Nepal: Geschichten und Berichte

Nachdem Indien am 24. März 2020 eine allgemeine Ausgangssperre verhängte, zog auch die nepalesische Regierung nach. Informationen unserer Partner*innen zufolge stand, mit wenigen Ausnahmen, bis zum 22. Juli alles still. Die Grenze zu Indien, die gleichzeitig der Hauptversorgungsweg nach Nepal ist, ist voraussichtlich noch bis zum 16. Oktober geschlossen. Die meisten Büros unserer Partner*innen sind geschlossen, die Aktivitäten der Beschränkung der Ausgangsmöglichkeiten angepasst.

Am Dienstag, den 22. Juli, gab die nepalesische Regierung unerwartet bekannt, dass die Aufhebung des Lockdowns in zwei Phasen durchgeführt wird. Ab dem 30. Juli soll vorerst der Tourismussektor wieder hochgefahren werden, am 17. August soll dann auch der Transportsektor, inklusive des internationalen Flugverkehrs wieder anlaufen. Der Bildungssektor sowie jegliche religiösen Aktivitäten und Freizeitaktivitäten sollen bis auf weiteres im Lockdown verbleiben. Die Regierung begründete die Entscheidung mit den erheblichen wirtschaftlichen Verlusten der vorangegangenen viereinhalb Monate.

Bereits am 18. August verhängte die Regierung einen neuen, strengen Lockdown für Kathmandu, da die Neuinfektionen in der Hauptstadt drastisch ansteigen. Auch einzelne weitere ländliche Regionen beschränken das öffentliche Leben erneut extrem. Der Lockdown wurde teilweise seit dem 9. September gelockert. Restaurants und Hotels durften ab dem 17. September wieder öffnen. Inlandsflüge sind seit dem 21. September wieder möglich. Die unterschiedlichen Lockerungen bringen jedoch einen Anstieg der Infektionen mit. Insbesondere im September wurden besonders viele Corona-Fälle registriert.

Erste Studien zeigen die dramatischen Auswirkungen der Maßnahmen auf die Bevölkerung: So ist wegen der Auslastung der Krankenhäuser die medizinische Betreuung z.B.  bei Geburten um mehr als die Hälfte reduziert, die Neugeborenensterblichkeit hat sich mehr als verdreifacht (Human Rights Watch). Fast ein Viertel der Angestellten haben ihre Arbeit verloren. Kleine und mittlere Unternehmen sind besonders hart getroffen, sowie Tagelöhner*innen, die seit Monaten akut Hunger leiden.



Gemüsegärtner*innen klar im Vorteil

Renu Sharma, Leiterin der Women Foundation in Nepal, setzt sich zusammen mit ihren Mitstreiterinnen seit den 80er Jahren für Frauenrechte in Nepal ein.
Aufgrund der Vielzahl an Rückmeldungen, die uns aus der Womens Foundation in Nepal erreichten, fassen wir die Korrespondenz zusammen, sodass Sie einen Eindruck bekommen, wie die Arbeit von Renu und Ihren Mitstreiter*innen derzeit verläuft.
Aus Schutz vor dem Corona-Virus auf der einen Seite und den staatlichen Restriktionen auf der anderen Seite, sind die Büros der Womens Foundation seit dem 20. März 2020 auf ungewisse Zeit geschlossen. Da auch die Schulen in Nepal derzeit geschlossen sind, leben zusätzlich 31 Kinder im Frauen- und Kinderhaus der Organisation, während ihre alleinerziehenden Mütter in der Produktionsstätte der Womens Foundation arbeiten.

