Uganda: Neues aus dem Green Light Forum

Die Jugend nach vorn!

Die erste Projektphase der Green Light Revolution ist sehr erfolgreich abgeschlossen.
Elf Partnerorganisationen haben 2.663 Kleinbauernfamilien und 2.179 Schulkinder im organischen Landbau ausgebildet. Alle gesetzten Ziele wurden erfüllt oder sogar übertroffen. Nun geht es voller Kraft in die nächste Phase: Besonders Jugendliche und junge Erwachsene stehen im Fokus.

Samuel Kawuka ist mit voller Seele Unternehmer. Der 22-Jährige steht stolz vor seinem winzigen Laden in Mpambire, einer Ansiedlung von einem Dutzend Lädchen und Marktständen, einer Bushaltestelle und einem Motorradtaxi-Stand. Die Kleinbäuer*innen der umliegenden Dörfer und Streusiedlungen verkaufen hier ihre Produkte an Nachbar*innen oder durchreisende Zwischenhändler.

Samuel Kawuka ist einer der wenigen jungen Männer in Uganda, der sich der Landwirtschaft zugewendet hat. Normalerweise sind die Menschen, die in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft arbeiten, weiblich und der Altersdurchschnitt liegt deutlich jenseits der 50 Jahre. Und das, obwohl Uganda mit einem Durchschnittsalter von etwa 16 Jahren ein sehr junges Land ist und die Arbeitslosigkeit unter
den Jugendlichen hoch ist. Proscovia Nankya, Leiterin unserer Partnerorganisation SODI, erklärt den  Grund: „Viele der jungen Leute sind heute qualifiziert, haben Schulabschlüsse oder sogar eine weiterführende Ausbildung. Dann finden sie aber vielfach keine Anstellungen. Die gibt der Arbeitsmarkt momentan einfach nicht her. So kehren sie in ihre Dörfer zurück und verdienen sich mit Jobs oder ungelernter Arbeit etwas. Die Landwirtschaft hingegen interessiert sie wenig. In der Generation ihrer Eltern haben sie erlebt, wie wenig Lohn mit der harten Arbeit des Bauern zu verdienen ist.“

SODI und die Green-Light-Partner wollen dies ändern, denn Ugandas Jugend braucht eine Perspektive. Ein Schlüssel, junge Menschen zur Landwirtschaft zu bringen, ist, sie zunächst in die Weiterverarbeitung von Produkten einzuführen. Wenn die Vermarktung gelingt und sie erkennen, dass mit dieser Arbeit auch Geld zu verdienen ist, wenden sich die Jugendlichen im Anschluss auch der Landarbeit, also der Produktion, zu. Dazu bildet SODI Gruppen, in denen sich junge Menschen zusammenschließen, die in der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten und deren Vermarktung tätig werden wollen. SODI bildet diese Gruppen aus. Aus Projektmitteln erhalten sie ein erstes Equipment und Werkzeuge. Im Anschluss berät und verknüpft SODI die Menschen dann entlang von Wertschöpfungsketten – von der Bäuer*in bis zur Endabnehmer*in.

„Das Potenzial in diesem Bereich ist groß“, so Proscovia Nankya, „viele der landwirtschaftlichen Produkte bieten sich für Wertschöpfungsketten an, zum Beispiel Maniok, der frisch verkauft werden kann. Oder er wird zu Mehl verarbeitet. Auch Brot kann aus Maniokmehl hergestellt werden. Ebenso kann man ihn fermentieren und als Getränk verarbeiten. Die Reste der Produktion werden zu Tierfutter.Genauso ist es bei Mais, Reis, Milch, Gewürzen usw.“ Gleichzeitig sind durch die Weiterverarbeitung bessere Preise zu erzielen.


Samuel Kawuka wiederum lernte, Saft und Wein aus eigenen und zugekauften Früchten zu produzieren. Diese und weitere Erzeugnisse verkauft er gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Bauerngruppe in dem kleinen Laden. Die Gruppe nennt sich die „Imker aus Ndugu“. Wein, Saft und Honig stehen in den Regalen. Weiter hinten lagern die großen Kanister zur Vergärung des Weins. „Ursprünglich haben wir vor allem Honig verkauft“, erzählt Samuel. „Doch 2015 haben wir SODI kennengelernt. Endlich erlernten wir verschiedene Methoden, um unsere Produkte weiterzuverarbeiten.“ Besonders die Wein- und Saftproduktion bot sich für Samuel an, da sie in der Gruppe viele Obstbäume besitzen. Auch wurde er bei der Auswahl der Sorten beraten und bei der Qualitätssicherung unterstützt: „Heute läuft das Geschäft sehr gut. Besonders für den Wein gibt es einen großen Markt. Die Früchte – Ananas, Bananen, Mangos und Hibiskus – kaufe ich von meinen Gruppenmitgliedern. Natürlich sind die Preise für Etiketten und Flaschen sehr hoch. Ich kann auch nicht mit den Preisen der großen Supermärkte mithalten. Trotzdem kommen die Leute lieber zu mir. Als ich den Imkern von Ndugu beigetreten bin, war ich mit Abstand der Jüngste in der Gruppe. Gleichzeitig hatte ich so viele Ideen und konnte die anderen dafür auch begeistern. Wir haben so viele Ressourcen, die wir hier nutzen können, anstatt sie einfach zu Schleuderpreisen zu verkaufen“, erzählt er.

Seine größte Herausforderung sei nun, die notwendige Zertifizierung zu bekommen, um auch an Supermärkte zu liefern: „Das ist sehr schwierig und teuer. Als kleiner Einzelunternehmer habe ich da kaum eine Chance.“ Das nächste Ziel ist deshalb, eine Kooperative aufzubauen und die Produkte gemeinschaftlich zu vermarkten, um so Kosten für Zertifizierungen zu teilen. Teil dieser Kooperativenbildung ist der Aufbau von gemeinsamen Spar- und Leihzirkeln, damit sich die Jungunternehmer*innen Startkapital für ihre Verarbeitungs- oder Vermarktungsinitiativen gemeinsam erarbeiten. Auch dabei werden sie von SODI geschult und begleitet.

Samuel Kawuka wird in der zweiten Projektphase für das Green Light Forum eine wichtige Rolle  spielen: Sein Vorbild soll andere junge Menschen für diese Art der Arbeit begeistern. In der Zeit, in der er nicht mit seinem Unternehmen beschäftigt ist, hat SODI ihn als Gemeindetrainer und Motivator für neue Jugendgruppen engagiert.

Für die Ausbildung der mindestens 625 Jugendlichen sind insgesamt 16.500 Euro notwendig. Für den Auf- bau der Wertschöpfungsketten noch mal 31.875 Euro. Pro Jugendlichem macht das einen Betrag von rund 104 Euro aus. Dank der Bezuschussung des Projektes durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit wirkt jede Spende vierfach.

Bildunterschriften:
1. Samuel Kawuka in seinem kleinen Garten, wo er die von  SODI gelernten Landbautechniken umsetzt
2. Samuel mit einer Kleinbäuerin aus seiner Gruppe im gemeinsam betriebenen Laden