Peru: Geschichten und Berichte

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus verhängte Präsident Martín Vizcarra am Sonntag dem 15. März den Ausnahmezustand. Vorerst bis zum 24. Mai gilt – ähnlich wie in Deutschland  - das Gebot der „sozialen Isolation“. In Peru bedeutet es allerdings, das pro Haushalt nur eine Person das Haus verlassen darf und dies auch nur, um Lebensmittel einzukaufen. Zudem gilt eine nationale nächtliche Ausgangssperrre - von 20:00 Uhr abends bis 04:00 in der Früh. In der Region Loreto, wo u.a. unsere Partnerorganisation ACELPA tätig ist, beginnt die Ausgangssperre bereits um 16 Uhr. Sonntags müssen die Menschen ganztägig zu Hause bleiben.

Ab dem 18. Mai dürfen Kinder bis zu 14 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen, der im selben Haushalt wohnt, für eine halbe Stunde nach draußen gehen. Allerdings müssen sie sich in einem Radius von 0,5 km zur Wohnstätte aufhalten, Masken tragen und den Mindestabstand, der in Peru 2 Meter beträgt, einhalten.

Die Durchsetzung dieser strengen Maßnahmen wird durch Militär und Polizei durchgesetzt - die Präsenz soll, zur Kontrollen der Maßnahmen, noch weiter ausgebaut werden.

In den vergangenen Tagen haben wir viele E-Mails mit unseren Partner*innen in Peru ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Update zur Lage in Peru (31.03.2020)

Die polizeilichen und militärischen Kontrollmaßnahmen in Peru wurden verschärft und der Ausnahmezustand wurde bis zum 12. April verlängert. Es herrscht eine Ausgangssperre von 18.00 Uhr bis 5.00 Uhr, in manchen Regionen beginnt die Sperre auch schon früher am Nachmittag. Laut dem Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins University verzeichnet Peru 950 mit dem Virus infizierte Personen, 24 Tote und 53 Personen, die sich vom Virus erholt haben. Etwa 300 Menschen wurden in Krankenhäusern eingewiesen.

Auch in Peru ist es für Experten kaum möglich vorherzusagen, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird. Je härter die USA und China von der Pandemie getroffen sein werden, desto tiefer wird die Talfahrt für die peruanische Wirtschaft ausfallen, da China und die USA die Hauptimporteure peruanischer Produkte sind. Des Weiteren gilt zu bedenken, dass 70% der peruanischen Wirtschaft im informellen Sektor angesiedelt ist. Das bedeutet, dass ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung Beschäftigungen ohne soziale Absicherung nachgeht und die Menschen auf ihre tägliche Arbeit angewiesen sind, um sich und ihre Familien zu ernähren. Auch ohne eine Pandemie ist es für die Regierung nicht leicht, die Menschen, die von Armut oder extremer Armut betroffen sind (40% der Bevölkerung) zu unterstützen. Für die ersten beiden Wochen der Ausgangssperre erhielten diese Menschen eine Hilfe von 380 Soles (ca. 100 Euro). Mit der Verlängerung der Quarantäne sollte auch diese Unterstützung erneuert werden.

Wenn die Covid-19-Pandemie die Schwachstellen der Gesundheitssysteme von Ländern mit soliden Volkswirtschaften (z.B. USA, Spanien) deutlich macht, so sind die Risiken für eine Versorgung von Erkrankten in den Ländern Lateinamerikas und der Karibik, wo die Gesundheitssysteme und Krankenhausbedingungen prekär sind, um ein Vielfaches höher. In Lima, der Hauptstadt Perus, etwa, gibt es weder Krankenhäuser, die auf eine solche Pandemie eingestellt sind, noch wurden die molekularen Tests gekauft, um die Infizierten zu erkennen. Sportstätten werden in provisorische Krankenhäuser umgewandelt, und Ärzte recyceln permanent chirurgisches Material, Handschuhe, Masken usw. Im Zuge der Krise in Venezuela haben zudem ca. 800.000 venezolanische Staatsbürger*innen Zuflucht in Peru gesucht. Die allermeisten von ihnen haben keine Arbeit, keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung und auch kein Anrecht auf staatliche Sozialleistungen wie die Peruaner*innen, die von Armut betroffen sind. In den Städten verhindert daher die starke Präsenz der staatlichen Sicherheitskräfte dass es etwa zu Plünderungen von Geschäften oder auch Gefängnisaufständen kommt.

In den einzelnen Regionen Perus gestaltet sich die Situation ganz unterschiedlich. Die meisten Infizierten sind in Lima (718) zu finden. Es gilt zu bedenken, dass mit ca. 9,3 Mio Einwohnern ca. ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes in der Hauptstadt leben. Hier arbeitet unser Partner Aynimundo in zwei Slums mit äußerst rudimentärer Versorgung in Form von Gesundheitsstationen. In der Amazonasregion Loreto, in der unsere Partnerorganisation ACELPA beheimatet ist, ist die Situation dramatisch; hier ist die Anzahl der Infizierten auf 52 angestiegen – bei einer kaum verfügbaren Gesundheitsinfrastruktur. Aus der Region Cusco, wo unser Patenschaftsprojekt Wawa Munakuy sowie ein Projekt mit Bergschulen (Quespina) angesiedelt sind, werden 25 Infizierte gemeldet. Die Region Cajamarca, in der unsere Partner ACICA, Asociación Holanda, ECA und ein Anwältekollektiv zur Verteidigung von Menschen- und Umweltrechten arbeiten,  ist bislang nur ein Fall bekannt. Es gibt allerdings auch Regionen, in der in Ermangelung von Tests keine Aussagen zu Infizierten gemacht werden (Stand 30.03.2020; siehe https://peru.as.com/peru/2020/03/30/tikitakas/1585599379_953138.html )

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Situation der indigenen Bevölkerungsgruppen im Amazonasgebiet: 80% dieser Gemeinschaften haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser oder zu sanitären Einrichtungen mit Anschluss an eine Kanalisation. Sie trinken Wasser aus dem Fluss oder Brunnenwasser, ohne es aufzubereiten, und benutzen Trockenlatrinen. Nur 20 % haben Zugang zu einem Gesundheitsposten, die allerdings nicht von Ärzten oder Krankenschwestern besetzt sind, sondern von medizinisch-technischen Assistenten. Viele menschliche Grundbedürfnisse sind in dieser Region nicht hinreichend abgedeckt. Die Bevölkerung lebt traditionell von der Nahrung und der „Medizin“, die der Wald ihnen bereit hält, andere Grundversorgungsmittel besorgen sich die Menschen in den nächstgelegenen urbanen Zentren. Im Zuge der aktuellen Ausgangssperre wurde die Bewegung der Amazonaswaldbewohner*innen – zum Beispiel mit Booten auf den Flüssen –allerdings stark eingeschränkt. So können sie sich mit bestimmten Gütern nicht mehr versorgen. Und auch die Sozialleistungen, die die peruanische Regierung im Zuge der Covid-19-Pandemie für die arme Bevölkerung bereitgestellt hat, bleiben ihnen verwehrt, da sie diese in einer nächstgelegenen Bank abholen müssten.

Je isolierter die indigene Bevölkerungsgruppe lebt, desto geringer fällt ihre Immunität gegen andere Zivilisationskrankheiten aus. Eine Ansteckung eines Mitgliedes einer indigenen Gemeinde mit dem Coronavirus geht daher aufgrund der Lebensweise und der dargestellten Bedingungen mit sehr großen Risiken für die gesamte Gemeinschaft einher (siehe: https://www.defensoria.gob.pe/ministerio-de-vivienda-debe-asegurar-funcionamiento-de-plantas-provisionales-de-tratamiento-de-agua-en-comunidades-nativas/ )


Fehlender Sauerstoff in der Lunge der Welt

Update 8. Mai 2020

Die Menschen in der Hauptstadt des peruanischen Regenwaldes, Iquitos, waren bereits vor dem Einbruch von COVID-19 von Dengue-Fieber und Armut geplagt. Nun geht den Krankhäusern der Stadt wortwörtlich die Luft aus. Der für die Behandlung von COVID-19-Patient*innen benötigte Sauerstoff ist ein sehr knappes und sehr teures Gut. Ein Zylinder Sauerstoff kostet inzwischen auf dem Schwarzmarkt bis zu 1.000 Euro. Patient*innen müssen diesen zur Behandlung im Krankenhaus selbst mitbringen.

