus bedürftigen Familien vergeben werden. Diese Fonds würden wir gerne noch mal mit insgesamt 14.000 Euro ausstatten.

Unsere Partnerschulen bangen inzwischen um ihre Existenz. Seit Beginn der Schulschließungen haben die Schulen kaum Schulgebühren mehr von den Eltern erhalten. Wir möchten die Schulen unterstützen, erfahrenes und gut ausgebildetes Personal zu halten und zumindest Existenzsicherung der in langer Arbeit aufgebauten Institutionen zu betreiben. Die Lehrer*innen halten Kontakt mit den Schüler*innen und versuchen sie so gut wie möglich weiter zu begleiten, bringen ihnen Arbeitsblätter oder involvieren sie in Aktivitäten im Schulgarten. Für ein Kurzarbeitergeld bis ans Ende des Jahres für die am härtesten getroffenen Schulen benötigen wir rund 7.000 Euro.

Gleichzeitig suchen wir neue Pat*innen, die es Kindern ermöglichen zur Schule zu gehen, um eine Grundlage zu legen, die weit über einen formalen Schulabschluss hinausgeht. Wir bieten Patenschaften an allen ugandischen Partnerschulen. Der Beitrag für eine Patenschaft beträgt 31 Euro im Monat. Darin enthalten sind Schulgeld, Schuluniform, Unterrichtsmaterialien, Frühstück und eine ausgewogene warme Mahlzeit und, wenn nötig, medizinische Versorgung. Die Patenschaft ist für den Zeitraum des Schulbesuchs gedacht, zurzeit bis zum Ende der 7. Klasse. Mehr Informationen zu Patenschaften finden Sie auch hier.

Bildunterschriften:

 

  1. Hilfe in der Corona-Zeit: Besonders bedürftige Schüler*innen unserer Partnerschulen in Uganda erhalten Hühner für ihre kleinen Farmen.
  2. Während des Lockdowns halfen Jugendliche der älteren Klassen mit, die Schulgärten zu bestellen.