COVID-19 weltweit

Corona bzw. Covid-19 ist weiterhin in aller Munde. Selten hat ein einziges Thema alle Gesellschaften und Kulturen so beherrscht. Die Menschen stehen vor der Herausforderung, mit der möglichen Virusinfektion umzugehen, unabhängig davon, ob sie im Globalen Norden oder im Globalen Süden leben. Die Ausgangsvoraussetzungen sind von Land zu Land und Region zu Region allerdings sehr verschieden.  Der Zustand der Gesundheitssysteme, die Versorgungslagen sowie die sozio-ökonomischen Voraussetzungen variieren stark. Vielerorts stellt(e) sich die Frage, wie lange ein Lockdown wirtschaftlich tragbar ist.

Im vergangenen Jahr wurde das öffentliche Leben weltweit zurückgefahren. Grenzschließungen waren die Regel. Die Regulation des Alltags reichte von Direktiven, Zuhause zu bleiben (Kenia) bis zu drakonischen Notstandsmaßnahmen, die auf den Straßen durch Militärs kontrolliert wurden (Peru und Nepal). Der ökonomische Zusammenbruch des informellen Arbeitssektors, prekäre Gesundheitssysteme, hilflose Regierungen und eine insgesamt mangelhafte Daseinsvorsorge mündeten für die Menschen in vielen unserer Partnerländer in Unsicherheit und dem Erleben restriktiver Gewalt. Vielerorts lockern die Regierungen allmählich ihre Maßnahmen, häufig nicht aufgrund eines sinkenden Infektionsgeschehen, sondern deshalb, weil die wirtschaftlichen Restriktionen für die Menschen nicht mehr tragbar sind.

Unsere Partnerorganisationen vermittelten uns ihre Sorge über diese Zustände. Angst und Unsicherheit verbreiteten sich. Gleichzeitig wurde in der Krise deutlich: Die jahrelange Kooperation mit unseren Partnerorganisationen hat Strukturen und Ressourcen geschaffen, die vielen Menschen auch in der Krisenzeit weiterhelfen, ihnen Widerstandskraft geben und die Bereitstellung von Nothilfemaßnahmen ermöglichten. Die Menschen in unseren Partnerorganisationen wollen wir weiterhin unterstützen und ihre Arbeit sowie die gewachsenen Strukturen vor Ort, gemeinsam mit unseren Partner*innen, aufrechterhalten.

Einen Bericht über die von uns im vergangenen Jahr geförderten Nothilfemaßnahmen finden Sie hier.

Wie die Situation in unseren Partnerländern derzeit aussieht, können Sie hier nachlesen (Stand: Anfang September 2021):



Äthiopien

Bis  September 2021 wurden in Äthiopien über 314.984 Corona-Infektionen erfasst. Damit ist das das bevölkerungsreichste Land (110 Mio. Einwohner*innen) unter den Ländern des Horns von Afrika am stärksten betroffen. Ministerpräsident Abiy Ahmed rief bereits im April einen fünf Monate andauernden nationalen Ausnahmezustand aus. Die damit einhergehenden drastischen Maßnahmen für Privathaushalte schienen zunächst erfolgreich. Eine erste Welle von Juli bis Mitte September und eine zweite im Dezember ließen jedoch die offiziellen Infektionszahlen in die Höhe schnellen. Dies vor allem in der Landeshauptstadt Addis Abeba. Im März und April gab es einen erneut sehr starken Anstieg der Infektionen, diese „dritte Welle“ ist jedoch, zumindest den offiziellen Zahlen nach, mittlerweile wieder abgeklungen.

Am 13. März 2021 starteten die Impfungen in Äthiopien. Das Ziel der äthiopischen Regierung ist es, bis Ende 2021 20 Prozent der Bevölkerung geimpft zu haben. Aktuell scheinen aber erst 2,4 Millionen Menschen – also etwa 2,1 Prozent - ihre erste Impfung erhalten zu haben. Verlässliche Zahlen über den genauen Impfstand sind leider nicht verfügbar.