Iquitos ist mit ihren 500.000 Einwohner*innen weltweit die größte Stadt, die nicht über Straßen erreichbar ist. Die Bevölkerung ist in hohem Maße von Luftlieferungen mit Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Sauerstoff abhängig, während Schwarzmarktpreise für derartige Güter stetig steigen.

Dem britischen Guardian gegenüber berichtet die Geschäftführerin des regionalen Gesundheitsamtes in Loreto, Graciela Meza, von einer Katastrophe: Die Krankenhäuser seien massiv überfüllt („fünffach über der Belastungsgrenze“). Dazu komme eine absolute Unterversorgung an Medikamenten und anderen medizinischen Gütern.

„Die meisten Patienten sind an Sauerstoffmangel gestorben. 90% sind an mangelnder medizinischer Versorgung gestorben “, berichtet Meza. Unter den bisherigen Opfern, die Meza die vergangenen Wochen täglich zählte, seien bereits zwei Krankenschwestern und drei Ärzt*innen. Zuletzt sei ein Assistenzarzt in seinen Zwanzigern an den Folgen des Virus gestorben. Vierzig  von insgesamt 128 infizierten Ärzt*innen seien derzeit noch erkrankt und ebenfalls medizinisch unterversorgt.

Meza macht insbesondere die behördliche Korruption und den jahrzehntelangen Verfall des Gesundheitssystems aufgrund ausbleibender Investitionen für diese humanitäre Katastrophe verantwortlich.

Iquitos ist die Stadt im Distrikt Loreto, die unserem Projekt „Gemeingutzone Amazonien/ACELPA“ am nächsten liegt. Güter, die in Tamshiyacu vor Ort nicht produziert werden können, müssen die Menschen in Iquitos, anderthalb Stunden Amazonas-flussaufwärts gelegen, einkaufen. Eine junge Frau brachte nach einer Geburt das Virus aus Iquitos nach Tamshiyacu mit. Sie ist inzwischen verstorben, ihre Familie in Quarantäne. Auch in Tamshiyacu spitzt sich die Situation zu.

Update 11.Mai 2020

Aufgrund der Verlängerung der Quarantänemaßnahmen sollen die bisherigen finanziellen Hilfen an Familien, die von Armut betroffen sind, aufgestockt werden.

Geschätzte fünf Millionen Peruaner*innen sind jedoch nicht vom staatlichen Datenerfassungssystem erfasst und hatten bis dato keine Möglichkeit, auf diese Unterstützung zurückzugreifen. Viele andere Menschen, die im ländlichen Raum leben, hatten ebenso keinen Zugang zu diesen Hilfen, da man diese ausschließlich in bestimmten staatlichen Banken abheben konnte, die sich in Städten befinden. Allen diesen Menschen hat die peruanische Regierung nun eine Hilfe von 760 soles (ca. 205 Euro) in Aussicht gestellt. Die Optionen zum Zugang zu diesen Mitteln sollen diversifiziert und der Antragsprozess vereinfacht werden. Ob diese Maßnahmen die erwünschte Wirkung zeitigen, bleibt abzuwarten. Unsere peruanischen Partnerorganisationen werden uns im Laufe der kommenden Wochen sicherlich davon berichten.

Am vergangenen Wochenende reagierte die peruanische Regierung auf den dringenden Bedarf an Sauerstoff in Loreto (siehe unser Update vom 8. Mai 2020) mit der Lieferung von 74 Sauerstoffzylindern und weiterer medizinischer Ausstattung an das Regionale Krankenhaus und die Regionalregierung von Loreto; die Lieferung in die Regionalhauptstadt Iquitos erfolgte mithilfe von Militärflugzeugen.


Veronica Rondon berichtet von Aynimundo

Veronica Rondon, die in Lima die Organisation Aynimundo leitet, die Projekte integraler Slumentwicklung in der peruanischen Hauptstadt umsetzt, berichtete uns als erste von den Entwicklungen.

„[…] wir verstehen voll und ganz, wie sich die Menschen in Deutschland im Moment fühlen und alles erleben. Hier sind die Dinge nicht sehr anders ...

Es ist außergewöhnlich, wie sich die Dinge in den letzten Wochen, Tagen und auch Stunden weltweit verändert haben. Das Virus hat auch Lateinamerika erreicht und damit verbreitet sich natürlich viel Unsicherheit und allgemeine Angst. Wir waren ein paar Tage im Urlaub und kehrten am Samstag mit viel Glück nach Lima zurück. Aber natürlich hatten wir in den vergangenen Tagen auch Zweifel, ob wir noch ohne Einschränkungen nach Peru zurückkehren könnten, ohne dass wir außer Landes in Quarantäne verweilen mussten. Wir hatten Glück, wir reisten problemlos ein. Erst gestern Abend (15.3.) wurden alle Grenzen geschlossen; nicht nur Flüge aus Europa und Asien kommen nicht mehr an, sondern auch die Binnengrenzen zwischen den Ländern Lateinamerikas sind jetzt zu.

Letzte Nacht hat der Präsident der Republik, Martín Vizcarra, einen nationalen Ausnahmezustand angeordnet und 15 Tage lang eine "soziale Isolationspflicht" im gesamten peruanischen Staatsgebiet angeordnet. Während dieser Zeit sind das verfassungsmäßige Recht auf Freizügigkeit, Versammlungen sowie andere verfassungsmäßige Rechte eingeschränkt. Alle Geschäfte, mit Ausnahme von Apotheken, Banken, öffentlichen Wasserversorgungsstellen und gewerblichen Einrichtungen zur Deckung der Grundbedürfnisse, mussten schließen. Die peruanische Nationalpolizei und die Streitkräfte sind nun dazu befugt, diejenigen festzunehmen, die gegen die Isolationspflicht verstoßen. Wir können nur nach draußen gehen, um Nahrungsmittel zu kaufen. Alles andere wurde geschlossen.

Ich möchte euch gerne schildern, wie wir die ersten Stunden dieser Maßnahmen erlebt haben, die vergangenen Sonntag (15.03.2020) um 20 Uhr verkündet wurden und die nun 15 Tage andauern werden, und die uns dazu veranlasst haben, uns ab sofort zwischen 20:00 Uhr und Mitternacht zu organisieren. Wir haben eine junge italienische Freiwillige abgeholt, die von nun an mit uns in unserem Haus wohnen wird. Mit einigen Kolleg*innen trafen wir uns im Büro, um wichtige Dokumente zu kopieren und Informationen zusammenzustellen, die wir zu Hause benötigen werden, um in den nächsten Tagen einige Dinge zu Hause voranzutreiben usw. Heute Morgen hatten wir dann ein erstes "virtuelles Treffen" mit dem Team. Es war eine Maßnahme, die wir sehr spontan einberiefen und die einige Teammitglieder zu Hause noch unvorbereitet traf. Diejenigen von uns, die bestimmte Aufgaben von zu Hause bearbeiten können, werden das tun (bspw. die Erstellung von Berichten, die Systematisierung von Dokumenten, die allgemeine Verarbeitung von Informationen, usw.). Aber alle Aktivitäten wie Therapien, Schultermine, Schulungen und alles andere, was Aynimundo der Bevölkerung anbietet, wird ausgesetzt. Mit diesen Maßnahmen übt die Regierung ein gewaltiges Maß an staatlicher Gewalt aus. Wir bleiben aufmerksam und verfolgen die Nachrichten und nehmen Tag für Tag die Freiheiten wahr, die wir noch haben, aber die nächsten 15 Tage müssen wir zu Hause bleiben.

