Medikamente für indische Kastenlose

Die Kraft alten Wissens und lokaler Pflanzen

Frau Dr. Rani, Siddha-Medizinerin im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, betreut mit zwei Kollegen und 40 Gesundheitshelferinnen Kastenlose in 43 Dörfern. Diese so genannten „Unberührbaren“ leben unter ärmsten Bedingungen.

In jedem Dorf leiten die Helferinnen Kurse in Hygiene, Ernährung, Yoga-Unterricht und Meditation zur Vermeidung einfacher, vermeidbarer Krankheiten. Ein- bis zweimal monatlich kommen die Ärzte zu einem Behandlungstag in die Dörfer. Bei akuten Notfällen suchen die Patienten das Siddha- Gesundheitszentrum auf, oder ein Arzt fährt per Motorrad-Rikscha zum Krankenbesuch. Für 49.764 Menschen in 40 dieser Dörfer ist es der einzige Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Die Siddha-Medizin ist eine altehrwürdige, traditionelle Medizin Südindiens, älter und weiter verbreitet als die bei uns vor allem im Wellness-Bereich bekannte Ayurveda-Medizin. Auch die Schulmedizin integriert in Südindien Wissen und Praktiken der Siddha-Medizin. Deren Diagnostik basiert neben einer breiten Anamnese vor allem auf der Puls-, Augen- und Zungendiagnostik, in der Behandlung auf dem Einbezug der fünf Elemente, drei Lebenskräfte und dem Essen, differenziert nach Konsistenz, Ernährungsgehalt und sechs Geschmacksrichtungen. Zudem ist das Wissen der Siddha-Medizin eng mit den lokal und regional verfügbaren Pflanzen und Heilkräutern verbunden. Diese Pflanzen und Heilkräuter nutzen Frau Dr. Rani und ihre Kollegen, um die Kosten für den Ankauf von Medikamenten zu reduzieren, denn der Großteil ihrer Patienten kann weder für die Behandlung noch für Medikamente Geld aufbringen.

Es sind vor allem Frauen, die gerne von den Gesundheitshelferinnen in Schulungen erlernen, wie man auch auf einem kleinen Stück Land Heilkräuter und – pflanzen anbaut, die bei gängigen Krankheiten genutzt werden können. Darüber hinaus werden diese Heilkräuter und Pflanzen im Siddha- Gesundheitszentrum zu Medikamenten verarbeitet. Über 30 verschiedene Medikamente entstehen so – produziert mit einfachsten Mitteln. In diesem Jahr soll die Medikamentenproduktion in der eigenen, kleinen Manufaktur erweitert werden.

Für die Produktion und ihre Ausweitung sind in diesem Jahr 9.000 Euro erforderlich.

 

Bildunterschriften:
1. Herr Anthony dampft den Sud für eine Salbe gegen Krätze ein.
2. Behandlung mit Frau Dr. Rani