Äthiopien ist auch stark von den wiederkehrenden Heuschreckenschwärmen betroffen. Außerdem eskalierte Ende 2020 ein bewaffneter Konflikt um die Tigray-Region zwischen der Äthiopischen Armee und der „Volksbefreiungsfront von Tigray“.

In den nördlichen umkämpften Regionen um Tigray sind derzeitig rund zwei Millionen Kinder, Frauen und Männer vertrieben. Insgesamt sind rund fünf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Betroffen sind auch vier Flüchtlingslager, die zuvor Tausenden eritreischen Flüchtlingen Zuflucht boten. Etwa 60.000 Äthiopier*innen sind bereits in den Sudan geflohen. Schon vor Ausbruch des Bürgerkrieges in der Region war ein Großteil der ländlichen Bevölkerung, infolge vergangener Dürrejahre, von Lebensmittelhilfe abhängig. Diese Situation wird nun verschärft - vielerorts verhinderte der Konflikt bereits in den vergangenen Monaten das Einholen der Ernte und nun das nötige Pflügen der Felder in Vorbereitung auf die Sommerregenzeit. Es herrscht eine massive Hungersnot.

Um die humanitären Hilfestellungen, die wegen der Pandemie und in den Schutzcamps von Tigray erforderlich sind, leisten zu können, sind internationalen Hilfen dringend nötig. Allerdings lässt die Regierung die Hilfsmaßnahmen kaum bis zu den Bedürftigen gelangen. Hier scheint sich zu wiederholen, was der kommunistische Diktator Mengistu schon 1983 und 1984 versuchte: ein Genozid durch Aushungern.


Bolivien

Inzwischen haben sich offiziell über 493.000 Menschen in Bolivien mit dem Coronavirus infiziert, über 18.500Menschen seien in Verbindung mit der Erkrankung verstorben. Die Infektionsrate scheint vergleichsweise niedrig. Aufgrund von geringen Testkapazitäten wird jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Das  Gesundheitssystem ist fragil,  Krankenhäuser überlastet. Es kam wiederholt zu Ärztestreiks. Besonders für indigene Bevölkerungsgruppen in ländlichen Gebieten gibt es weder geeignet ausgestattete Krankenhäuser, noch Medikamente zur Versorgung der Erkrankten.

Am 28. Januar sind die ersten 20.000 Sputnik V-Impfdosen in der bolivianischen Hauptstadt La Paz eingetroffen. Wie viele andere lateinamerikanische Länder, ist auch Bolivien auf das COVAX Programm der Weltgesundheitsorganisation angewiesen. Im März kam dessen erste Lieferung mit 228.000 Impfdosen in Bolivien an. In der Zwischenzeit sind 6,12 Millionen Impfdosen (Erstimpfung) verabreicht worden, somit haben bisher etwa 53% die Erstimpfung erhalten und 24,7% auch schon die zweite Impfdosis (Stand07.09.2021).

Auch einige Mitarbeiter*innen unseres Partners, der Tahuichi Fußballakademie, sind in den letzten Monaten an Covid-19 erkrankt, aber inzwischen wieder gesundet.

Die Schüler*innen der Akademie konnten nur zum Teil wieder zurück in die Schule, da sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien zunehmend verschlechtert. Laut unseren Ansprechpartner*innen bei der Fußballakademie, ist die Methode der virtuellen Schulausbildung zwar unter den gegebenen Umständen notwendig, aber wenig erfolgreich, da kaum eine Familie über die passende technische Ausrüstung oder den notwendigen Raum verfügt.
   


Brasilien

Laut Daten der WHO haben sich in Brasilien mittlerweile etwa 120,9 Millionen Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Über 584.000 Menschen sind bereits mit oder an der Krankheit gestorben. Nach einer langen dritten Welle liegt allerdings die 7-Tage-Inzidenz mit 71 wieder weit unter 200 und damit auf dem niedrigsten Wert seit Anfang November 2020. Damit hat sich die Situation im Land seit unserem letzten Update deutlich verbessert. Die Delta-Variante hat aber vermutlich bereits den bisherigen starken Sinkflug der Neuinfektionen gebremst. Es sind, wie in anderen Ländern, mittelfristig wieder steigende Inzidenzen zu befürchten, wenn sich Delta weiter durchsetzt.

