Nepal: Geschichten und Berichte

Nachdem Indien am 24.03.2020 eine allgemeine Ausgangssperre verhängte, zog auch die nepalesische Regierung nach. Informationen unserer Partern*innen zufolge steht, mit wenigen Ausnahmen, bis zum 2. Juni vorerst alles still (Stand: 22. Mai). Die Grenze zu Indien ist geschlossen. Es ist gleichzeitig der Hauptversorgungsweg nach Nepal. Die meisten Büros unserer Partner*innen sind geschlossen, die Aktivitäten der Beschränkung der Ausgangsmöglichkeiten angepasst.

Unsere Partner*innen berichten über die neue Situation und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Einige der Nachrichten und Geschichten möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Gemüsegärtner*innen klar im Vorteil

Renu Sharma, Leiterin der Women Foundation in Nepal, setzt sich zusammen mit ihren Mitstreiterinnen seit den 80er Jahren für Frauenrechte in Nepal ein.
Aufgrund der Vielzahl an Rückmeldungen, die uns aus der Womens Foundation in Nepal erreichten, fassen wir die Korrespondenz zusammen, sodass Sie einen Eindruck bekommen, wie die Arbeit von Renu und Ihren Mitstreiter*innen derzeit verläuft.
Aus Schutz vor dem Corona-Virus auf der einen Seite und den staatlichen Restriktionen auf der anderen Seite, sind die Büros der Womens Foundation seit dem 20. März 2020 auf ungewisse Zeit geschlossen. Da auch die Schulen in Nepal derzeit geschlossen sind, leben zusätzlich 31 Kinder im Frauen- und Kinderhaus der Organisation, während ihre alleinerziehenden Mütter in der Produktionsstätte der Womens Foundation arbeiten.

"Wir haben einen Zeitplan für das WF-Frauen- und Kinderheim, sodass sie beschäftigt sind und aktiv bleiben. Zum Beispiel machen wir gemeinsames Yoga, arbeiten im Gemüsegarten, reinigen Räume, waschen häufig die Hände, debattieren, dichten, tanzen und veranstalten einen gemeinsamen Kunstwettbewerb.“
 
Allgemeine Situation

Bereits jetzt leiden viele Menschen in der Hauptstadt unter dem Mangel notwendiger Produkte, wie Gas. Dieser Mangel ist in zweierlei Hinsicht vor allem für Menschen mit wenig Geld und Tagelöhner problematisch. Zum einen kaufen Menschen, die es sich leisten können, so viel, dass arme Menschen, die den ganzen Tag arbeiten müssen und nur Lebensmittel für den nächsten Tag kaufen können, vor großen Schwierigkeiten stehen. Und zum anderen wird ein künstlicher Mangel erzeugt, indem Ladenbesitzer notwendige Produkte „verstecken“ um diese anschließend für deutliche höhere Preise auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Glücklicherweise verfügt die Womens Foundation, wie die meisten unserer Partner*innen über einen Gemüsegarten, der die Versorgung der Frauen und Kinder in Zeiten wie diesen vereinfacht: „Wir bei der Womens Foundation sind für mehr als zwei Monate für die Frauen und Kinder im Heim versorgt, nicht nur mit grünem Gemüse.“

Je länger der Stillstand desto größer die Not

Die Frauen jedoch, die im umliegenden Stadtviertel als Tagelöhnerinnen und mobile Gemüseverkäu­ferinnen leben, dürfen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Ihre wenigen Vorräte und ihr Erspartes sind aufgebraucht. Verzweifelt haben sie sich an die Womens´ Foundation gewandt und um Lebens­mittel gebeten. Renu Sharma und ihre Kolleginnen haben in diesen Tagen bereits geteilt, was möglich war. Jetzt sehen sie sich jedoch außer Stande, diese Frauen weiterhin mitzuversorgen. Sie haben bei der lokalen Regierung angemahnt, dass sie sich um die notleidenden Menschen kümmern muss. Es wurde daraufhin begonnen, einige Menschen zu unterstützen, allerdings müssen diese erst bewei­sen, dass sie im betreffenden Viertel als Anwohner registriert sind. Die Frauen, um die es geht, stam­men aus abgelegenen, armen Hochlandregionen Nepals. Sie sind in der Vergangenheit vom Land in die Hauptstadt gekommen und leben dort unter prekären Umständen ohne Registrierung. Da der öf­fentliche Transport eingestellt wurde, ist ihnen der Weg zurück aufs Land ebenfalls versperrt. So ist nun die Women’s´ Foundation dringend auf Unterstützung angewiesen, um diesen Frauen helfen zu können.

