AFGHANISTAN: Einkommensmöglichkeiten dank regenerativer Energien

Einkommensmöglichkeiten dank regenerativer Energien

Unsere lokale Partnerorganisation OSDC baut Energiestationen (Windräder und Solarpanele) in zwei Provinzen Afghanistans auf. Dank erneuerbarer Energien können elektrische Geräte autark und dezentral betrieben werden und schaffen Einkommensmöglichkeiten im kriegsgeschüttelten Land.

Die Mitarbeiter*innen unserer Partnerorganisation OSDC sind lokal verankert; ihre Arbeit ist geschätzt. Das macht es möglich, dass sie auch in dieser sehr schwierigen Situation tätig werden können. In der Region Ghazni ist der Anbau von Obst für viele Familien die einzige Einkommensquelle. Um mit dem Obstanbau zu beginnen oder aber bestehende Obstgärten auszuweiten, müssen zunächst drei bis vier Jahre lang Fruchtbäume bis zur Fruchtreife herangezogen werden. Das beinhaltet, viel Geld vor allem in die Bewässerung zu investieren. So auch im Fall der Familie Ezmarei. Die sechsköpfige Familie hat 130 Obstbäume auf ungefähr 1.000 Quadratmeter gepflanzt, zum größten Teil Pflaumen (109 Bäume), aber auch einige Apfel-, Birnen-, Aprikosen- und Maulbeerbäume. Bislang nutzte Familie Ezmarei für die Bewässerung ihres Gartens einen Dieselgenerator. Während der sechsmonatigen Vegetationsperiode bewässerten sie viermal im Monat ihre Fruchtbäume. Je Bewässerungsgang schluckt der Generator sechs Liter Diesel. Einschließlich der Miet- und Reparaturkosten für den Generator wendet Familie Ezmarei etwa 12.000 Afghani (rund 125 Euro) jährlich für die Bewässerung auf – und das mindestens drei Jahre lang bis zum ersten Ertrag. Aber auch nach den ersten drei Jahren nahm diese Art der Bewässerung rund 63 Prozent der Erlöse des Anbaus in Anspruch. Nicht nur für die Familie Ezmarei sind diese Investitionen nicht tragfähig.

Verdopplung der Anbaufläche und des Einkommens
Nach der Beratung durch unsere Partnerorganisation OSDC und dem Aufbau einer solarbetriebenen Wasserpumpe änderte sich diese Situation grundlegend: Die Solarpumpe kann täglich etwa drei Stunden lang Wasser in ein Reservoir mit einem Fassungsvermögen von ca. 28 Kubikmeter pumpen. Innerhalb von vier bis fünf Tagen wird es so gefüllt und kann anschließend verbraucht werden. Nachdem die Bewässerungskosten nun drastisch gesunken waren, konnte Familie Ezmarei ihre Anbaufläche auf 2.000 Quadratmeter verdoppeln. Zu ihren Obstbäumen kommt nun auch Gemüseanbau hinzu. Das Gemüse, das sie nicht selbst verbraucht, gibt sie an ihre Nachbarn weiter, mit denen auch das Wasser aus dem Reservoir geteilt wird. Die einfache technische Lösung einer Solarpumpe sichert damit Familie Ezmarei ein gutes Einkommen. Neben der Bewässerung nutzt sie die Solarenergie für vier Stunden Beleuchtung ihrer Wohnung am Abend, und zum Wasserkochen für Tee, wofür sie früher teures Gas einsetzte. Aufgrund dieser Erfahrungen, die die Farmilie Ezmarei gemacht hat und mit Nachbarn teilen konnte, sind die Projektmitarbeiter*innen von OSDC sehr geachtet und ihre Arbeit wird nicht behindert.