Es ist eine sehr seltsame Situation, die wir erleben. Für die kommenden Tage haben der Präsident und der Arbeitsminister angekündigt, einen Plan vorstellen zu wollen, um die Rechte der Arbeitnehmer*innen zu schützen und ein Recht auf Lohnfortzahlung in der gegenwärtigen Situation zu behalten.

Es liegt nun an uns, uns gegenseitig zu ermutigen und zu stärken in der Gewissheit, dass wir von zu Hause aus verbunden sind, während die Streitkräfte auf den Straßen patrouillieren und damit eine sehr starke Botschaft vermitteln. Wir verstehen, dass es auch in unseren Händen liegt, zu einem glimpflichen Verlauf der Situation beizutragen und Schlimmeres zu verhindern.

Wir senden unsere herzlichen Grüße und die besten Wünsche für euch und eure Familien. Passt auf euch auf und bleibt gesund.“


Victor Acosta Sanchéz berichtet von ACICA

Auch Victor Acosta Sanchéz der Direktor der Kleinbäuer*innenorganisation ACICA hat uns von seinen Erfahrungen in San Marcos berichtet. Unter normalen Umständen fördert ACICA den organischen Landbau in zwölf Bergbäuer*innen Gemeinden im nordperuanischen Cajamarca, derzeit muss diese Arbeit jedoch ruhen. 

Den ersten Bericht von Victor Acosta Sanchéz erreichte uns am 16. März 2020, er berichtet von der Verhängung des Ausnahmezustands und davon, wie sich die Welt von heute auf morgen veränderte. Nachdem der Ausnahmezustand ein weiteres Mal verlängert wurde, berichtete uns Victor am 1. April ein weiteres Mal.

Einen aktuellen Bericht über die Lage bei ACICA, und in der gesamten Region Cajamarca, erhielten wir von Victor am 23. April 2020:

In der Region Cajamarca gibt es über 80 Covid-19-Infizierte (23.04.2020). Am stärksten betroffen ist die Stadt Cajamarca. Glücklicherweise verzeichnet die Provinz San Marcos, in der ACICA und die Gemeinden, mit denen ACICA zusammenarbeitet, liegen, noch keine Infektion. Victor Acosta führt dies insbesondere auf die sehr gut organisierten Rondas Campesinas zurück (Bäuerliche Selbstverwaltung auf Dorfebene), die in Abwesenheit von staatlichen Polizei- und Sicherheitskräften die Bewegungen von Fahrzeugen und Menschen kontrollieren und nicht zulassen, dass Menschen, die nicht in den Gemeinden wohnen, diese ohne weiteres betreten. 

Die Zahl der Rückkehrer*innen der ländlichen Provinzen Cajamarcas, die saisonal in Küstenstädten (z.B. Chiclayo, Trujillo, aber auch Lima) arbeiten und nun wegen der Pandemie ihre Arbeit verloren haben, wird zurzeit auf mind. 40.000 Personen geschätzt. Für diese Gruppe hat die Regionalregierung von Cajamarca angeordnet, dass sie zunächst 14 Tage in Quarantäne in Pensionen oder anderen, aktuell nicht genutzten öffentlichen Einrichtungen in der Stadt Cajamarca verbleiben sollen. Nur, wenn sie in dieser Zeit keine Covid-19-Symptome entwickeln, wird ihnen eine Erlaubnis erteilt, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.

Victor Acosta betont die Schwächen des staatlichen Datenregisters. Es ist etwa bekannt geworden, dass ca. 16.000 Personen darin verzeichnet sind, die eigentlich bereits verstorben sind. Andere Menschen, die auf die staatlichen Hilfszahlungen von 380 Soles dringend angewiesen wären, sind nicht erfasst. Es gibt sehr große Divergenzen bei der Datenerhebung sowie eine nicht klar geregelte Weiterleitung von Daten zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen des peruanischen Staates (Kommunen – Provinzen - Regionen – Nationalebene).

Im Gegenzug zur Beförderung von Menschen wird der Transport von Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren wichtigen Versorgungsgütern innerhalb der Regionen weiter aufrechterhalten. Daher bleiben die Märkte in San Marcos und kleineren Ortschaften in der Provinz mit wichtigen Gütern versorgt. Victor Acosta geht davon aus, dass die Kleinbäuer*innen in den ländlichen Gemeinden mit der Pandemie besser klarkommen, da sie weiter ihre Felder und Gemüsegärten bestellen und ihr Vieh halten können. Sie sind also mit Nahrungsmitteln versorgt und erleiden keinen Hunger. Bewohner*innen der Städte hingegen, die auf Lohnarbeit oder Einnahmen aus informeller Beschäftigung angewiesen sind, um sich und ihre Familien zu versorgen, werden es deutlich schwerer haben, durch diese Krise zu kommen.

Wegen der Ausgangssperren können die landwirtschaftlichen Berater von ACICA die Gemeinden weiter nicht besuchen. Die Kommunikation ist ebenfalls schwierig, da ca. 80 % der Kleinbäuer*innen, mit denen ACICA arbeitet (ca. 400 Familien), über kein Mobiltelefon verfügen, und da die Netzverbindung in die entlegenen Gemeinden auch sehr schlecht ist. Dennoch halten die ACICA-Mitarbeiter mit denjenigen, die ein Mobiltelefon haben, so gut es geht Kontakt. Auf diese Weise hat Victor Acosta sehr positive Rückmeldung von einigen Familien erhalten. Sie zeigen sich sehr glücklich darüber, dass sie im vergangenen Jahr, in dem ein großangelegtes BMZ-Projekt begonnen hat, im Bereich des biologischen Landbaus geschult worden zu sein. So sind sie bei der Kultivierung ihrer Felder und Gärten nicht mehr auf chemische Dünger, Insektizide oder Pestizide angewiesen, die sie früher auf städtischen Märkten haben besorgen müssen. Auch die verschiedenen Formen von Wasserspeicher- und Bewässerungssystemen, die im vergangenen Jahr im Zuge des Projektes installiert worden waren, haben ihren Effekt schnell gezeitigt. In den höher gelegenen Gemeinden hat es bislang auch hinreichend geregnet; in den niedrigeren Höhenlagen wird es allmählich sehr trocken.


Lizbeth Escudero López berichtet von Quespina

Lizbeth Escudero López, die mit ihrer Organisation Quespina in den peruanischen Hochanden sechs andine Bergschulen begleitet und den Raum für kreative Bildung öffnet und neu gestaltet, berichtet ebenfalls von den aktuellen Entwicklungen in Peru und dem Ausruf des nationalen Notstandes:

„Ich sende Ihnen meine besten Grüße […]  Ich denke, jetzt ist die Zeit gekommen, uns gegenseitig zu stärken, unsere Ängste abzubauen und uns mehr um die Menschen zu kümmern. […] Hier möchte ich kurz die Situation vor Ort schildern.

In Peru wurde der nationale Ausnahmezustand ausgerufen, die Schulen sind bis zum 30. März geschlossen, in Europa passieren ja sehr ähnliche Dinge. Allerdings bin ich in Hinblick auf Peru besorgt darüber, dass die Menschen weniger über Hygiene, Gesundheit und Ernährung sowie über Fälle von Anämie bei Kindern und älteren Menschen an gefährdeten Orten informiert sind. Wichtig ist, dass Maßnahmen zur Kontrolle ergriffen wurden, die die Situation für alle verbessern werden.