 Renu Sharma: „Wir alle arbeiten derzeit in der Sicherheitsbranche und zwar am Schutz vor dem Virus…“  

Die Produktionsstätte der Womens Foundation, die üblicherweise für die Produktion von Schals genutzt wird, wurde kurzerhand an die Situation angepasst. Nachdem die Frauen des Schulungszentrums über das Corona-Virus und seine Verbreitung aufgeklärt wurden, begannen die Mitarbeiter*innen spontan mit der Produktion von Atemmasken. Diese werden frei verteilt, sodass jeder etwas zur Eindämmung dieser Pandemie beitragen kann.


Arbeit der Women´s Foundation in Zeiten von Corona

Ausgabe von Nahrungsmittelpaketen

Durch steigende Lebensmittelpreise - vor allem für die Grundversorgung - wird es für viele Menschen in Nepal unmöglich, sich in den Zeiten der Pandemie zu ernähren. Vor allem ohnehin benachteiligte Menschen haben es schwer. Die erneute Verlängerung des Lockdowns bis zu 7. Mai (Stand:27. April) verschärft die Situation weiter. Tagelöhner*innen verdienen weiterhin kein Geld. Da sie normalerweise mit ihrem täglichen Verdienst ihr Essen kaufen, stehen sie vor dem Nichts. Zudem kehren viele Menschen aus den Städten aufgrund ausbleibender Verdienstmöglichkeiten in ihre Heimatdörfer zurück und müssen versorgt werden.

Bisher (Stand: 27. April 2020) hat die Women´s Foundation 3.217 Tagelöhnerinnen, alleinerziehende Mütter, Menschen mit Behinderung, sehr alte und arme Frauen aus dem Viertel, in dem der Hauptsitz der Womens´ Foundation liegt, erreicht. Die Menschen werden vor allem mit Lebensmitteln und der Ausgabe kostenloser, selbstgenähter Masken unterstützt.

Die Lebensmittelpakete, die die Womens´ Foundation verteilt hat, setzen sich aus 25 kg Reis, 5 kg Linsen, 1 kg Salz und einer Ration Öl zusammen. Diese Lebensmittel helfen den Frauen, die nächsten 15 bis 20 Tage über die Runden zu kommen. Doch der Bedarf wächst stetig.

Einrichtung einer "Offenen Küche"

Um noch mehr bedürftige Menschen zu erreichen und um zu verhindern, dass die Ausgabe der Lebensmittelpakete ausgenutzt wird, hat die Womens´ Foundation nun eine „Offene Küche“ eingerichtet, die rund 500 Menschen pro Tag mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Durch die „Offene Küche“ wird auch dem Problem begegnet, dass die Preise für Kochgas seit Beginn der Coronakrise steigen und die Menschen zusätzlich belasten.

Um die Versorgung dieser prekär lebenden und marginalisierten Bevölkerung sicher zu stellen, arbeitet die Womens´ Foundation mit der lokalen Regierung zusammen. Durch die Kombination aus Spenden und Regierungsgeldern können mehr Menschen erreicht werden.

Die Womens´ Foundation hilft auch dabei, herauszufinden, welche Menschen real bedürftig sind. Auch unterstützt sie dabei, die – in Nepal immer vorhandenen - bürokratischen Hürden für die Versorgung von Bedürftigen zu überwinden. Jede Person, die Unterstützung der Regierung erfährt, muss zahlreiche Formulare ausfüllen, was für Menschen, die zum Beispiel Analphabeten sind, sehr schwierig ist.


Es ist also an der Zeit, uns selbst zu schützen…

Kaji Shresta, Leiter des PAM Nestling Homes, eine Einrichtung für Kinder von Strafgefangenen, die mittlerweile über die Grenzen Nepals hinweg für ihren Erfolg in der Judohalle bekannt sind, berichtete uns am 25. März das erste Mal von den Veränderungen im Alltag durch COVID-19. Auch kommentierte er die Aktivitäten von WATCH (Women Acting Together for Change), einer Organisation, die er ebenso leitet und die sich mit verschiedenen Programmen für die Förderung von Frauen u.a. im Bildungsbereich und Ökosystemmanagement einsetzt. Den Bericht finden Sie hier.

