Afghanistan: Sonne, Wind und Technik entlasten Rücken und Hände

Wind- und Sonnenenergie liefern Strom in abgelegenen Dörfern. Durch den Einsatz angepasster Technologien erwirtschaften Frauen Einkommen.


Dezentrale Solar- und Windenergiestationen bereiten im zerstörten Afghanistan den Weg zur Elektrifizierung. Neue Technologien ermöglichen es, elektrische Geräte zu betreiben. Diese Verbesserung kommt vor allem Frauen in ihren häuslichen Arbeitsgebieten zugute.

Seit zehn Jahren arbeitet der bei Freiburg lebende Diplomingenieur aus Afghanistan Mohammed Sabur Achtari für Solar- und Windenergieanwendungen in seinem Heimatland. In Kombination mit technischen Innovationen schaffen es Herr Achtari und seine Kollegen nicht nur, die Dörfer zu elektrifizieren, sondern auch eine Grundlage für ein eigenständiges Einkommen zu bieten.

 
 
Die wachsende Entwicklung des Projekts

In den letzten Jahren konnten wir dank vieler Spenden in der Provinz Wardak ein Modelldorf namens Bedmoschk aufbauen, das mit Solar- und Windenergie arbeitet. Das Dorf entwickelte große Strahlkraft.
Nun soll diese Erfahrung in vergrößertem Maßstab in den Provinzen Wardak und Ghazni weitergegeben werden. 260 Energiestationen, bestehend aus einer Kombination von Wind- und Sonnenenergieanlagen, sollen in den Provinzen aufgebaut werden.

Ghazni und Wardak sind zwei unwegsame, ländliche Provinzen in Zentral-Afghanistan. Während in Ghazni vorwiegend Hazaras leben (ca. 540.000 Menschen), ist Wardak paschtunisch geprägt (ca. 500.000 Einwohner). Beide Provinzen sind von Konflikten um Land gezeichnet, das - bei weit vorangeschrittener Abholzung - karg und wasserarm ist. Dennoch stellt bis heute die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle dar (ca. 80%). Für den Handel werden vor allem Trockenobst und Milchprodukte hergestellt.
In Bezug auf die Energieversorgung haben die Dorfbewohner in diesen Gebieten teils keinen Zugang zu Strom, teilweise gibt es einen Dorfdieselgenerator. Ganz selten sieht man einzelne Solarmodule, die durch Privatinitiativen eingesetzt werden. Für arme Familien sind sie außerhalb jeder Reichweite. Hier setzt das Projekt an.
Auswahlkriterien für den Aufbau von Energiestationen in 260 „Qalas“, in denen je 20-40 Menschen leben, sind die Bedürftigkeit der Menschen, ihr Wunsch, sich gemeinsam zu engagieren und ihre Bereitschaft einen – wenn auch nur geringfügigen – Geldbetrag selbst einzubringen.
Die Energiestationen mit ihrer Kombination aus Wind- und Sonnenenergie erlauben, neben der sicheren Lichtquelle, den Einsatz strombetriebener Geräte. Herr Achtari erklärt: „Es ist gerade dieses auf den ersten Blick verborgene Potential, das die soziale und ökonomische Stellung der Frau nachhaltig verändern kann.“

Denn die solar- und windkraftgetriebenen Geräte wie Butterschläger und solare Trocknungsanlagen, die ebenso im Rahmen des Projektes zum Einsatz kommen, erleichtern Frauen ihre traditionellen, schweren Arbeiten. Das erspart mühsame Arbeit und ermöglicht ihnen, Butter und die Nebenprodukte, wie Molke und Quark über den Eigenbedarf hinaus auch zum Verkauf zu produzieren.
Wenn Frauen in diesen Bereichen Produkte erzielen, mit denen die Familien handeln können, trägt das nachhaltig zur Verbesserung des Familieneinkommens bei. In Folge dessen verbessert sich nicht nur die ökonomische Position der Frau innerhalb der Familie sondern auch ihre soziale Stellung.

Lokale Wirtschaftskreisläufe stärken

Alle Anlagen und Geräte werden in Afghanistan, vor allem in der Werkstatt des Modelldorfes Bedmoschk, gefertigt. Die neuen Nutzerinnen und Nutzer werden in die Technik und ihre Wartung eingeführt. Gleichzeitig werden Jugendliche als Solar- und Windenergietechniker ausgebildet, die den dauerhaften und störungsfreien Betrieb der Anlagen und Geräte sichern.
So werden Arbeitsplätze geschaffen und die Anwendung erneuerbarer Energien kann mit dem Prinzip „Hilfe zu Selbsthilfe“ eindrucksvolle Strahlkraft entwickeln.

 

Eine Energiestation kostet 1.200 Euro, ein Butterschläger 39 Euro. Die Ausbildung eines Jugendlichen benötigt einen Zuschuss von 1.500 Euro. Hierfür bitten wir um Spenden.

 

Bildunterschriften:
1. Aufbau einer Energiestation
2. Neugierige Kinder wollen wissen, wie Solartechnik funktioniert.
3. Hausarbeit wird leichter dank Solarstrom: Aus Milch wird Butter in sieben Minuten!