KENIA: THARAKA-NHITI – SORGE UM TROCKENRESISTENTES SAATGUT

Organischer Anbau – ein guter Ansatz macht Schule

Von Zentralkenia breitet sich die Schulung von Kleinbäuer*innen weiter in den Norden aus.

Im nördlichen Distrikt Tharaka-Nhiti flimmert die Luft über den Staubpisten bei 36 Grad im Schatten. Derzeit sind es noch moderate Temperaturen in diesem ariden bis semiariden Gebiet von 2.609 Quadratkilometern, in dem 365.000 Menschen leben. Der Sommer verspricht dieses Jahr heißer zu werden. Tharaka verfügt über sechs saisonale Flüsse, die zeitweise zur Bewässerung der Felder genutzt werden können, allerdings sind sie höchstens während eines halben Jahres verfügbar. 

In Tharaka-Nithi bauen die Menschen zumeist kleinräumig Hirse, Sorghum, Speckbohnen, grüne Bohnen, Süßkartoffeln, Cassava und Dolichos (Bohnen aus der Familie der Fabacae) an. Sie halten Ziegen, Zebu-Kühe, Hühner, lokale schwarze Esel und Bienen. So auch auch Chabari Zaverio (Mitte 40), ein Landwirt mit acht Hektar Land, das er allerdings wegen des Wassermangels nie komplett bebauen konnte. 

2008 lernte Chabari Zaverio die Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP kennen, mit der wir seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeiten. Als Mitglied einer Bauerngruppe absolvierte er die Schulungen in organischem Landbau, Wassermanagement, Viehzucht und -haltung und war begeistert. Rasant schnell versuchte er, alles Erlernte in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig bemerkte er während der Schulungen, dass es ihm leichtfiel, Erlerntes weiteren Bäuer*innen zu vermitteln. 

Chabari Zaverio fand Gefallen daran, zu lernen und Wissen weiterzugeben. Er nahm einen Kredit auf, um Zertifikatskurse im organischen Landbau und anschließend ein Studium zu absolvieren. Nach einer Lernphase bei einer anderen Organisation traf er 2015 auf SAPAD, Strategies for Agro-Pastoralists Development, eine winzige bäuerliche Selbsthilfeorganisation, die sich 2012 mit dem Ziel registriert hatte, Viehhirten und Bauern im Norden Kenias, in Tharaka-Nithi und Südmeru, zu unterstützen. Als erster ausgebildeter organischer Landwirt und zertifizierter Berater nahm er die Arbeit auf. 

Grundlage seiner Schulungen ist das Trainingsprogramm, das er bei SACDEP erlernte, besonders abgestimmt auf die harten Bedingungen seiner Heimat. Es geht Chabari Zaverio um die nachhaltige Nutzung lokal verfügbarer Ressourcen, in diesem zumeist steinigen, sandigen, trockenen Gebiet. Heute ist er ein Spezialist für die Züchtung trocken-resistenten Saatguts, für organischen Landbau und Viehhaltung unter extrem trockenen Bedingungen. Er und seine Mitstreiter*innen bei SAPAD wollen Bauern und Viehhirten in Nordtharaka und Südmeru im organischen Landbau, der Viehhaltung und – vor allem – dem Erhalt lokalen, trockenresistenten Saatguts ausbilden. 

Vor dem Hintergrund Regenwasser-basierter Landwirtschaft und langer, unberechenbarer Trockenzeiten hat gerade die Verfügung über eigenes Saatgut, das an die klimatischen Verhältnisse angepasst ist, besondere Bedeutung. Dies geht einher mit der Bewahrung der Biodiversität und der Aufforstung angepasster Bäume wie zum Beispiel dem Baobab.

Inzwischen arbeiten bei SAPAD noch zwei weitere Agronomen und halbtags eine Buchhalterin. Sie verfügen über ein kleines Büro in Tharaka und erreichen derzeit 429 Bäuer*innen, davon 80 Prozent Frauen, mit ihren Schulungen. 

Die Schulungen finden als wöchentliche „on farm trainings“ bei den Bäuer*innen statt, die sich in Gruppen organisieren. Dazu kommen Austauschtreffen auf unterschiedlichen Farmen und ein jährlicher „Farmers‘ Congress“ mit der Prämierung der erfolgreichsten Bäuer*in, der besten Feldfrüchte oder eigener Züchtungen. 

Auf diese Weise macht ein sehr guter Projektansatz, den SACDEP seit über 23 Jahren in Kenia aufgebaut hat, Schule.

Für die Arbeit von SAPAD sind pro Jahr rund 11.000 Euro notwendig. Pro beteiligter Bäuer*in sind dies rund 26 Euro.

Bildunterschrift: Lernen durch Austausch und Anschauung: Diese RIDEP-Gruppe besucht Modellbäuer*innen, um mehr über den organischen Gemüseanbau zu erfahren.