Nepal: Drei unter einem Dach

Lokale Märkte aufbauen

Unter der Leitung der sehr erfahrenen Genossenschaft für Kunsthandwerker*innen Association for Craft Producers (ACP) soll für drei soziale Organisationen ein gemeinsamer Verkaufsraum entstehen.

Rund 880 Frauen arbeiten in der Genossenschaft für Kunsthandwerker*innen ACP. Sie weben, filzen, töpfern, schnitzen und stellen kleine Glasornamente her. ACP ist eine Fair-Handelsgenossenschaft und exportiert auch international. Doch der internationale Konkurrenzkampf gerade in den Bereichen Kunsthandwerk und Textilproduktion ist sehr groß. Auch wenn ACP faire Löhne zahlt und gute Arbeitsbedingungen herrschen, müssen sie doch ihre Produkte auf dem ungeregelten Weltmarkt zu schlechten Konditionen anbieten, weil der faire Handel nur einen kleinen Anteil abnimmt. Ähnlich ergeht es der Schalproduktion der Women‘s Foundation und der Schmuckproduktion bei unserem Partner Kevin Rohan Eco Memorial Foundation (KRMEF). In dieser Erfahrung geeint, dass es sehr schwer ist, auf dem internationalen Markt zu bestehen, möchten sie gerne den Absatz auf dem einheimischen Markt als ein zweites Standbein ausbauen.

Dazu eignet sich die Stadt Pokhara. Pokhara ist die zweitgrößte Stadt in Nepal. Sie liegt etwa 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Kathmandu und ist der Ausgangspunkt für den Annapurna Circuit, eine beliebte Trekkingtour im Himalaya. Gleichzeitig ist Pokhara die Stadt der Gurkha-Familien. Gurkhas sind nepalesische Soldaten im Dienst der British Army und der indischen Streitkräfte. Fast jede Familie hat mindestens ein Familienmitglied, das als Soldat dient und damit vergleichsweise viel Geld in die Heimat schickt. So ist Pokhara auch eine vergleichsweise reiche Stadt in Nepal und der Verkauf auch in Zeiten von Reisebeschränkungen möglich.

Östlich der Stadt, umrandet von grünen Hügeln und mit Blick auf den Himalaya, liegt der Phewa-See. Die Promenade mit vielen Restaurants, Boutiquen und Lädchen lädt zum Spazierengehen und zum Bummeln ein. Hier soll nun ein Ausstellungs- und Verkaufsraum entstehen, in dem die drei sozialen Fair-Trade-Unternehmen unter der Leitung von ACP ihre Produkte präsentieren und einen lokalen Vertrieb aufbauen.

Für die Einrichtung des Ladens sind im ersten Jahr Investitionen erforderlich, die die drei Organisationen nicht aus ihrem laufenden Budget heraus finanzieren können. Dazu zählen der Ausbau des Ladenlokals, Miete für ein Jahr, ein Personalkostenzuschuss für die ersten Monate. Ein Teil des notwendigen Betrags möchten wir als ein Darlehen vergeben, das nach Tilgung anderen Projekten in Nepal zur Verfügung steht. Außer diesem Darlehen müssen 27.792 Euro aus Spenden finanziert werden. 970 Familien profitieren von dieser Unternehmung. Pro Familie bedeutet dies eine einmalige Spende von 28,56 Euro, mit der ein lokales Standbein für die Fair-Trade-Organisationen begründet wäre.

Bildunterschriften:
1. Nerisa Shrestha ist die Chefdesignerin bei ACP und wird das Projekt „Aufbau lokaler Märkte“ managen.
2. Der große See bei Pokhara ist neben dem Annapurnamassiv ein Tourismusmagnet. Ein idealer Ort für den Aufbau lokaler Vertriebswege.