Im März hatten wir noch ein Koordinationstreffen mit den Schulleitern, von nun an findet die Kommunikation über soziale Netzwerke statt.

Es ist im Augenblick wichtig, sensibilisierende Maßnahmen zu ergreifen:

Information zu Gesundheitsmaßnahmen und Ernährung zum Schutz gegen das Coronavirus.

  • Für Lehrer*innen: Wir haben damit begonnen, Videos und Tutorials zu versenden, damit sie besser darüber informiert sind, was man gegen das Coronavirus präventiv unternehmen kann, wie sie ihre eigene Flüssigseife und Desinfektionsmittel herstellen und wie sie ihre Immunabwehr stärken können.
  • Für Eltern und Schulkinder: wir erarbeiten informative Handbücher zur Verbesserung von Hygiene, Gesundheit und Ernährung.

Im Bereich der persönlichen Entwicklung

  • Für die Lehrer*innen: Angebot von Meditationen und Entspannungsübungen, um unser aller Wohlbefinden zu fördern.

Ich hoffe, dass diese Maßnahmen uns allen förderlich sind.
Lizbeth Escudero”

Update 14.04.2020

"Ich hoffe, Sie alle sind wohlauf. Die aktuelle Situation in Peru stellt sich wie folgt dar: Die Quarantäne dauert an, der Unterricht der Kinder ist nach wie vor ausgesetzt, es gibt aber Unterrichtseinheiten, die täglich 25 Minuten lang im Fernsehen und Radio gesendet werden. Wir werden mindestens bis zum 26. April in Quarantäne bleiben.

Wie ich Ihnen das letzte Mal berichtet hatte, arbeite ich von zu Hause aus. In der ersten Märzwoche fanden Koordinierungssitzungen mit den Schulleitern der sechs Bergschulen statt. Im Anschluss setzten wir unsere Kommunikation über soziale Netzwerke fort. Ich habe den Arbeitsplan für Quespina überarbeitet und auf die aktuelle Situation umgestellt. Ich halte es für prioritär, dass wir die Menschen auf den Coronavirus hin sensibilisieren.

Zum Thema Gesundheit habe ich Informationsmaterialien für das Schulpersonal zur Gesundheitsvorsorge und Ernährung in Zeiten des Coronavirus sowie eine Anleitung zur Herstellung von Flüssigseife erarbeitet. Des Weiteren habe ich eine Zusammenstellung an Informationsmaterialien für die Projektbegünstigten gemacht, die vom peruanischen Gesundheitsministerium herausgegeben wurden, und die sich mit Themen wie Sicherheitsregeln in Zeiten des Notstands befassen oder Empfehlungen für Lehrpersonal, Eltern und Arbeiter geben.

Im Themenfeld Persönlichkeitsentwicklung, einem weiteren Schwerpunkt der Arbeit von Quespina, trug ich Informationen zu den psychischen Auswirkungen der Quarantänemaßnahmen auf Kinder zusammen und schrieb paar Ideen zum Umgang mit Stress in Zeiten von Corona nieder.

Was unsere Arbeit rund um die Schulgärten anbetrifft, so wurde eine Präsentation zu unseren Prinzipien und Praktiken des biologischen Gartenbaus, einer gesunden Schulspeisung und der Nachahmung dieser Praxis in den Familien der Schulkinder erstellt. Insbesondere für neue Bergschulen, die sich für unsere Arbeit interessieren, steht nun auch eine Einführung in die Arbeit von Quespina bereit.

Im April ging ich dann dazu über, Fortbildungsunterlagen zur Waldorfpädagogik für die Lehrer*innen zusammenzustellen. Ich wählte auch schöne Geschichten für Kinder aus aller Welt aus, darunter einige Märchen der Gebrüder Grimm. Hinzu kamen weitere Texte zum Thema Gesundheit, Ernährung und zum nachhaltigen Umgang mit Abfällen.

Diese Unterlagen werden in digitalen Formaten (z.B. in YouTube-Videos oder als PDF Dokument) über WhatsApp mit den Lehrer*innen und Eltern geteilt.

Und ja, Quespina nutzt die Zeit auch für die Büroorganisation, um unsere Buchhaltung und Verwaltung etwas besser zu strukturieren und unsere Projekte sorgfältig zu dokumentieren.

Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser schwierigen Zeit auf Ihre kontinuierliche Unterstützung vertrauen kann. Ich verbringe viel Zeit alleine, meist arbeite ich nach wie vor mit großem Willen und Enthusiasmus, und bisweilen erhalte ich Tipps und Unterstützung von Freunden und Bekannten. Ich kann mich immer noch als glücklich schätzen in Anbetracht der Gesamtsituation. In Cusco, das so sehr auf die Einnahmen des Tourismus angewiesen ist, ist die Situation für viele Menschen schwer erträglich, denn die Wasser-, Gas-, Stromrechnungen und Mieten, die tägliche Ernährung und Gesundheitsvorsorge müssen schließlich weiterbezahlt werden.

Ich versuche, jeden Tag ein Stück mehr Vertrauen aufzubauen und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, damit mich die Gesamtsituation nicht so viel Raum von mir einnimmt.
Bitte bleiben Sie gesund und geben Sie auf sich acht."


Update 18.04.2020

"Am heutigen Samstag (18.04.2020) hat der peruanische Präsident die Phase, in der die Schulkinder nicht zur Schule gehen dürfen, auf unbestimmte Zeit verlängert. Zuvor war der 4. Mai als der Tag angegeben worden, an dem der „normale“ Schulbetrieb wieder aufgenommen werden sollte. In der Pressekonferenz zu diesem Dekret betonte Präsident Martín Vizcarra, dass es noch zu früh sei, die Kindern der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen. Die Schulschließungen waren mit dem Ziel angeordnet worden, größere Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Der Unterricht in Peru findet in der Regel mit 30 bis 40 Kindern in Klassenräumen statt, bei denen sich ein angemessener Sicherheitsabstand nicht einhalten lässt. Daher empfahl das Gesundheitsministerium, die Schulen weiter geschlossen zu halten.
Gleichzeitig kündete der Präsident die Beschaffung von 840.000 Tablets an, die Schulkindern, die auf dem Land und in armen Verhältnissen leben, zugute kommen sollen, um ihnen das Lernen aus der Distanz zu ermöglichen, und so den Spalt zwischen Stadt und Land etwas zu schließen.

Viele Grüße aus Cusco"

Update vom 25.04.2020

"In Peru nimmt die Zahl der Infektionen jeden Tag zu. Mit ersten Todesfällen in unseren Familien oder im Freundeskreis kommt der Virus näher an uns heran. Ich möchte dennoch optimistisch bleiben, denn diese Krankheit lehrt uns auch wertvolle Dinge, wie Dankbarkeit, dass ich eine Familie habe, dass ich noch bei guter Gesundheit bin, dass ich unter vergleichbar guten Bedingungen mein Leben bestreiten kann. Der Virus bringt mich dazu, mehr über Leben und Tod nachzudenken und das Leben als etwas Kostbares wertzuschätzen.

Laut der jüngsten Anordnung der peruanischen Regierung wird die Ausgangssperre bis zum 10. Mai verlängert. Die Behörden gehen davon aus, dass hierzulande der Höhepunkt der Infektionen wahrscheinlich zwischen dem 27. April und dem 1. Mai liegen wird. Die bisherigen Quarantänemaßnahmen haben dazu beigetragen, die Ansteckung einzudämmen. Außerdem hat Covid-19 uns allen unmissverständlich vor Augen geführt, dass wir ein mangelhaftes Gesundheits-, Sozialversicherungs- und Bildungssystem haben und dass es im Staat viel Korruption gibt.