"Wir haben einen Zeitplan für das WF-Frauen- und Kinderheim, sodass sie beschäftigt sind und aktiv bleiben. Zum Beispiel machen wir gemeinsames Yoga, arbeiten im Gemüsegarten, reinigen Räume, waschen häufig die Hände, debattieren, dichten, tanzen und veranstalten einen gemeinsamen Kunstwettbewerb.“
 
Allgemeine Situation

Bereits jetzt leiden viele Menschen in der Hauptstadt unter dem Mangel notwendiger Produkte, wie Gas. Dieser Mangel ist in zweierlei Hinsicht vor allem für Menschen mit wenig Geld und Tagelöhner problematisch. Zum einen kaufen Menschen, die es sich leisten können, so viel, dass arme Menschen, die den ganzen Tag arbeiten müssen und nur Lebensmittel für den nächsten Tag kaufen können, vor großen Schwierigkeiten stehen. Und zum anderen wird ein künstlicher Mangel erzeugt, indem Ladenbesitzer notwendige Produkte „verstecken“ um diese anschließend für deutliche höhere Preise auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Glücklicherweise verfügt die Womens Foundation, wie die meisten unserer Partner*innen über einen Gemüsegarten, der die Versorgung der Frauen und Kinder in Zeiten wie diesen vereinfacht: „Wir bei der Womens Foundation sind für mehr als zwei Monate für die Frauen und Kinder im Heim versorgt, nicht nur mit grünem Gemüse.“

Je länger der Stillstand desto größer die Not

Die Frauen jedoch, die im umliegenden Stadtviertel als Tagelöhnerinnen und mobile Gemüseverkäu­ferinnen leben, dürfen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Ihre wenigen Vorräte und ihr Erspartes sind aufgebraucht. Verzweifelt haben sie sich an die Womens´ Foundation gewandt und um Lebens­mittel gebeten. Renu Sharma und ihre Kolleginnen haben in diesen Tagen bereits geteilt, was möglich war. Jetzt sehen sie sich jedoch außer Stande, diese Frauen weiterhin mitzuversorgen. Sie haben bei der lokalen Regierung angemahnt, dass sie sich um die notleidenden Menschen kümmern muss. Es wurde daraufhin begonnen, einige Menschen zu unterstützen, allerdings müssen diese erst bewei­sen, dass sie im betreffenden Viertel als Anwohner registriert sind. Die Frauen, um die es geht, stam­men aus abgelegenen, armen Hochlandregionen Nepals. Sie sind in der Vergangenheit vom Land in die Hauptstadt gekommen und leben dort unter prekären Umständen ohne Registrierung. Da der öf­fentliche Transport eingestellt wurde, ist ihnen der Weg zurück aufs Land ebenfalls versperrt. So ist nun die Women’s´ Foundation dringend auf Unterstützung angewiesen, um diesen Frauen helfen zu können.

 Renu Sharma: „Wir alle arbeiten derzeit in der Sicherheitsbranche und zwar am Schutz vor dem Virus…“  

Die Produktionsstätte der Womens Foundation, die üblicherweise für die Produktion von Schals genutzt wird, wurde kurzerhand an die Situation angepasst. Nachdem die Frauen des Schulungszentrums über das Corona-Virus und seine Verbreitung aufgeklärt wurden, begannen die Mitarbeiter*innen spontan mit der Produktion von Atemmasken. Diese werden frei verteilt, sodass jeder etwas zur Eindämmung dieser Pandemie beitragen kann.


Arbeit der Women´s Foundation in Zeiten von Corona

Ausgabe von Nahrungsmittelpaketen

Durch steigende Lebensmittelpreise - vor allem für die Grundversorgung - wird es für viele Menschen in Nepal unmöglich, sich in den Zeiten der Pandemie zu ernähren. Vor allem ohnehin benachteiligte Menschen haben es schwer. Die erneute Verlängerung des Lockdowns bis zu 7. Mai (Stand:27. April) verschärft die Situation weiter. Tagelöhner*innen verdienen weiterhin kein Geld. Da sie normalerweise mit ihrem täglichen Verdienst ihr Essen kaufen, stehen sie vor dem Nichts. Zudem kehren viele Menschen aus den Städten aufgrund ausbleibender Verdienstmöglichkeiten in ihre Heimatdörfer zurück und müssen versorgt werden.

