Nepal: Daseinsvorsorge und Einkommen in Corona-Zeiten

Öffentliches Wirken und privates Pflegen

In zwei gesellschaftlichen Bereichen in Nepal gibt es eine große Nachfrage nach Arbeitskräften: in der öffentlichen Verwaltung und in der privaten Pflege und Begleitung älterer Menschen. Doch es mangelt an ausgebildeten Menschen, die das wahrnehmen können. Eine neue Ausbildungsinitiative der Women´s Foundation bietet Lösungen.

Die moderne nepalesische Verfassung sieht eine Frauenquote von 45% im öffentlichen Dienst vor. Das ist fortschrittlich und der Anteil an Frauen im öffentlichen Dienst ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Doch machen es ein tradiertes Rollenverständnis, wirtschaftliche Abhängigkeit und mangelnde Bildung Frauen deutlich schwerer, den Staatsdienst aufzunehmen. An der vorgeschriebenen Aufnahmeprüfung scheitern bei weitem mehr Frauen als Männer, weil sie für die Vorbereitung auf die Prüfung nicht die gleiche Unterstützung erfahren, Familie und Kinder betreuen und weil sie in der Prüfungssituation oft unsicherer sind als ihre männlichen Mitbewerber. Deshalb will die Womens´ Foundation einen Qualifizierungs- und Vorbereitungslehrgang starten, um Frauen auf die Prüfung für den öffentlichen Dienst in Nepal vorzubereiten.

Hintergrund des zweiten Ausbildungsgangs ist die Tatsache, dass auch in Nepal der demografische Wandel die Gruppe der älteren Menschen deutlich wachsen lässt. Zugleich befinden sich viele junge Nepalesen im Ausland, so dass häufig die traditionelle Versorgung der Elterngeneration nicht mehr gewährleistet ist. Der Wunsch, dass die Eltern trotz dieser Situation gut und professionell betreut werden, wurde häufig an die Women‘s Foundation herangetragen. Eine entsprechende Ausbildung als Alltagsbegleiter*in wie bei uns oder in anderen westlichen Ländern, gibt es in Nepal aber nicht. Ein Ausbildungskurs, der Kenntnisse in Haushaltsführung, Körperpflege und Ernährung vermittelt und zusätzlich auch Praktika in verschiedenen Einrichtungen vorsieht, soll diese Lücke schließen. Die ausgebildeten Frauen sind dann von der Regierung zertifizierte „Personal Support Worker“, die professionell für ein angemessenes Gehalt arbeiten.

In der ersten Pilotphase von 2021 bis 2023 werden beide Kurse zweimal durchgeführt, so dass insgesamt 100 Frauen teilnehmen können, die sowohl aus den Städten als auch vom Land kommen. Sie leisten einen Eigenbeitrag von 3.000 nepalesischen Rupien (rund 22 Euro pro Kurs). Nach dem Kurs ist daran gedacht, ein Alumni-Netzwerk aufzubauen, damit sich die Frauen wechselseitig Rat gebend zur Seite stehen können.

Beide Ausbildungen sind innovativ und damit auch ein Wagnis. Doch sie tragen dem Wandel der nepalesischen Gesellschaft Rechnung und verharren nicht in dem, was Frauen an Trainingsmöglichkeiten bereits über Jahrzehnte in Nepal angeboten wurde. Und sie sind zukunftsgerichtet, da der Wandel der nepalesischen Gesellschaft sich weiter fortsetzen wird. Alles in allem gute Voraussetzungen, um die Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Daseinsvorsorge von Frauen in Nepal auch langfristig zu fördern.

Pro Kurs und Auszubildender sind in der Pilotphase rund 1.150 Euro notwendig. Das Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung befördert. So wirkt Ihre Spende vierfach!

Bildunterschriften:

  1. Die Women's Foundation Nepal – ein starkes Team, das seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen im Land kämpft. 
  2. Bisher werden die Frauen in traditionellen Techniken ausgebildet (wie hier im Färben), nun sollen neue, zukunftsweisende Ausbildungen hinzukommen.