KENIA: Massai-Modellfarmen

Grasbanken

Angepasstes Weidemanagement ermöglicht Massai-Familien, ihre Rinder, Ziegen und Schafe durch zyklisch auftretende Dürren zu bringen.

Das Land der Massai-Gemeinde Shompole im Süden Kenias umfasst 62.686 Hektar, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden. Die Massai von Shompole haben dasselbe Schicksal wie die übrigen Massai der Region: Ihr Überleben hängt fast ausschließlich vom Wohlergehen ihrer Viehherden ab. Früher zogen sie in Dürrezeiten in andere Gebiete Kenias oder nach Tansania hinein. Heute ist das nicht mehr möglich, denn der Druck auf das Land wächst. Dürren treten jedoch alle drei bis fünf Jahre auf. Alleine 2017 starben aufgrund anhaltender Dürre etwa 80 Prozent der Rinder in der Region. Nun suchen die Massai nach Lösungsansätzen.

Eine einfache und wirkungsvolle Methode sind Grasbanken. In mehreren Vollversammlungen entscheiden alle Mitglieder einer Gemeinde, welches Gebiet wann beweidet werden darf. Zudem bestimmen sie ein Gebiet, das nur dann betreten werden darf, wenn es zu Trockenzeiten oder Dürre kommt. Dies ist die sogenannte Grasbank. Dann wird ein Managementkomitee gewählt. Das Managementkomitee der Grasbank hat die Aufgabe, die Weidegründe zu kontrollieren und zu verhindern, dass das Gebiet der Grasbank betreten wird. Falls es doch passiert, spricht es Strafen aus und setzt diese um. Auch die Aussaat von einer Vielzahl unterschiedlicher, besonders trockenresistenter Gräser und die Pflege des Grases obliegen dem Komitee.

Das Gebiet einer Grasbank wird so ausgewählt, dass in der Nähe Wasserstellen liegen, Wege also kurz bleiben. Herr Joel Karori der Shompole-Gemeinde ist Mitglied des Shompole-Grasbank-Managementkomitees. Er erzählt: „Es dauerte etwas, bis wir unsere Weideregeln abgesprochen hatten. Aber früher haben wir so viele Tiere während der Trockenzeiten und vor allem während der Dürren verloren. Seit letztem Jahr haben wir unsere Grasbank. Sie hilft uns in der aktuellen Trockenzeit sehr. Unsere Tiere haben im Verhältnis zu denen benachbarter Gemeinden, die keine Grasbank haben, wenig Gewicht verloren und sie sind gesund. Schwerere und gesunde Tiere bedeuten für uns gleichzeitig mehr Einkommen.“ Die Grasbanken helfen auch Wildtieren, Trockenperioden besser zu überstehen. Es ist in der Massai-Kultur verwurzelt, dass Wildtiere nur gejagt werden, wenn sie die Herden der Massai bedrohen. Für das Shompole-Grasbank-Managementkomitee ist es selbstverständlich, dass Wildtiere freien Zugang zu ihrer Grasbank haben.

Die Gemeinde von Shompole gehört zum Projekt Massai-Modellfarmen, einem groß angelegten Projekt zum Ausbau der organischen Landwirtschaft, zur Verbesserung des Zugangs zu Wasser, zur Viehvermarktung sowie zum Aufbau von Naturschutzgebieten. In diesen Modellfarmen sollen auf rund 50.000 Hektar Grasbanken eingerichtet werden. In guten, also regenreichen Zeiten wird auf den Flächen auch Heu gemacht und eingelagert. Bei Futtermangel werden die Flächen für Vieh, besonders für Milchkühe und Kälber, freigegeben. So wird durch diese Grasbanken nachhaltig die Sterberate der Tiere reduziert.

Für das Saatgut für 50.000 Hektar sind insgesamt 22.722,72 Euro notwendig. Für Schulungen sind es insgesamt 5.335 Euro. Pro Massai-Familie ist dies ein einmaliger Betrag von 5,61 Euro.

Bildunterschrift: Gesunde, kräftige Rinder dank der Grasbank von Shompole.