Bisher (Stand: 27. April 2020) hat die Women´s Foundation 3.217 Tagelöhnerinnen, alleinerziehende Mütter, Menschen mit Behinderung, sehr alte und arme Frauen aus dem Viertel, in dem der Hauptsitz der Womens´ Foundation liegt, erreicht. Die Menschen werden vor allem mit Lebensmitteln und der Ausgabe kostenloser, selbstgenähter Masken unterstützt.

Die Lebensmittelpakete, die die Womens´ Foundation verteilt hat, setzen sich aus 25 kg Reis, 5 kg Linsen, 1 kg Salz und einer Ration Öl zusammen. Diese Lebensmittel helfen den Frauen, die nächsten 15 bis 20 Tage über die Runden zu kommen. Doch der Bedarf wächst stetig.

Einrichtung einer "Offenen Küche"

Um noch mehr bedürftige Menschen zu erreichen und um zu verhindern, dass die Ausgabe der Lebensmittelpakete ausgenutzt wird, hat die Womens´ Foundation nun eine „Offene Küche“ eingerichtet, die rund 500 Menschen pro Tag mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Durch die „Offene Küche“ wird auch dem Problem begegnet, dass die Preise für Kochgas seit Beginn der Coronakrise steigen und die Menschen zusätzlich belasten.

Um die Versorgung dieser prekär lebenden und marginalisierten Bevölkerung sicher zu stellen, arbeitet die Womens´ Foundation mit der lokalen Regierung zusammen. Durch die Kombination aus Spenden und Regierungsgeldern können mehr Menschen erreicht werden.

Die Womens´ Foundation hilft auch dabei, herauszufinden, welche Menschen real bedürftig sind. Auch unterstützt sie dabei, die – in Nepal immer vorhandenen - bürokratischen Hürden für die Versorgung von Bedürftigen zu überwinden. Jede Person, die Unterstützung der Regierung erfährt, muss zahlreiche Formulare ausfüllen, was für Menschen, die zum Beispiel Analphabeten sind, sehr schwierig ist.


Es ist also an der Zeit, uns selbst zu schützen…

Kaji Shresta, Leiter des PAM Nestling Homes, eine Einrichtung für Kinder von Strafgefangenen, die mittlerweile über die Grenzen Nepals hinweg für ihren Erfolg in der Judohalle bekannt sind, berichtete uns am 25. März das erste Mal von den Veränderungen im Alltag durch COVID-19. Auch kommentierte er die Aktivitäten von WATCH (Women Acting Together for Change), einer Organisation, die er ebenso leitet und die sich mit verschiedenen Programmen für die Förderung von Frauen u.a. im Bildungsbereich und Ökosystemmanagement einsetzt. Den Bericht finden Sie hier.

Ergänzend dazu berichtete uns Surya Shrestha, erfolgreicher Judotrainer beim PAM Nestling Home, am 24. April 2020 erneut von der Situation in Nepal und der positiven Einstellung der PAM-Kinder (Bericht vom 24.04.2020).

Am 13. Mai erreichte uns eine neue Nachricht von Dr. Kaji Shrestha:

In Bezug auf die Pandemie hat die nepalesische Regierung bisher geschlafen. Sie rühmten sich nur damit, dass wir nicht so viele Fälle haben, und erzwangen die Ausgangssperre, was für sie eine recht wirksame und einfache politische Maßnahme war. Aber die Leute haben es satt, weil es keinen Plan und keine Perspektive gibt.

Es werden nur sehr wenige Tests durchgeführt.

Als sie kürzlich mit dem Testen begannen, fanden sie an nur einem Tag 97 neue Fälle!

