Mongolei: Die Neuen Steppennomaden schützen das Land


Lasst das Gras wachsen

50 Hektar Gemeinschaftsland sollen eingezäunt werden, um Wildgräser wachsen zu lassen und Heu ernten zu können.

Die Mongolei gehört weltweit zu denjenigen Ländern, in denen nomadische Tierhaltung immer noch eine große Rolle spielt. Ungefähr 75 Prozent des gesamten Staatsgebietes werden als Viehweide genutzt. Gleichzeitig sind in den letzten Jahrzehnten die Tierzahlen deutlich gestiegen, und damit hat sich der Beweidungsdruck auf das Land verschärft. Auch haben sich die Tierarten, die vorwiegend gehalten werden, verändert. Während die Zahl an Schafen sogar leicht rückgängig ist, hat sich die Ziegenanzahl deutlich erhöht. Die Haltung von Kaschmir-Ziegen ist aufgrund ihrer Kaschmirwolle in den letzten Jahren zu einer beliebten Einkommensquelle geworden. Aber große Ziegenherden sind im mongolischen Steppengebiet mit sehr kurzer Vegetationsperiode und dünner Humusschicht problematisch. Ziegen rupfen ihr Futter und reißen teilweise Wurzeln mit aus. Eine unbefestigte Humusschicht wird von den scharfen Winden weggetragen. Folgen sind eine abnehmende Vegetationsdecke, das Wachstum zu weniger oder ungenießbarer nachfolgender Pflanzenarten, die Zunahme von Verdunstung, der Verlust von Bodenfeuchtigkeit und eine fortschreitende Wüstenbildung. Deshalb müssen nachhaltigere Beweidungsstrategien und Maßnahmen zum Schutz des Weidelandes eingeführt werden.

Was ein geschütztes Wachstum von Wildgräsern auslöst, haben die Neuen Steppennomaden im Norden der Mongolei in den letzten vier Jahren erleben können. Beim Aufforsten mit Sanddorn (siehe Projektspiegel Nr. 42) schützten sie die kleinen Setzlinge in gut abgeriegelten Schonungen, und das Land wurde regelmäßig bewässert. Beweidet wurde es nur mit wenig Vieh, das streng gehütet wurde, um ein Abfressen der Setzlinge zu verhindern. So konnten sich Wildkräuter und -gräser ansiedeln und in deren Folge kamen Insekten und Vögel. Undrach Lkhagvajav, der Initiator der Neuen Steppennomaden: „Gewöhnliches Gras bewässern und mit Viehmist düngen – die Idee ist in der Mongolei ganz neu. Aber wir haben in unseren Schonungen gesehen, wie verschiedene Gräser wachsen und das Leben zurückkommt.“

Gerade ihr Gebiet entlang des Murun-Flusses ist in den Auebereichen von Überweidung betroffen. Deshalb haben die Neuen Steppennomaden bei den regionalen Behörden den Antrag gestellt, 50 Hektar als Gemeindeland schützen zu dürfen. Diese 50 Hektar sollen eingezäunt und mit einem Riegel an endemischen Bäumen wie auch Sanddorn umgrenzt werden. Die zeitlich unbegrenzte Nutzungsdauer für ihr Gemeindelandprojekt wurde ihnen eingeräumt. Nun möchten sie dafür sorgen, dass Wildgräser wachsen können. Geregelte, seltene Beweidung dient vor allem der Zuführung von Dünger. Dazu müssen sie einen sehr stabilen, langen Zaun bauen. Für die Bewässerung von Bäumen und Gräsern möchten die Neuen Steppennomaden ein Wasserschaufelrad bauen, das vom Murun betrieben wird und Wasser in ein per Hand ausgegrabenes Kanalsystem fließen lässt. Ein Wasserrad hat den Vorteil, natürlich betrieben zu werden und auch mit   sehr unterschiedlichen Wasserständen gut zurechtzukommen.

Für das Wasserrad benötigen die Neuen Steppennomaden ca. 1.000 Euro für Holz und Steine sowie ein Kugellager. Am Fluss haben sie bereits einen Kanal abgegraben, der ca. einen Meter breit, 80 Zentimeter tief und 350 Meter lang ist. Für den Bau des Zauns rund um die 50 Hektar werden insgesamt 10.000 Euro benötigt.

Bildunterschriften:
1. Die Neuen Steppennomaden mit Gemeindevertreter/innen.
2. Sanddornstrauch mit Beeren.