Wir halten weiter telefonisch und per WhatsApp Kontakt mit den Lehrer*innen der Bergschulen, mit denen Qespina zusammenarbeitet. Die Lehrer*innen berichten, wie sie mit der Erteilung des virtuellen Unterrichts klarkommen, und wie sich nach und nach die Kommunikation verbessert. Das ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es sich um Schulen auf dem Land handelt und nur wenige Gemeinden Zugang zum Internet oder überhaupt Netzwerken haben.

Obwohl es sich um Bergschulen handelt, bei denen die Kinder aus ländlichen Gemeinden und sehr armen Verhältnissen stammen, werden sie wohl nicht von dem jüngsten Regierungsprogramm zur Verteilung von Tablets an Schulkinder in ländlichen Gebieten berücksichtigt. Als Begründung geben die Behörden an, dass es noch entlegenere Gemeinden und Schulen gibt, die überhaupt nicht vom Internet erreicht werden. (Seltsame Begründung).

Die Lehrer*innen kommunizieren mit den Schulkindern, indem deren Eltern oder andere Familienangehörige ihnen ihr Smartphone leihen. Per WhatsApp schicken sie ihnen dann Unterrichtsstoff oder Aufgaben zu und vereinbaren kleine Gespräche mit Gruppen von bis zu drei Kindern. Ein Teil des Unterrichtsstoffes wird über Radio- und Fernsehprogramme vermittelt. Die Lehrer*innen senden den Kindern dann Formulare mit Fragen zu den Programmen zu. Die Schüler*innen füllen die Formulare aus und senden sie an die Lehrer*innen zurück. 

Qespina hat zusätzliche Materialien aufbereitet (z.B. Umweltgeschichten, Fabeln, Anregungen zur Vermittlung von Werten, etc.) und an die Lehrer*innen geschickt, damit sie damit im Unterricht arbeiten. Auch eine Anleitung zum Anlegen eines Biogartens haben wir vorbereitet, sodass die Kinder dies zu Hause nachahmen können. Die Anleitung zur Herstellung von Flüssigseife haben verschiedenen Familien ausprobiert, und die Lehrer*innen begleiten die Kinder beim Erlernen von Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen."

Update 13. Mai 2020

In Peru befinden wir uns weiterhin in Quarantäne. Diese wurde bis zum 24. Mai verlängert. Die Ansteckungskurve wächst weiter.

Die Gewalt in der Familie hat zugenommen, es gibt viel Arbeitslosigkeit, viele Menschen, die Migranten sind und in Lima leben, kehren in die Provinzen und auf das Land zurück. In Peru leben viele Menschen von Tag zu Tag, und obwohl die Regierung grundlegende Nahrungsmittelhilfe bereitgestellt hat, erhalten viele von diesen bedürftigen Menschen keine, weil sie nicht als Einwohner angemeldet sind.

Das Gute an dieser ganzen Situation ist, dass die Menschen – jetzt wieder – erkennen, dass die Erde Nahrung liefert. Kinder setzen ihren Unterricht fort, das Bildungsministerium hat ein virtuelles Pilotprojekt entwickelt und Kinder von staatlichen Schulen können über Radio oder Fernsehen teilnehmen. Lehrer*innen kommunizieren telefonisch mit ihren Schülern und Eltern. Diejenigen, die Internet in ihren Gemeinden haben, kommunizieren über WhatsApp. Auf diese Weise setzen die Lehrer*innen den Unterricht fort und verteilen Lernmaterial und Aufgaben.

Wir hoffe, dass es Ihnen gut geht!


Francisco Guerra Tananta berichtet von ACELPA

Francisco Guerra Tananta, der die Organisation ACELPA (Gemeingut Amazonien) in
Tamshiyacu leitet, schrieb uns Mitte April:

„Ich möchte Sie alle recht herzlich grüßen und Ihnen ein paar Zeilen zur Situation bei uns in der nordperuanischen Amazonasregion Loreto zusenden.

Für uns, die wir praktisch “im Freien“ leben, mutet die soziale Distanzierung und das Verbot der Bewegungsfreiheit, die von der peruanischen Regierung verordnet wurden, sehr seltsam an. Von 16:00 Uhr nachmittags bis 04:00 Uhr morgens herrscht Ausgangssperre. Und in der anderen Tageshälfte darf je ein männliches oder weibliches Familienmitglied alleine aus dem Haus, um dringende Besorgungen zu tätigen. Den Markt betritt man mit einer Atemschutzmaske, man muss auch dort die 1.5 Meter Abstandsregelung einhalten, und beim Hinein- und Hinausgehen wäscht man sich die Hände mit Seife. Bei Verstößen gegen die Sicherheitsmaßnahmen werden Geldstrafen ausgesprochen, die sich von 80 bis 480 Soles (ca. 21 bis 128 Euro) erstrecken und innerhalb von fünf Tagen zu bezahlen sind.

Es wurden zwar Maßnahmen zur Versorgung bedürftiger Familien eingeleitet, etwa finanzielle Unterstützung oder Pakete mit notwendigen Versorgungsgütern. Aber wenn man bedenkt, dass Familien hier in der Regel aus zahlreichen Mitgliedern verschiedener Generationen bestehen und zusammenwohnen, sind diese Hilfen nicht ausreichend. Mindestens bis zum 26. April sollen diese Maßnahmen aufrechterhalten werden.

Als Verein Acelpa mussten wir unser Büro in Tamshiyacu schließen. Es ist uns aber möglich, die Modellfarm weiter zu betreiben. Wir versorgen die Tiere, bestellen das Feld und bearbeiten die Gemüsebeete, halten die Gehege, das Teichufer und Bienenbehausungen instand, und setzen den Rhythmus der biodynamischen Präparateherstellung fort.

Unsere Agroforstingenieurin Silvia de Aguila Reyna, die als Teilzeitkraft von auswärts mit dem Boot nach Tamshiyacu kommt, kann dies zurzeit nicht tun, da die Flussfahrten, wie der gesamte öffentliche Verkehr, eingestellt worden sind. Die von uns für die Gemeingutschutzzone gekauften Grundstücke versuchen wir weiterhin, wenn auch in eingeschränkter Form, vor Wilderern zu beschützen. Zumindest einmal pro Woche kann je eine Person einen Wachgang machen.

Mit allen anderen geplanten Vorhaben müssen wir warten, bis die Versammlungs-, Bewegungs- und Arbeitsfreiheit wieder gewährleistet sind.

Mit meinen besten Grüßen
Francisco Tananta"


Lucila Pautrat berichtet von KENÉ

Das peruanische Institut Kené arbeitet u.a. zur rechtlichen Verfolgung von illegalen Rodungen im Amazonasgebiet. Kené begleitet unseren Projektpartner Acelpa in Tamshiyacu (Gemeingutzone) in den Auseinandersetzungen um die illegalen Rodungen der Kakaofirma Tamshi SAC. Tamshi SAC setzt die Arbeit fort und dies unter Missachtung des gegen sie gefällten Urteils wegen illegalen Holzeinschlags und -handels und der behördlich angeordneten einstweiligen Einstellung des Betriebes.

Lucila Pautrat, die Direktorin des Instituts, schrieb am 09. April 2020:

Liebe Freunde,   

ich hoffe, es geht Ihnen allen und Ihren Familien gut. Wie Sie wissen, hat der peruanische Präsident die Verlängerung der Notfallquarantäne bis zum 26. April angekündigt.

Ich schreibe Ihnen, um Sie über die aktuelle Situation der Bäuer*innen in Loreto und der indigenen Gemeinschaften in Ucayali zu informieren. Wir haben Nothilfe über den Kauf von Nahrungsmitteln und Medikamenten geleistet. In beiden Regionen gestaltet sich die Versorgung der Menschen schwierig, weil es in Tamshiyacu und in den indigenen Gemeinschaften keine Banken gibt. Staatliche finanzielle Nothilfen an Bedürftige werden nur in Bankinstituten ausbezahlt. Um auf diese Hilfen zurückgreifen zu können, müssten die Menschen nach Iquitos bzw. Pucallpa fahren. Doch sind sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel eingestellt, und die Polizei erlaubt es den Menschen nicht, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen.

