Baum gegen Mangelernährung

Gegen Mangelernährung ist ein Baum gewachsen

Moringa Oleifera, der Meerrettichbaum für Kinder in West-Bengalen

In den Dörfern nahe der Stadt Bolpur in Westbengalen, leben Santhals, Angehörige der größten Ureinwohnergruppe Indiens. Diese Gruppe der Santhals pflegt ihre Traditionen und ihre Naturreligion. Während sie vor hundert Jahren noch als Jäger und Sammler lebten und alles Notwendige in den Wäldern fanden, steht heute der Reisanbau im Vordergrund. Der Anbau von Gemüse gehört nicht zu ihren Traditionen und so ernähren sich die Menschen fast ausschließlich von Reis, Kartoffeln und Linsen. Diese einseitige Ernährung führt besonders bei Neugeborenen und Kleinkindern zu Mangel- und Unterernährung, stellt die Ärztin Monika Golembiewski immer wieder fest, die ein kleines Kinderkrankenhaus in Bolpur aufgebaut hat.

Um den Kreislauf von Mangelernährung zu durchbrechen und die Ernährungssituation der Menschen, vor allem von Kindern, Schwangeren und jungen Müttern  zu verbessern, hat Dr. Golembiewski beschlossen, die Blätter des Meerrettichbaums Moringa Oleifera, mit ihren wichtigen Nähr- und Vitalstoffen, in die Ernährungsprogramme einzuführen und den Anbau von Gemüse in den Dörfern zu fördern. Moringablätter enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie die Vitamine A, B1, B2, C und E, zahlreiche Mineralien wie Eisen, Kalzium, Kalium, Zink, Magnesium, Proteine und Aminosäuren.

Die praktische Umsetzung des Moringaprojektes und die Förderung von Gemüseanbau auf Dorfebene wurde durch die beiden Gärtner Anne und Rolf Bucher möglich. Durch ihre dreißigjährige Tätigkeit im biologisch-dynamischen Heilpflanzenanbau besitzen beide einen reichen Erfahrungsschatz in Anbau, Ernte und Verarbeitung von Heilpflanzen. 2012 wurde das erste Moringa-Pulver für die Ernährungsprogramme hergestellt. Gleichzeitig wurde in fünf Dörfern mit einem Gemüsegarten-Programm begonnen. Während vorher nur einige wenige Anbauflächen mit Gemüse zu finden waren, haben im Jahr 2013 ca. 50% der Familien Gemüsegärten angelegt, Ende 2016 liegt der Anteil bei ca. 70-75%. Inzwischen wurde das Gemüsegarten-Programm auf 12 Dörfer ausgeweitet. Ende 2016 hatten über 400 Familien einen Gemüsegarten angelegt. Damit können aktuell über 2.500 Menschen mit Gemüse aus eigenem Anbau versorgt werden.

Inzwischen sind einige Dorfbewohner gut eingearbeitet. Sie führen die Ernten und die Herstellung von Moringa-Pulver selbstständig durch und pflegen die über 200 neu aufgepflanzten Moringabäume.

Die lokalen Mitarbeiter haben nun die Aufgabe, das Gemüsegarten-Programm selbstständig und eigenverantwortlich durchzuführen. Anne und Rolf Bucher werden 2017 bei zwei Projektbesuchen nochmals vor Ort sein und ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite stehen. Zum Abschluss des Jahres 2017 soll die Verantwortung für das Gemüsegarten-Programm und die Moringaernten an die lokalen Mitarbeiter übergehen.

Für die Finanzierung sind insgesamt rund 5.000 Euro notwendig. Herr und Frau Bucher bringen an dieser Stelle ihr besonderes Know-how ein. Daher möchten wir das Vorhaben als Stiftung auch weiterhin fördern, auch wenn dies unserem sonstigen Ansatz entgegensteht, ausschließlich mit Menschen vor Ort zu arbeiten.

 

Bildunterschriften:
1. Moringa Ernte mit Santhal Frauen
2. Moringa Pulver im Ernährungsprogramm
3. Rolf Bucher im Gemüsegarten-Programm