Bergkäse aus Nuevo Manzanilla

Kein Verkauf an La Gloria und Nestlé – Bauern steigen in die Milchverarbeitung ein

Seit Jahren drücken die großen Konzerne die Milchpreise. Daraufhin handelten die Bauern:  Ein leer stehendes Gemeinschaftshaus wurde ins Dorf transportiert und in eine Käserei verwandelt. Am 28.08.2013 haben die Bergbauern des Dorfes Nuevo Manzanilla ihre Käserei eingeweiht und in Betrieb genommen.

Das Dorf Nuevo Manzanilla mit mehr als 40 Familien liegt 3.900 m hoch. Das Leben ist hart und karg. Die Bergbauern halten zusammen 200 Rinder. In den vergangenen Jahren verkauften sie ihre überschüssige Milch an die Sammelwagen zweier multinationaler Unternehmen: La Gloria und Nestle.

Stundenlang mussten die Frauen und Männer mit ihren Milchkannen zur Sammelstelle laufen oder reiten. Pro Liter Milch erhielten sie 80 Centavos de Soles, etwa 0,23 Eurocent. In San Marcos, dem nächstgelegenen Städtchen, wurde der Liter Milch dagegen für vier Soles (1,16 Euro) verkauft.

Die Bauern versuchten einen höheren Preis zu verhandeln. Doch die multinationalen Unternehmen blieben unerbittlich. Im Dezember 2011 rebellierten die Bergbauern: Sie stellten den Milchverkauf an Nestle und La Gloria ein, denn ein Bauer aus dem Dorf wusste, wie man einfachen Käse herstellt – es entstand die Vision, eine dorfeigene Käserei zu haben.

Die Dorfbewohner bauten ein altes Gemeinschaftshaus ab. Sie transportierten es zwei Kilometer den Berg hinauf und bauten es inmitten ihres Dorfes wieder auf. Von ihren gemeinsamen Ersparnissen kauften sie ein großes Fass, eine Schöpfkelle und einige Leintücher.

Bereits im März 2012 hatten die Bauern die ersten Käse auf dem Markt in San Marcos verkauft. Doch damit entstanden neue Probleme. Die rustikale Käseproduktion entsprach nicht den Produktionsstandards und Lagerungsvorschriften der peruanischen Behörden. Um ihren Käse weiter verkaufen zu können, mussten die Bauern ihr Gemeinschaftshaus in eine echte Käserei umbauen.

Dank der Spenderinnen und Spender der Zukunftsstiftung Entwicklung konnte das Dach der zukünftigen Käserei mit Wellblech neu eingedeckt werden. Darunter wurden Zwischendecken eingezogen. Im Haus wurde eine Zwischenwand gemauert, um die Käseküche vom Lager, in dem die Käselaibe reifen, zu trennen. Boden und Wände, die aus Fachwerk mit Lehmerde bestanden, wurden verputzt. Zwei Tanks mit jeweils 5.000 Liter Fassungsvermögen wurden gebaut, damit es auch in der Trockenzeit ausreichend Wasser für die Käseherstellung gibt.  Leitungen für Wasserzufluss und -abfluss und ein Waschbecken wurden installiert.

Außerdem brauchten die Bauern technische Geräte: Einen Kessel für die Milch-, bzw. Salzlake, sechs große Schüsseln, zwei Kellen, vier Plastikmessbecher und zwei Käsepfannen, ein Entrahmungsgerät, einen Butterschläger, einen Tisch mit einer rostfreien Metallarbeitsplatte, 20 große Milchkannen, einen Gaskocher mit zwei Gasgalonen, zwei Thermometer und ein einfaches Testgerät zur Überprüfung der Milchqualität. Aus ihren Ersparnissen bezahlten die Bauern Käseformen, Deckel und Waagen. Endlich, am 28.08.2013 konnte die Einweihung stattfinden.

Jetzt fehlen noch weitere Ausbildungskurse, damit ihre Käse- und Milchprodukte vielfältiger werden und ihre Ausstattung um hygienische Arbeitskleidung und Gummistiefel ergänzt werden kann. Pro beteiligter Familie sind dazu rund 125 Euro notwendig.

 

Bildunterschriften:
1. Die Milchkannen werden von Eseln transportiert.
2. Ein Milchbauer bei der Arbeit.