In Tamshiyacu hat die Polizei die unbefestigte Feldtraße Tamshiyacu - Yavari Miri gesperrt. Den Bewohner*innen der Gemeinde Tamshiyacu, die entlang dieser Straße ihre Landparzellen haben, auf denen sie Obst und Gemüse anbauen, wurde damit der Zugang zu ihren Lebensmitteln verwehrt. Die Menschen sind besorgt, denn üblicherweise benutzen sie einen Teil ihrer Ernte zur Selbstversorgung und verkaufen den anderen Teil auf dem lokalen Markt. Nun haben sie seit drei Wochen keine Einnahmen mehr.

In Ucayali halten sich die indigenen Organisationen ORAU, FENCONAU und COSHIKOX an die staatliche Verordnung zur sozialen Distanzierung. Doch sie haben keinen Zugang zu den staatlichen Notfallsubventionen und nach fast vier Wochen der häuslichen Quarantäne sind die Nahrungsmittelvorräte der Menschen langsam aufgebraucht. Wegen der Verunreinigungen des Flusswassers durch verschiedene Firmen  führen die Flüsse außerdem kaum noch Fische.

Wir nutzen also bislang die verbleibenden Projektmittel (von Weltfriedensdienst) und unsere eigenen Ressourcen für die Nothilfepakete, aber aufgrund der Ungewissheit darüber, wie sich die Lage in der kommenden Zeit entwickelt, können wir nicht abschätzen, ob wir diese Maßnahmen auch über die nächsten Wochen oder Monate noch aufrechterhalten können. Deshalb sind wir auf weitere Mittel angewiesen. Die Situation hier ist kritisch, so wie an vielen anderen Orten der Welt auch. Niemand kann sich noch sicher fühlen.

Wir werden Sie weiterhin auf dem Laufenden halten.

Alles Gute für Sie alle, und herzliche Grüße.

Update vom 17. Mai 2020

Liebe Freunde, ich sende euch herzliche Grüße und hoffe, euch allen geht es gut. Gerne berichte ich in den folgenden Zeilen, wie sich die Situation rund um den Notstand in Peru und in der Amazonasregion weiterentwickelt hat.

Zum heutigen Zeitpunkt haben sich 92.273 Personen mit dem Covid-19 Virus infiziert, 2.648 Menschen sind verstorben. Die Mehrheit der Betroffenen befinden sich in Lima, insbesondere in den Außenbezirken. Viele haben sich auf den Großmärkten infiziert, wo die Quarantäneregelungen nicht eingehalten werden, wo viel Informalität und wenig Selbstdisziplin herrscht. Einige Menschen nehmen die Maßnahmen der sozialen Distanzierung und des Selbstschutzes nicht ernst. Aber auch die schiere Armut treibt die Menschen auf die Straßen, sie suchen nach einer Beschäftigung und nach etwas zu essen. Die Unterstützung der Regierung erreicht die Menschen nur langsam; in den Banken drängen sich die Leute, um Hilfszahlungen zu bekommen, und lange nicht alle Bedürftigen erhalten die Unterstützung. Hier sind die offiziellen Statistiken abgebildet:
https://covid19.minsa.gob.pe/sala_situacional.asp

Auch wenn das Angebot an Krankenhausbetten und Intensivstationen zugenommen hat, sind die Krankenhäuser immer noch überlastet, weil es an Medikamenten, Ärzten und Krankenschwestern, Masken und Schutzinstrumenten fehlt. Zu Beginn des Ausnahmezustands gab es in Peru landesweit nur 100 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten (das bedeutet, es gab ein Atemschutzgerät für 300.000 Einwohner*innen). Inzwischen gibt es landesweit 700 Betten, und in den kommenden Wochen werden voraussichtlich 300 weitere Betten eingerichtet. Dennoch sind die Probleme im Gesundheitssystem so schwerwiegend, strukturell und langfristig, dass das Gesundheitssystem und die Leichenschauhallen den Bedarf nicht auffangen können werden.

In den letzten zwei Wochen sind in Iquitos (Region Loreto) mehr als 20 Ärzte gestorben, landesweit wurden allein im Gesundheitswesen 181 Tote registriert. In Iquitos sterben die Menschen – auch medizinisches Personal – quasi an den Pforten des Regionalkrankenhauses, wo es bisher nur ein einziges Beatmungsgerät gab und man die vielen Patienten nicht gleichzeitig beatmen konnte. Die katholische Kirche sammelte Spenden, um zwei Beatmungsgeräte zu kaufen, und ein Bergbauunternehmen spendete eine weiteres Gerät. Diese Woche werden diese drei Geräte in Iquitos in Betrieb genommen. Infizierte Ärzte mussten nach Lima gebracht werden, und neues medizinischer Personal wurde nach Iquitos eingeflogen, um sie zu ersetzen. Und wie bereits berichtet hat die Pandemie auch die indigenen Gemeinden in Loreto und Ucayali erreicht.

Auch im Hinblick auf die Leichenhallen und Krematorien ist die Situation dramatisch. In Lima gibt es nur vier Krematorien. Allein hier sterben täglich sterben durchschnittlich 120 Menschen, und die Krematorien kommen mit der Verbrennung der vielen Leichen nicht nach. In den anderen Regionen des Landes gibt es keine Krematorien, und die warmen bis heißen Temperaturen machen die Situation noch schlimmer. Die Regionen, die am meisten unter der Covid-19 Pandemie leiden, sind in der Reihenfolge ihrer Betroffenheit Iquitos, Piura, Ucayali und Lima. Die ersten drei wegen der hohen Verwundbarkeit der gesamten öffentlichen Struktur (Daseinsvorsorge; Transportwege) und der Bevölkerung, und Lima wegen der großen Anzahl der Menschen. In Lima hat der Herbst begonnen und der Winter steht vor der Tür. Das bedeutet, dass akute Atemwegsinfektionen aufgrund steigender Luftfeuchtigkeit zunehmen werden. Ich füge eine Tabelle über die Situation in Iquitos bei.

Unter den Polizisten gibt es 4.000 infizierte; über 85 Polizeibeamte sind verstorben. Deswegen schränkt die Polizei ihre Kontrollen der Quarantänemaßnahmen wegen der damit verbundenen Risiken für ihr Personal ein.

Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation in den nächsten zwei Wochen noch verschlechtern wird. Die Zahl der Todesfälle könnte sich verdoppeln, während die Menschen zunehmend nicht mehr in der Lage sein werden, ohne Einkommen und Lebensmittel die Quarantäne zu überstehen. Mit dem heutigen Tag befinden wir uns schon 65 Tage in der Quarantäne, die zumindest noch bis Ende Mai fortgesetzt werden soll. Ab morgen, Montag, dürfen Kinder wieder kurzzeitig an die frische Luft gehen. Besorgnis gibt es hierzulande auch über das Risiko erneuter Infektionen, wie es in China, Spanien und Mexiko geschehen sein soll. Von dort erreichen uns Nachrichten von Fällen, in denen Menschen, die die Krankheit überwunden zu haben scheinen, nur wenige Wochen später erneut positiv getestet wurden.

Gleichzeitig steigt der Druck seitens der Unternehmen auf die Regierung, einige Sektoren wieder zu öffnen, trotz der großen Ansteckungsgefahr in Bereichen wie dem Bergbau und Transport. Die Gemüse- und Obstmärkte sind zurzeit geschlossen, weil sie wegen der Ansammlung von Menschen und der Nichteinhaltung von hygienischen Standards als zentrale Ansteckungsherde gelten.

