Traditionelles Saatgut

Kleinbäuerinnen lernen lokales Saatgut zu bewahren

In Tharaka, einer überaus trockenen Region im Nordosten Kenias, liegt die Heimat des Affenbrotbaums, des Baobab. Die Trockenzeit überlebt der Baum, weil er all seine Blätter abwirft und erst kurz vor der Regenzeit neu sprießen lässt. Weil er so den sehnlich erwarteten Regen voraussagt, gilt er als heilig, ja, weise. Es wird gesagt, dass unter seinem schattigen Dach auch weise Entscheidungen getroffen werden.

Heute versammeln sich die Frauen der Karimi-Selbsthilfegruppe unter der Krone des weisen Baobabs. Seit drei Jahren schult der Berater Michael Mwapea von unserer Partnerorganisation SACDEP die Frauen auf ihren eigenen Feldern. Alle bewegt die Sorge, ob die nächste Regenzeit pünktlich einsetzen und genug Niederschläge bringen wird, denn die Regenfälle sind unregelmäßig geworden und fallen hier im trockenen Tharaka immer geringer aus. Doch im Mittelpunkt steht heute der Bericht von Teresa Djagi, die sich, begleitet von ihrem Berater Michael Mwapea, überzeugen ließ, mit unterschiedlichem Saatgut zu experimentieren.

Das erfolgte ganz praktisch so: Frau Djagi bewirtschaftet drei kleine Felder. Auf einem Feld baute sie Mais, so genanntes verbessertes Hybridsaatgut, an. Das verkaufen hier in Kenia internationale Firmen, u.a. Bayer und Syngenta, aber nur im Paket mit Düngemitteln und Pestiziden. Alle Firmen versprechen hohe Ernteerträge. Auf ihrem zweiten Feld säte Frau Djagi das lokal verfügbare unbehandelte Maissaatgut ein, versetzt mit Bohnen, die die Maisstängel als Rankhilfe nutzen. Auf dem Dritten Feld schließlich brachte sie Millet und Soghum, zwei schon lange bekannte Hirsesorten, aus und setzte zusätzlich Bohnen.

Sollte nicht auf allen drei Feldern das Saatgut angehen, würde sie wohl doch genug Getreide und Hülsenfrüchte für ihre achtköpfige Familie ernten können. Zum Experiment gehörte die Vereinbarung, dass Frau Djagi auf jegliche künstliche Bewässerung verzichten würde und ihre Saaten nur mit den Regenfällen zurechtkommen müssten. Es begannen aufregende Wochen, ja, Monate. Und aufregend erweist sich auch das Ergebnis ihres Experimentes:

  1. Die lokale, unbehandelte Maissorte brachte ein Viertel mehr Ertrag als der Hybridmais.
  2. Als besonders ertragreich stellte sich die Sorghumsorte heraus, da die Pflanzen nach der Ernte neu austrieben und die Rispen dreimal im Jahr abgeerntet werden konnten.
  3. Auch die Milletsorte brachte einen überzeugenden Ertrag trotz geringer Niederschläge.
  4. Sowohl Millet als auch Soghum können als Saatgut für die nächste Aussaat genutzt werden, während das Hybridmaispaket erneut zugekauft und bar bezahlt werden müsste.


Frau Djagis Bericht, aber auch die Besuche auf ihren Feldern, überzeugen die Frauen der Karimi-Selbsthilfegruppe, dass sie sehr wohl mit dem Anbau traditionellen, trockenresistenten Saatguts Ernährungssicherheit für ihre Gemeinschaft in Tharaka erreichen können. Sie beschließen, ihr Wissen über Anbau und Lagerung dieser einheimischen Sorten zu vertiefen und einen gemeinsamen Saatgutspeicher zu bauen. Eine weise Entscheidung unter dem Baobab.

Der Bau eines Gruppensaatgutspeichers kostet 173,- Euro. Das Training einer Selbsthilfegruppe kostet 702,- Euro pro Jahr.

 

 

Bildunterschriften:
1. Die Frauen backen auch Kuchen aus ihrem traditionellen Saatgut.
2. Ein Korb voller Millet.