Uganda: Kinder die Impulse geben, oder: was habe ich in meiner Hand?

Die Arbeit mit Kompost, Gemüse, Kalb und Karnickel

2012 veröffentlichte das ugandische Büro für Statistik, dass 64 Prozent der jungen Menschen (18- bis 30-Jährige) besonders von Arbeitslosigkeit betroffen seien. Drei Viertel der rund 42 Millionen Ugander sind jünger als 30 Jahre. Rechnerisch sind demzufolge rund 20 Millionen Menschen arbeitslos. Gleichzeitig wächst die „Bildungsindustrie” im Land mit teuren theoretischen, akademisierten Schul- und Studiengängen. Doch wohin soll die so ausgebildete Jugend im Anschluss, wenn doch der bei weitem größte Wirtschaftszweig des Landes die Landwirtschaft ist?

Nicholas Sempala ist 14 Jahre alt und besucht die sechste Klasse der kleinen Landschule Nambeeta, die etwa 35 Kilometer von der ugandischen Hauptstadt Kampala entfernt liegt. Über rote Pisten und durch Sümpfe gelangt man zur Schule, die zurzeit 146 Kinder von Kleinbäuer/innen und Arbeiter/- innen von Blumenfarmen besuchen.

Keine der Familien hat viel Geld für die Ausbildung ihrer Kinder. Deshalb schlossen sie sich zusammen und organisierten mit viel Eigenleistung und finanziert aus Spenden die Grundschule Nambeeta. Nicholas Sempala war mit unter den ersten Kindern.

Ihm gefiel das Schulfach organischer Landbau und Tierhaltung von Anfang an. Darin unterschied er sich zunächst von einigen seiner Schulkamerad/- innen, denn „go digging“ – also das Umgraben – ist bei ugandischen Eltern eine beliebte Strafe für Kinder.

Mit seiner Klasse bestellte er ein kleines Feld auf der schuleigenen Farm und die Kinder genossen „ihr“ Gemüse beim Mittagstisch in der Schule. Kühe und Schweine zogen auf der Schulfarm ein, Enten, Fische und – zur besonderen Freude der Kinder – auch Karnickel. Gerade den Kleintieren widmeten sich die Kinder besonders gerne, denn traditionell fallen sie in die Haltungskompetenz von Kindern.

Die Kinder, die wollten, konnten Saatgut mit nach Hause nehmen. Wieder war es Nicholas, der als einer der Ersten zu Hause ein Gemüsebeet anlegte. Er hatte Glück: Schon die erste Ernte war ein Erfolg. Er verkaufte dicke Kohlköpfe, Mangold und die beliebte Kohlvariante Sukuma Wiki. Das Geld sparte er. Dann bat er seinen Vater, mit ihm einen Käfig für Karnickel zu bauen. Einige Ernten später zogen drei Karnickel ein. Aus dem Erlös weiteren Gemüses und verkaufter Karnickel wurde ein Kalb angeschafft. Das sorgte für besseren Kompost. Ungefähr an diesem Punkt, so Nicholas, stiegen seine Eltern motiviert in die Verbesserung der kleinen Farm ein. Heute erklärt Nicholas Vater lachend, dass sein Sohn ein Lehrer sei. Eigentlich ist das ein Kulturschock – haben sich Kinder in Uganda doch vor den Eltern nicht eigenmächtig zu äußern, geschweige denn, ihnen etwas zu erklären.

 Nicholas Sempala ist begierig, weiter zu lernen. Er spart seine kleinen Überschüsse für seine Sekundarschulausbildung. Und gleichzeitig fühlt er sich heute schon als landwirtschaftlicher Unternehmer: „Ich weiß, was ich in meiner Hand habe, und ich weiß, worauf ich bauen kann.“

In den nächsten drei Jahren möchten unsere sechs Partnerschulen in Uganda insgesamt rund 2.200 Schulkinder im organischen Landbau ausbilden. Die Schulfarmen sollen mit Bewässerungsanlagen ausgebaut werden. Dazu kommt die Erweiterung der Viehwirtschaft mit Kühen und Kaninchen. Sechs weitere Kuhställe sollen errichtet und 36 Kühe angeschafft werden. 60 Kaninchenställe sollen gebaut und rund 600 Kaninchen angeschafft werden. Die Kinder, die an der Arbeit interessiert sind und über einen längeren Zeitraum auch ihre eigenen Gärten bearbeitet haben, erhalten Saatgut und die Karnickelnachzucht.

Die Spenden werden durch die Förderung der schweizerischen Leopold-Bachmann-Stiftung verdoppelt.

Bildunterschriften:
1. Nicholas Sempala in seinem Gemüsebeet.
2. Der Schulgarten der Nambeeta-Schule.
3. Nicholas Sempala als erfolgreicher Karnickelzüchter mit einigen Tieren.