Menschen, die in Indien und anderen Ländern arbeiten, sind durch die dortigen Ausgangssperren gezwungen, die Länder zu verlassen, und sie kämpfen darum, nach Nepal zurückzukehren. In ihrem Fall sprechen wir über echte Überlebensprobleme. Einige von ihnen können nicht eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen.

Wir befinden uns also gerade in der Vorphase der echten Krise. Und wir müssen uns auf eine echte Pandemie vorbereiten, egal welcher Art. Ich versuche nicht pessimistisch zu sein, aber das ist die Realität. 

Passt auf Euch auf!


Aktuelle Situation in Nepalgunj

Update vom 06. Oktober 2020

Purna Lal Chuke ist Leiter der Organisation RESIC (Rural Economic Social Improvement Centre), die in Nepalgunj eine Gesundheitsstation, ambulante Gesundheitscamps und ein Mikrokreditprogramm umsetzt.

Die nepalesische Regierung verlängert weiterhin im fast wöchentlichen Rhythmus den Lock-Down. Diese Verlängerung stellt gerade Tagelöhner*innen und Wanderarbeiter*innen vor große Probleme, denn sie haben keine Möglichkeiten, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. RESIC hat bei der Verteilung von Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Gütern an bedürftige Familien unterstützt.

Purna Lal Chuke berichtet, dass RESIC unter Berücksichtigung aller Hygiene- und Abstandsregeln die Arbeit in der Gesundheitsstation wieder aufgenommen hat. Durch die Schließung von privaten Hospitälern und Kliniken erhöht sich die Zahl der Menschen, die die Gesundheitsstation besuchen, täglich. Die Gesundheitsstation musste zwischenzeitlich aufgrund der verschärften Lockdown-Situation geschlossen werden. Mittlerweile kommen täglich wieder zwischen 15 und 21 Menschen zu RESIC, um sich in der Gesundheitsstation untersuchen und versorgen zu lassen.

Zurzeit nehmen die Fallzahlen in ganz Nepal und Nepalgunj jedoch wieder täglich zu. Punra Lal Chuke schrieb uns in einer Email, dass die aktuelle Situation sehr bedenklich sei. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden am 24. September 1911 neue Infektionen in ganz Nepal gemeldet. Insgesamt wurden bisher 79.728 Infektionen registriert. Bis zum 1. Oktober sind in Nepalgunj bereits 17 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben. 2491 Menschen sind zurzeit in Nepalgunj infiziert.


Lass uns auf das Beste hoffen

Krishna Gurung ist der Leiter der Kevin Rohan Memorial Foundation neben Wiederaufbau von Wohnhäusern (bspw. Nach Erdbeben) betreibt die Stiftung auch organischen Landbau, bietet Gesundheitsversorgung an und unterstützt bedürftige Kinder in Khahare, Kathmandu, bei ihrer Bildung.

Am 26. August berichtete uns Krishna:

„Grüße aus Kathmandu!

Wir hoffen, dass es Ihnen gut geht. Leider wird die Corona Pandemie in Nepal immer schlimmer und besonders Kathmandu ist stark betroffen. Das Kathmandu-Tal fällt jetzt unter die “rote Zone”. Jeden Tag gibt es 200 neue Infizierte. Das Leben steht hier still und wir verhalten uns sehr, sehr vorsichtig. Die Regierung geht davon aus, dass der Winter katastrophal sein wird, falls nicht die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden.

Viele arme Menschen in ganz Nepal und insbesondere die Armen in den städtischen Gebieten sind stark von den Auswirkungen des Lockdowns betroffen. Wir gehen davon aus, dass uns immer mehr Anfragen erreichen werden, um Menschen mit Nahrung und anderen Maßnahmen zu unterstützen. Bisher mussten wir noch niemanden abweisen und versorgen unsere Mitarbeiter*innen und Tagelöhner*innen in unserer Region so gut es geht.

