Nothilfe für Indien und Nepal

Nothilfe für Indien und Nepal

Obwohl die Berichterstattung hierzulande abnimmt, ist die Situation in Indien und Nepal weiterhin dramatisch. Beiden Ländern mangelt es an einer funktionierenden Gesundheitsversorgung; ganz zu schweigen von Intensivbetten und Sauerstoffgeräten. Während Indien im letzten Jahr noch Impfstoffe exportierte, steht momentan kaum mehr Impfstoff für die heimische Bevölkerung zur Verfügung. In Nepal ist Impfstoff nicht erhältlich.

Millionen von Menschen haben im vergangenen Jahr bereits ihre Lebensgrundlage verloren. Menschen, die im informellen Sektor beschäftigt waren wie Tagelöhner*innen und Wanderarbeiter*innen sind besonders hart von dieser Krise getroffen. Sie verloren bis zu 80% ihrer Einkünfte. In Indien führte die Krise zu einem Massenexodus aus den Städten, was wiederum in einer humanitären Krise für gestrandete Wanderarbeiter*innen auf dem Land gipfelte. Diese Situation wird durch erneute Lockdowns weiter verschärft. Die offiziellen Infektionszahlen in Indien (Stand: 28.05.2021) scheinen zu sinken und die zweite Welle scheint sich abzuschwächen. Doch liefern die Statistiken in Ermangelung an Testmöglichkeiten allenfalls grobe Trendwerte. Hört man die Aussagen unserer lokalen Partner*innen, weitet sich die Pandemie auf dem Land weiter aus.

In Nepal ist die Situation ebenso desolat. Die Haupteinnahmefelder Tourismus sowie Handwerks- und Textilproduktion sind zusammengebrochen, die Rücküberweisungen von Familienmitgliedern aus dem Ausland dramatisch zurückgegangen. Hinzu kommen gerade jetzt exorbitant steigende Lebensmittelpreise. Einziger Weg sich derzeit vor dem Virus zu schützen, ist die soziale Isolation, doch dafür braucht es Ersparnisse und/oder Nahrungsmittelvorräte. Die Wenigsten können sich das „Zuhause-bleiben“ leisten.

Viele unserer Partner*innen beklagen bereits jetzt Verstorbene. Allein die Women´s Foundation muss den Verlust mehrerer Mitarbeiter*innen überwinden. Einer von ihnen war Chetnath Neupane, Buchhalter der Bipul Shikshya Niketan Schule, die viele der Kinder aus dem Kinderheim der Women´s Foundation besuchen. Einige dieser Tode hätten durch eine bessere Gesundheitsversorgung mit Sicherheit verhindert werden können. In Absprache mit unseren Partner*innen vor Ort haben wir 50 Sauerstoffkonzentratoren organisiert, um die angespannte Situation vor Ort zumindest ein wenig zu entlasten.

Als GLS Zukunftsstiftung Entwicklung leisten wir nur Nothilfe, wenn wir auf Partner*innen vor Ort zählen können, die diese zielgerichtet umsetzen. Gemeinsam mit ihnen haben wir Corona-Nothilfe-Programme entwickelt, die den Bedarfen der Menschen entsprechen und dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.



Laufende Programme (Stand: 02.06.2021)

100 Aktivist*innen und Freiwillige von Ekta Parishad, einer der größten Volksbewegungen Indiens, konnten mit erneuten Sensibilisierungskampagnen zum 22. Mai bereits 40.000 Familien in 17 Distrikten in Madhya Pradesh erreichen. Im Bundesstaat Chhattisgarh unterstützen die Freiwilligen von Ekta Parishad die Gesundheitsämter. Dort wurden zum 24. Mai in 11 Distrikten bereits Medikamente und Masken an 3.000 Familien verteilt und 11 Impfzentren aufgebaut werden, die hoffentlich demnächst in Betrieb gehen können.


Die Women´s Foundation in Nepal hat eine Hotline eingerichtet, die über freie Krankenhausbetten und Behandlungskapazitäten informiert und über die Ärzt*innen Behandlungshinweise geben.Nachdem die nepalesische Regierung Ende Mai die einwöchige Schließung von Lebensmittelgeschäften anordnete, um das Virus einzudämmen, verteilten die Mitarbeiter*innen außerdem Lebensmittelpakete an diejenigen, die sich keine Vorräte leisten konnten.

Die Kevin Rohan Memorial Eco Foundation verteilt Lebensmittel an bedürfte Familien (ein Paket reicht bis zu einen Monat für 3 bis 6 Menschen), sowie warme Speisen an Covid-Infizierte in Heimquarantäne. Kranke Senior*innen aus der Umgebung konnten zudem mit Sauerstoff versorgt werden.


Stimmen unserer Partner*innen

Angelika Ehrle von Deepam in Indien berichtet uns am 26. Mai folgendes: „Obwohl wir uns hier auf dem Land viel draußen oder in gut ventilierten Räumen aufhalten, gibt es jetzt in der Umgebung und auch in Auroville wesentlich mehr positiv Getestete als zuvor. Momentan haben viele Leute Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, leider auch einige unserer Mitarbeiter*innen und nahestehende Familien. Die meisten Familien in den Dörfern wohnen auf engem Raum - Abstand zu halten ist kaum möglich. Da in den Dörfern - aus Angst vor Stigmatisierung - kaum getestet wird, wissen wir nicht wirklich, wie viele COVID-Erkrankte es tatsächlich gibt […]. Unglücklicherweise gab es bisher zwei Corona-bedingte Todesfälle in Auroville und in unserem Bekanntenkreis in den Dörfern werden auch mehr und mehr Todesfälle bekannt.”

Sie warnt außerdem vor drohender Mangelernährung aufgrund steigender Lebensmittelpreise: „In Indien leben viele Menschen von dem, was sie täglich verdienen (die Familien unserer Kinder eingeschlossen) und kämpfen täglich damit, sich über Wasser zu halten. Viele Menschen haben nach dem monatelangen Lockdown ihre Jobs verloren oder der Verdienst reicht nicht zum Leben. Die Regierung versorgt die meisten der ärmsten Haushalte mit einer kleinen Menge Reis, Hülsenfrüchten, Öl und Zucker, aber nicht mit Obst und Gemüse. Steigende Lebensmittelpreise und veränderte Ernährungsgewohnheiten (weg von den traditionellen gesunden Hirse-Arten und wildwachsenden Spinatsorten, hin zu industriell verarbeiteten Lebensmitteln) haben dazu geführt, dass sich viele Menschen in Indien sehr schlecht ernähren. Besonders seit dem Lockdown verschlechtert sich die Gesundheit (insbesondere) der Kinder stark. Ohne das gesunde Mittagessen und die nahrhaften Zwischenmahlzeiten bei Deepam mussten schon drei Kinder wegen lebensgefährlich niedriger Hämoglobinwerten (unter 4 mg) Bluttransfusionen erhalten.”