NEPAL: SAATGUTBANK

Saatgut sichern heißt Zukunft sichern

Ob Reis, Getreide, Mais oder Gemüse – auch in Nepal hat Hybridsaatgut längst Einzug gehalten und viele angepasste, heimische Saaten sind verdrängt worden. Lokale Saatgutbanken sollen den Erhalt traditioneller Sorten sichern.

Nepal ist ein Land der Extreme. Hier bedeutet Landwirtschaft Anpassung an absolut unterschiedliche Klimazonen und Bodenbeschaffenheiten der Regionen. Vom heißen, subtropischen Flachland über die trockenen, gemäßigten Höhen bis zum Hochgebirge – innerhalb weniger Kilometer Luftlinie können sich Anbaubedingungen abrupt und vollständig ändern. Auch kulturell herrscht Vielfalt: Etwa 125 verschiedene Ethnien bevölkern das kleine Land im Himalaya. Alle haben ihre eigenen Traditionen, ihre eigenen Vorlieben für bestimmte Sorten Gemüse oder Getreide für die Zubereitung traditioneller Gerichte. So kommt es, dass sich über die Jahrhunderte eine immense Vielfalt an lokal angepassten Sorten entwickelte – ein ungeheurer Reichtum an Arten und genetischer Vielfalt.

69 Prozent der Nepalesen leben direkt von der Landwirtschaft. Der Großteil des Ackerlandes liegt in den sogenannten mid-hills, auf 1.300 bis 2.500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Es ist hauptsächlich auf Regenwasser basierte, kleinbäuerliche Landwirtschaft. Der Anbau in dieser Region folgt sechs Jahreszeiten, nach denen sich die Anbauphasen richten. Traditionell gaben Bergbauernfamilien das Wissen um Anbautechniken gemeinsam mit dem traditionellen Saatgut von Generation zu Generation weiter.

Dies hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten radikal geändert: Besonders bei Gemüsesorten, bei Reis, Mais und Getreide sind immer mehr traditionelle Sorten von Hybridsaatgut verdrängt worden. Der Anbau in Kombination mit Düngemitteln und Pestiziden/Insektiziden verspricht zunächst höhere Erträge bei weniger Arbeit. Beim Reis sind es fast 100 Sorten, die inzwischen mehr und mehr von nur zwei bis drei hybriden Sorten verdrängt werden. Besonders auf größeren Flächen hat sich das Hybridsaatgut durchgesetzt, aber auch immer mehr Familien kaufen die Saat für ihren Gemüsegarten auf dem Markt. Auch rund 80 Prozent allen Gemüses wird heute mit Hybridsaatgut angebaut.

Gleichzeitig bedeutet der Anbau von Hybridsaatgut, dass die Kleinbäuerinnen Geld in die Hand nehmen müssen, um das Paket aus Saatgut, Düngemitteln und Insektiziden/Pestiziden für jede Aussaat erneut zu erwerben. Scheitert eine Ernte zum Beispiel aufgrund ausfallender Regenfälle, verschulden sich die Bauern. Zudem kann das Hybridsaatgut nicht nachgezüchtet werden. Die Folgegeneration des Saatguts zeigt nicht die Merkmale der Elterngeneration. Gleichzeitig schwindet die Sortenvielfalt. Der Gebrauch von chemischen Pestiziden und Düngemitteln lässt auf Dauer die Bodenfruchtbarkeit sinken. In der Folge sind immer mehr Düngemittel, Insektizide und Pestizide notwendig. 

Mittlerweile ist sich auch die nepalesische Regierung der Problematik bewusst: So wurden nach starken Protesten der Zivilgesellschaft genveränderte Sorten in Nepal verboten, obwohl internationale Konzerne großen Druck ausgeübt hatten. Seit 2009 ist es Gemeinden offiziell erlaubt, ihr lokales Saatgut in Saatgutbanken zu speichern, zu tauschen und Überschüsse zu verkaufen. Doch fehlt es den Gemeinden zumeist an Mitteln und Wissen, um eine solche Saatgutbank einzurichten. Denn das Saatgut muss sachkundig ausgewählt, getrocknet und gelagert werden. Die Techniken des richtigen Anbaus und der Produktion sowie des Einsatzes natürlicher Insektizide und Pestizide müssen vermittelt werden.

Unser Partner SECARD (Gesellschaft für Umweltschutz und landwirtschaftliche Entwicklung) in Nepal möchte Bauerngemeinden beim Aufbau solcher Saatgutbanken unterstützen. Dazu kommt die Schulung der Gemeindemitglieder in der Selektion und Zucht des Saatguts und im ökonomischen Betrieb der Saatgutbanken. Die Betriebskosten werden mit einem kleinen prozentualen Abschlag auf die Verkaufssumme erwirtschaftet. So möchte SECARD 2018 mit vier Gemeinden in Dhading eine gemeinschaftlich geführte Saatgutbank an einem zentralen Ort errichten. Dazu soll ein Gebäude gebaut werden, das aus zwei Räumen besteht: In einem kleinen Büro werden die Bücher über Ein- und Ausgänge geführt, in dem größeren Lagerraum werden Regale mit dem eingelagerten Saatgut stehen. Das Saatgut wird bei Anlieferung registriert, eingelagert und später zwischen den Bäuer*innen der vier Gemeinden eingetauscht bzw. verkauft.

UPDATE: Die geplante Saatgutbank wurde 2018 erfolgreich errichtet. Für die Bergbauern werden weiterhin spenden gesammelt: MARKETING FÜR BERGBAUERN

Bildunterschriften:
1. Traditionelle Saatgutlagerung in Tontöpfen ...
2. oder unter Dachtraufen.
3. Traditionelle Lagerung vonMais. Eine Saatgutbank biete eine verbesserte Lagerung und den Erhalt traditioneller Sorten.