NEPAL: PRODUKTIONSFÖRDERUNG

Ausbildung im bunten Druck

Dank des Ausbaus der Produktionsmöglichkeiten erarbeiten die Frauen der Women‘s Foundation die Unterhaltskosten für den Erhalt ihres Frauenhauses.

Nepal, das kleine, zerstörte Land am Fuße des Himalayas, ist eines der ärmsten Länder dieser Welt (2016 Rang 144 von 188 Ländern des Human Development Index). Das durchschnitt-liche Jahreseinkommen liegt bei rund 730 US-Dollar (Erhebung Weltbank 2016). Rechtlich gibt es inzwischen die Gleichstellung von Mann und Frau. Im Alltag ist diese noch nicht angekom-men. So sind beispielsweise nur 35 Prozent der Frauen alphabetisiert, Männer zu 63 Prozent. Ein typisches Schicksal ist das von Frau Baghwati Adhikari (Name geändert). Sie wurde jung verheiratet und zog mit ihrem Mann in die Hauptstadt Kathmandu. Ihr Mann war Alkoholiker, arbeitslos und übergriffig. Sie musste für die zwei Töchter sorgen. Aber wie? Frau Baghwati Adhikari hatte keinen Schulabschluss, keine Arbeit, keine Familie, die ihr half. Doch sie wollte tätig werden: Eine Ausbildung bei der Women‘s Foundation gab ihr die Chance auf ein Einkommen für sich und ihre Töchter.

Die Women‘s Foundation in Nepal hat ein Frauenhaus für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, aufgebaut. Sie betreibt unter anderem eine organische Farm, um Lebensmittel für das Frauenhaus und den organisationseigenen Kindergarten zu produzieren. Ökonomisches Herzstück der Women‘s Foundation ist ihre Färbe- und Weberei in Boudha, im Kathmandutal. Hier arbeiten bis zu 80 Frauen an Webstühlen und färben Garne. Sie produzieren Textilien, allen voran sehr schöne Schals aus Seide und Kashmir. Mit dem Verkauf dieser Produkte erwirtschaften die Frauen nicht nur ihre faire Bezahlung, sondern die Erlöse finanzieren anteilig die Betriebskosten für das Frauenhaus und den Kindergarten.

Nun sollen die Fertigungsmöglichkeiten der Färbe- und Weberei ausgebaut werden, um die Produkte stärker auf dem internationalen Fair-Trade-Markt anbieten und die Eigen-finanzierung der Organisation verbessern zu können. Dazu ist das Bedrucken von Stoffen notwendig. So könnten die Frauen nicht nur Schals, sondern auch Heimtextilien wie Bettwäsche und Tischdecken produzieren, weitere Frauen erhielten eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz. Davon sollen zunächst zwanzig Frauen profitieren, die im Frauenhaus Zuflucht gefunden haben und die sich nach etwa einem Jahr Aufenthalt eine eigenständige Existenz aufbauen wollen. Sechs Monate lang sollen die Frauen durch einen erfahrenen Drucktechniker ausgebildet werden. Dazu sind an Schulungs- und Materialkosten (u.a. Farben, Eimer, Setzblöcke) 13.607 Euro notwendig. Ein großer, spezieller Designtisch mit Unterlicht (1.348 Euro) sowie vier große Drucktische (je 1.263 Euro) und ein großes Dampfdruckgerät (5.900 Euro) und Druckrahmen (2.272 Euro) müssen angeschafft werden. 

Insgesamt belaufen sich damit die Investitionskosten auf 28.197 Euro. Damit ist pro Arbeitsplatz eine einmalige Förderung von 1.408 Euro notwendig. Dieser Betrag sichert nicht nur die Ausbildung und den Arbeitsplatz für die Frauen sondern perspektivisch auch 50 Prozent der Eigenfinanzierung von Frauenhaus und Kindergarten der Women‘s Foundation.

Bildunterschriften:
1. Diese Art des Printdrucks wie hier bei der Association for Craft Producers möchte die Women's Foundation auch etablieren.
2. Das Färben der Garne ist noch sehr aufwendig. Auch dies soll verbessert werden.