"Casa Angela" - erstes Geburtshaus der Associação Comunitária Monte Azul

In der armen Südzone von São Paulo fehlen Geburtsplätze. Auf der Suche nach einem Geburtsplatz irren Frauen in den Wehen von Krankenhaus zu Krankenhaus. Bis zu 95% der Geburten werden dann per Kaiserschnitt durchgeführt, das geht schneller und die Ärzte verdienen mehr daran. Die öffentlichen Krankenhäuser in São Paulo sind personell, materiell und infrastrukturell unzureichend ausgestattet, was lebensgefährliche Komplikationen für Mutter und Kind bei der Geburt nach sich zieht.

Die Entbindung erfolgt oft unter prekären, häufig erniedrigenden Bedingungen. Geburt bedeutet deshalb für viele Frauen ein Erlebnis, das sie mit Demütigung, Schmerz, Isolation, Entfremdung und Ohnmacht verbinden. Dies hat weitreichende Folgen: Verletzung des Selbstwertgefühls der Frau, Störung der Mutter-Kind-Bindung, das Kind wird gar nicht gestillt oder vorzeitig abgestillt, Vernachlässigung des Säuglings, Partnerschaftskonflikte und Schwächung der ohnehin meist labilen Familienstrukturen.

Der Hebammenberuf wurde in Brasilien in den achtziger Jahren abgeschafft. Die Ärzte sind jedoch in aller Regel nicht für das Durchführen von natürlichen Geburten ausgebildet. Die vorherrschende geburtshilfliche Praxis ist daher extrem medikalisiert, interventionsreich und aggressiv. Das Geburtsereignis wurde degradiert auf einen medizinischen Eingriff, in dem der Individualität der entbindenden Frau, ihrem familiären Kontext sowie der frühen Mutter-Kind-Bindung keinerlei Bedeutung zugemessen wird.

Gründung eines Geburtshauses

Aus diesem Grund wurde die „Casa Angela“ gegründet, ein Zentrum für Mutter-Kind-Gesundheit und natürliche Geburtshilfe der Associação Comunitária Monte Azul. Hier werden Frauen aus den Favelas der Südzone São Paulos und ihre Familien rings um die Geburt betreut.

Wir gehen davon aus, dass eine ganzheitliche, beziehungsorientierte und natürliche Geburtshilfe Kindern hilft, sich körperlich, seelisch und geistig gesund zu entwickeln. Insbesondere unterstützt es die Kinder, die in die Realität eines Lebens in der Favela hineingeboren werden, widerstandsfähig zu werden und sich vor den negativen Auswirkungen ihrer extrem schwierigen Lebensbedingungen zu schützen.

Staatlich anerkannt

Die „Casa Angela“ ist das erste staatlich anerkannte Geburtshaus Brasiliens. Es ist mittlerweile ein Referenzzentrum für natürliche Geburt und Lehreinrichtung des neugegründeten Hebammen-Studiengangs der USP Leste. Dennoch weigert sich die Stadt São Paulo bislang, die Kosten zu tragen. Das Haus ist vollständig auf Spenden angewiesen.

Die Betreuung von Mutter und Kind in der Casa Angela während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und erstem Lebensjahr des Kindes kostet 1650,- €. Hierfür bitten wir um Spenden.

 

 

Bildunterschriften:
1. Neue Hebammen werden gebraucht.
2. Mutter mit ihrem Kind nach der Geburt in der "Casa Angela".