Ladenausstattung - Perspektiven für Jugendliche

Der "Sexappeal" der ökologischen Landwirtschaft

Über den schwierigen Weg, Jugendliche für ökologischen Landbau zu begeistern

Obwohl etwa 70 Prozent der kenianischen Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt und 53 Prozent Kleinbäuerinnen sind, bleiben auf dem Land und in den Dörfern vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen zurück. Es geht darum, Jugendliche für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Rund 100 Kilometer nordwestlich von Nairobi liegt Kangunduini. Einige Häuserzeilen stehen links und rechts einer zweispurigen, dürftig ausgebauten Straße. Daneben liegt eine freie Fläche, auf der klapprige Holzkonstruktionen davon zeugen, dass hier mehrmals in der Woche ein lokaler Markt stattfindet. Über allem ein Film heißen, roten Staubs. Wie üblich lungern etwa 20 junge Männer auf Mofas herum, um einen Fahrgast zu ergattern und so ein paar Shilling zu verdienen. Gewöhnlich kommt stundenlang niemand. Nach dem Land, das sie für das Mofa aufgegeben haben, verlieren sie so den fahrbaren Untersatz. Dann führt der Weg auf der Suche nach Geld in die Hauptstadt Nairobi. Eine Spirale, die überwiegend tiefer in Armut und Abhängigkeit führt und in den Slums von Nairobi endet.

Etwa 70% der kenianischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, 53% sind Kleinbauern. Doch auf dem Land und in den Dörfern bleiben vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen zurück und es sind die Frauen, die das Land bearbeiten. Die harte Arbeit auf dem Land erscheint den jungen Menschen nicht als attraktiv. Bis heute gilt die Feldarbeit als Strafarbeit.

Mr. Mutura, Leiter der Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP, will diesen Zirkel durchbrechen. „Die jungen Menschen sehen die Berichte und Filme von leichtem, schnellen Geld – der glitzernden Stadt, den Einkaufszentren und vielen Möglichkeiten. Sie realisieren meist zu spät, dass diese Welt wenig mit ihrer eigenen zu tun hat. Sie sehen nicht den Weg, wie sie mit dem, was sie haben, mit ihren eigenen Ressourcen, etwas aufbauen können. Diesen Weg wollen wir ihnen zeigen.“

Weiterverarbeitung und Vermarktung sind die Ansatzpunkte, um Jugendliche zu begeistern. Mr. Mutura: „Wir können Jugendlichen nicht aus dem Stand heraus schmackhaft machen, viele Stunden am Tag unter glühender Sonne ihre Felder zu bearbeiten. Sie haben ihre Eltern schuften sehen. Vielleicht haben die gerade einmal genug Geld verdient, die eigenen Kinder auf die Schule zu schicken. Doch richtig reichte es nie. Aber wir können die Jugendlichen für die Weiterverarbeitung und Vermarktung von Produkten gewinnen. Sie können darüber den Wert der erzeugten organischen Lebensmittel kennen lernen. Sie lernen Buchhaltung und das entsprechende Verpacken und Präsentieren der Produkte. Wir unterstützen sie, neue Vertriebswege zu erschließen. Auch genießen unsere Jugendlichen es, ihre Güter auf den organischen Märkten in Nairobi zu vertreiben. Das ist z.B. etwas, was den Kleinbäuerinnen eher schwer fällt. So lernen die Jugendlichen ihre eigenen Ressourcen, das Land ihrer Familie, neu schätzen.“ Und er fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir müssen Landwirtschaft mit Sexappeal verbinden – und die Jungendlichen da abholen, wo die Medien sie zurückgelassen haben. Das geht nur indem sie lernen, dass mit organischem Landbau sehr wohl Geld zu verdienen ist.“

Die Jugendlichen werden so zu einem Glied in der Kette vom Anbau durch die Kleinbäuerinnen und dem Verkauf auf lokalen und regionalen Märkten. Das verdiente Geld fließt zurück in die Familien und den Aufbau kleiner örtlicher Läden.

In Kangunduini, dem kleinen staubigen Ort, entstand auf diese Weise eine Milchbar. Geleitet wird sie von drei Jugendlichen, zwei  jungen Frauen und einem jungen Mann. Ihnen steht ein älterer, erfahrener Buchhalter zur Seite. Sie verarbeiten und verkaufen die Produkte der Kleinbäuerinnengruppe, die 18 aktive Mitglieder hat. Die Gruppe schloss sich vor sieben Jahren zusammen und wurde im organischen Landbau unterrichtet.

In der Milchbar gibt es Kuh- und Ziegenmilch, Joghurt, Gebäck, Kuchen und Tee.  Durchschnittlich 60-70 Kund/innen kommen am Tag, an Markttagen sind es bis zwischen 150 – 300. 150 bis 200 Liter Milch können sie pro Tag umsetzen oder weiter verarbeiten. Die Zutaten für Gebäck und Kuchen kommt ebenfalls von den Kleinbäuerinnen. Die Erlöse gehen zurück an die Gruppe, die Jugendlichen erhalten ein kleines monatliches Gehalt plus Erfolgsbeteiligung.

Seit sie in der Milchbar arbeiten, kümmern sich die Jugendlichen auch um die Ziegen aus dem eigenen Stall. Adulis, eine der jungen Damen, erklärt etwas schüchtern: „Ich mag Ziegen nicht so gerne – doch unser Joghurt ist sehr lecker. Wir kontrollieren die Milch immer sofort, wenn sie geliefert wird. Nur gute Milch behalten wir. Das wissen alle. Früher hat meine Mutter die Ziegen gefüttert und gemolken. Jetzt mache ich es. Von meinem Geld werde ich mehr Ziegen kaufen – das lohnt sich.“ 

Gerne würde die Kagunduini-Gruppe eine weitere Milchbar im Nachbardorf eröffnen und neue Mitglieder aufnehmen. Der junge Mann aus dem Dreierbund ist ausersehen, die Milchbar aufzubauen. Dafür sind allerdings Investitionen notwendig, die die Gruppe aus ihren eigenen Verdiensten nicht finanzieren kann. Sie benötigen für eine Kühltruhe umgerechnet 450 Euro, für ein Abfüllgerät für Joghurt 270 Euro, ein Gerät zum luftdichten Verschließen von Joghurtbechern 210 Euro und für einen Backofen ca. 300 Euro.

Neben dieser Gruppe gibt es zehn weitere, die den Ausbau ihrer kleinen Läden und Vermarktungsstrukturen vorantreiben möchten.


Zum  Kleinbäuerinnen-Projekt des Projektpartners

 

 

Bildunterschriften:
1. Adulis beim Joghurt verpacken.