Die Ausgangssperre gilt hier in Lima weiterhin von 20.00 Uhr bis 4.00 Uhr morgens. Ich habe mir ein Fahrrad gekauft, um meinen Vater zu besuchen, der zwei Stunden von meinem Haus entfernt wohnt, aber noch erlauben mir die Quarantänebeschränkungen nicht, das Fahrrad zu benutzen.

Als Kené arbeiten wir weiterhin in der häuslichen Isolation und werden mindestens bis Ende Mai, womöglich auch im Juni, so weiter verfahren. Wir haben bisher keine Erlaubnis erhalten, uns zur Wahrnehmung unserer Aufgaben fortzubewegen und gedenken, Biosicherheitsprotokolle für alle unsere Aktivitäten zu formulieren und umzusetzen. Immerhin nahm die Gerichtsbarkeit und die Staatsanwaltschaft in Peru in den vergangenen Wochen ihre Arbeit wieder auf, was uns ermöglicht hat, in virtuellen Audienzen an unseren anhängigen Rechtsfällen weiter zu arbeiten.

Erwähnen möchte ich auch, dass es vergangene Woche zu sechs gewaltsamen Aufständen in Gefängnissen kam. Die Gefängnisse sind chronisch überfüllt, was gravierende Konsequenzen für die Hygiene mit sich bringt. So kam es auch zu Infektionen mit Covid-19 in den Haftanstalten. Deshalb haben Gerichte damit begonnen, anzuordnen, dass einzelne Häftlinge, die aufgrund minderschwerer Vergehen in Untersuchungshaft sitzen, zu entlassen seien. Darunter befinden sich auch Personen, die wegen Missachtung von Umweltgesetzen in Haft waren. Wir berichten davon in unseren aktuellen Pressemeldungen (spanisch):

http://www.keneamazon.net/nota-de-prensa-006-2020-kene.html

http://www.keneamazon.net/nota-de-prensa-007-2020-kene.html

http://www.keneamazon.net/nota-de-prensa-008-2020-kene.html

Schließlich haben wir einen Bericht zum Prinzip der Verhältnismäßigkeit als Voraussetzung zur Prävention von Umweltrechtverstößen in der Gesetzgebung publiziert (spanisch):

http://www.keneamazon.net/Documents/Downloads/Test-de-proporcionalidad.pdf

Viele Grüße
Lucila Pautrat



Pim Heijster berichtet von der Asociación Holanda

Pim Heijster gründete mit seiner Frau Luz Marina die Asociación Holanda, die gehörlose Kinder und Jugendliche in Cajamarca, im Norden von Peru, fördert und begleitet. Die Asociación Holanda fördert mithilfe von Sprachtherapie und Beratung der Eltern, organisiert Übersetzungen in Gebärdensprache für Schulkinder an Grund- und weiterführenden Schulen, ermöglicht Hausaufgabenhilfe von älteren an jüngere gehörlose Schüler*innen, bietet Gebärdensprachunterricht für Hörende (Eltern, Lehrer*innen, Mitschüler*innen, Interessierte) an und unterstützt gehörlose junge Menschen beim Übergang in die berufliche Ausbildung sowie in den Beruf. Ein Großteil der Arbeit wird darüber finanziert, dass Pim Heijster und Luz Marina Eis produzieren und eine Eisdiele auf dem zentralen Platz in Cajamarca betreiben.

Pim Heijster schreibt zur aktuellen Lage in Cajamarca (Stand 23.04.2020):

"Danke für eure Nachrichten!

Während ich in den vergangenen Wochen schwerpunktmäßig mit den Angelegenheiten unseres zum Erliegen gekommenen Betriebs (Eisproduktion, Eisdielen) beschäftigt war, waren insbesondere unsere Sprachtherapeut*innen und Luz Marina bemüht, die Aktivitäten der Asociación Holanda im Zuge des Corona-Notstands umzustellen. 

Gerne gebe ich ein paar Beispiele, was die Asociación Holanda zurzeit tut:

Die vier Therapeutinnen arbeiten nicht mit den Kindern direkt in ihrem Zuhause. Sie halten stattdessen telefonisch Kontakt mit den Eltern. Einige Kinder haben digitalen Unterricht in ihren Schulen. Einige Eltern holen sich manchmal bei den Therapeutinnen Rat. Die Kommunikation ist allerdings sehr schwierig für diejenigen, die auf dem Land, außerhalb der Stadt Cajamarca, leben. Dort gibt es Probleme mit dem Zugang zum Internet.

Unsere Therapeutin Rossana Aldave Rojas gibt auch didaktische Tipps an die Eltern weiter. Sie hat etwa per Telefon dem Vater eines gehörlosen Kindes eine Anleitung gegeben, wie man im Sinne des Upcyclings (Wiederverwertung alter, scheinbar nutzloser Gegenstände) aus einem Stock, einem Kleiderbügel und einer leeren Dose ein Spielzeugauto basteln kann. Der Vater wiederum hat ein kurzes Video davon gedreht und es mit uns und der Gehörlosengemeinschaft geteilt.

Sandra Medina ist bei uns zuständig für die Kontakte mit den Familien, den städtischen Behörden von Cajamarca und weiteren Gruppen. Sie war in den vergangenen Wochen sehr damit beschäftigt, Hilfen für die Familien, die in extremer Armut leben, zu beantragen. Der peruanische Staat hat für die besonders Bedürftigen einige Programme aufgelegt: sie können eine direkte finanzielle Hilfe sowie einen Korb mit Lebensmitteln erhalten.

Sandra Medina hält den Kontakt mit den Eltern der Grundschulkinder. Pedro Pablo Valencia (der Gebärdensprachdolmetscher für die Primarstufe) befindet sich aufgrund der Ausgangssperre zurzeit in seinem Elternhaus in Chiclayo (Stadt an der Küste). Er bereitet virtuelle Unterrichtsstunden und Videos für Kinder aus den Grundschulklassen vor.

Den Bereich der Sekundarschulen betreuen Fiorella Aysanoa und ihre Schwester Luz Aysanoa sehr aktiv. Wie ihr wisst, sind beide Schwestern sind von Geburt an zweisprachig, d.h. sie beherrschen die Gebärden- und die Lautsprache; ihre Mutter ist gehörlos. Sie halten die Verbindung mit den Lehrer*innen der Sekundarschulen. Sie passen den virtuellen Unterrichtsstoff an die Möglichkeiten der gehörlosen Schüler*innen an und helfen ihnen bei den Aufgaben. Offenbar funktioniert das ganz gut, dank des noch jungen Alters der beiden und ihres Geschickes bei der Anwendung digitaler Technik. Sie identifizieren sich stark mit den Gehörlosen. Alles läuft virtuell. Die Schüler*innen fühlen sich auf diese Weise nicht isoliert von ihrem Klassenverband.

Eine von diesen Schülerinnen ist Sarita. Sie ist 14 Jahre alt und lebt normalerweise in dem Heim Santa Dorotea (einem Heim für Waisenkinder und Kinder, deren Elternhaus zu weit von Cajamarca entfernt liegt, als dass sie am Heimatort beschult werden könnten; alle Kinder und Jugendlichen in Santa Dorotea leben mit einer Behinderung). Wir kennen Sarita seit ihrem ersten Lebensjahr. Eine erstaunliche Erfahrung aus ihrem Umfeld: Sie verließ das Heim, um die Ferien (etwa Weihnachten bis i.d.R. Anfang März) bei ihrem Großvater in dem Dorf San Isidro zu verbringen. San Isidro liegt weiter im Landesinneren, in der Provinz San Marcos, ca. 4 Stunden von Cajamarca entfernt. Als sich die Covid-19-Pandemie abzuzeichnen begann, rief uns Saritas Vater an, um zu fragen, was er am besten tun sollte. Wir rieten ihm, er möge im Dorf jemanden suchen, der ihm ein Smartphone mit WhatsApp leihen könnte. So könnte Sarita weiterhin den digitalen Unterrichtsstunden der dritten Klasse der Sekundarschule (= 9. Klasse im deutschen System) folgen. Der Großvater ließ sich von einem Nachbarn das Smartphone mitsamt Apps erklären und kaufte sich dann sogar ein eigenes Mobiltelefon. Jetzt nimmt Fiorella Aysanoa an den virtuellen Unterrichtsstunden von Saritas Schule in Cajamarca teil, genau wie die anderen Schüler der Klasse, und schickt den Unterrichtsstoff mit Hilfe eines der Gebärdensprachdolmetscher zu Sarita in San Isidro.

