Von den Gemeindeküchen zur Gemeindebäckerei

Gemeindeküchen und -bäckerei bringen gesunde Ernährung und Unternehmertum in den Slum

Lima ist eine globalisierte Megametropole zwischen Wüste und Meer mit Stadtvierteln, wie sie auch in New York, Berlin oder São Paulo liegen könnten. Und der Gürtel von Slums wächst stetig. Er ist weit größer als die Stadt selbst. Die Menschen leben hier ohne Infrastruktur: ohne Wasser- und Abwasserversorgung, häufig ohne Elektrizität. Als Richtschnur kann gelten: je ärmer, desto weiter in der Wüste, desto teurer das Wasser, das von Tankwagen gekauft werden muss.

So auch im Slum Hiroshima. Die selbst gezimmerten Hütten liegen an staubigen Abhängen, die die Menschen irgendwann besetzt haben. Diese Ansiedlungen sind illegal und können jederzeit geräumt werden.

Die Menschen leiden körperlich an Mangelernährung und Krank­heiten, die durch unreines Wasser übertragen werden, seelisch an mangelnden Perspektiven. Innerfamiliäre Gewalt und Banden­kriminalität sind weit verbreitet, der Drogen- und Waffenhandel ist gut organisiert. Für Jugendliche ist es allemal leichter, in eine der Banden integriert zu werden als eine Berufsausbildung abzuschließen. Doch auch hier streben die Menschen nach Gemein­schaft – wissend, dass sie nur gemeinsam Veränderungen erreichen können. Auch hier sind es überwiegend Frauen, die um Pers­pektiven kämpfen – für sich und ihre Kinder.

So begannen die Frauen von Hiroshima 2008 von ihren Nachbarn täglich einen Sol (ca. 0,28 Euro) einzusammeln. Damit kauften sie Lebensmittel und kochten in einer Hütte aus Plastikplanen, die etwas Schatten bot, für alle eine warme Mahlzeit. Die Frauen erfuhren, dass sie, wenn sie ein festes Küchen­gebäude vorwiesen, Nahrungsmittelhilfen wie Reis, Öl und Fischkonserven von der peruanischen Regierung erhalten könnten. Und sie hörten von unserer Partnerorganisation Alma Capac und ihrem Leiter, Ricardo Herrera, einem Architekten, der sich auf den Bau von Gemeindeküchen spezialisiert hatte. Sie baten Ricardo Herrera, ihnen zu helfen. Ricardo Herrera erwartete von den Frauen, dass sie eine Genossenschaft gründeten, mit klaren Regeln und Verantwortlichkeiten, und dass sie beim Bau mitarbeiteten. Also lernten sie das Planieren, Mauern, Verlegen von Strom- oder Wasserleitungen. Auch der Bau von Latrinen, deren Abwasser durch Filteranlagen zur Begrünung der Umgebung genutzt wird, gehörte dazu. Schulungen in Hygiene und Ernährung rundeten das Programm ab.

2009 wurde ihre Gemeindeküche fertiggestellt: solide und erdbebensicher gebaut, ausgestattet mit allen notwendigen Kücheneinrichtungen und -utensilien.

Die Gemeindeküche entpuppte sich schnell als Kristallisationspunkt für kleinere, gemeinschaftliche Einkommen schaffende Maßnahmen wie das Herstellen von Modeschmuck aus Glasperlen oder das Sammeln und den Weiterverkauf von Plastik und Glas. Beflügelt vom Erreichten, begannen die Frauen von Hiroshima an ein eigenes, genossenschaftlich organisiertes Gewerbe zu denken – und zwar ausgehend von dem, was sie ganz gut konnten: kochen und backen. Wieder sprachen sie mit Ricardo Herrera. Sie wollten gerne eine Gemeindebäckerei aufbauen und Brot, Kuchen und Plätzchen an Bäckereien und an 13 gut besuchten Plätzen des Viertels und der Hauptstraße verkaufen.

Heute floriert auch die Bäckerei, die vor allem mit Spenden aus der von Dorothea Offermanns in Freiburg organisierten Kampagne „Altgold zurück nach Peru“ gebaut werden konnte. Inzwischen arbeiten 75 Menschen in der Bäckerei und den Kiosken, weitere erlernen das Bäckerhandwerk. Täglich verlassen Hunderte Milchbrötchen, Brote, Kekse und Törtchen die Bäckerei. Es gibt auch Torten und kleine kalte Snacks.

Ricardo Herrera hat, immer aus Spenden finanziert, insgesamt 32 genossenschaftlich organisierte Gemeindeküchen in ebenso vielen Slumvierteln fertigstellen können. Er träumt von einem flächendeckenden Netzwerk aus Gemeindeküchen und kleinen Gewerbebetrieben wie der Bäckerei. Denn gute Ernährung, aktionsorientierte Ausbildungen und gemeinschaftliches Wirtschaften sind tragfähige Zukunftsimpulse – nicht nur für die Slums in Lima.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Bildunterschriften:
1. Der Zeitplan einer Gemeindeküche
2. Die Verkäuferin in der Gemeindebäckerei