In Brasilien wurde im Januar mit dem Impfen begonnen. Mehr als 100 Millionen Dosen des Impfstoffs „Coronavac“, der vom Butantan-Institut in São Paulo in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Pharmakonzern Sinovac produziert wird, wurden Anfang Januar von der Regierung bestellt. Auch der Impfstoff von AstraZeneca wurde zugelassen. Nach Angaben der John Hopkins University (JHU) in Baltimore wurden bis jetzt (Stand: 07.09.2021) über 66,5 Millionen Menschenvollständig geimpft, was einer Quote von 31,5 Prozent entspricht. Durch mangelnden Impfstoff ist die Impfkampagne momentan allerdings ins Stocken geraten.


El Salvador

Im kleinen mittelamerikanischen Staat El Salvador mit seinen ca. 7 Millionen Einwohner*innen verhängte Präsident Nayib Bukele am 21. März 2020 einen landesweiten Lockdown, der als einer der striktesten in Lateinamerika eingestuft wurde. Die Regierung ging scheinbar davon aus, dass sich die Bevölkerung nur an die Corona-Eindämmungsmaßnahmen hielte, wenn diese mit der Verbreitung von Angst – über die nationalen Fernseh- und Radiokanäle – sowie mit Gewalt – über staatliche Sicherheitskräfte – durchgesetzt würden. Verstöße gegen die Quarantäneregeln wurden mit bis zu einem Monat Haft sanktioniert.

Das Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung von Armut betroffen ist, und das von gewaltsamer Banden-Kriminalität sowie von Massenmigration – insbesondere in die USA – gekennzeichnet ist, war auf die Corona-Pandemie schlecht vorbereitet. Das Angebot zur Gesundheits- und Notfallversorgung ist mit Ausnahme der Hauptstadt San Salvador insbesondere in ländlichen Gebieten unzureichend. Das medizinische Personal war einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt und stieß schnell an die Grenzen seiner Kräfte. Mittlerweile haben sich laut WHO knapp 96.067 Menschen mit dem Virus infiziert, 2.969 sind gestorben (Stand 07.09.2021). Diese Zahlen sind allerdings mit äußerster Vorsicht zu betrachten, da die Testkapazitäten in El Salvador sehr gering sind.

Am 17. Februar wurde zwar die erste Person, eine 53-jährige Krankenschwester, mit dem Impfstoff von AstraZeneca aus indischer Herstellung, geimpft, die erste Lieferung umfasste jedoch insgesamt nur 20.000 Dosen. Impfungen für 6,63 Millionen Bürger*innen wurden über das COVAX-Programm der WHO bestellt. Mittlerweile sind 2,93 Millionen Menschen erstgeimpft, was einer Quote von 45,4 Prozent entspricht (Stand: 07.09.2021).


Ghana

Zurzeit wird das Land sehr stark von der dritten Welle der Corona-Pandemie getroffen. Mit einem 7-Tage Inzidenzwert von 559 am 31. August, hat sich die Situation in den letzten Wochen deutlich verschlechtert. Seit Anfang der Pandemie wurden insgesamt 121.00 Infektionsfälle und 1.069 Todesfälle berichtet (Stand: 07.09.2021).

In Ghana treffen die wirtschaftlichen Einbußen infolge der Pandemie auf bestehende Probleme wie eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.  

Die restriktiven Maßnahmen im Zuge von Corona schränken auch das ghanaische gesellschaftliche Leben ein: öffentliche Versammlungen, Sportveranstaltungen und Konferenzen konnten und können nur eingeschränkt stattfinden. Eine allgemeine Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung und regelmäßige Temperaturkontrollen sind an der Tagesordnung. Insbesondere die Accra Metropolitan Area und Kumasi sind von hohen Fallzahlen betroffen. Schulen und Universitäten im ganzen Land bleiben nur für Abschlussklassen geöffnet. Kinder und Jugendliche sind demnach weiterhin besonders betroffen. Durch die Schließung der Schulen erlebten sie bereits im vergangenen Jahr zum einen verminderten Zugang zu Lebensmitteln und grundlegenden Gütern - zum anderen waren sie infolge dessen vermehrt körperlicher Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Die damit einhergehenden physischen und psychischen Folgeschäden werden in ihrem vollen Ausmaß wohl erst deutlich später erfassbar sein.

