PERU: FELDSCHULEN

Das Beste aus Altem und Neuem

In den nördlichen Hochanden der Region Cajamarca sind die Bergbauerngemeinden mit unkalkulierbaren Regenfällen, Bodenerosion und dem Verlust von Bodenfruchtbarkeit konfrontiert. Ernten werden knapper. Organische Feldschulen begegnen diesen Problemen. 

Die Hochanden sind ein karger, fordernder Lebensraum. Das Klima ist rau, die Vegetation spärlich. Dennoch ringen die Bergbäuer*innen dem Boden seit Jahrhunderten ihre Ernten ab. Und das auf Höhen bis zu 4.000 Metern. Ihre Kulturpflanzen sind an den Boden und das Klima angepasst. Kartoffeln etwa wachsen in Höhenlagen von bis zu 4.700 Metern, auch Quinoa und Knollenfrüchte wie Olluco oder Oca gedeihen hier. In tieferen Lagen werden unter anderem verschiedene Bohnen, Erbsen, Mais, Hafer, Lupinen, Kürbis, etwas grünes Gemüse und Kräuter angebaut, genauso wie Obst- und Avocadobäume.

„Früher wurde in den Dörfern das Wissen von den Eltern an die Kinder weitergegeben“, erklärt Victor Acosta Sanchez, Leiter unserer Partnerorganisation ACICA. „Die Inkas schickten ihre begabteren Söhne zum Yahayhuasi, dem Haus des Wissens. In jedem Dorf gab es einen Yachachiq, einen gebildeten Ältesten, der traditionelles Wissen an die jungen Bauern weitergab. Diese Tradition wurde bis in die 50er Jahre verfolgt. Dann hat sie stetig abgenommen. Immer mehr Menschen sind in die Städte abgewandert.“

Heute verbindet ACICA traditionelles Wissen mit modernen Methoden des organischen Landbaus, um weit abgelegenen, teilweise nur mit Pferd oder Muli zu erreichenden Gemeinden verbesserte Anbautechniken zu vermitteln. Diese Gemeinden haben keinen Zugang zu staatlicher Förderung, das Bildungsniveau ist gering. Zwei Drittel der Bäuer*innen haben nur einen Grundschulabschluss, 18 Prozent können weder lesen noch schreiben.

Der Lehrplan von ACICA ist auf diese Bäuer*innen abgestimmt: Kombiniert wird der Aufbau kleiner Staubecken, um Wasser zu sammeln, mit dem organischen Landbautraining, der Wiederaufforstung und der Verbesserung der Kleintierzucht, insbesondere von Meerschweinchen. Die kleinen Nager sind traditionell eine wertvolle Eiweißquelle. ACICA besorgt die schwierig zu beschaffenden Materialien für die Käfige, bildet die Familien in Zucht und Haltung, Tiergesundheit und Futteranbau aus. Und Meerschweinchen produzieren auch wichtigen Dünger.

Für die Feldschulen für organischen Landbau wählt jede Gemeinde ein Stück Land aus, das für alle erreichbar ist und sich für den Anbau eignet. Rund 20 Personen bilden eine Feldschule. In Gemeinschaftsarbeit (Minka) planen sie die Bodenbestellung. Die Minka ist eine aus dem Inkareich stammende Form kommunaler Gemeinschaftsarbeit. In der Landwirtschaft wird sie vor allem für arbeitsintensive Aufgaben genutzt. Zwar ist die Minka noch bekannt, jedoch wird sie selten praktisch umgesetzt.

In der Feldschule werden viele Themen praktisch unterrichtet: Mindestens drei verschiedene Sorten Feldfrüchte werden für jede Parzelle ausgewählt. Die Bodenqualität wird mit Bodenproben bestimmt und danach Kompostdüngung (auch Wurmkompost) gelehrt, angelegt und eingearbeitet. Die Bäuer*innen vergleichen traditionelle Pflugmethoden und Werkzeuge mit modernen Techniken, wie z.B. dem Handtraktor. Sie lernen das Minimalpflügen, eine Technik, bei der die Bodenoberfläche so wenig wie möglich bearbeitet wird. Durch diese Methode werden der Unterboden bewahrt, Wurmgänge und Humus im Boden gehalten und vor Erosion geschützt. Da nach dieser Bodenbearbeitung mehr Beikräuter wachsen, werden organische Alternativen zur Eindämmung gelehrt und traditionelle und moderne Geräte zum Jäten und zur Bodenbearbeitung verglichen.

Eine weitere Unterrichtseinheit ist der Behandlung von Pflanzenkrankheiten sowie der Herstellung organischer Pflanzenschutzmittel gewidmet. Darauf folgen die Gewinnung und Lagerung von lokalem, organischem Saatgut. Abschließend werden die Ergebnisse der Feldschule durch die Teilnehmer*innen und ACICA ausgewertet und an weitere interessierte Gemeindemitglieder vermittelt.

In fünf Gemeinden hat ACICA diese Feldschulen eingerichtet. Sie zeitigen sehr gute Ergebnisse. Die Ernteerträge steigen. Für die Ausweitung auf zehn Gemeinden fallen für Gemeindetrainer, Material, Saatgut und Transportkosten jährlich rund 33.500 Euro an. Ein Jahr in der Feldschule kostet pro Teilnehmer*in also rund 200 Euro.

Bildunterschriften:
1. Die Parzellen der Bergbauern sind klein, die Arbeit hart. Doch dank der verbesserten Anbaumethoden können größere Ernten erzielt werden.
2. In den Hochanden haben Meerschweinchen eine große Bedeutung für die Ernährung. In den Feldschulen erlernen die Bergbauern ihre verbesserte Haltung.
3. Das Einarbeiten von Kompost verbessert die kargen Böden.