Sollte die Quarantäne für lange Zeit anhalten sollte, überlegen wir auch, ob wir den Unterricht zu Gebärdensprache für Hörende virtuell anbieten.

Von den hörgeschädigten Erwachsenen, die bei ihrer Integration in den formellen Arbeitsmarkt von Mercedes Rodriguez Escalante und Gina Rodriguez begleitet werden, erfahren wir leider nicht ganz so viel. Wir gehen aber davon aus, dass sie, wie alle Personen in einem abhängigen Arbeitsverhältnis, wegen der landesweit angeordneten Quarantäne zuhause sind. Laut geltender Gesetzgebung ist es den Arbeitgebern übrigens verboten, Personen mit Behinderung zu entlassen. In der Realität hingegen wird manchmal „ganz nach Gutdünken“ mit diesen Gesetzen umgegangen. Mercedes Rodriguez Escalante und Luz Marina sind jedenfalls bemüht, Körbe mit Lebensmitteln für diese Gruppe zu organisieren.

Fiorella Aysanoa hält außerdem weiterhin den Kontakt zu einigen Gehörlosengruppen in Arequipa (große Stadt im Süden Perus). Gelegentlich treffen sich unterschiedliche Organisationen in Videokonferenzen, an denen wir teilnehmen.

Bei verschiedenen nationalen Fernsehprogrammen des Staates werden seit einiger Zeit auch Gebärdensprachdolmetscher eingeblendet, die übersetzen. Den Gehörlosen hier in Cajamarca zufolge wird dabei sehr schnell gebärdet. Gleichwohl finden es gut, dass es diese Einblendung mit der Gebärdensprache gibt, und stellen fest, dass sie dabei immer wieder auch etwas Neues hinzulernen.

Was die Situation des Hörgeräteakustiklabor anbetrifft, das in der befreundeten Asociación Santa Dorotea angesiedelt ist, und das von deutschen Freiwilligen betrieben wird, so haben sich die Freiwilligen entschieden, Cajamarca zu verlassen. Sie sind mit dem Rückholprogramm der deutschen Regierung ausgereist. Das Labor ist bis auf Weiteres geschlossen, was auch sehr ernste Konsequenzen für unsere Zielgruppe hat, denn in diesem Labor wurden Hörgeräte regelmäßig angepasst, gewartet und repariert und mit Batterien ausgestattet.

Soweit ein wenig Information über das, was wir in diesen schwierigen Zeiten tun.

Heute ist die Quarantäne in Peru bis zum 10. Mai verlängert worden.

Herzliche Grüße,

Pim Heijster"

Update von Pim Heijster vom 1. Mai 2020:

"In diesen Tagen erleben wir einen Anstieg der Covid-19-Fälle in Cajamarca. Ursache sind überwiegend Personen, die aus Chiclayo (Stadt an der Küste) kommen, die als Lastwagenfahrer die Märkte hier mit Lebensmitteln versorgen.  Wegen der Ansteckungsgefahr auf den Märkten raten wir den uns verbundenen Familien ab, dort zu kaufen. Und auch wir selbst meiden inzwischen diese Märkte.

25 Familien mit Kindern oder Jugendlichen kommen als Empfänger  der Corona-Nothilfe-Spende für Menschen mit Behinderung in Frage.  Die meisten dieser Familien kennen wir schon seit einigen Jahren, sind ihnen über die Arbeit der Sprachtherapeut*innen verbunden oder durch die Hilfe bei den Hausaufgaben für Primar- oder Sekundarschulen. Einige dieser Väter oder Mütter  haben ihre Arbeit verloren, haben keine Einkünfte mehr. Ihr Antrag auf ökonomische Hilfe des Staates oder der Kommune ist abgelehnt worden. Die 3.000 Euros, die ihr gesendet habt, das sind etwa 10 000 Soles, d.h. 400 soles je Familie.

Außerdem werden einige der Kinder und Jugendlichen, die Hörgeräte tragen, über kurz oder lang ernste Probleme bekommen, weil es hier keine Batterien gibt. Die Akustikerwerkstatt, in der seit 2008 deutsche Freiwillige diesen Dienst im Rahmen der “Asociacion Dorotea” geleistet haben, ist seit Rückholung der Freiwilligen durch die deutsche Regierung nicht mehr zugänglich. In dieser Werkstatt wurden bisher u.a. Kinder und Jugendliche aus dem Programm der Asociacion Holanda mit Hörgeräten und dem nötigen Zubehör wie Batterien versorgt). Wir sind nicht sehr zuversichtlich, dass das Problem der fehlenden Batterien kurzfristig durch die Asociacion Dorotea gelöst wird.

Deshalb möchten wir die 3.000 Euro wie folgt einsetzen:

  1. Bargeld im Wert von 200 soles pro Familie: die Übergabe soll an eine verantwortungsbewusste Person der Familie (sehr oft die Mütter) erfolgen, mit Hinweis, dass dieses Geld für das hörgeschädigte Familienmitglied bestimmt ist. Die verantwortlichen Personen in den Familien sollen selbst entscheiden können, wofür das Geld eingesetzt wird: Kosten für Transport, Erziehung/Schule, Lebensmittel, Medikamente.
  2. Einmaliger Einkauf von Hörgerätebatterien im Wert von 1.000 Soles  in der Hauptstadt Lima. Damit wäre für sechs Monate die Versorgung unserer Hörgeräteträger*innen mit Batterien sicher gestellt.
  3. Kurzfristige Soforthilfe für etwa zwei Monate in Form von haltbaren Lebensmitteln: Reis, Nudeln, Thunfisch etc., auch das im Wert von 200 soles pro Familie.
  4. Nicht klar definierte Beträge für eventuelle Notfälle bei Personen, die z. Zt. in unseren Programmen der Asociacion Holanda oder ECA registriert sind. Unter den Bedingungen der Quarantäne und sonstiger Einschränkungen haben wir allerdings z.Zt. sehr wenig Kontakt zu den Menschen, die in einer Notsituation sind, denn sie können nur sehr schwer nach Cajamarca kommen. Deshalb wollen wir etwas Geld vorhalten.

An die Familien der Hörgeschädigten, die in unserer Eisdiele bzw. Eisproduktion angestellt sind, werden wir keine Hilfen im oben dargestellten Sinne verteilen. Denn die Hörgeschädigten in unserem Betrieb erhalten ihr reguläres Gehalt. Die gehörlosen Erwachsenen, die erst kürzlich, vermittelt über die “Asociacion de Sordos” (Vereinigung der Gehörlosen), Arbeit bei uns gefunden haben, werden zunächst in einer ersten Phase ebenfalls ausgeschlossen sein. So möchten wir Neid und Missgunst vermeiden. Einige mögen durchaus Hilfe benötigen. Aber wenn wir einigen helfen – und anderen nicht -, gefährden wir u.U. die guten menschlichen Beziehungen innerhalb unserer Einrichtung wie auch zu den öffentlichen Institutionen.

Alle Unterstützten werden den Erhalt der Hilfe per Unterschrift bestätigen. Wir werden – wie immer - die Ausgaben nachweisen. Danke, dass wir diese Vorschläge nun umsetzen können.

Eine Umarmung von
Pim Heijster"


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