Am 24. Februar 2021 erhielt das westafrikanische Land die erste Lieferung von Corona-Impfstoffen. Bis Anfang September wurden etwa 1,27 Millionen Menschen in Ghana erstgeimpft, davor aber nur 406.000 vollständig geimpft was einer Impfquote von 1,3 Prozent entspricht (Stand: 7. September 2021).


Indien

Indien, ohnehin stark von der COVID-19 Pandemie betroffen, erlebte im Mai und in der ersten Hälfte Juni einen massiven, ungebremsten Anstieg von Fallzahlen. Mehr als 33 Millionen Infizierte zählt das Land, rund 441.000 Inder*innen sind nach offiziellen Angaben gestorben (Stand: 07.09.2021). Die Datenlage ist allerdings kaum gesichert. Die Dunkelziffer wird als fünf- bis zehnmal höher eingeschätzt. Häufig verstarben Menschen aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung und insbesondere fehlendem Sauerstoff. Seit einigen Monaten tritt unter Covid-Patient*innen ein sehr aggressiver Pilzbefall auf, der offiziell in 45.374 Fällen diagnostiziert wurde und zu mindestens 4.300 Toden geführt haben soll. Die Verbreitung dieses „schwarzen Pilzes“ erfolgt wahrscheinlich durch Luftbefeuchter und verschmutztem Wasser in Sauerstofftanks.

In den erneut geschlossenen Schulen wurden die Abschlussprüfungen im Mai und Juni 2021 verschoben und zu Teilen ganz abgesagt.
Indien befindet sich in einer Rezession, deren Folgen insbesondere für die Menschen im informellen Sektor verheerend sind. Indische Großstädte erlebten zeitweise einen Massenexodus mit humanitärer Krise. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Lockdowns führten dazu, dass Millionen von Menschen ihre Lebensgrundlage verloren haben. Abriegelungen und Angst vor COVID-19 zwangen viele zurück in ihre Dörfer, in denen es weder genügend Nahrung noch wirtschaftliche Existenzgrundlagen gibt. Diese Situation wird durch den erneuten Lockdown weiter verschärft.

Am Samstag, den 16. Januar 2021, startete in Indien die größte Impfkampagne weltweit. Die Regierung plante, bis Juli 2021 300 Millionen der insgesamt 1.3 Milliarden Menschen zählenden Bevölkerung zu impfen. Zuerst wurden „systemrelevante“ Personen, wie medizinisches Personal und Polizei geimpft, der Rest der Bevölkerung folgte nach. Die indische Regierung setzte große Hoffnungen in den vom indischen Serum Institut hergestellten Impfstoff Covishield- auch, um so dem wirtschaftlichen Abwärtstrend etwas entgegen setzen zu können. Bis heute (Stand: 07.09.2021) sind mit etwa 688 Millionen verabreichten Dosen über 50 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft und 11,8 Prozent haben schon die zweite Dosis erhalten.  Anlässlich der rasant steigenden Fallzahlen ist das indische Programm „Neighbourhood First“, bei dem Indien seinen Nachbarländern zehntausende Dosen seines Impfstoffes zur Verfügung stellte, vorerst gestoppt. So soll die Impfung der indischen Bevölkerung noch schneller vorangetrieben werden.


Kenia

Die Corona-Pandemie in Kenia befindet sich derzeit in der dritten Welle. Offiziell verzeichnete das Land mit seinen rund 50 Millionen Einwohner*innen seit Beginn der Pandemie rund 240.000bestätigte Fälle, darunter offiziell 4.795 Todesfälle (Stand: 07.09.2021). Jedoch wird davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer aufgrund mangelnder Testkapazitäten sehr viel höher ist. Unsere Partner*innen berichten, dass inzwischen jede*r Kenianer*in in ihrer/seiner Großfamilie Tote zu beklagen hatte – ob diese an oder mit COVID verstarben, ist dabei nicht nachzuvollziehen.

