UGANDA: GESUNDHEIT IN DER EIGENEN HAND

Gesunde Ernährung und Heilpflanzen als Basis für organische Entwicklung

Zehn Kleinbäuerinnengruppen in Uganda sollen die Chance zur Ausbildung erhalten.

Patrick Ssegujjia (46) ist eine Autorität in seiner Gemeinde. Seit vielen Jahren bildet er Kleinbäuerinnen im organischen Landbau und in Pflanzenkunde aus. Insbesondere vermittelt er Wissen über Heilpflanzen. Das ist auch notwendig, denn die meisten Menschen in seinem Distrikt haben weder für einen Arztbesuch noch für Medikamente Geld.

Anbau
Die Gruppen, die von Patrick Ssegujjia ausgebildet werden, bestehen zumeist aus 20 bis 25 Frauen. Sie lernen unter anderem die Verbesserung der Fruchtbarkeit ihrer Böden durch Kompostieren und Jauchen sowie das Konturieren des Bodens, um Regenwasser zu lenken und Erosion vorzubeugen. Sie erlernen den Anbau in Fruchtfolgen und die Bewahrung ihres Saatguts.

Ernährung
Durch diversifizierten Anbau, die Anlage von Gemüsegärten, das Pflanzen von Obstbäumen und in der Folge ausreichender und gesunder Ernährung
verbessert sich auch die Gesundheitssituation der Frauen und ihrer Familien. Nach und nach wächst das gegenseitige Vertrauen innerhalb der Gruppe und zu Patrick Ssegujjia. Das bildet die Grundlage, um die Gruppentreffen auch für Gespräche zur Gesundheitsvorsorge nutzen zu können.

Gesundheitsvorsorge
Zweimal im Monat treffen sich die Kleinbäuerinnen zu Gesprächen über Hygiene, Familienplanung und Aids-prävention. Auch das verborgene
Wissen über Heilpflanzen wird dort besprochen. Von den Kirchen in Uganda (über 85 Prozent der Einwohner Ugandas gehören unterschiedlichen christlichen Kirchen an, ca. 12 Prozent sind Muslime) wird das Wissen über Heilpflanzen und natürliche Heilmethoden immer noch in die Ecke verfemter Riten gestellt. Diese Riten werden dennoch bis heute okkult gepflegt und sind sehr wirkungsmächtig.
In jedem Dorf gibt es ein oder zwei zumeist alte Menschen, denen okkulte Praktiken nachgesagt werden und die oft mit der Angst der Menschen arbeiten. Gleichzeitig übernehmen die Behörden – in der Regel unkritisch – westliche Schulmedizin inklusive der Medizinimporte. Und das, obwohl in den ländlichen Gebieten kaum entsprechende Apparate und Ausstattungen vorhanden sind. Für jeden Arzt-besuch muss gezahlt werden, ebenso für Medikamente. Selbst für staatlich geförderte Aidsmedikamente müssen die Betroffenen aufgrund von Korruption bezahlen, wenn diese überhaupt erhältlich sind. Das Geld dafür haben die Menschen aus Patrick Ssegujjias Distrikt nicht.

Patrick Ssegujjia hat inzwischen große Erfahrung darin gesammelt, den Menschen die positive Wirkung von Pflanzen näherzubringen. Zum Beispiel die Wirkung der Papayakerne gegen überaus häufig vorkommenden Wurmbefall oder der Artemisia gegen Malaria, die in Uganda so verbreitet ist wie bei uns die Grippe. Jede Familie, so Patrick Ssegujjia, solle einen Busch Artemisia am Haus haben – und somit ein wichtiges Medikament daheim. Eine Schülerin des 46-Jährigen vermittelt ihr Wissen inzwischen sogar eigenständig weiter. Frau Proscovia Nabodde lernte seit Anfang 2004 drei Jahre lang bei Patrick Ssegujjia. Die Folgejahre nutzte sie, um sich systematisch weiteres Wissen anzueignen, das traditionell mündlich weitergegeben wird. Heute ist ihr Garten eine Heilkräuteroase, und sie hat einen kleinen Laden eröffnet, in dem sie neben Schulmaterialien auch getrocknete Pflanzen anbietet. Lachend erklärt sie, dass die Schulmaterialien ihren Kundinnen und Kunden die Schwellenangst nähmen und den Boden böten, um sich den ernsten Themen der Krankheiten zu widmen. Langsam breitet sich das Wissen aus, und die Menschen nehmen ihre Geschicke in die eigenen Hände.

Für ein Schulungsjahr in organischem Landbau und Heilpflanzenkunde werden 8.750 Euro benötigt. Pro beteiligter Frau macht das ca. 43 Euro.

Bildunterschriften:
1. Patrick Ssegujjia (mitte) bei einer Schulung zum Kompostaufbau.
2.  Proscovia Nabodde in ihrem eigenen Laden.