Ergänzend dazu berichtete uns Surya Shrestha, erfolgreicher Judotrainer beim PAM Nestling Home, am 24. April 2020 erneut von der Situation in Nepal und der positiven Einstellung der PAM-Kinder (Bericht vom 24.04.2020).

Am 13. Mai erreichte uns eine neue Nachricht von Dr. Kaji Shrestha:

In Bezug auf die Pandemie hat die nepalesische Regierung bisher geschlafen. Sie rühmten sich nur damit, dass wir nicht so viele Fälle haben, und erzwangen die Ausgangssperre, was für sie eine recht wirksame und einfache politische Maßnahme war. Aber die Leute haben es satt, weil es keinen Plan und keine Perspektive gibt.

Es werden nur sehr wenige Tests durchgeführt.

Als sie kürzlich mit dem Testen begannen, fanden sie an nur einem Tag 97 neue Fälle!

Menschen, die in Indien und anderen Ländern arbeiten, sind durch die dortigen Ausgangssperren gezwungen, die Länder zu verlassen, und sie kämpfen darum, nach Nepal zurückzukehren. In ihrem Fall sprechen wir über echte Überlebensprobleme. Einige von ihnen können nicht eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen.

Wir befinden uns also gerade in der Vorphase der echten Krise. Und wir müssen uns auf eine echte Pandemie vorbereiten, egal welcher Art. Ich versuche nicht pessimistisch zu sein, aber das ist die Realität. 

Passt auf Euch auf!


Wir sollten in dieser schrecklichen Situation alle zu Hause bleiben

Purna Lal Chuke ist Leiter der Organisation RESIC (Rural Economic Social Improvement Centre), die in Nepagunj eine Gesundheitsstation, ambulante Gesundheitscamps und ein Mikrokreditprogramm umsetzt.

Am 24. März erhielten wir den ersten Bericht von Purna aus Nepalgunj. Er berichtete von der Verhängung des Ausnahmezustandes und der vorläufigen Schließung der Büros von RESIC. In einem Update vom 2. April schrieb er uns wie RESIC in dieser neuen Situation versucht u.a. das Mikrokreditprogramm am Laufen zu lassen und wie Sie außerdem mithilfe einer Aufklärungskampagne zur Eindämmung des Virus beitragen wollen.

Am 20. April erhielten wir von Purna die erfreuliche Nachricht, dass die Organisation ihre Gesundheitsstation wieder für zwei Stunden in der Woche in Betrieb nehmen darf. Und auch die Beratung im Rahmen des Mikrokreditprogramms wird täglich wieder für zwei Stunden ihre Türen öffnen. Leider wurde diese erfreuliche Nachricht am 13. Mai von Purna gedämpft, als er uns von einem Ausbruchsherd in Nepalgunj berichtet, der die Bewohner*innen der Stadt in Panik versetzte. Vor allem die Nähe zur indischen Grenze und der damit einhergehenden Wanderungsbewegungen bereiten den Menschen Sorge. Die für Mitte Mai geplanten Lockerungen mussten aufgrund des Ausbruchsgeschehens nach noch einmal ausgesetzt werden. Den Bericht zum Ausbruchsgeschehen vom 13. Mai finden Sie hier.

Am 20. Mai teilte uns Purna jedoch mit, dass die nepalesische Regierung RESIC gestattet hat, das Gesundheitszentren in Nepalgunj wieder in Betrieb zunehmen. RESIC nutzte diese Regelung und öffnet ihr Gesundheitszentrum fortan immer montags. Allein am vergangenen Montag (18. Mai) nahmen 37 Personen die Gesundheitsleistungen des Zentrums in Anspruch.

Aufgrund der großen Zahl von Wanderarbeiter*innen, die derzeit aus Indien nach Nepal zurückkehren und einer zunehmenden Zahl von COVID-Infektionen, hat die Regierung beschlossen, die Ausgangsperre bis zum 2. Juni erneut zu verlängern. Diese Verlängerung stellt gerade Tagelöhner*innen und Wanderarbeiter*innen vor große Probleme, denn sie haben keine Möglichkeiten, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. RESIC unternimmt alle notwendigen Anstrengungen, um den Prozess der Verteilung von Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Güter an bedürftige Familien fortzusetzen.