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind in Kenia im informellen Sektor beschäftigt. Viele dieser Tätigkeiten konnten aufgrund der Ausgangssperren und viruseindämmenden Maßnahmen in den vergangenen Monaten nicht ausgeübt werden, so dass die Familien ihr Einkommen verloren. Besonders Kinder sind von Hunger betroffen, wenn Familien in Armut gedrängt werden. Die Nahrungsknappheit wird außerdem in einigen Gebieten Kenias durch wiederholte Heuschreckenplagen verstärkt, die die Ernten auf den Feldern vernichten. Bereits vor der Coronakrise sorgten sie dafür, dass die Menschen vor allem im Norden Kenias um ihre Existenz fürchteten. Darüber hinaus steigen die Preise für Lebensmittel, Benzin etc. kontinuierlich. Die Situation für Tagelöhner*innen verschlechtert sich zunehmend.

Obwohl die Schulen in Kenia seit Januar 2021 wieder geöffnet sind, wurden Kindergärten erneut Anfang März geschlossen. Gleichzeitig wurden erneut Ausgangsbeschränkungen und Restriktionen als Reaktion auf zuletzt hohe Infektionszahlen verordnet.

Kinder und Jugendliche waren monatelang nicht in der Schule. Familien sind mit Armut, Hunger und Unsicherheiten konfrontiert. Die zur Einschränkung der Pandemie erlassenen Maßnahmen sorgen für einen Anstieg genderbasierter, sexueller und familiärer Gewalt und Missbrauch, sowie zu Ausbeutung und Frühschwangerschaften. Dies führt in Kenia ebenfalls zu einer stärkeren Verbreitung von HIV unter Jugendlichen und Kindern. Zu den ernsten gesundheitlichen Folgen und Stigmatisierungen tritt mit einer HIV Infektion die Diskriminierung, die es noch weiter erschwert, einen Job zu finden. Gleichzeitig bedeutet eine HIV Infektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf einer COVID-19 Infektion, auch bei Kindern und Jugendlichen.

Anfang März 2021 hat Kenia eine Million Impfdosen durch COVAX erhalten, über 2,86 Millionen Dosen wurden bereits verabreicht. Damit wurden allerdings nur 1,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Laut einer Umfrage der World Bank zu den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf Haushalte in Kenia sind 75 Prozent der Bevölkerung bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Bevölkerungsgruppen mit höheren Bildungsabschlüssen zeigten eine größere Impfbereitschaft.


Nepal

Das kleine Land, umgeben von den höchsten Bergen der Welt, wurde von der Pandemie schwer getroffen. Die medizinische Versorgungslage des Landes ist schwach: Es mangelt an Testmöglichkeiten, Intensivbetten, Sauerstoff, Impfstoff und Personal. Aufgrund der unzuverlässigen Datenerfassung ist anzunehmen, dass die tatsächliche Anzahl der Infektionen viel höher ist als die offiziell gemeldeten 772.000 Fälle (Stand: 07.09.2021).

Gleichzeitig wirkt sich die Pandemie stark auf die beiden wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes aus: Die Tourismusbranche sowie Handwerks- und Textilproduktion verzeichneten erhebliche Einbrüche. Darüber hinaus haben die verschiedenen Lockdowns in den Nachbarländern Nepals, in denen ein großer Teil der nepalesischen Bevölkerung arbeitet, zu einem deutlichen Rückgang des Überweisungszuflusses geführt, was wiederrum die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtert. Die Krisensituation ließ die psychischen Erkrankungen in Nepal ansteigen. So berichtet die nepalesische Polizei von einer deutlich erhöhten Suizidrate. (16-18 Suiziden pro Tag im Jahr 2020).

Am 27. Januar wurden Regierungsvertreter*innen und die ersten medizinischen Fachkräfte mit dem durch die Gesundheitsbehörden zugelassenen COVID-19 Impfstoff von AstraZeneca geimpft. Die Impfreihenfolge sieht die Impfung von Regierungsangehörigen und Behördenangehörigen; Ärzt*innen und Pfleger*innen sowie Menschen mit Vorerkrankungen und dann über 50zig-Jährige vor. Am 7. September waren in Nepal rund 10,5 Millionen Menschen vollständig geimpft, was einer Quote von 17,3 Prozent der Bevölkerung entspricht. Aufgrund der verheerenden Situation im Nachbarland Indien – welches Nepal, neben China, zuvor mit Impfstoff belieferte –, bleibt die Versorgung mit Impfstoff derzeit vielerorts aus.

