Uganda:Berufsausbildung als Startkapital

Vom Hausmädchen zur Selbstständigkeit

In Uganda mangelt es an Ausbildungschancen für die Kinder aus ärmeren Familien, die sich weiterführende Schulen nicht leisten können. YARD (Youth Action for Rural Development), unsere Partnerorganisation aus Ngogwe, bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen Ausbildungen in den Bereichen Catering/Hotelmanagement, Erzieher*in, Elektriker*in, Schneider*in, Maurer sowie Friseur*in an.

Ruth Nakunda verließ nach ihrem Abschluss der siebten Klasse die Schule. Die Familie konnte sich die Schulgebühren für die teuren Secondary Schools nicht leisten. Sie wurde von ihrer Tante als Hausmädchen nach Ngogwe vermittelt. Hier verdiente sie ca. acht Euro im Monat. Von einer Freundin erfuhr Ruth Nakunda vom Trainingscenter St. Luke’s, das von YARD betrieben wird. Durch die Förderung des Ausbildungsprogramms durch die Zukunftsstiftung Entwicklung bekam Ruth ein Stipendium für die Ausbildung zur Friseurin.

„Es war schon immer mein Traum, professionelle Friseurin zu werden“, erzählt sie. „Zu meiner Ausbildung bei YARD gehörte auch ein dreimonatiges Praktikum, was ich in Lugazi absolviert habe. Danach konnte ich direkt meine erste Anstellung in einem Friseursalon finden, bei Maama Brian’s Beauty Salon, wo ich etwa 27 Euro im Monat verdiente.“

Denn YARD hat gute Kontakte zu verschiedenen Unternehmen in der Region und unterstützt die Auszubildenden beim Finden einer Praktikumsstelle und beim Arbeitseinstieg. Von ihrem Gehalt konnte Ruth regelmäßig einen Betrag sparen. Nach ihrer Hochzeit entschloss sie sich, gemeinsam mit ihrem Mann die Investition zu wagen und einen Salon in Kiyunda zu eröffnen. Und es läuft bestens: Monatlich nimmt sie rund 110 Euro ein, von denen sie 27 Euro für Miete und ungefähr 40 Euro für Materialien ausgibt. Der Rest ist ihr Einkommen. Obwohl sie die Schulgebühren ihrer kleinen Schwester und den Unterhalt ihrer Familie mitfinanziert, schafft sie es weiterhin, monatlich zu sparen. So konnte sie kürzlich ein kleines Stück Land kaufen und hat nun begonnen, ein eigenes Haus zu bauen. Schritt für Schritt in Richtung Zukunftssicherung.

Die Ausbildungslehrgänge bei YARD sind von der ugandischen Regierung anerkannt. Die Auszubildenden schließen nach einem, zwei oder drei Jahren auf verschiedenen Professionalitätsstufen mit einem Zeugnis ab.

Von den rund 100 Auszubildenden kann sich nur rund ein Drittel selbst finanzieren. 10.200 Euro kostet die Ausbildung für 60 Jugendliche im Jahr. Dies deckt Unterbringung und Trainingsmaterial mit ab. Pro Lehrling macht das rund 170 Euro im Jahr.

Bildunterschriften:
1. Fortgeschrittene Schülerinnen flechten bereits das Haar von Kundinnen, während
2. Anfängerinnen als Gruppe eine Frisur wagen.
3. Das Einflechten von Haarverlängerung ist eine aufwendige Examensaufgabe. Da lohnt schon mal ein Schläfchen auf Mutters Schoß.