Nepal: Wiederaufbau mit Hindernissen

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal in 2015 begegneten Hilfsorganisationen – also auch die Partner der Zukunftsstiftung Entwicklung – strikten Auflagen, die einen nachhaltigen Wiederaufbau von Wohnhäusern fast unmöglich machten. Die Zukunftsstiftung Entwicklung hat trotzdem – dank großer Spendenbereitschaft – viel für die Menschen erreichen können. 

Die Nothilfemaßnahmen wurden hauptsächlich über die Selbstorganisation und -koordination der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Nepal unter weitgehender Abwesenheit staatlicher Institutionen umgesetzt. In 2016 bildete die nepalesische Regierung eine Nationale Wiederaufbaubehörde (National Reconstruction Authority). Alle Bauvorhaben müssen von dieser Behörde genehmigt werden. Die von der Behörde veröffentlichten Richtlinien sahen vor, dass nur neun genehmigte Hausmodelle dürfen gebaut werden; Nichtregierungsorganisationen dürfen ihre Hilfe nur als Bargeld auszahlen; der Aufbau soll von den Familien selbstständig organisiert werden. Jede Familie darf höchstens 2.000 US-Dollar erhalten. Werden die 2.000 US-Dollar aus Spendenmitteln erbracht, entfällt die staatliche Hilfe.

Gemeinsam mit unseren nepalesischen Partnerorganisationen, allen voran der Women’s Foundation, haben wir uns dafür eingesetzt, dass diese Auflagen geändert werden. Dazu hat die Women´s Foundation im Verbund mit weiteren Organisationen den Leiter der Nationalen Wiederaufbaubehörde mehrfach gesprochen; Termine bei der Bildungsministerin und dem Premierminister erwirkt und ihr Anliegen vorgetragen.

Kleinere Projekte und Gebäude, die keine Wohnhäuser sind, waren von den Beschränkungen glücklicherweise nicht direkt betroffen. Hier konnten unsere Partner in den vergangenen Jahren Folgendes erreichen und an diesen Punkten werden wir weiter ansetzen:

Mit der Association for Craft Producers (ACP) wurden insgesamt drei Produktionszentren für Weberinnen in stark zerstörten Gemeinden aufgebaut. Eins in Thankot, Kathmandu und zwei in Lubhu, Lalitpur. Hier stehen jeweils 8 – 10 Webstühle, an denen die Frauen in sicherer Umgebung Einkommen erwirtschaften können.

Unsere Partnerorganisation SECARD konnte ihre Mitarbeiter im Wiederaufbau ihrer zerstörten Wohnhäuser unterstützen.

Mit KRMEF haben wir den Bau von erdbebensicheren Häusern weiter gefördert. Die Organisation hat mittlerweile viel Expertise im Bau von diesen hellen, leichten, auf einen Bambusrahmen gestützten Häusern und bildet weitere Menschen im Flaschenhausbau aus. Mittlerweile konnten bereits 14 Häuser gebaut werden, weitere werden folgen.

Das Gebäude von PAM, das Heim für Kinder von Strafgefangenen, ist beim Erdbeben beschädigt worden. Hier wurde das Fundament verstärkt und mit einer Rahmung versehen, um es stabil zu halten. Gleichzeitig wurden Risse in den Außenmauern behoben und das gesamte Gebäude konnte neu verputzt und gestrichen werden.

Die Organisation Good Earth Nepal führte, gefördert von dem Stiftungsfonds Agentur für Alternativen, der unter dem Dach der Zukunftsstiftung Entwicklung angesiedelt ist, Trainingsmaßnahmen zum Bau von Sackhäusern aus. Die Wände der so gebauten Häuser bestehen aus Säcken, die versetzt übereinandergelegt werden. Diese Säcke sind gewebt aus Polypropylen, was sie haltbar und trotzdem atmungsaktiv macht. Gefüllt mit Erde und Schotter werden sie die Bausteine für die Häuser. Von außen werden die Säcke mit Lehm verputzt. Diese Technik ist einfach und kostengünstig, außerdem resistent gegen zukünftige Erdbeben. Zusammen mit Good Earth Nepal sind so bereits 30 einzelne Modellhäuser in unterschiedlichen Dörfern entstanden. Hierbei ging es in erster Linie um die Ausbildung in der Technik, damit die Menschen diese selbstständig weiter nutzen können.

Mit Himal Asia konnten wir in Mustang vier Schreiner in traditioneller Bauweise und Schnitzerei ausbilden, um geschädigte Tempelanlagen zu reparieren. Mit ihrer Unterstützung förderten wir den Wiederaufbau des Palastes Dabar des Raja von Lo Manthang, sowie den Winterschutz und Wiederaufbau des Felshöhlentempels Tsuk Braga in Nordmustang.

All diese Bauten sind Einzelprojekte, deren Aufbau quasi unterhalb des Radars der nepalesischen Behören stattfindet oder eben nicht unter die Auflagen für den häuslichen Wiederaufbau fallen. Diese Art der Bauten befördern wir weiter – und freuen uns über Ihre Unterstützung.

Bildunterschriften:
1. Produktionszentrum für ACP Weberinnen
2. Ein Flaschenhaus, von KRMEF
3. Das renovierte PAM-Kinderheim
4. Rohbau eines Earthbag Gebäudes
5. Dacharbeiten am Tempelgebäude von Lo Manthang
6. Ziegel für die Restaurierungsarbeiten
7. Restaurierungsarbeiten Lo Manthang