KENIA: FOOD BANK – EIN INSTRUMENT ZUR STÄRKUNG DER ARBEIT MIT AIDSWAISEN

Die Naturalienbank für die Gemeinschaft

Eine Bank für Saatgut und Getreide, die sichere Lagerung, Tausch und Verkauf unter einem Dach bietet und zur Gemeinschaftsbildung anregt.

Gatanga heißt die kleine Provinzhauptstadt des gleichnamigen Distrikts in Zentralkenia. Hier arbeitet unsere Partnerorganisation Youth Action for Rural Development, YARD. 4.000 Aidswaisen begleitet YARD gemeinschaftlich mit Frauen, die sich zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben. Eine Frau sorgt in der Regel für vier Kinder; einzelne Frauen auch für bis zu zehn, zwölf Kinder. Um ihre Familien und ihre Zöglinge versorgen zu können, werden die Frauen im organischen Landbau ausgebildet, halten Kleintiere wie Hasen und Hühner, züchten Ziegen oder produzieren Saft und Marmelade für den Verkauf.
YARD hat nun ein weiteres Hilfsinstrument aufgebaut: die Food Bank Gatunyu. Sie ist Lager, Warentauschbörse und Verkaufsstelle von Saatgut, Getreide und Futtermitteln in einem. Kleinbäuerinnen können hier ihr Saatgut und Getreide sicher und trocken lagern. Eine Möglichkeit, über die sie ansonsten nicht verfügen.

Die Kleinbäuerinnen können das Gelagerte dann zu dem Zeitpunkt abholen, wenn sie es benötigen. Dazu führen sie ein „Sparbuch“, in dem Datum, Menge und Marktwert des von ihnen gebrachten Getreides oder Saatgutes eingetragen werden; Gleiches wird im Buch der Food Bank vermerkt. Die Rückgabe des Getreides und Saatguts erfolgt zu dem jeweils marktüblichen Umtauschkurs am Tag der Abholung. Auch können die Kleinbäuerinnen ihre Saat, zum Beispiel Bohnen, gegen etwas eintauschen, was in ihrer Region nicht wächst, wie Reis. Dies trägt – ohne Geld zu benötigen – dazu bei, die Ernährung zu verbessern. Die Kleinbäuerinnen können dort außerdem Saatgut und Getreide kaufen.
Aus dem Differenzbetrag zwischen Marktwert am Tag der Einlagerung und Marktwert am Tag der Abholung sowie den Einnahmen, die durch den Verkauf von Mehlen erzielt werden, erwirtschaftet YARD die Miete für den Raum und den Lohn für Anne Wanjiru, die in der Food Bank arbeitet.

Viele Saaten der Region werden in der Food Bank gelagert. Damit wertet sie gleichzeitig lokales Saatgut samenfester Sorten auf und trägt dazu bei, dass diese erhalten werden.
Über ein Bezahlsystem namens „mpesa“, das über Handys funktioniert, wird der Verdienst der Food Bank auf ein handygestütztes YARD-Konto, gebucht. Mit diesem Bezahlsystem kann auch an anderen Orten eingekauft oder bezahlt werden. Eine Handy-Kurznachricht mit Betrag und Zugangscodes reicht aus.

Durch ihre Erträgnisse unterhält sich die Food Bank – weitere Food Banks in anderen Gemeinden sollen folgen. Als Startkapital für eine Food Bank sind einmalig etwa 1.500 Euro an Miete, Ausstattung und Personalkosten für das Startjahr notwendig. Für die Betreuung der Aidswaisen werden pro Kind und Jahr 60 Euro benötigt.

 

Bildunterschriften:
1. Die neue Food Bank für Getreide, Saatgut und Futtermittel macht mit Fassadenwerbung auf sich aufmerksam.
2. Food Bank in Gatanga: Anne Wanjiru ist die erste Foodbankerin. Weitere Food Bank-Gründungen sollen folgen.