Wasserpumpen ermöglichen Landbau
Auch Mohammad Naeem profitiert von dem erfolgreichen Einsatz einer solaren Wasserpumpe. Gemeinsam mit seiner zehnköpfigen Familie lebt er in der Provinz Wardak - westlich von Kabul. Bereits vor 15 Jahren ist die Wasserversorgung in seinem Heimatdorf Lore beinahe ausgetrocknet und die wirtschaftliche Situation entsprechend schlecht. Um die Familie über Wasser zu halten, hat er bereits als Schmuggler gearbeitet und wurde auch verhaftet. Um die Einkommenssituation der Familie mithilfe landwirtschaftlicher Aktivitäten zu verbessern, wollte Mohammad Naeem 2019 beginnen, sein rund sieben Hektar großes Grundstück wieder zu bewässern. Mithilfe eines Kredites errichtete er einen 80 Meter tiefen burmesischen Brunnen. Zwei Jahre lag der Brunnen nun brach, da die Kosten für die Installation einer Diesel- oder Solarpumpe nicht aufzubringen waren. Mithilfe von OSDC und nach Besuchen von Mitarbeiter*innen vor Ort, konnte nun auch hier eine Solarwasserpumpe installiert werden, um u.a. das Land von Mohammad Naeem zu bewässern und legale Einkommensquellen zu schaffen.

Seit dem späten Frühjahr 2021 hat Mohammad Naeem bereits ein Staubecken mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Litern Wasser errichtet und auf rund zwei Hektar seines Landes 280 Kilo Kartoffelsamen sowie 70 Kilo Bohnensamen ausgesät. Tomaten, Daikon (Rettich) und Zwiebeln pflanzt er zudem für den Eigenbedarf der Familie an. Seine erste Ernte brachte ihm knapp 3.300 Kilo Kartoffeln und 800 Kilo Bohnen ein. Der Gewinn des Verkaufs sowie die Ernteerträge für den Eigenbedarf können die Familie gut über den Winter bringen. Von der nächsten Ernte erhofft sich Familie Naeem einen noch größeren Gewinn, da die Anbauphase dann hoffentlich ganz ausgeschöpft werden kann.

Die Kosten für eine Bewässerungssystem belaufen sich auf rund 800 Euro und der Aufbau einer solarbetriebenen Wasserpumpe kostet rund 2.700 Euro.

Solarkocher: Kosten sparen, warmes Wasser ermöglichen
Neben der Förderung von Solarpumpen unterstützt OSDC auch die Installation von Solarkochern.  Diese Kocher eignen sich hervorragend zum Erhitzen von Wasser für die Wäsche, für das Duschen oder für Tee.  Die richtige Bedienung muss erlernt werden, da ihre Temperatur nur bedingt regulierbar ist und es in der Handhabung einer Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz bedarf.  Allerdings ermöglichen sie eben den Zugang zu gewärmten Wasser, was bei den eisigen Bedingungen in Afghanistan gerade für die Frauen, die die Wascharbeit leisten, ein Segen ist. Frau Malakay (unten im Bild) hat es als Witwe und alleinerziehende Mutter eines Sohnes mit Beeinträchtigung nicht leicht gehabt und kaum eine Möglichkeit, Einkommen zu generieren. Mithilfe des Solarkochers erhitzt Frau Malakay Wasser und betreibt einen kleinen Waschservice für die Menschen in der Region.

Die Solarkocher ersetzen vielerorts den Betrieb einfacher Feuerstellen - die nicht nur teuer, sondern auch gesundheitsschädlich sind - oder auch den teuren Zukauf von Gas. Die einmaligen Materialkosten für einen Solarkochern belaufen sich auf rund 180 Euro.

Neben den genannten solarbetriebenen Geräten unterstützt unsere Partnerorganisation auch die Anschaffung von solaren Küken-Brutstationen (rd. 435 Euro pro Stück), Butterschlägern, Solartrocknern. Die Anschaffung und Installation der Geräte kommen zwischen drei und zehn Familien zugute, die direkt oder indirekt profitieren.

Die schwierige politische Situation in Afghanistan macht es gerade jetzt dringend notwendig, dezentrale und autarke Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, die den Menschen vor Ort eine Perspektive bieten.