UGANDA: NEUES VOM GREEN LIGHT FORUM

Fische aufs Land

Wie Energie, Begeisterung, Ressourcen und angewandtes Wissen zu der Verbesserung von Lebensperspektiven führen.

Der Wagen rumpelt über eine rote, staubige, schmale Piste. Dann geht es nicht mehr weiter. Wir steigen aus und laufen auf Trampelpfaden durch Mais- und Hirsefelder an Bananenstauden vorbei. Der Schweiß klebt auf dem Rücken, ich erfreue mich an meiner Wasserflasche. Nach ca. zehn Minuten Fußmarsch kommen wir an ein kleines Haus, gebaut aus Ständerwerk mit Lehmausfächerung. Sechs Kinder sitzen um das Haus und hinter ihnen giggeln aufgeregt mindestens sechs weitere. Es ist das Haus von Emanuel Kasumba. Milly Nakiwunga, Leiterin unserer Partnerorganisation Association for Countrywide Afforestation, ACA, hatte begeistert geschildert, wie sehr sie den Einsatz von Emanuel Kasumba bewundert und an wie viele weitere Bäuer*innen er bereits sein Wissen über organische Anbaumethoden weitergegeben hätte. Sie wollte, dass ich (A. Massmann) ihn kennenlerne.

Ein Mann, gestützt auf zwei Krücken mit streichholzdürren, steifen Beinchen, Folge einer schweren Polioerkrankung, kommt auf mich zu. Es ist Emanuel Kasumba, alleinerziehender Vater von sechs Kindern.

Herr Kasumba besitzt zwei acre Land, dem er gemeinsam mit seiner Frau die Lebensmittel für seine Familie abrang. Vor drei Jahren verließ ihn seine Frau. Er blieb mit den sechs Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren rat- und mutlos zurück. Wenige Monate später hörte er von ACA, die mit weiteren fünf organischen Landbauorganisationen im Green Light Forum Uganda zusammengeschlossen sind und in einhundert Dörfern Kleinbäuer*innen ausbilden. Er sah seine Chance und machte sich auf den Weg, um an den Schulungen teilnehmen zu können. Milly Nakiwunga, bei der Herr Kasumba dann vorsprach, sagt, sie sei erst sehr skeptisch gewesen, denn sein kleiner Hof sei so weit von jeder Straße entfernt; auch habe sie geglaubt, dass er mit seiner Behinderung ohnehin nicht durchhalten würde. Um ihm dennoch eine Chance zu geben, habe sie ihn gebeten, zunächst an zwei Schulungen in einem ca. zehn Kilometer entfernt liegenden Dorf teilzunehmen. Emanuel Kasumba tat, wie ihm geheißen und warb zusätzlich noch acht weitere Bauern an.

Anderthalb Jahre ist es nun her und bei unserem Besuch können wir die Früchte dieser Arbeit bestaunen. Herr Kasumba hat sehr schön bestellte, große Gemüsebeete mit Kohl, Chili, Mangold, Möhren, gut aufgebaute Komposte, eine kleine Bananenplantage, baut Mais und Hirse an, hat eine Baumschule mit verschiedensten Arten und zwanzig Bienenvölker. Dank der Projektförderung konnte er gemeinsam mit den Nachbarn einen Brunnen bauen, aus dem er mit einem Eimer über einen Seilzug Wasser für den Anbau und den eigenen Bedarf fördert. Das Herzstück seiner kleinen Farm ist allerdings ein ca. vier mal drei Meter großes und ca. 2,5 Meter tiefes Becken, das mit schwerer Plastikfolie ausgelegt ist: sein Fischteich. Tilapia-fische hält er hier. Fische sind in Uganda sehr begehrt und der Preis für Fisch steigt rasant, da der Victoriasee, aus dem früher die Märkte in Uganda beliefert wurden, absolut überfischt ist. Rund sieben bis zehn Monate füttert er die Fische mit Resten von seiner Farm, dann kann er „ernten“. Mit einem ausgewachsenen Fisch erzielt er zwischen drei und fünf Euro. Mit einer durchschnittlichen Fischernte erwirtschaftet er das Schulgeld für seine sechs Kinder.

Dank der Ausbildung im organischen Landbau, der geregelten Wasserversorgung sowie der Einkünfte, die er aus dem Honig- und dem Fischverkauf erzielt, kann Emanuel Kasumba seine Kinder versorgen und zur Schule schicken. Tief beeindruckt von der Leistung dieses Mannes verabschieden wir uns.

Unsere fünf Partnerorganisationen, zusammengeschlossen im Green Light Forum Uganda, bilden zurzeit 2.664 Bauern und Bäuerinnen unter anderem in organischem Landbau, angepasster Tierhaltung, Wassermanagement und dem Aufbau von Baumschulen zur Wiederaufforstung aus. Um ein Fischbecken anzulegen, werden insgesamt 285 Euro benötigt.

Bildunterschriften:
1. Ein solcher Fischteich sichert das Schulgeld für die sechs Kinder von Herrn Kasumba.
2. Herr Kasumba mit dreien seiner Kinder.