Wasserreservoirs

Wasser für die Bergbauern in Pencapampa

Was mit einem Lehrer und 16 Einwohner*innen begann, veränderte die ganze Gemeinde Pencapampa.

Ein von Mauern umfriedetes Lehmhaus, gelb getüncht, steht auf einer kahlen, gleißenden Ebene auf etwa 3.000 Metern Höhe im Norden von Peru, in der Region Cajamarca. Pencapampa heißt der Ort mit aktuell 149 Einwohner*innen. Fast die gleiche Anzahl an Menschen sind in den letzten Jahren weggezogen, da sie ihr Dasein hier nicht mehr fristen konnten. Auf die Frage, wo sie hingegangen seien, kommt die immer gleiche Antwort: Lima. Sie vergrößern die Slums rund um die Hauptstadt.

Im Innenhof des Hauses, im Schatten der Mauern unter dürren Zweigen eines kleinen Zitronenbaums haben sich 16 Menschen versammelt. Sie sind einer Einladung des Lehrers der kleinen Grundschule, Flavio Centeno, gefolgt, der die Mitarbeiter*innen unserer Partnerorganisation ACICA eingeladen hat, um über organischen Landbau und eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Die Idee ist, sich über die Probleme der Gemeinde auszutauschen und zu sehen, was sie mit ihren eigenen Mitteln und einem kleinen Anschub verbessern können. Die Stimmung ist gedämpft, das Misstrauen groß.

Es sind nur wenige gekommen, denn die meisten Anwesenden gehen davon aus, dass das Treffen mit den anstehenden Wahlen in Verbindung stehen könnte. Immer, wenn es Wahlen gibt, kommen Politiker und versprechen das Blaue vom Himmel. Und danach – nichts. Und heute sind sogar Ausländer*innen dabei. Auch wenn der Lehrer eigentlich einen guten Ruf hat – wer weiß, ob er nicht dieses Mal gekauft ist?

Das Gespräch kommt sehr langsam in Gang. Der Lehrer, Flavio Centeno, kennt Victor Acosta, Leiter unserer Partnerorganisation ACICA, noch aus Schultagen. Er hat deren Arbeit in anderen Gemeinden angesehen. Er berichtet, dass er zwei Gemeinden, in denen ACICA tätig war, besuchte. Sie hätten nun ertragreiche Felder, auch viele Meerschweinchen (die hier als Delikatesse gelten) und sonst kaum in der Höhe überlebten. Auch hätten sie Wassertanks, sogar ein Wasserreservoir. Je länger er spricht, desto wacher werden die Versammelten. Ganz können sie es noch nicht glauben.

Victor Acosta erklärt nun, dass ACICA die Unterstützung nicht einfach verteile. Die Bewohner*innen müssten sich organisieren, sich regelmäßig an den vierzehntäglich stattfindenden organischen Feldschulungen beteiligen und bei allen möglichen Investitionen selbst etwas beitragen. Gerne könnten zwei Mitglieder einer Familie an den Schulungen teilnehmen, falls mal jemand ausfalle. Gemurmel ertönt, den Menschen ist das Prinzip noch nicht deutlich.

Victor Acosta beschreibt das Prinzip am Beispiel des Baus eines Wasserreservoirs. Dazu müsse an einem strategisch günstigen Ort, möglichst an eine kleine Quelle angeschlossen, die höher liegt als das zu bestellende Feld, ein rund 15 Kubikmeter großes Loch gegraben werden. Dieses werde mit einer Plane, die auch im Bergbau verwendet wird, ausgekleidet. Die Nähte der Plane würden verschweißt und einige verschließbare Ablaufrohre eingelassen. Wenn das Reservoir gefüllt sei, was je nach Wassermenge der Quelle schon mal bis zu acht Tage dauern würde, könnte mit diesem Wasser gut ein 2.000 Quadratmeter großes Feld bewässert werden. In jedem Fall sei das Graben durch die Familien selbst zu leisten. Sinnvollerweise geschähe es in Mingas, traditionellen Gemeinschaftsarbeiten. Die Menschen hören nun mit größerem Interesse zu – doch ganz glauben sie ihr Glück noch nicht.

Jetzt möchten sie wissen, was die Fremden dazu bewogen hat herzukommen. Victor Acosta erklärt, dass sie als ACICA schon lange mit der Zukunftsstiftung Entwicklung zusammenarbeiteten und Vertreter*innen der Stiftung regelmäßig zu Besuch kämen, um die Arbeit der Partner vor Ort kennenzulernen. Ganz überzeugt sind die Versammelten nicht, aber ihr Interesse liegt auch mehr bei der Möglichkeit, Wasserreservoirs zu bauen.

Schließlich verabredet sich Victor Acosta mit der Gruppe für die folgende Woche. Sie wollen das Gelände abschreiten und sehen, wo und wie viele Reservoirs gebaut werden könnten.

Diese erste Versammlung ist inzwischen elf Monate her. Seitdem haben die Menschen von Pencapampa 14 Wasserreservoirs dank der Förderung bauen können. Alle Familien, die an der ersten Versammlung teilgenommen haben, organisierten sich und gruben reihum gemeinsam. Heute sind ihre Felder dank der Schulungen und des Wassers gut bestellt. Eine so ertragreiche Ernte hatten sie noch nie.

Der Lehrer Flavio Centeno, Initiator in Pencapampa, schreibt voller Begeisterung, dass ihr Leben sich absolut geändert habe. Auch Nachbar*innen, die aufgrund von schlechten Erfahrungen und Misstrauen Abstand nahmen, sind nun motiviert und möchten ebenfalls gerne Wasserreservoirs bauen und organische Feldschulen besuchen.

 

 

15 weitere Reservoirs sollen entstehen. Ein Reservoir kostet rund 560 Euro. Davon profitieren eine Familie mit durchschnittlich sieben Personen und ihr Vieh. Pro Person sind dementsprechend 80 Euro notwendig.

Bildunterschriften:

1. Skeptische Teilnehmer der ersten Dorfversammlung
2. Auch die Tiere Pencapampas profitieren vom Wasser.
3. Bis zu 15 Kubikmeter Erde weden in Gemeindearbeit ausgehoben.
4. In Mingas-Gemeinschaftsarbeit werden die Planen verschweißt.
5. Voller Stolz präsentiert diese Frau ihr fertiggestelltes Wasserreservoir.
6. Mitarbeiter von ACICA und Gemeindemitglieder weisen voller Stolz auf das gefüllte Reservoir.