Leider ist das öffentliche Leben wieder stillgelegt. Wir hatten ein wenig Hoffnung, dass wir unser Café und unser Gästehaus wieder öffnen können oder Workshops veranstalten könnten. Aufgrund der raschen Zunahme der Covid-19-Fälle herrscht jetzt wieder ein strikter Lockdown

Das Schulbauprojekt wurde mit einigen lokalen Arbeiter*innen wiederaufgenommen, aber die Arbeiten können wegen des erneuten Lockdowns nicht fortgesetzt werden.

Wir haben versucht wieder einige Kinder aus der Umgebung zu unterrichten, aber können auch das nicht fortsetzen. Einige Online-Kurse finden jedoch statt.

Die Mitarbeiter*innen, die in der Nähe wohnen, kommen nach wie vor, wenn es die gesetzlichen Regelungen erlauben, vorbei und setzen ihre Arbeiten auf dem Bauernhof fort. Gerade jetzt ist die Jahreszeit, um Gemüsesetzlinge zu pflanzen. Gestern habe ich in den Nachrichten gehört, dass der Preis für Gemüse um 276% gestiegen sein soll – wir hoffen sehr, dass der Preisanstieg wieder abflacht.

Für die neuen Öko-Häuser haben wir zwei Familien gefunden, die daran interessiert sind dort zu wohnen. Eine weitere Familie suchen wir noch. Gerade die Pandemie hält uns hierbei aber leider auf und wir üben uns in Geduld.

Als wäre die Pandemie nicht schon genug, gab es einen schweren Monsun in Nepal. Es gab viele Überschwemmungen, sowie Opfer und Verletzte. Auch unsere Region ist stark betroffen gewesen. Wir hoffen, dass es den Familien gut geht, für die wir ein Haus gebaut haben.

Zurzeit pflanzen wir so viele Bäume wie möglich. Vor allem fokussieren wir uns auf Obstbäume – wir stehen zurzeit noch im Gespräch mit der Verwaltung und würden auch gerne Bäume entlang der Straße und auf dem Weg zur Leprakolonie pflanzen. Die Pflege eines Baums kostet inklusive Baumschutz rund 30,00€. Die Aktion läuft unter dem Motto “Tree of Hope” (Baum der Hoffnung).

Gerade das hilft uns sehr dabei, jeden Tag neue Hoffnung zu finden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und herzliche Grüße

Krishna“


Nachricht von SECARD vom 23. März 2020:

Maheswar Ghimire, Leiter von SECARD, einer Organisation die Schulungen für  Kleinbäuer*innen im organischen Landbau anbietet, berichtet:

Namaskar von SECARD Nepal.
In den Medien hören wir von der herzzerreißenden Situation in Europa, verursacht durch das Corona-Virus. Wir hoffen, dass die Situation sich bessern wird und das normale Leben bald wieder beginnen kann.
Wie bei euch, sind auch in Nepal alle öffentlichen Bereiche komplett geschlossen.
Die Grenze zu Indien und China wurden geschlossen. Die Regierung hat eine Reisewarnung ausgesprochen und man kann nur im Notfall von zu Hause weg.

Unter Berücksichtigung der Situation, der Infektionswahrscheinlichkeit sowie der von der Regierung herausgegebenen Hinweise und Empfehlungen, haben wir alle vor Ort geplanten Aktivitäten verschoben. Die Arbeit, die wir von zu Hause aus erledigen können, versuchen wir so gut es möglich ist, umzusetzen.
 
Unsere Gedanken sind bei Euch und wir beten für alle Betroffenen.



