Tauchbad für Rindergesundheit

Krankheiten bei Massai-Rindern werden durch einfache Tauchbecken eingedämmt

Im Süden Kenias, an der Grenze zu Tansania, leben viele Massai. Früher war das gesamte Land der Tiefebene in Kenia Massai-Land, doch die nomadisierenden Massai werden immer weiter zurückgedrängt. Der Süden ist sehr trocken, das Wasser knapp. Die Lebensgrundlage der Massai sind ihre Kühe. In ihrer Gunst und ihrem Selbstverständnis weit abgeschlagen folgen Ziegen und Esel. Ein Massai-Sprichwort sagt, dass alle Rinder der Welt den Massai gehören. Deshalb könne ein Massai eine Kuh auch nicht stehlen, er bringe die Kuh nur nach Hause. Mit diesem Sprichwort konfrontiert, lacht der Massai-Chief der Wasserstelle mit dem Namen Olkiloriti und nickt: Das sei wahr – so wahr…

Lebenselexier Wasser

Das Wasser in Olkiloriti kommt aus 50 Metern Tiefe, wird mit einem Dieselmotor in einen großen Betontank gepumpt. Aus dem Umkreis von 50 km laufen die Hirten mit ihren Tieren zur Wasserstelle. Wenn sie bis zu 25 - 30 km entfernt leben, kommen sie täglich, sonst jeden zweiten Tag.

In einigem Abstand zur Wasserstelle stehen ab dem frühen Morgen die verschiedenen Herden und warten, bis sie an der Reihe sind. Es gibt kein Gedränge. Die Rinder, Ziegen und Esel ruhen geduldig bei ihren Hirten. Über 1700 Rinder, 3200 Ziegen und ca. 2000 Esel hängen von dieser Wasserstelle ab – genauso wie 3.000 Menschen. Täglich werden 60.000 Liter Wasser gefördert.

Olkiloriti ist zwar der zentrale, Leben spendende Treffpunkt - aber auch ein Ort, an dem Zecken und andere, Krankheiten übertragende Parasiten praktisch auf die Herden warten und von einem Tier zum anderen wandern. Zecken sind die Hauptüberträger verschiedener Rinderkrankheiten. Gerade in Zeiten großer Trockenheit, wenn das Gras saftlos ist und die Rinder ausgezehrt, führen die von Zecken übertragenen Krankheiten oft zum Tod.

Bislang haben die Massai per Sprühflasche versucht, der Zeckenplage zu begegnen. Aber diese Sprühflaschentechnik ist unzureichend, denn Zecken verstecken sich gerne in Hautfalten und Ohren, die schlecht erreichbar sind. Schließlich fand Ngugi Mutura, Leiter der kenianischen Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP, eine Lösung des Problems: ein Tauchbecken für Rinder.

Einmal pro Woche ein Bad

Die Tauchbecken sind ca. 1,20 Meter breit und haben an der Einstiegsseite eine Tiefe von 1,80 Meter. Von diesem tiefsten Punkt steigt der Boden bis auf 20cm Tiefe an, so dass das Tier beim Reinspringen in das Tauchbecken untertaucht, kurz strampelt und dann wieder den Boden erreicht, um aus dem Becken zu rennen. Untertauchen, Schwimmen und Strampeln gewährleisten, dass alle Körperpartien mit der für Zecken und Parasiten tödlichen Lösung in Kontakt kommen. Anfänglich schrecken die Tiere vor dem ungewohnten Tauchbad zurück. Doch schon bald, so versichert der lokale Massai-Chief, nähmen sie das Bad gerne in Kauf, weil sie die befreiende Wirkung spürten. Einmal in der Woche werden die Rinder und auch die Ziegen gebadet.

Pro Rind zahlen in Olkiloriti die Hirten zwei – pro Ziege einen Kenianischen Shilling. Mit diesen Einnahmen werden das Desinfektionsmittel gekauft und gleichzeitig die Mitarbeiter eines Labors bezahlt, die einmal im Monat aus der nächstgelegenen Stadt kommen, um die Konzentration des Lösungsmittels zu überprüfen.

Die Massai von Olkiloriti haben eine Kooperative gebildet, die das Tauchbecken betreibt. Von den Mitarbeiterinnen der Kleinbäuerinnenorganisation wurden sie geschult, wie sie die Lösung ansetzen und erneuern. Sie erlernten die einfache und transparente Buchführung über die Zahlungen der Hirten und die Ausgaben für den Unterhalt des Beckens.

Über die nächsten fünf Jahre möchte SACDEP in drei großen Massai Gebieten insgesamt fünf weitere Rindertauchbecken aufbauen, die von den jeweiligen Gemeinden in Eigenregie verwaltet werden. Dazu sind 22.727 Euro an Materialkosten notwendig – pro Becken sind dies rund 4.545 Euro.

Weitere Informationen über das Massai-Projekt finden Sie hier.

 

Bildunterschriften:
1. Die zentrale Wasserstelle.
2. Ein Rind im Tauchbecken.
3. Die gebadeten Rinder warten während die Zecken abfallen.