Der einzige Weg, sich vor dem Virus zu schützen, scheint derzeit die komplette Isolation zu sein. Voraussetzung dafür sind Ersparnisse und/oder Lebensmittelvorräte.


Pakistan

Auch in Pakistan steigen die Infektionszahlen aufgrund der Delta Variante momentan wieder drastisch an. Das Land hatte den ersten Lockdown am 18. Mai 2020 aufgrund schwerer wirtschaftlicher Konsequenzen als eines der ersten Länder beendet. Seitdem hat die Regierung einen sogenannten „smart-Lockdown“ in Form punktueller lokaler Ausgangssperrungen und Kontaktbeschränkungen eingeführt. Dem Wirtschaftssektor wurde es auf diese Weise ermöglicht, größtenteils unter regulären Bedingungen zu operieren. Die Schulen bleiben mit Ausnahme der 9. und 10. Klasse geschlossen.

Die Impfkampagne mit dem in Indien hergestellten Impfstoff von AstraZeneca hat am 16. Januar begonnen. Der Zugang der ländlichen Bevölkerung und der ärmeren Schichten der städtischen Bevölkerung ist noch begrenzt. Derzeit (Stand 7. September 2021) sind 63,3 Millionen Menschen in Pakistan vollständig geimpft, was einer Quote von 9,3 Prozent entspricht.


Peru

Peru ist weiterhin sehr stark von der COVID-19 Pandemie betroffen und wird vom Auswärtigen Amt immer noch als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Bisher gibt es über 2,16 Millionen bestätigte Infektionen und 199.000 bestätigte Todesfälle, die in Verbindung mit einer COVID-19 Erkrankung stehen.  Somit ist Peru mit Abstand das am härtesten getroffene Land in der Region. Da der Zugang zu Impfstoff weiter relativ eingeschränkt ist, liegt die Impfquote (vollständige Impfung) derzeit bei 26,01 Prozent (Stand 07.09.2021).

Am 14. April 2021 gab die Regierung Perus bekannt, dass die Notfallquarantänemaßnahmen und Ausgangsbeschränkungen, die seit dem 31. Januar 2021 gelten, bis zum 31. Mai verlängert werden. Mit wenigen Ausnahmen bleiben Lehreinrichtungen immer noch geschlossen und es besteht landesweit ein Veranstaltungs- und Versammlungsverbot sowie Maskenpflicht. Je nach Inzidenz können sich diese Beschränkungen regional unterscheiden. Doch die Gegenmaßnahmen der Regierung greifen nicht ausreichend. Millionen Peruaner*innen leben in kleinen Häusern eng bebauter Armenviertel, teilweise ohne Wasseranschluss - die Umsetzung der Quarantänemaßnahmen ist meist unmöglich.
Besonders Mädchen leiden unter der zusätzlichen Belastung durch Homeschooling, Betreuung von Geschwistern und der Mitarbeit im Haushalt. Die Schließungen von Schulen und Betreuungseinrichtungen haben darüber hinaus den Handlungsspielraum für Maßnahmen gegen Gewalt an Kindern begrenzt. Innerfamiliäre Gewalt hat stark zugenommen.

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der steigenden Arbeitslosigkeit wurden seit Beginn der Pandemie zusätzlich rund zwei Millionen Menschen in Armut gedrängt. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind nicht formell beschäftigt und sozialversichert. Viele haben kein eigenes Bankkonto. Das führt dazu, dass Hilfszahlungen der Regierung persönlich abgeholt werden müssen und die Menschen sich somit einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen. Hinzu kommt, dass das Gesundheitssystem überlastet bleibt. Seit Januar sind im Gesundheitssystem arbeitende Menschen täglich in den Armenvierteln Limas damit beschäftigt, COVID-19 Patient*innen zu betreuen und deren Angehörige zu testen.

