AFGHANISTAN: SOLARES KÜKENBRÜTEN

Frauenrechte durch ökonomische Initiative stärken

Kleintierzucht und -haltung sind die Domäne von afghanischen Frauen. Wenn sie damit Einkommen erwirtschaften, erreichen sie eine gestärkte Mitsprache in der Familie.

Auch die Menschen in Afghanistan essen gerne Eier und Geflügel. Deshalb baute das afghanische Landwirtschaftsministerium erstmals 1963 drei Brutmaschinen und eine große Zuchtanlage in Bagrami, in der Nähe von Kabul, auf. 70.000 Eier pro Woche sollten pro Brutmaschine ausgebrütet werden, d.h. 210.000 Eier ingesamt. Alle Anlagen wurden während der letzten Kriege zerstört.

In einem zweiten Anlauf stellten internationale Organisationen in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium große Brutmaschinen mit Kapazitäten von bis zu 10.000 Eiern auf, um die industrielle Produktion in den Dörfern zu fördern. Als die Anlagen nach dem ersten, voll finanzierten Jahr in die Verantwortung der Bauern übergingen, brach die Massenerzeugung in kurzer Zeit zusammen. Die Gründe dafür sind zahlreich:

•  Für das Management eines solchen vielschrittigen Prozesses waren die Bauern ungenügend ausgebildet.

•  Eier, Futter und Medikamente wie Impfungen etc. mussten importiert werden. Das machte eine wirtschaftlich rentable Produktion schwierig.

•  Aufgrund mangelnder Hygiene und unausreichenden Impfungen traten epidemisch tödliche Krankheiten auf.

•  Die Verheerungen des Krieges zerstörten einige Anlagen.

So ist die Massen-Hühnerzucht gescheitert und der Import herrscht vor. Jährlich werden ca. 30.000 Tonnen Hühnerfleisch sowohl aus den Nachbarländern Afghanistans als auch aus Indien oder den Niederlanden importiert und auf den Bazaren Kabuls und denen der Provinzen verkauft. Aus den Nachbarländern sind es überwiegend Lebendtransporte in engsten Behältnissen, wobei viele Tiere vor Ankunft verenden. Bei Importen aus dem ferneren Ausland gibt es keine sicheren Kühlketten. Selbst in den Verkaufsstellen fehlen Kühlschränke. Die Qualität des verkauften Fleischs ist fragwürdig. Häufig treten Erkrankungswellen durch verdorbenes Fleisch auf. Durch diese Importwirtschaft steigen auch die Preise für Eier. Und es zeigt sich, dass einheimische Hühnerrassen, die an die fordernden klimatischen Lebensbedingungen in Afghanistan bestens angepasst sind, langsam aussterben.

Hühneraufzucht in Frauenhand

Vor diesem Hintergrund hat unser findiger, langjähriger Partner, Herr Dipl. Ing. Achtari, der schon die Solar- und Windenergiestationen, die solarbetriebenen, kraftsparenden Butterschläger und Wasserpumpen entwickelte, mit einfachen, vor Ort erhältlichen Bauteilen einen solaren Kükenbrüter entwickelt. Diese Brutschränke gehen – gegen eine kleine Kostenbeteiligung – an Frauen in zehn Dörfern der Provinzen Gazhni und Wardak.

Die Brutkästen haben eine Kapazität von 48 Eiern. Sie benötigen ca. 20 Watt Strom pro Stunde und arbeiten weitgehend automatisch. Die Brutdauer beträgt 21 Tage. Während eine erste Frauengruppe die Auswahl der Eier und das Ausbrüten der Küken übernimmt, sorgt eine zweite Gruppe von zwanzig geschulten Frauen für die Aufzucht ab der fünften Woche. Für die Kükenaufzucht wird bei dieser Menge kein Industriefutter benötigt. Der eigene Futteranbau der Familien, das freie Laufen im Hof oder auf dem Acker sowie  Nahrungsreste reichen aus. So müssen die Frauen nur die Kosten für die tiermedizinische Versorgung tragen. Auf diese Weise ist der Verkauf von Hühnern, Hähnchen und Eiern wirtschaftlich rentabel. Gleichzeitig wird eine tierfreundliche und ökologische Aufzucht, die einheimische Hühnerrassen erhält, befördert. Alle Erlöse aus der Küken- und Hühneraufzucht verbleiben traditionell bei den Frauen, was ihre Position in den Großfamilien deutlich stärkt.

Notwendige Investitionen und Erlöse

Eine Frau kann mit der solaren Brutmaschine ca. achtmal 48 Küken pro Jahr ausbrüten, was 384 Küken entspricht. Davon ausgehend, dass aus ca. 10 Prozent der Eier keine Küken entschlüpfen, verbleiben ca. 345 Küken. Ein Ei kostet fünf bis sieben Afghan, ein Küken (fünf bis sechs Wochen alt) 100 Afghan, das ausgewachsene Huhn pro Kilo 200 Afghan. Eine Frau, die sich dem Ausbrüten widmet, kann damit jährlich – unter Einbezug der Ausgaben für Medizin – ca. 24.000 Afghan (ca. 350 Euro) erlösen. Eine Frau, die sich der Aufzucht widmet, erwirtschaftet etwa den gleichen Betrag.

10 Prozent müssen bei diesem Projektzyklus aus Spendengeldern erbracht werden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert 90 Prozent. So wird die Wirkung Ihrer Spende verzehnfacht. Die Kosten für eine solare Brutmaschine belaufen sich auf 435 Euro. Jede Brutmaschine kommt jeweils etwa drei Frauen und ihren Familien zugute – einer für das Ausbrüten,mindestens zweien für die Aufzucht. Das macht pro beteiligter Frau einen Anteil von 145 Euro. Wartungs- und Reparaturarbeiten übernehmen die Solartechniker, die von unserer Partnerorganisation OSDC ausgebildet wurden.

Kostenübersicht:

 

80-Watt-Modul 

154 Euro

Batterie 100 Ah    

72 Euro

Ladekontrollgerät

27 Euro

Brutkasten für 48 Eier

182 Euro

Summe

435 Euro

 

•  Zu den Brutkästen für 48 Eier gehört eine 100-Ah-Batterie, ein Laderegler und ein 80-Watt-Solarmodul mit einem Metallgestell.

•  Jeweils zehn Frauen pro Dorf sollen eine solarbetriebene Brutmaschine erhalten.

•  Alle Frauen werden ausgebildet. (Passender Platz, Haltung, Fütterung, Auswahl der Eier, Krankheitsvorbeugung und -bekämpfung)

•  In sechs Monaten, von Mai bis Ende Oktober, können ca. achtmal Küken ausgebrütet werden.

Bildunterschriften:
1. Freies Laufen, eigener Futteranbau und die Fütterung von Naturresten ermöglichen eine rentable und angemessene Haltung. Die Erlöse kommen vor allem den Frauen zugute.
2. Der solare Kükenbrüter ist klein, handlich und leicht zu bedienen.