NEPAL: SELBSTVERWALTETE MIKROKREDITE

Unternehmerin dank Ausbildung und Begleitung

Vorbilder machen Frauen in Nepal Mut, unternehmerisch aktiv zu werden. Ausbildung und Mikrokredite ermöglichen konkrete Verbesserungen.

Tara Sapkota (48) wurde in Lumsa, im Distrikt Gulmi, in Westnepal geboren. Mit ihrem Mann und seinen drei Kindern verließ sie vor 27 Jahren ihr Dorf, um in der Provinzhauptstadt Nepalgunj an der Grenze zu Indien ein Auskommen zu finden. Das Paar besaß noch gerade 5.000 nepalesische Rupien (heute ca. 39 Euro). Das Vermögen ihres Mannes von rund 60.000 nepalesischen Rupien war für das Begräbnis seiner ersten Frau ausgegeben worden. Tara Sopkota heiratete ihren Mann nur 36 Tage nach dem Tod seiner ersten Frau, was in Nepal besonders mutig ist – zumal in der damaligen Zeit. Auch deshalb entschied sich das Ehepaar dazu, das Dorf zu verlassen.

Befragt über ihren Start in Nepalgunj erzählt Frau Sapkota mit belegter Stimme: „Nachdem wir in Nepalgunj ankamen, lebten wir drei Jahre lang in einer Hütte in dem Armenviertel Dhambojhi Chowk. Wir suchten nach einer besseren Wohnmöglichkeit, aber wir konnten nichts finden, denn wir hatten kein Geld. Schließlich bauten wir eine kleine Hütte neben der Polizeischule. Ich begann, Tee auf der Straße zu verkaufen. Nach drei Monaten konnte ich etwas Geld zur Seite legen. Ich wollte eine kleine Pension eröffnen und fand einen Platz gegenüber der Busstation. Wir mussten damals pro Monat 1.500 nepalesische Rupien an Miete zahlen. Die Leute sagten, wir würden das nicht schaffen und nicht genug verdienen, um unsere große Familie zu unterhalten. Aber wir haben gemeinsam durchgehalten und hatten viel Hilfe, denn vor 15 Jahren wurde ich mit meiner Spargruppe Mitglied bei RESIC. Ich lernte das selbstverwaltete Mikrokreditprogramm kennen. Inzwischen habe ich insgesamt sieben Mal einen Kredit bekommen und zurückgezahlt. Der erste betrug 10.000 nepalesische Rupien. Langsam konnte ich die Kredithöhe steigern, denn meine Mitsparerinnen und RESIC vertrauten meinem unternehmerischen Können. Mein letzter Kredit betrug 100.000 nepalesische Rupien.”

Diese Kredite, aber vor allem auch die Ausbildung in Einnahmen- und Ausgabenrechnung, die unternehmerische Beratung und Begleitung durch die Mitarbeiterinnen von RESIC halfen Frau Sapkota, so erfolgreich zu werden.

Heute ist Frau Sapkota sehr zufrieden mit ihrem Hotel. Sie erzählt: „Dieses Hotel ist für unsere Familie so wichtig. Wir haben eine große, dreizehnköpfige Familie (sieben Kinder, vier Enkel). Wir mussten es schaffen, die alltäglichen Bedürfnisse von allen zu befriedigen. Wir konnten unsere Kinder zur Schule schicken und ihnen Ausbildungen bzw. ein Studium ermöglichen. Ich habe es sogar geschafft, meine vier Töchter zu verheiraten und ihnen ein eigenes Haus zu bauen. Das alles erreichten wir wegen des Hotels.”

Die Verheiratung von Töchtern geht in Nepal mit einer großen finanziellen Belastung einher. Die Mitgiftforderungen sind hoch, die Hochzeiten teuer. Heute erwirtschaftet Tara Sapkota mit ihrem Hotel nach Abzug aller Kosten rund 50.000 nepalesische Rupien pro Monat.

Obwohl sie noch sehr energisch und umtriebig wirkt, will sie in einigen Jahren das Hotel dem ältesten Sohn übergeben und mit ihrem Mann in ein kleines Haus außerhalb des lauten Nepalgunj ziehen. Danach gefragt, was das Mikrokreditprogramm und RESIC mit ihrem Erfolg zu tun haben, antwortet sie: „Was ich heute bin, verdanke ich RESIC und seinem Mikrokreditprogramm.“

Lata Sharma, die Begründerin von RESIC, ist stolz über den Erfolg von Frau Sapkota. Sie erzählt: „Viele unserer Unternehmerinnen haben bewiesen, dass sie hart arbeiten. Sie konzentrieren sich auf ihr Unternehmen, sind ehrlich und fähig, Schwierigkeiten zu überwinden. Aber Frau Sapkota ist unter den 4.000 Frauen, die über RESIC mit Mikrokrediten gefördert wurden, die erfolgreichste. Wir haben ihre Geschichte veröffentlicht, um andere Frauen zu motivieren, Unternehmerin zu werden.”

RESIC würde gerne im kommenden Jahr rund 40 Frauen zusätzlich begleiten und mit einem Mikrokredit ausstatten können. Dazu werden rund 6.000 Euro benötigt. Pro Frau macht dies 150 Euro.

Bildunterschriften:
1.Herr Sapkota neben seiner Frau Tara, die sich von ihm stets unterstützt fühlte.
2.Frau Sapkota (li.) mit einer Mitarbeiterin im Eingangsbereich ihres kleinen Hotels.