Bildungschancen für Massai Kinder

Schulaufbau in Selenkay

Selenkay liegt im Südwesten Kenias in der Provinz Kajiado. Selenkay beschreibt keinen Ort, sondern ein Gebiet. Es erfreut sich unterschiedlichster Schreibweisen: Selenkei, Selenkai, Selenkay, Selenkey oder Selengei. Hier möchten die Massai eine waldorfinspirierte Volksschule aufbauen, in der auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder geschult werden.

Zum Hintergrund

Von Nairobi kommend fährt man auf der A109 bis Sultan Hamud, um da rechts auf Sandpisten abzubiegen, querfeldein zu fahren und nach ca. 1,5 Stunden anzukommen. Dornige Akazien beherrschen die Landschaft, gelbes, dürres Gras auf roter, staubiger Erde, so weit das Auge reicht. Insgesamt sind es ca. vier bis fünf Stunden Fahrt von Nairobi.

Selenkay ist ein Gebiet, das traditionellerweise Massai gehört. Nach der Unabhängigkeit wurde von der kenianischen Regierung traditioneller Landbesitz in so genannte „group ranches“ überführt. Die Massai von Selenkay verfügen gemeinsam über eine solche group ranch. Ihnen gehören im Gemeinschaftsbesitz 74.000 Hektar Savannenland. Das Land grenzt an den Amboseli National Park, der bis an die Grenze nach Tansania reicht. 5.000 Familien gehören zur group ranch Selenkay. Die durchschnittliche Familien­größe beträgt sieben Personen, d.h., mindestens 35.000 Menschen leben auf und von dem Land. Die Familien betreiben extensive Rinderhaltung und sind immer wieder von zyklisch auftretenden Dür­ren betroffen, zuletzt in 2016/2017.

Die Massai von Selenkay leben halbnomadisch. Das heißt, in ihrem Gebiet sind sie anzutreffen, wenn es ausreichend geregnet hat und genügend Gras für die Tierherden existiert. Sobald Dürren auftreten, was in unterschiedlicher Schwere alle drei bis fünf Jahre passiert, ziehen die Männer mit den Rindern, Ziegen und Schafen auf der Suche nach Gras in den Süden bis nach Tansania oder in den Norden bis über Nairobi hinaus. Häufig sterben auf diesen Märschen zwischen 50% bis 80% der Tiere. Die Frauen, alte Menschen und Kinder verbleiben im Gebiet von Selenkay, zusammen mit ca. fünf bis zehn milchgebenden Kühen oder jungen, schwachen Tieren pro Familie.

Traditionell leben die Massai von Selenkay in Maniatas. Dies sind aus Holz und Kuhdung gefertigte Rundhütten. Die Rundhütten werden von den Frauen gebaut. Um die Rundhütten wird mit Dornengestrüpp ein Kral errichtet, in dem nachts die Tiere versammelt sind.

Familien und Kinder in Selenkay

Im Gebiet der group ranch von Selenkay gibt es rund 2.000 Kinder im Grundschulalter. Es existieren im gesamten Gebiet insgesamt zehn Kindergärten und fünf Grundschulen. Es gibt keine weiterführenden Schulen. Die Kin­dergärten (à zwei Klassen = „babyclass“ und „kindergartenclass“) und Grundschulen (1. bis 7. Klasse) sind zumeist sehr schlecht ausgestattet, Fußwege für die Kinder sind ausgesprochen weit.

Alle Kindergärten sind privat errichtete worden. Drei der Grundschulen werden ebenfalls privat getragen. Träger der Einrichtungen sind entweder Privatpersonen, Kirchen oder Nichtregierungsorganisationen. Wenn ein Kindergarten oder eine Schule staatlich registriert ist, übernimmt der Staat die Löhne der Lehrer*innen. Eine solche Registrierung zu erreichen ist aufwändig und an verschiedene Auflagen bezüglich der Ausstattung etc. gebunden. Der Kindergarten Naretoi („Wir kommen zusammen“) in Selenkay ist im Jahr 2016 offiziell eingeweiht worden.

Das Ziel: Eine florierende Schule inklusive Kindergarten und Schulfarm für Selenkay

Die Zusammenarbeit mit der Zukunftsstiftung Entwicklung während der letzten Jahre hat bewirkt, dass es eine eigene Trägerorganisation vor Ort gibt, die den Kindergarten in Selbstverwaltung betreuen kann und in der Lage ist, Bauvorhaben zu organisieren und umzusetzen.

Die Wasserversorgung ist inzwischen dank eines eigenen Bohrlochs, Pumphauses und Wassertanks gesichert. Ein weiterer großer Wassertank soll noch hinzukommen.

Der Kindergarten und die aufzubauende Schule werden florieren, wenn die Gemeinde diese Einrichtung trägt. Dank des Aufbaus der letzten Jahre hat die Gemeinde den erklärten Willen, einen eigenen Kindergarten und eine eigene Schule tragen zu wollen und sie ist dank der Organisation AMDO und der Leitung durch Leonard Onetu in der Lage, diesen Aufbau anzuleiten und mit dafür Sorge zu tragen, Menschen aus der Gemeinde auszuwählen, die sich für die Lehrer*innentätigkeit und ihre Arbeit als Kindergärtner*in weiterqualifizieren. Diese weitere Ausbildung wird immer dann möglich, wenn Gemeindemitglieder Arbeiten für die Auszubildenden übernehmen. Von daher bedeutet die Auswahl eines Gemeindemitglieds zur Weiterqualifizierung immer auch, dass andere Mehrarbeit leisten müssen.

Finanzierungsbedarf

Bei jedem Aufbauschritt muss die Gemeinde eigene Beiträge leisten. Nur so wird das Projekt letztlich tragfähig. Um den Schulaufbau über die nähsten Jahre zu realisieren, sind noch folgende Schritte nötig:


Fertigstellung Kindergarten
Latrine für die Mädchen (fertig gestellt) 5.538 Euro
Wassertank für Kindergarten (fertig gestellt) 8.721 Euro
Anschlüsse für Roof Water Catchment (fertig gestellt) 3.427 Euro
Schulgarten 5.000 Euro
Ausbildung 3 weiterer Grundschullehrer*innen 4.500 Euro
Umzäunung 2.000 Euro
Porridge-Mahlzeit für die Kinder (finanziert) 2.400 Euro / Jahr
Bereits gesichert / finanziert: 20.086 Euro
12.500 Euro offen
Schulaufbau
Küchengebäude Ca. 20.000 Euro
1. Gebäude Klassenräume (2 in einem Gebäude) Ca. 40.000 Euro
1. Lehrer*innenhaus (1 Gebäude ca. 4 2-Raum Apartments) Ca. 55.000 Euro
2. Gebäude Klassenräume (3 Räume) Ca. 60.000 Euro
2. Lehrer*innenhaus (1 Gebäude ca. 4 2-Raum Apartments) Ca. 60.000 Euro
3. Gebäude Klassenräume (2 Räume) Ca. 40.000 Euro
Lehrer*innenausbildung 3 Lehrer*innen/ 3 Jahre Ca. 13.500 Euro
288.500 Euro

Bildunterschriften:

1. Eine Gruppe Kinder vor einer Rundhütte
2 und 3. Der Kindergarten Ende 2016, nach seiner Fertigstellung