Arbeit von RESIC in Zeiten von Corona

Lass uns auf das Beste hoffen

Krishna Gurung ist der Leiter der Kevin Rohan Memorial Foundation neben Wiederaufbau von Wohnhäusern (bspw. Nach Erdbeben) betreibt die Stiftung auch organischen Landbau, bietet Gesundheitsversorgung an und unterstützt bedürftige Kinder in Khahare, Kathmandu, bei ihrer Bildung. Den ersten Bericht zur Lage bei der Kevin Rohan Memorial Foundation und den bereits spürbaren Folgen der Pandemie für die Arbeit der Organisation, erhielten wir von Krishna Gurung am 29. März 2020.

Am 7. April berichtete uns Krishna zum zweiten Mal:

„Grüße aus Kathmandu!

Wir hoffen sehr, dass es Ihnen allen gut geht. Wir können Ihnen nur ein Gebet aus Nepal senden. Nach unserer vorherigen E-Mail über die Wirkung von COVID-19 möchte ich sagen, dass es für Millionen Menschen auf der ganzen Welt eine sehr herausfordernde und schwierige Zeit ist, und wir wünschen allen unseren Freunden, Familien und Unterstützer*innen alles Gute.

Wie wir alle wissen, gehen wir durch eine sehr schwierige Zeit und die sozioökonomischen Herausforderungen liegen in den kommenden Tagen und Monaten. Diese Krise hat die verschiedenen Abteilungen der KRMEF mit ihren 63 regulären Arbeitnehmer*innen und allen Tagelöhner*innen direkt betroffen.
Alle lokalen und internationalen Gruppen, die sich angemeldet hatten, um uns zu besuchen, haben für dieses Jahr abgesagt. Wir sind uns nicht sicher, wie lange diese Situation anhalten wird.
 
Das führt dazu, dass unser Öko-Hostel, das Öko-Café und die Schmuckwerkstatt „Mahilashakti“, die Arbeitsplätze bieten und ermöglichen, Familien zu finanzieren, geschlossen sind. Einige Frauen arbeiten im Gemüsegarten. Die Menschen haben Angst, das Geld auszugeben, so dass auch die Tischlerei schwer getroffen ist und für einige Tage geschlossen bleibt. Unsere Waldorf-inspirierte Schule „Ankuran“ bleibt ebenfalls drei Wochen lang geschlossen, obwohl sie durch Voll- und Teilstipendien bedürftige Kinder versorgt.

Wir können nicht vorhersagen, wie viele Monate oder Jahre noch vergehen werden, bevor alle unsere Aktivitäten wieder in Schwung kommen, insbesondere in einem Land wie Nepal. Unser Einkommen geht verloren und, was noch schwerer ist, wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Mitarbeiter*innen ohne Einkommen halten können. Der Verlust von Arbeitsplätzen wäre für die Familien aus der Gemeinde verheerend. Bei ihnen führen Einkommensverluste zu tiefster Armut, wenige Mahlzeiten für Kinder und einem eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen.

Aufgrund dieser Pandemie befinden wir uns in einer sehr schwierigen finanziellen Situation, um alle Mitarbeiter*innen zu bezahlen, die zur Gruppe der Geringverdiener*innen in der Gemeinde gehören, und sie müssen auch ihre Familien unterstützen.
 
Zu Ihrer Information, unsere allgemeinen Ausgaben pro Monat waren früher:

Gehälter- Nepali Rupees. 500.000.- (US $ 4.166.-) / Sonstige Ausgaben – Nepali Rupees 600.000.- (US $ 5.000)

KRMEF konnte selber früher 60% dieser 9.166 US-Dollar durch das Café und das Hostel generieren.
 
Um unsere bei weitem gedrosselte Arbeit weiterführen zu können, benötigen wir 3.667 US-Dollar pro Monat. Da wir täglich mit vielen Menschen konfrontiert sind, die Unterstützung von KRMEF suchen, denken wir darüber nach, Reis, Linsen und andere Lebensmittel zu verteilen. Jede Spende an die Stiftung wird sehr geschätzt. Unser aufrichtiger Dank geht an alle Unterstützer*innen."


Nachricht von SECARD vom 23. März 2020:

Maheswar Ghimire, Leiter von SECARD, einer Organisation die Schulungen für  Kleinbäuer*innen im organischen Landbau anbietet, berichtet:

Namaskar von SECARD Nepal.
In den Medien hören wir von der herzzerreißenden Situation in Europa, verursacht durch das Corona-Virus. Wir hoffen, dass die Situation sich bessern wird und das normale Leben bald wieder beginnen kann.
Wie bei euch, sind auch in Nepal alle öffentlichen Bereiche komplett geschlossen.
Die Grenze zu Indien und China wurden geschlossen. Die Regierung hat eine Reisewarnung ausgesprochen und man kann nur im Notfall von zu Hause weg.

