NICARAGUA: Ein Ausweg aus Gewalt und Armut

Brot als Perspektive

Dank einer Ausbildung und dem Aufbau eines Bäckereibetriebs gelingt Frauen, die Opfer familiärer Gewalt wurden, ein neuer Anfang.

Ciudad Sandino ist eine Flüchtlingsstadt, entstanden nach den Überschwemmungen des Managuasees und den Folgen des großen Erdbebens 1972. Aus der Ansammlung von Notunterkünften wuchs allmählich der Ort. Noch weitere Opfer diverser Naturkatastrophen wurden im Laufe der Jahre in Ciudad Sandino angesiedelt. Hier sind Analphabeten-, Arbeitslosigkeits- und Unterernährungsraten höher als im Landesdurchschnitt Nicaraguas. Vor allem Männer reagieren häufig mit hohem Alkoholkonsum und erhöhter Gewaltbereitschaft, auch innerhalb der Familien. Seit Jahren steigt die Zahl der Anzeigen, die bei der Polizei eingehen.

Die Frauen im Zentrum für integrale Bildung Maura Clarke, kurz CECIM, arbeiten ganz praktisch an der Entwicklung neuer Lebens- und Arbeitsperspektiven für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Dazu sollen ab Mitte 2018 jedes Jahr zehn Frauen das Handwerk einer Bäckerin und Konditorin erlernen können. Bislang bot CECIM nur dreimonatige Ausbildungen an. Es wurde jedoch deutlich, dass eine vertiefende Ausbildung notwendig ist und dass die Arbeit in einen ernsthaften Produktionsalltag eingebunden sein sollte. Deshalb möchte CECIM die bisherige Lehrküche zu einem kleinen Produktionsbetrieb umbauen. Gleich nebenan soll ein Café eingerichtet werden, in dem das Gebackene oder auch Pizza genossen werden können. Die Ausbildung soll nun in dieser professionell aufgestellten Bäckerei und Konditorei ein Jahr lang dauern. Gewinne aus dem Betrieb werden für die Ausbildung weiterer Frauen verwendet. Nach ihrer Ausbildung können die Frauen von CECIM einen Kleinkredit erhalten, um sich selbstständig zu machen. Die ersten Vorbereitungen sind bereits angelaufen, um zum Start des Projekts genügend Kund*innen in diversen Schulen und kleineren Verkaufsstellen für das Gebäck zu finden.

Für CECIM bietet die Bäckerei und Konditorei und die damit verbundenen Einkünfte auch die Möglichkeit, zunehmend unabhängiger von internationaler Unterstützung zu werden. Denn eine private gemeinnützige Organisation wie sie erhält keine finanzielle staatliche Unterstützung, obwohl CECIM eng verzahnt mit dem Ministerium für Erziehung, Kultur und Sport arbeitet und alle Kurse von dem staatlichen nicaraguanischen Institut INATEC zertifiziert sind.

Für die Ausbildung von zehn Frauen sind 3.500 Euro notwendig. Für die Ausstattung der Bäckerei und Konditorei sind es insgesamt knapp 19.000 Euro.
Das Projekt wird aus Mitteln der deutschen Bundesregierung bezuschusst. Ihre Spende wirkt dadurch vierfach.

Bildunterschrift: Frau Maria Inés ist eine erfahrene Konditorin und Bäckerin und soll die Ausbildung im neuen Kurs anleiten.