Straßenkinder und Kunst

Therapie und Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde

Die „Baobab Schule für Handwerk und Kunsthandwerk“, 2005 gegründet von der Waldorfschullehrerin Edith de Vos aus Freiburg, unterrichtet analphabetische Jugendliche, Straßenkinder, Schulabbrecher und Jugendliche mit körperlichen Defiziten in einer sehr armen ländlichen Gegend in der Zentralregion in Ghana.

Ein Bericht von Edith de Vos

Als ich den Maler Adjei Sowah vor Jahren kennenlernte, sagte er mir: „Wenn ich male in meinem Hinterhof in Accra, dann kommen immer wieder Straßenkinder zu mir und wollen bei mir malen lernen.“ Als ich ihn fragte, warum sie das wollten, erklärte er mir: „Weil es sie beruhigt, sie lieben das Schöne im Kontrast zu ihrem harten Alltag.“ Seit acht Jahren malt Adjei Sowah nun schon mit unseren benachteiligten Jugendlichen in der „Baobab Schule für Handwerk und Kunsthandwerk". Und sie lieben es.

Inzwischen sind wir eine inklusive Schule mit sozial Benachteiligten und Jugendlichen mit körperlichen Defiziten. Sie sind ehemalige Straßenkinder, vernachlässigte Kinder und Jugendliche, die nicht in die Schule geschickt wurden, Teenagermütter und Analphabeten. 75 Schülerinnen und Schüler leben das Trimester über im Schulzentrum, einem Ort der Ruhe inmitten der Natur, wo sie ein Zuhause finden und sich wohlfühlen.

Kunst als Therapie…

Kunst wirkt als Therapie für verwahrloste Jugendliche, Jugendliche mit körperlichen Defiziten oder mit einer Krankheit wie Epilepsie, Muskeldistrophie oder Rheuma. Sie alle können etwas Schönes schaffen und das gibt ihnen Selbstvertrauen und Kraft.

…stabiler werden, Geduld erlernen und bei der Sache bleiben…

Korbflechten, Rattanmöbelbau und Kente –Weben – Künste, in denen es auf Genauigkeit, Fingerfertigkeit und Ausdauer ankommt, in denen sich viele Handgriffe immer wiederholen, bringen die Jugendlichen zu sich, stabilisieren sie, ordnen sie, lehren sie, Geduld zu üben und an einer Sache zu bleiben.


…und an der Aufgabe wachsen…

Alle Künste fördern die Kreativität, ordnen gleichzeitig und lassen die Schüler an der Aufgabe wachsen.

und Freude und Zuversicht erlangen...

Ganz besonders formt auch das traditionelle Trommeln und Tanzen, gibt ihnen Selbstvertrauen und richtet sie auf. Tanzt einer aus der Reihe, zerstört er das gesamte Kunstwerk. Die Schüler korrigieren sich in dieser Kunst gegenseitig. Das harte Leben hat diese Jugendlichen geprägt, hat ihre Seele und auch ihren Körper schwer belastet. Durch die Kunst und das Tanzen öffnen sie sich allmählich, schöpfen neuen Mut.

...für eine bessere Zukunft - Hilfe zur Selbsthilfe.

Und was die Jugendlichen bei uns lernen, können sie im späteren Leben kreativ umsetzen, sich selbstständig machen und für ihren und den Lebensunterhalt ihrer Familie aufkommen.

Die Kosten für den Unterhalt der Schule (Material, Essen, medizinische Versorgung, Lehrergehälter etc.) belaufen sich im Jahr auf 54.000 €. Pro Schüler/Jahr sind es 720 €. Mit 60 € ermöglichen Sie einem Straßenkind einen Monat der Ausbildung.

 

Bildunterschriften:
1. Kunst am Bau und...
2. ...Kunst als Therapie: Esther, Teenagerin und Mutter von zwei Kindern.