Unter Berücksichtigung der Situation, der Infektionswahrscheinlichkeit sowie der von der Regierung herausgegebenen Hinweise und Empfehlungen, haben wir alle vor Ort geplanten Aktivitäten verschoben. Die Arbeit, die wir von zu Hause aus erledigen können, versuchen wir so gut es möglich ist, umzusetzen.
 
Unsere Gedanken sind bei Euch und wir beten für alle Betroffenen.



Nachricht von ACP von 22. März 2020:

Meera Bhattarai ist Leiterin der Association for Craft Producers (ACP) in Kathmandu, eine Fair- Handelsorganisation und größte Vereinigung für fairen Handel in Nepal, in der Frauen im Fairen Handel selbstorganisiert tätig sind. Sie berichtet:

Liebe Freunde, Schöne Grüße!
Wir hoffen, es geht Euch allen gut!
Es ist unglaublich, wie sich die Situation auf der ganzen Welt verändert hat, insbesondere in den letzten Wochen, aufgrund der raschen Verbreitung von COVID-19. Wir alle leben in ständiger Unsicherheit und Angst. Wir hoffen und beten, dass dieser Albtraum bald vorbei ist und die Dinge wieder normal werden.
Wir möchten Sie bedauerlicherweise darüber informieren, dass die AKP-Staaten vom heutigen 22. März 2020 bis zum 27. März als Sicherheitsmaßnahme gegen COVID-19 im Einklang mit den Regierungsrichtlinien geschlossen werden (inzwischen verlängert).
Einige von uns werden von zu Hause aus arbeiten. Wir werden unser Bestes geben, um auf Ihre E-Mails zu antworten. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn wir nicht umgehend auf Sie zurückkommen können.
Passt auf Euch auf und bleibt sicher.
Herzliche Grüße
ACP-Team.


Die Ausganssperre ist sehr, sehr streng

Im April 2019 gründete Shiva Hari Sapkota (rechts außen) auf Initiative engagierter Eltern und Lehrer*innen die Himalaya Waldorfschule in Kathmandu.

Die Schule, die noch in ihren Kinderschuhen steckt, betreut Kinder aus armen Verhältnissen bis zur vierten Klasse und verfügt auch über eine Kindergartengruppe.

Ilse Sapkota-Bennink (hinten links) von der Himalaya Waldorf School schreibt am 11. Mai:

„Hier in Kathmandu ist die Situation dramatisch. Wir sind seit März unter Ausgangsperre und es gibt keine Anzeichen für eine Lockerung. Eigentlich eher umgekehrt. In den vergangenen Tagen sind wir von 70 Corona-Fällen (die eigentlich nicht so viel sind und von denen sich bereits über 20 erholt haben) auf 100 gestiegen. Dies gibt der Regierung die zusätzliche Berechtigung, um die Ausgangssperren und weitere Restriktionen zu verschärfen. Die Ausganssperre ist sehr, sehr streng ... Wir dürfen nirgendwohin gehen, außer in ein nahe gelegenes, kleines Geschäft, um die notwendigen Lebensmittel zu kaufen. Das ist alles.

Viele Menschen hier in Nepal und besonders in Kathmandu sind aber Tagelöhner*innen, und von ihrem täglichen Einkommen abhängig. Jetzt haben sie dieses nicht mehr und die Probleme begannen bereits in den ersten Wochen der Ausgangssperrung. Wir sind jetzt seit 50 Tagen im Lockdown und es wird schwieriger und schwieriger.

Shiva Hari Sapkota, Gründer der Himalaya Waldorf School, hat von Anfang an versucht, Lebensmittelpakete für Menschen im Not zu verteilen, aber in den letzten Wochen ist die Liste der bedürftigen Familien auf über tausend gestiegen und diese kommen nur von unserem Viertel und der Schule! Also beschloss Shiva, mit Hilfe von Freiwilligen, auf die Vorbereitung einer „Offenen Küche“ zu wechseln. Die Leute können dorthin gehen, um einmal am Tag eine Mahlzeit zu erhalten. All diese Hilfe ist höchst notwendig, aber fast niemand wagt es, sie umzusetzen und die Regierung ist sehr restriktiv.

