INDIEN: FÖRDERUNG VON SCHUTZ-, SPIEL- UND LERNRÄUMEN

Schulbildung statt Waschen

Vom arbeitenden Kind zum Schüler an einer weiterführenden Schule – engagierte Sozialarbeiter und gute Förderung machen es möglich.

Kurumapatti ist ein südindisches Dorf mit rund 300 Familien. Hier leben sogenannte Dhobi – Waschfrauen und -männer, die für die Bäuerinnen und Bauern aus der Umgebung die Kleidung waschen. Prabu Poongavanam stammt aus einer Dhobi-Familie mit fünf Kindern. Seine Eltern besitzen eine kleine Hütte. Als Familie von Wäschern war es sehr früh Prabus Aufgabe, bei den Bauernhäusern Wäsche einzusammeln und diese mit seiner Familie zu waschen.

Wenn sie die Wäsche zurückbringen, erhält Prabus Familie Nahrungsmittel wie etwas Reis oder Linsen. Nur zur Erntezeit bekommen die Dhobi-Familien Hilfsarbeiten übertragen, wie zum Beispiel das Entkernen von Sonnenblumen, und erhalten dafür eine geringe Bezahlung. Prabu Poongavanam besuchte drei Jahre lang unregelmäßig eine Grundschule im Nachbardorf. Als er neun Jahre alt war, entschieden seine Eltern, dass er kontinuierlich mitarbeiten sollte.

Das kam Herrn Karthikeyan, Mitarbeiter unserer Partnerorganisation WARM (Welfare Association for the Rural Mass), zu Ohren. Herr Karthikeyan ist Sozialarbeiter und Lehrer an einer kleinen informellen Schule in Kurumapatti. Sein Engagement gilt arbeitenden Kindern und Straßenkindern. In seiner Schule finden diese Kinder einen Spiel-, Rückzugs-, Schutz- und informellen Lernraum. Nachmittags bietet Herr Karthikeyan Schulunterricht an. Je nach Bildungsstand lernen die Kinder entlang eines auf ihre Fähigkeiten zugeschnittenen Curriculums. Das ermöglicht ihnen, außerhalb des formalen Schulsystems im eigenen Tempo den allgemeinen Grundschulabschluss zu absolvieren.  

Lernen für ein besseres Auskommen

Herr Karthikeyan musste in Prabus Fall einige Energie aufbringen, um dessen Eltern davon zu überzeugen, ihn nachmittags lernen zu lassen. Widerwillig stimmten diese nach einigen Monaten zu. Mit zehn Jahren begann er, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und erhielt zusätzlich Nachhilfe von Herrn Karthikeyan. Mit 13 Jahren konnte Prabu seinen Grundschulabschluss machen. Dank der Begleitung durch Herrn Karthikeyan und der Unterstützung mit Schulbüchern, Schuluniform und Transportkosten durch WARM besucht Prabu nun im nahegelegenen Städtchen Ilangunni die weiterführende Schule. Lernen ist für Prabu alles. Sein Ziel: Er will seiner Familie ein besseres Auskommen ermöglichen. 

Unsere Partnerorganisation WARM unterhält in Tamil Nadu, Südindien, 13 informelle Lernzentren für arbeitende Kinder und Straßenkinder. 285 Kinder werden dort derzeit gefördert. Jährlich werden für den Betrieb dieser Zentren rund 18.800 Euro benötigt. Pro Kind und Monat sind 5,50 Euro notwendig.

Bildunterschriften:
1. Entkernen von Sonnenblumen: Hilfsarbeiten bei der Ernte, die den Dhobi ein wenig Einkommen bringen.
2. Lehrer und Sozialarbeiter Herr Karthikeyan lebt mit seinen Schützlingen: Auch die Förderung der Ziegenhaltung gehört dazu.
3. Herr Karthikeyan und sein Schüler Prabu: Dank des Einsatzes seines Lehrers besucht Prabu heute die weiterführende Schule.