KENIA: WASSER IST LEBEN

Grubenwasser lässt Bäume und Gemüse sprießen

Kleine Investitionen, einfache Techniken sowie die Vermittlung von Fachwissen sichern Ernährung und Einkommen – und lassen Bäume wachsen.

Chege Johnson: „Ich war einer von den mehr als 30.000 Menschen, die aus dem Mount-Kenya-Wald vertrieben wurden. Wir ließen uns an einer Überlandstraße nieder und bauten Hütten für unsere Familien. 2010 wurden wir dann von der Regierung nach Solio umgesiedelt. Am Anfang war alles ein Problem: Wir hatten kein Feuerholz. Wasser war knapp. Weder für uns noch für unsere Tiere gab es genug Nahrung. Krankheiten grassierten.“

Die Umgesiedelten bekamen von der Regierung einen halben Acre Land (ca. 2.000 Quadratmeter) für den Bau ihres Hauses und vier Acres Land für den Anbau von Lebensmitteln zugewiesen. Menschen aus denselben Herkunftsorten siedelten sich jeweils gemeinsam an. Die Regierung versprach Bohrlöcher für die Wasserversorgung sowie Elektrizität, Schulen und Gesundheitsversorgung. Aber die Neuankömmlinge waren weitgehend auf sich selbst gestellt. „Nachdem ich hier ankam“, so Herr Johnson, „musste ich etwas tun, um meine Versorgungslage zu verbessern. Sonst hätte ich woanders hingehen müssen. Die größten Probleme waren fehlendes Wasser und Lebensmittel, denn Solio ist ein Savannengebiet mit sehr wenigen Bäumen.“

Bauen statt Warten

Schließlich ließ die Regierung ein Bohrloch für die Wasserversorgung bohren. Aber für mehr als 600 Haushalte war das zu wenig. Es gab täglich lange Schlangen beim Wasserholen, und viel Zeit wurde mit Warten verbracht. Chege Johnson erzählt: „Ich dachte mir, dass ich mit genug Wasser einiges anbauen könnte, um mich zu ernähren und auch auf meinem Land Bäume wachsen zu lassen. Ich habe immer überlegt, was ich tun könnte, um Wasser zu speichern. Wenn ich Wasser speichern könnte, so dachte ich, würde ich nur dann zum Bohrloch gehen, wenn wenig Andrang herrscht. Aber es reichte nicht, meine drei 20-Liter-Plastikcontainer zu befüllen. Das war nicht genug für mich und die Pflanzen.“

Eines Tages, als Chege Johnson in der Schlange zum Bohrloch stand, traf er Andrew Munguti, einen Agronomen und Ausbilder unserer Partnerorganisation SACDEP. Chege Johnson ergriff die Chance und lud ihn zu seiner Hofstelle ein. Chege Johnson: „Andrew Munguti hat mich durch alle Ausbildungsschritte zu organischem Landbau, Wassermanagement, Tierzucht und -haltung von SACDEP und ihrer Philosophie geführt. Wir bildeten eine Gruppe von Bäuerinnen und Bauern, und jeden Dienstag kam er vorbei und unterrichtete uns. Ich habe viel von Herrn Munguti gelernt. So auch, wie ich eine einfache und kostengünstige Zisterne baue.“ 

Wasser für eine Woche

Der Boden in dem Gebiet ist sehr sandig. Deshalb hub Chege Johnson eine Grube aus, die etwa 4.000 Liter Wasser fasst und legte sie mit Plastikfolie aus, sodass das Wasser nicht versickern konnte. Da die Sonne in Solio immer stark scheint und das Wasser schnell verdunstet, bedeckte er die Grube mit einem Holzdeckel, den er mit Gras isolierte. Dieser einfache Mechanismus sichert, dass Chege Johnson einen Gemüsegarten anlegen und seine vier Acres Land bearbeiten kann. Eine Grubenfüllung reicht für ca. eine Woche Bewässerung. Durch die Bewässerung und den verbesserten Anbau konnte er nach und nach auch weitere Tiere anschaffen, erst einen Esel, dann ein Kalb. Der Esel hilft beim Wasserholen und bald, so hofft er, wird er auch Milch haben. Den Dung seines Kalbes nutzt er für Kompost.

Chege Johnson war so erfolgreich, dass sein Ausbilder von SACDEP ihn fragte, ob er nicht als Assistent in der Ausbildung seines Dorfes arbeiten wolle. Herr Johnson war begeistert. In den letzten zwei Jahren gab er sein Wissen an seine Nachbarn weiter und ist in Solio inzwischen ein anerkannter Modellfarmer.

Er legte eine Baumschule an. SACDEP-Ausbilder lehrten Herrn Johnson und seinen Nachbarn, gemeinsam ihr Gemüse und Baumsetzlinge zu vermarkten. Chege Johnson: „Heute verdiene ich in der Woche rund 4.000 Kenia-Schilling und kann meine kleine Familie unterhalten. Meine zwei Kinder gehen zur weiterführenden Schule und mein ganzes Land ist inzwischen bewachsen. Ich habe auch viele Bäume. Der Hof meines Nachbarn sieht inzwischen auch besser aus, denn er hat Baumsetzlinge von mir gekauft.“

Herr Johnson ist stolz darauf, nun als Modellfarmer und Ausbilder für die Gemeinde zu arbeiten: „Ich verändere Leben und ich bin verantwortlich dafür, dass meine Mitmenschen organischen und nachhaltigen Anbau betreiben können, mehr Lebensmittel ernten und damit auch mehr Einkommen erzielen.“ In Solio gibt es inzwischen 20 Ausbildungsassistenten und Modellfarmer. Alle, so Herr Johnson, seien hoch motiviert, ihr Wissen weiterzugeben. So verbreitet sich der organische Landbau in der Savanne Solios.

Derzeit bildet SACDEP insgesamt 4.725 Bauern, Bäuerinnen und Viehhirten in organischem Landbau, Viehzucht und -haltung aus und lehrt einfache Techniken wie den Zisternenbau. An Ausbildungskosten sind pro Jahr und Bäuerin bzw. Bauer 10,80 Euro notwendig. Eine Plastikfolie für eine ca. 4.000 Liter Wasser fassende Grube kostet rund 80 Euro. Ihre Spende wirkt dank der Bezuschussung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zehnfach.

Bildunterschriften:
1. Einfache Wasserspeicherung ermöglicht Einkommen: Chege Johnson (links) beim Kohlverkauf.
2. Die Grube wird mit Teichfolie ausgekleidet, der Deckel mit Gras gegen die Verdunstung isoliert. So kann genug Wasser für die Gemüsebewässerung und die Tiere gespeichert werden.
3. Dank des Gemüseanbaus erwirtschaftete Herr Johnson genug Geld, um ein Kalb anzuschaffen – eine Grundlage für verbesserte Ernährung.