Vor einigen Wochen, an einem Tag hatte Shiva alle notwendigen Genehmigungspapiere dabei und versuchte, mit unserem Van an verschiedene Orte zu fahren und Lebensmittelpakete zu liefern.  Die Polizei hat ihn angehalten und sie waren mit seinen Papieren nicht zufrieden. Daher wurde er einen ganzen Tag im Hauptbüro der Polizei festgehalten. Jetzt müssen wir noch vorsichtiger sein.

Die Menschen hier sterben nicht an Corona, sondern an der ganzen Situation. Und wenn dies lange so bleibt, wird das gesamte Wirtschaftssystem vollständig zusammenbrechen ... So ist die Situation ... Wir sind sehr, sehr besorgt. Und jede Woche hoffen wir, dass die Ausganssperre beendet wird, aber die neuesten Nachrichten geben uns keine Hoffnung. Es wird sehr überraschend sein, wenn wir die Schule vor September eröffnen können…

Wir können unsere Lehrer*innen, unsere Kinder usw. nicht treffen. Wir sind telefonisch mit ihnen in Kontakt, aber wir können sie überhaupt nicht besuchen. Wie Sie wissen, sind die Internetverbindungen in Nepal nicht gut, nicht viele Menschen haben einen angemessenen Zugang. Das einzige, was unsere Lehrer*innen tun können, ist, ein paar Materialien für den Unterricht vorzubereiten, aber wir wissen nicht, wann wir diese verwenden können ... Und wir wissen nicht, welche Kinder in die Schule zurückkehren werden und welche nicht. Es ist gerade auch verboten, neue Kinder in die Schule aufzunehmen. Aber selbst wenn das erlaubt wäre, würde das nichts nützen, da wir nicht mit Leuten außerhalb der Familie zusammen sein können.

Ich unterrichte unsere eigenen Kinder zu Hause, bereite die Verteilung der Lebensmittel vor und tausche Informationen mit den Niederlanden aus.(…)

Wir können die Banken momentan auch nicht erreichen und haben keinen Zugang zu den Bankkonten

Im Moment sind wir fast alle auf das pure Überleben reduziert und können nur versuchen zu erraten, was am nächste Tag passieren wird, aber alles ändert sich von Tag zu Tag. Entschuldigung für diese traurige Geschichte, wir können aber leider nichts dafür tun. Wir hoffen und hoffen und hoffen, dass sich die Situation bald ändert ...

Viele beste Wünsche auch von Shiva,
Ilse"

Bildunterschrift: Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen der Himalaya Waldorfschule mit den Gründer*innen, Ilse Sapkota-Bennink (hinten links) und Shiva Hari Sapkota (rechts außen).


Ich sende dir Licht!

Santhos Chetri ist ebenfalls Mitarbeiter der Kevin Rohan Memorial Foundation. Er schrieb uns am 2. April:

„Ich hoffe, diese E-Mail erreicht Sie gut. Was für eine schwierige Zeit wir alle haben. Jeden Tag die Nachrichten und Auswirkungen von COVID-19 speziell in Europa und Amerika zu hören und zu schauen, frisst meine Energie. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie gesund und munter sind.

Vielleicht wissen Sie bereits, dass Nepal seit 10 Tagen gesperrt ist. Noch 4 Tage verbleiben, und die Regierung plant erneut eine Verlängerung um eine weitere Woche (Die Verlängerung um acht Tage ist inzwischen, am 6.4., eingetroffen). Wie sie wissen, ist Nepal ein Entwicklungsland, viele sind Tagelöhner und planen auch ihre Versorgung mit Lebensmitteln von Tag zu Tag. Die meisten Nepali haben keine Ersparnisse und jetzt haben sie auch keine Jobs mehr. Auch Menschen unserer Stiftung sind in einer sehr schwierigen Situation. Wie Sie wissen, sind die meisten Menschen sehr bedürftig und sie sind traurig und besorgt über die Konsequenzen, die dies für die Wirtschaft haben wird.

Ich bete für das baldige Ende dieser COVID-19-Pandemie und dass wir alle wieder in das normale Leben zurückkehren können.

Pass gut auf deine Gesundheit auf,
Mit viel Liebe und Gebeten aus Nepal"

 

 

 

 

 

 

 

 


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Lagebericht aus Nepal

Der Bericht des Nepal Peace Monitoring Project bildet den Anstieg häuslicher Gewalt, unter den Ausgangsbeschränkungen während der ersten Monate (Feburar bis April 2020) der Corona-Pandemie, ab.

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