Die Pandemie lässt das ohnehin geschwächte Vertrauen der peruanischen Bevölkerung in die Regierung weiter sinken. Knapp 500 Politiker*innen wurden dabei überführt, ihre Position ausgenutzt zu haben, um eine vorzeitige Impfung zu erhalten. Darunter auch der im November abgesetzte Präsident Vizcarra, sowie die Gesundheitsministerin, welche daraufhin zurücktrat. Die COVID-19 Impfkampagne mit dem chinesischen Sinopharm-Vakzin hat im Januar begonnen. Mittlerweile wurden 19,4 Millionen Impfdosen verabreicht und damit 26,1 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft (Stand: 07.09.2021).



Philippinen

Die Philippinen verzeichnen bisher über 2,12 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus; 34.498 Menschen sind an oder mit Corona gestorben. Aufgrund der dritten Welle der Pandemie, welche die Asiatische Länder besonders hart getroffen hat, sind die Zahlen in den letzten Wochen sehr hoch gestiegen.

Am vierten März 2021 haben die Philippinen erstmals 480.000 Impfdosen des AstraZeneca Impfstoffes durch die COVAX Initiative erhalten. Bisher wurden rund 36 Millionen Dosen unterschiedlicher Hersteller verabreicht (Stand: 07.09.2021). Die Philippinen erleben einen der härtesten Lockdowns der Welt. Die Schulen auf den Philippinen waren von März bis Oktober 2020 geschlossen. Nun ist Distanzunterricht wieder möglich, jedoch bleibt unklar, wann der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden kann. Aufgrund der besonders langen Schulschließungen, den schlechten Internetzugängen und der hohen Zahl an armen Familien, sind die Folgen der Schulschließungen für die Kinder fatal. Viele haben den Bildungsanschluss verloren und einige werden auch zukünftig nicht in die Schule zurückkehren können. Mehr Kinder wurden in Zwangsheirat und Kinderarbeit gedrängt. Durch den langen und harten Lockdown sind Kinder vermehrt psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Auch die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet ist seit den Lockdown-Maßnahmen extrem stark angestiegen.

Das Gesundheitssystem ist angesichts der Corona Pandemie überlastet und nur wenige Kapazitäten können für andere, essentielle Gesundheitsleistungen wie Schwangerschafts-vorsorge mobilisiert werden.
Die harten Ausgangsbeschränkungen und Maßnahmen, sowie das neue COVID-19 Gesetz werden militärisch durchgesetzt. Zehntausende Menschen wurden wegen Verstößen gegen die Pandemieregeln bereits verhaftet und in überfüllte Gefängnisse und Aufenthaltslager gebracht, wo sie einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Viele Menschen haben jedoch aufgrund ihrer Armut und informellen Tätigkeiten keine Möglichkeit, sich an die Regeln der Regierung zu halten, da sie ihre Familien nicht versorgen können.

Nun hofft das Land durch eine Impfkampagne zeitnah und nachhaltig die Krise zu bewältigen. Ziel der Regierung ist es, 2021 insgesamt 145 Millionen Impfungen zu erwerben und so knapp 70 Millionen Filipinos/Filipinas impfen zu können.


Simbabwe

Simbabwe hat bisher rund 126.000 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt (Stand: 07.09.2021). Die Dunkelziffer könnte allerdings um ein Vielfaches höher liegen, da es an Testkapazitäten mangelt. Die Impfkampagne begann Mitte Februar mit 20.000 Dosen des chinesischen Unternehmens Sinopharm, dessen Wirksamkeit jedoch gegen die südafrikanische Virusmutation, die in Simbabwe für mehr als 60 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich ist, nicht vollends geklärt ist. Bisher wurden etwa 1,72 Millionen Menschen vollständig geimpft, was 11,7 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Das Gesundheitssystem Simbabwes ist überlastet und unterfinanziert. So gibt es beispielsweise mehrere Berichte darüber, dass Krankenhauspersonal Schutzkleidung seitens der Regierung verwehrt wurde. Während der Pandemie hat sich die langanhaltende Krise der Wasserversorgung verschlimmert. Die Regierung hat es nicht geschafft, einen kontinuierlichen, erreich- und bezahlbaren Zugang zu sauberem Wasser für die Bevölkerung zu gewährleisten. Dieser ist jedoch besonders in der Pandemiebekämpfung zentral. Tausende Frauen und Kinder verbringen Stunden an überfüllten Wasserausgabestellen, um Trinkwasser für ihre Familien zu erhalten und setzen sich so neben den vorher bestehenden Belastungen nun auch erhöhten Infektionsrisiken aus.

