Peru: Hände, die erzählen

Stummen Menschen eine Stimme geben

Dank der gezielten individuellen und dank Gruppenförderung
können gehörlose Kinder aus mittellosen Familien Kindergärten und Schulen besuchen.

Pedro Lora steht vor einer Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern. Sie quetschen sich auf niedrigen Bänken, die normalerweise von Grundschülern besetzt werden. Pedro Loras Hände wirbeln durch die Luft. Ein Tanz der Zeichen, die er geduldig immer wieder wiederholt. In dieser Schule in Cajamarca, im Norden Perus, steht Unterricht in Gebärdensprache für Lehrerinnen und Lehrer auf dem Programm, die in ihren Schulklassen auch gehörlose Kinder unterrichten.

Auch in Peru ist die Inklusionspolitik an Schulen eingeführt worden. Allerdings ohne jede didaktische oder materielle Unterstützung für Schulen und Lehrer.
Dabei sind die Klassen an staatlichen Schulen mit 40 bis 50 Kindern ohnehin sehr groß, die Ausstattung spärlich und die Lehrer mit dieser Situation überfordert. Doch diese Lehrerinnen und Lehrer sind hoch motiviert und wollen sich der Herausforderung, Kinder mit diesen Behinderungen zu unterrichten, stellen.

Inklusion dank individuellen Einsatzes
Die Möglichkeit, die Gebärdensprache zu erlernen, haben sie dank des engagierten Ehepaars Luz Marina und Pim Heijsters. Die beiden betreiben eine Eisdiele, in der acht gehörlose Menschen arbeiten. Während der Zusammenarbeit, die zunächst mit einer Mitarbeiterin begonnen hatte, lernten die beiden die Schwierigkeiten kennen, denen sich Gehörlose stellen müssen – besonders wenn sie aus armen Familien stammen. Das war der Beginn eines umfassenden Engagements.
Luz Marina begründet ihr Engagement auch mit ihrem eigenen Erleben von Ausgeschlossensein aufgrund ihrer Herkunft. Sie stammt aus der einzigen schwarzen Familie Cajamarcas. In der konservativen, überwiegend spanischstämmigen Gemeinde sei sie aufgrund dieser Herkunft von vielen Familien gemieden worden. Das habe sie für die Chancenlosigkeit tauber oder stummer Menschen in der Region sensibilisiert. Gemeinsam mit ihrem Mann, Pim Heijster, einem ehemaligen Entwicklungshelfer, will sie den Kindern gute Einstiegschancen in die Schullaufbahn sichern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden.

Unterricht in Gebärdensprache
Dazu haben die beiden einen Verein gegründet, organisieren Unterricht in Gebärdensprache  für Schulkinder, Jugendliche sowie für Lehrerinnen und Lehrer und sammeln Geld, um in Einzelfällen Kindern gezielte medizinische Behandlung zu ermöglichen.

Eines der Kinder, die von der Hilfe profitieren, ist Jefferson. Er ist fünf Jahre alt, gehörlos und ein wenig unbeholfen. Seine Eltern sind ebenfalls gehörlos. Schon unmittelbar nach seiner Geburt wurde seine Behinderung erkannt. Während er sich in den ersten Lebensjahren gerne der Anleitung durch seine Eltern entzog, bekommt er nun Einzelunterricht und nimmt an Schulungen in seinem Kindergarten mit der gesamten Gruppe teil. Ein Motivationsschub war für ihn, dass die gesamte Kindergartengruppe einen Ausflug zur beliebten Eisdiele des Ehepaars Marina/Heijster machen durfte und jedes Kind ein großes Eis geschenkt bekam. Diese Schleckerei habe auch die Haltung der übrigen Kinder der Gruppe zu Jefferson verändert. Plötzlich konnte er als behindertes Kind den anderen etwas bieten, denn Luz und Pim seien seine Freunde, strahlt er, während seine Hände erzählen.

Jeffersons Eltern können die Mittel für eine Unterrichtsstunde pro Woche aufbringen. Die zweite Gruppenstunde muss aus Spendenmitteln finanziert werden. Neben Jefferson gibt es noch 14 weitere Kinder unter sieben Jahren, die einer Förderung bedürfen. Eine Einzelunterrichtsstunde kostet 12 Euro. Gleichzeitig soll der Gruppenunterricht 2014 auf 21 Schulklassen ausgeweitet werden. Dafür werden insgesamt 10.168 Euro benötigt. Pro Schulklasse und Jahr sind dies ca. 484 Euro.

Bildunterschriften:
1. Pedro Lora beim Unterricht in einem Kindergarten
2. Unterricht in einer Schulklasse. Kinder mit und ohne Behinderung werden in der Gebärdensprache geschult
3. Eisglück - Jefferson beim Kindergartenausflug inmitten seiner Freunde