MANITA UND INDRA RÄUMEN MEDAILLEN AB

Goldmedaillen lassen Kastengrenzen schwinden

Wenn in Nepal für Kinder von Strafgefangenen keine Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden, werden sie üblicherweise mit ihren Eltern eingesperrt. Unser Kooperationspartner, die Prisoners Assistance Mission (PAM), ermöglicht Kindern, in einem kleinen Heim in Nepals Hauptstadt Kathmandu ein familiäres Zuhause zu finden.

Manita und Indra leben seit vielen Jahren im Heim. Dr. Kaji Shrestha, der Leiter unserer Partnerorganisation PAM, holte sie aus dem Gefängnis. Manita und Indra werden derzeit mit 28 anderen Kindern von einem Hauselternpaar in einem großen Haus in Kathmandu betreut. Dr. Shrestha will den Kindern ein Zuhause geben und ihnen Grundlagen vermitteln, um in einer durch das Kastensystem geprägten Gesellschaft einen eigenständigen Weg gehen zu können.

Das Haus ist in einen Jungen- und einen Mädchenflügel unterteilt. Die älteren Kinder haben Zweibettzimmer, die jüngeren große Vierbettzimmer. Es gibt eine Bibliothek, die auch als Hausaufgabenraum genutzt wird, ein beliebtes Fernsehzimmer, einen Gemüsegarten, einigen Platz zum Spielen und eine eigene Pilzzucht, denn Pilze werden gerne gegessen.

Sieben der Älteren leben bereits seit mehr als zehn Jahren in dem Heim, auch wenn Herr Dr. Shrestha darum bemüht ist, Kinder und Eltern nach einer Haftentlassung wieder zusammenzuführen. Doch die Eltern haben es nach einer langen Haft oft schwer, wieder eine bezahlte Arbeit zu finden und einen geordneten Haushalt aufzubauen. Weil das Kindeswohl vorgehe, so Dr. Shrestha, blieben die Kinder oft lange Zeit im Heim.

Vor ungefähr acht Jahren wuchs der Anteil der pubertierenden Kinder im Haus. Konflikte unter Mädchen und Jungen verschärften sich. Aber auch soziale Probleme in der Schule nahmen zu. Die Tatsache, die Kinder von Strafgefangenen zu sein, führt zu Stigmatisierung und Ausgrenzung. Dr. Shrestha versuchte zunächst, den Kindern durch Gespräche und die Vermittlung kreativer Ausdrucksmöglichkeiten wie Malen und Tanzen neue Räume zu eröffnen, um mit den Konflikten umzugehen. Aber es half wenig. 

Eines Tages sprach er mit seinem Bekannten Suray Narayan über diese Probleme. Der war aus dem Exil in der Schweiz zurückgekehrt. Er hatte als persönlicher Leibwächter des nepalesischen Königs gearbeitet, der bei einem Attentat umgekommen war. Auf der Suche nach neuen Betätigungsmöglichkeiten bot er an, den Kindern Judo beizubringen. Diese Sportart habe den Vorteil, dass Kinder sich austoben könnten und dennoch Selbstdisziplin erlernten. Außerdem lernten sie so, sich zu wehren, ohne anzugreifen und ihr eigenes Körperempfinden würde sich auch verbessern, so Suray Narayan. Er schlug vor, zweimal die Woche interessierte Kinder zu trainieren. Dr. Shrestha willigte ein.

Alle Kinder zeigten Interesse. Schnell gingen sie dazu über, viermal in der Woche zu trainieren. 2017 gewannen die Kinder bei den 7. Judo-Länderspielen insgesamt fünf Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Manita und Indra, zwei besonders erfolgreiche PAM-Kids, wurden außerdem für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nominiert und trainieren dafür seit Kurzem in Ungarn und Japan. Die PAM-Kids haben seit 2009 mittlerweile an mehr als 23 nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen.

Judo hilft Kastengrenzen zu überwinden und eröffnet den Kindern Perspektiven. So sind heute alle PAM-Kids in ihrer Schule und NAchbarschaft hoch geachtet.

Für das Judotraining werden pro Jahr 2.320 Euro für Unterricht und Ausstattung benötigt. Für den Heimunterhalt werden pro Jahr 17.800 Euro benötigt, das mach Kind und Monat 90 Euro.

Bildunterschriften:
1. Manita und Indra bei den Südasiatischen Judo-Meisterschaften im Medaillenglück.
2. Das Kinderheim im Außenbezirk von Kathmandu.
3. Beim Judotraining.