Nachricht von ACP von 22. März 2020:

Meera Bhattarai ist Leiterin der Association for Craft Producers (ACP) in Kathmandu, eine Fair- Handelsorganisation und größte Vereinigung für fairen Handel in Nepal, in der Frauen im Fairen Handel selbstorganisiert tätig sind. Sie berichtet:

Liebe Freunde, Schöne Grüße!
Wir hoffen, es geht Euch allen gut!
Es ist unglaublich, wie sich die Situation auf der ganzen Welt verändert hat, insbesondere in den letzten Wochen, aufgrund der raschen Verbreitung von COVID-19. Wir alle leben in ständiger Unsicherheit und Angst. Wir hoffen und beten, dass dieser Albtraum bald vorbei ist und die Dinge wieder normal werden.
Wir möchten Sie bedauerlicherweise darüber informieren, dass die AKP-Staaten vom heutigen 22. März 2020 bis zum 27. März als Sicherheitsmaßnahme gegen COVID-19 im Einklang mit den Regierungsrichtlinien geschlossen werden (inzwischen verlängert).
Einige von uns werden von zu Hause aus arbeiten. Wir werden unser Bestes geben, um auf Ihre E-Mails zu antworten. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn wir nicht umgehend auf Sie zurückkommen können.
Passt auf Euch auf und bleibt sicher.
Herzliche Grüße
ACP-Team.


Die Ausganssperre ist sehr, sehr streng

Im April 2019 gründete Shiva Hari Sapkota (rechts außen) auf Initiative engagierter Eltern und Lehrer*innen die Himalaya Waldorfschule in Kathmandu.

Die Schule, die noch in ihren Kinderschuhen steckt, betreut Kinder aus armen Verhältnissen bis zur vierten Klasse und verfügt auch über eine Kindergartengruppe.

Ilse Sapkota-Bennink (hinten links) von der Himalaya Waldorf School schreibt am 11. Mai:

„Hier in Kathmandu ist die Situation dramatisch. Wir sind seit März unter Ausgangsperre und es gibt keine Anzeichen für eine Lockerung. Eigentlich eher umgekehrt. In den vergangenen Tagen sind wir von 70 Corona-Fällen (die eigentlich nicht so viel sind und von denen sich bereits über 20 erholt haben) auf 100 gestiegen. Dies gibt der Regierung die zusätzliche Berechtigung, um die Ausgangssperren und weitere Restriktionen zu verschärfen. Die Ausganssperre ist sehr, sehr streng ... Wir dürfen nirgendwohin gehen, außer in ein nahe gelegenes, kleines Geschäft, um die notwendigen Lebensmittel zu kaufen. Das ist alles.

Viele Menschen hier in Nepal und besonders in Kathmandu sind aber Tagelöhner*innen, und von ihrem täglichen Einkommen abhängig. Jetzt haben sie dieses nicht mehr und die Probleme begannen bereits in den ersten Wochen der Ausgangssperrung. Wir sind jetzt seit 50 Tagen im Lockdown und es wird schwieriger und schwieriger.

Shiva Hari Sapkota, Gründer der Himalaya Waldorf School, hat von Anfang an versucht, Lebensmittelpakete für Menschen im Not zu verteilen, aber in den letzten Wochen ist die Liste der bedürftigen Familien auf über tausend gestiegen und diese kommen nur von unserem Viertel und der Schule! Also beschloss Shiva, mit Hilfe von Freiwilligen, auf die Vorbereitung einer „Offenen Küche“ zu wechseln. Die Leute können dorthin gehen, um einmal am Tag eine Mahlzeit zu erhalten. All diese Hilfe ist höchst notwendig, aber fast niemand wagt es, sie umzusetzen und die Regierung ist sehr restriktiv.

Vor einigen Wochen, an einem Tag hatte Shiva alle notwendigen Genehmigungspapiere dabei und versuchte, mit unserem Van an verschiedene Orte zu fahren und Lebensmittelpakete zu liefern.  Die Polizei hat ihn angehalten und sie waren mit seinen Papieren nicht zufrieden. Daher wurde er einen ganzen Tag im Hauptbüro der Polizei festgehalten. Jetzt müssen wir noch vorsichtiger sein.

