Uganda: Der Segen der Bienen

Der Segen der Bienen für die Kleinbäuer*innen im Norden Ugandas

Dank der Bienen und blühender Landschaften erzielen Kleinbäuer*innen ein Einkommen.

Einige Kilometer außerhalb des Provinzstädtchens Hoima im Norden Ugandas lebt Herr Ghandi in einem roten Ziegelsteinhaus mit ebensolchem Wellblechdach. Vor dem Haus steht ein Mammutbaum, der vor vielen Jahrzehnten von Herrn Ghandi selbst gepflanzt wurde. Herr Ghandi genießt einiges Ansehen in der Gemeinde, war er doch der Direktor einer Bankniederlassung in Hoima.Noch heute reist er im Bankenauftrag durch das Land, um jungen Auszubildenden den Weg zu weisen. Herrn Ghandis Leidenschaft galt und gilt jedoch den Bienen.

Es begann vor einigen Jahren, als Herr Ghandi von der Initiative des jungen Mathematiklehrers Matta Ally der Golden Treasure School aus Hoima hörte, der nicht nur Schüler*innen im Einmaleins unterweisen wollte, sondern das Lehrprogramm auf die Eltern und den organischen Landbau ausdehnte. Darin fand er seine Berufung. Mit Matta Allys Hilfe kam Herr Ghandi in Kontakt zu anderen Imkern, besorgte sich einen ersten Bienenstock und seine Imkerausrüstung. Auf das erste Volk folgten weitere und inzwischen leben auf dem Grundstück von Herrn Ghandi etwa zwanzig Völker. Da er selbst zu alt ist, um sein Land zu bestellen, und auch seine Familie dies nicht übernehmen kann, hat er einige Hektar an Matta Ally und seine Kleinbäuer*innengruppe abgetreten. Als Gegenleistung pflanzen sie nicht nur Reis und Mais, sondern blühende Hecken und Bäume als Nahrungsquelle und Schattenplätze für die Bienen.

Beim Spaziergang mit Herrn Ghandi zu den Bienenfeldern schaut man weit über das wunderschöne hügelige Land, während seine sanfte, ruhige aber bestimmte Stimme räsoniert: „Wissen Sie, wir haben im Grunde fast alles, was wir hier benötigen. Es fehlt nur ein wenig an Bildung und an gezielten Investitionen. Wenn das zusammenkommt, erblüht dieses Land.“

Inzwischen gibt Herr Ghandi sein Wissen an viele Kleinbäuer*innen der Region weiter. Sein Land ist zu einem Modellprojekt für Bienenhaltung geworden. Besonders stolz ist er darauf, dass seine Bienen in diesem Landstrich keine Probleme mit Milben kennen, die in anderen Ländern so viele Sorgen bereiten. Dass seine Bienenvölker als wild und aggressiver gelten als andere, quittiert er mit einem Lächeln. „Ich schaue zum Sonnenuntergang nach ihnen – wenn es ruhiger wird. Sie kennen und respektieren mich. Ich gebe ihnen einen Lebensraum und sie erhalten den unsrigen.“

Honig ist ein begehrtes und teures Produkt in diesen Breiten. Ein Liter erzielt 5,43 Euro. Für die Kleinbäuer*innen ist er eine wunderbare zusätzliche Einkommensquelle.

Herr Ghandi lehrt die Bienenhaltung im Kontext des Programms Green Light Revolution in Uganda, das derzeit 2.500 Kleinbäuer*innen und 2.200 Schüler*innen erreicht. Schulungen im organischen Landbau werden in diesem Projekt unter anderem mit gezielten Investitionen in Wassersammlung, Bewässerung, Tierzucht und -haltung sowie Wiederaufforstung kombiniert. Das Gesamtvorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ wie auch aus privaten Stiftungen bezuschusst.

Für eine Imkerausrüstung sind in diesem Kontext 67 Euro notwendig; ein verbesserter Bienenstock kostet 48 Euro. Herr Ghandi träumt von einer professionellen Honigschleuder. Die ist mit ca. 6.700 Euro allerdings besonders kostspielig.

Bildunterschriften:
1. Herr Ghandi (li) verschenkt Honig an Herrn Ssegujja, Leiter einer Partnerorganisation des Projektes Green Light Revolution.
2. Herr Ghandi erläutert den Nutzen eines Imkeranzugs.