Sturmkatastrophe in Palawan

Sturmkatastrophe in Palawan

 „Am Donnerstagnachmittag, den 16. Dezember, färbte sich der Himmel ungewöhnlich grau. […] Um 11, 12 Uhr hatte der Wind die Stärke eines Taifuns - eines wilden, unberechenbaren, wütenden Tieres erreicht. Der Regen fiel nun horizontal durch alle Lücken und den bösen untergründigen Basston wird wohl niemand mehr vergessen, der ihn über zehn, zwölf Stunden, oft in Todesangst erlebt hat.“ (Walter Hahn, Mitbegründer von Koberwitz 1924) 

Kurz vor Weihnachten zog einer der stärksten Taifune des vergangenen Jahres über die Philippinen. Der Tropensturm „Rai“ führte unter anderem zu schweren Überschwemmungen und löste einen Notstand im Land aus. Mehrere Hundert Menschen verloren ihr Leben. Wichtige Infrastruktur wie die Wasserversorgung, das Telekommunikationsnetzwerk, Stromversorgung und Krankenhäuser wurden stark beschädigt. Die Folgen für die Landwirtschaft sind immens. Während sich viele Menschen dieser Welt auf die erholsamen und friedlichen Weihnachtsfesttage vorbereiteten, verloren viele Bewohner*innen der Philippinen ihr Dach über dem Kopf. Mehrere hunderttausend Menschen waren gezwungen zu fliehen und befinden sich seither in einer äußerst prekären Lage.

Besonders hart traf der Taifun, der unter der einheimischen Bevölkerung auch „Odette“ genannt wird, die Insel Palawan im Westen des Landes. Hier arbeitet die gemeinnützige Organisation Koberwitz 1924 seit 2009 in der Vermittlung der Prinzipien und Techniken des biodynamischen Landbaus. Durch ganzheitliche Erziehungs- und Heilungsansätze sowie Schulungen zur Wahrnehmung menschlicher Sinne, versucht Koberwitz zur gesunden Entwicklung von Mensch und Erde in der Region beizutragen. Als direkte Reaktion auf den Tropensturm initiierte die Organisation nun ein Nothilfeprogramm.

Notfallpädagogik und „Lücken füllen“
Die Organisation setzt im Rahmen des Nothilfeprogramms vor allem auf die sogenannte Notfallpädagogik, die vor allem Kindern und Jugendlichen bei der Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen helfen soll. Hierfür begleiten Künstler*innen und Pädagog*innen das Team - auch Handwerker*innen, Kleinunternehmer*innen und Landwirt*innen sind mit an Bord. Für die notfallpädagogischen Einsätze muss Koberwitz die Kosten für die Mitarbeiter*innen – die ebenfalls Opfer des Sturms geworden sind –, die Transportkosten in die Gemeinden, Zelte, Verpflegung und Material decken. Pro Einsatz werden rund 1.700 Euro benötigt. 

Koberwitz möchte im Zuge der Notfallpädagogik bedarfsgerecht „Lücken“ füllen, dort wo Menschen bei den Hilfsmaßnahmen der Regierung oder anderer Träger übersehen oder zu kurz kamen. Häufig ist es insbesondere die indigene Bevölkerung, die staatliche Maßnahmen nicht erreicht. Im Zuge der notfallpädagogischen Einsätze soll deshalb auch materielle Hilfe geleistet werden - immer dort, wo Bedürftige übersehen wurden und persönliche und vertrauensvolle Kontakte bestehen. Nach derzeitigem Stand werden diese Maßnahmen voraussichtlich den Wiederaufbau von Dächern und ganzen Häusern, Nahrungsmittelspenden sowie den teils dringend benötigten Zugang zu Trinkwasser beinhalten. 

Die Hilfen sollen zudem zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Vermittlung von technischen Fertigkeiten beitragen. So soll beispielsweise der Wiederaufbau von Häusern und Dächern in Zusammenarbeit von Bewohner*innen, Nachbar*innen und Baufachleuten stattfinden. Die Kosten für den Wiederaufbau eines Hauses werden sich voraussichtlich zwischen 500 und 1.000 Euro bewegen, einfache Reparaturen am Haus oder Dach kosten zwischen 100 und 200 Euro.

Zusätzlich ergeben sich aus den notfallpädagogischen Einsätzen immer Möglichkeiten zur Vermittlung von essenziellen und grundlegenden Konzepten der Ernährung, Heilkunde, Pädagogik und Landwirtschaft. Hierdurch sollen auch gesunde Ernährungsweisen unter den Betroffenen gefördert werden. Des Weiteren werden aus den Notfallmaßnahmen wichtige Folgeprojekte entspringen. Da viele der bisherigen Einkommensquellen langfristig zerstört wurden, sollen hierdurch vor allem auch sinnvolle und ökologisch vertretbare Einkommensmöglichkeiten für die Betroffenen entstehen, Doch viele kleinere und mittlere Unternehmen stehen nicht nur wegen des Taifuns und seinen Folgen vor dem Aus, auch die Administration der Regierung übt einen enormen finanziellen und bürokratischen Druck aus –ständig werden die Unternehmen vor kurzfristig neu dazukommende Zahlungen, Verordnungen und daraus resultierenden Strafen gestellt.

Um die bedarfsgerechte Nothilfe am Leben zu halten und die Katastrophenopfer weiterhin angemessen zu unterstützen, benötigt unsere Partnerorganisation finanzielle Unterstützung.

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Bildunterschriften:
1. Zerstörter Friedhof in San Rafal.
2. Grace Zozobrado-Hahn im Gespräch mit Opfern des Taifuns.