Die Menschen hier sterben nicht an Corona, sondern an der ganzen Situation. Und wenn dies lange so bleibt, wird das gesamte Wirtschaftssystem vollständig zusammenbrechen ... So ist die Situation ... Wir sind sehr, sehr besorgt. Und jede Woche hoffen wir, dass die Ausganssperre beendet wird, aber die neuesten Nachrichten geben uns keine Hoffnung. Es wird sehr überraschend sein, wenn wir die Schule vor September eröffnen können…

Wir können unsere Lehrer*innen, unsere Kinder usw. nicht treffen. Wir sind telefonisch mit ihnen in Kontakt, aber wir können sie überhaupt nicht besuchen. Wie Sie wissen, sind die Internetverbindungen in Nepal nicht gut, nicht viele Menschen haben einen angemessenen Zugang. Das einzige, was unsere Lehrer*innen tun können, ist, ein paar Materialien für den Unterricht vorzubereiten, aber wir wissen nicht, wann wir diese verwenden können ... Und wir wissen nicht, welche Kinder in die Schule zurückkehren werden und welche nicht. Es ist gerade auch verboten, neue Kinder in die Schule aufzunehmen. Aber selbst wenn das erlaubt wäre, würde das nichts nützen, da wir nicht mit Leuten außerhalb der Familie zusammen sein können.

Ich unterrichte unsere eigenen Kinder zu Hause, bereite die Verteilung der Lebensmittel vor und tausche Informationen mit den Niederlanden aus.(…)

Wir können die Banken momentan auch nicht erreichen und haben keinen Zugang zu den Bankkonten

Im Moment sind wir fast alle auf das pure Überleben reduziert und können nur versuchen zu erraten, was am nächste Tag passieren wird, aber alles ändert sich von Tag zu Tag. Entschuldigung für diese traurige Geschichte, wir können aber leider nichts dafür tun. Wir hoffen und hoffen und hoffen, dass sich die Situation bald ändert ...

Viele beste Wünsche auch von Shiva,
Ilse"

Bildunterschrift: Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen der Himalaya Waldorfschule mit den Gründer*innen, Ilse Sapkota-Bennink (hinten links) und Shiva Hari Sapkota (rechts außen).


Ich sende dir Licht!

Santhos Chetri ist ebenfalls Mitarbeiter der Kevin Rohan Memorial Foundation. Er schrieb uns am 2. April:

„Ich hoffe, diese E-Mail erreicht Sie gut. Was für eine schwierige Zeit wir alle haben. Jeden Tag die Nachrichten und Auswirkungen von COVID-19 speziell in Europa und Amerika zu hören und zu schauen, frisst meine Energie. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie gesund und munter sind.

Vielleicht wissen Sie bereits, dass Nepal seit 10 Tagen gesperrt ist. Noch 4 Tage verbleiben, und die Regierung plant erneut eine Verlängerung um eine weitere Woche (Die Verlängerung um acht Tage ist inzwischen, am 6.4., eingetroffen). Wie sie wissen, ist Nepal ein Entwicklungsland, viele sind Tagelöhner und planen auch ihre Versorgung mit Lebensmitteln von Tag zu Tag. Die meisten Nepali haben keine Ersparnisse und jetzt haben sie auch keine Jobs mehr. Auch Menschen unserer Stiftung sind in einer sehr schwierigen Situation. Wie Sie wissen, sind die meisten Menschen sehr bedürftig und sie sind traurig und besorgt über die Konsequenzen, die dies für die Wirtschaft haben wird.

Ich bete für das baldige Ende dieser COVID-19-Pandemie und dass wir alle wieder in das normale Leben zurückkehren können.

Pass gut auf deine Gesundheit auf,
Mit viel Liebe und Gebeten aus Nepal"

 

 

 

 

 

 

 

 


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Lagebericht aus Nepal

Der Bericht des Nepal Peace Monitoring Project bildet den Anstieg häuslicher Gewalt, unter den Ausgangsbeschränkungen während der ersten Monate (Feburar bis April 2020) der Corona-Pandemie, ab.

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