Indien: Landbauschulen

Wohin? Perspektiven jenseits der Landflucht

Ausbildungsförderung durch Verbindung von Biodynamik, indigenem Wissen und modernen Techniken.

Indiens Bevölkerung wächst. Im Jahr 2018 um über 17 Millionen Menschen. Gleichzeitig wird fruchtbares Land immer weniger. Rund 30 Prozent immer knapperen Ackerlandes sind inzwischen Ödland, und doch hängen 70 Prozent der indischen Bevölkerung von der Landwirtschaft ab. Inspiriert von dem indischen Biodynamiker Jakes Jayakaran erarbeiten zwei Initiativen exemplarische Lösungswege aus dieser Krise.

Die Schule für Biodynamische Landwirtschaft in Tamil Nadu …

20 Jahre lang erforschte Dr. Perumal Pflanzen und Böden mit besonderer Spezialisierung auf Bodenfruchtbarkeit und natürliche Insektizide und Pestizide. Seit gut einem Jahr hat er nun von Jakes Jayakaran die Aufgabe übernommen, sein Wissen jungen Menschen an der Schule für bio-dynamische Landwirtschaft in Vinobajipuram, Tamil Nadu, zu vermitteln. „Wenn wir es nicht schaffen, jungen Menschen zu zeigen, dass sie von dem Ertrag kleiner Landflächen in Würde leben können und dabei die Böden erhalten, haben wir keine Zukunft,“ beschreibt Dr. Perumal die Situation.

… und die Ausbildung bei Timbaktu Collective in Andra Pradesh

Der gleichen Ansicht ist auch Bablu Ganguly von der Organisation Timbaktu Collective in Andra Pradesh: „Mit der Arbeit unserer Organisation und dem Aufbau unserer Kooperative Dharani haben wir gezeigt, dass kleinbäuerliche, organische Landwirtschaft tragfähig ist. Wir wollen dieses Wissen mit der Einführung von biodynamischer Landwirtschaft weiter stärken.“

Dr. Perumal und Bablu Ganguly sind sich ebenso einig, dass der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit wie die Verfügbarkeit von eignem, angepasstem Saatgut einen herausragenden Stellenwert in der Ausbildung einnehmen müssen. Dr. Perumal entwickelte in seiner Zeit als Forscher ein mobiles Labor für Bodentests, das in einen Handkoffer passt und unmittelbar vor Ort den Bauern und Bäuerinnen die Testergebnisse darstellen kann. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel, um bestimmen zu können, was ein Boden benötigt.

Ein anderes Beispiel ist Bablu Gangulys Einsatz für den Erhalt von verschiedenem Hirsesaatgut, sowohl in Bezug auf die Vielfalt der Saaten als auch auf die Menge der Produktion. Seine Initiative Timbaktu Collective konnte in den letzten Jahren den organischen, kleinbäuerlichen Anbau von verschiedenen Hirsesorten auf 344 Tonnen jährlich ausbauen. Dabei bieten diese Sorten den großen Vorteil, dass sie viel trockenresistenter und nahrhafter sind als zum Beispiel Weizen.

Die Schule für Biodynamische Landwirtschaft, die von Dr. Perumal geleitet wird, bietet in einem einjährigen Diplomkurs derzeit Platz für 25 junge Menschen, Timbaktu Collective bietet 20 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz für zwei Jahre. Beide Ausbildungsgänge stehen jungen Frauen und Männern mit einem Volksschulabschluss offen und konzentrieren sich auf die praktische Tätigkeit (60 Prozent), während die Theorie 40 Prozent der Ausbildung ausmacht. So lernen die Auszubildenden unter anderem traditionelle agroökologische sowie biodynamische Techniken, die Herstellung natürlicher Insektizide und Pestizide sowie nachhaltiges Wassermanagement, Saatgutzucht, Tierzucht und -haltung, die Imkerei, regenerative Energiegewinnung und die Kreislaufwirtschaft, aber auch einfache Buchhaltung, Yoga, Eurythmie und allgemeine „life skills“.

Die beiden Landschulen möchten wachsen und stecken sich das Ziel, in den nächsten zehn Jahren mindestens 600 Jugendliche auszubilden. Jakes Jayakaran, der die Gründung beider Landschulen inspirierte, ist sich sicher, dass über diesen Weg eine lebenswerte, bewahrende, biodynamische Landkultur in Indien entstehen kann.

Die Ausbildung an den Landschulen wird durch die Regierungen der indischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Andra Pradesh anerkannt. Allerdings erhalten die Schulen keinerlei staatliche Förderung. Da die Jugendlichen aus mittellosen Familien stammen, ist die Förderung dieser Ausbildungen über Spenden notwendig. Die Ausbildungen kosten pro Monat und Ausbildungsplatz rund 102 Euro.

Bildunterschriften:
1. Die Auszubildenen in Vinobajipuram lernen ein Jahr lang biodynamischen Anbau in Theorie und Praxis.
2. Gemeinsam bestellen die Auszubildenden die Schulfarm