Simbabwe befindet ich seit Beginn der Pandemie immer wieder in harten Lockdowns. Die Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung sind fatal. Schätzungsweise sind nun 1,3 Millionen Menschen zusätzlich von extremer Armut betroffen. Damit sind insgesamt fast 49% der Bevölkerung extrem arm. Die Schließungen der Institutionen und der durch den Lockdown beschränkte Zugang zu Bildung, genereller Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit haben besonders schwerwiegende Folgen für Kinder. So sind auch in Simbabwe während der Pandemie immer mehr Kinder Gewalt, Ausbeutung, Unterernährung und Krankheiten ausgesetzt. Die strengen Regelungen und viruseindämmenden Maßnahmen werden in Simbabwe durch Sicherheitskräfte rigoros durchgesetzt. So wurden innerhalb der ersten vier Monate des Lockdowns über 100.000 Menschen wegen Regelbruchs festgenommen, viele von ihnen, darunter auch Frauen, gewaltsam. Viele Frauen hatten wegen der Beschränkungen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung während der Schwangerschaft. Insgesamt kritisieren mehrere internationale Institutionen, dass zivilrechtliche und menschenrechtliche Freiheiten von der Regierung unter Vorschub der Pandemiebekämpfung weiter eingeschränkt würden. 

 


Uganda

In Uganda gibt es offiziellen Angaben zufolge aktuell über 121.000 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus (Stand 07.09.2021). Aufgrund der stark zunehmenden Zahl der Infektionen seit Anfang Juli durch eine neue Mutation, wurden  restriktive Maßnahmen zur Eindämmung des Virus weiter erhöht und wirken sich stark auf die Lebensumstände der Bevölkerung aus.

Ab Oktober 2020 wurden die Abschlussklassen in Schulen unter strikten Auflagen wieder geöffnet. Corona-Schutzmaßnahmen, wie die nächtliche Ausgangsperre und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, in öffentlichen Bereichen bleiben in Kraft. Vor allem in ländlichen Gebieten verläuft die Umsetzung einer Maskenpflicht teilweise schleppend – Masken sind teuer und die Aufklärung über ihren Nutzen geschah nicht flächendeckend. Geschäfte, Gastronomie und sonstige Freizeitaktivitäten in Innenräumen sind unter weiteren Hygienemaßnahmen wie Mindestabstandsregeln geöffnet.

Zusätzlich zu den rund 8,7 Millionen Menschen (ca. 20% der Bevölkerung), welche vor Beginn der Pandemie offiziell in absoluter Armut lebten, wurden nun zusätzlich bis zu 3,2 Millionen Menschen in die Armut gedrängt. In Uganda ist die Situation besonders schwerwiegend für Kinder und Jugendliche, welche einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Das geschätzte Durchschnittsalter liegt in Uganda 2020 bei 16,7 Jahren. Millionen Kinder mussten ihre schulische Bildung aufgrund der Pandemie unterbrechen. Einkommensverluste der Familien wirken sich nicht nur auf die Ernährungssicherheit von Kindern und somit auf ihre Gesundheit aus, sondern führen dazu, dass mehr Kinder zur Aufnahme informeller Tätigkeiten gedrängt werden, um zusätzliches Einkommen zu generieren. Die Folgen sind genderbasierte Ungleichheit und Gewalt, sowie Ausbeutung und Kinderarbeit, soziale Ausgrenzung und Abgrenzung zu Betreuungspersonen.

Impfungen sollen Lockerungen versprechen. Uganda hat sich um 9 Millionen Impfdosen beworben. Damit könnten rund 20 % der über 45 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung geimpft werden.  Bislang wurden allerdings nur 1,4 Millionen Impfdosen verabreicht. Damit wurde knapp 0,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.


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