Kenia: Geschichten und Berichte

„Liebes Corona-Virus, Willkommen in Kenia. Es gibt ein paar Sachen, die du hier wissen solltest. Wir sterben hier nicht an Grippe, sei nicht überrascht, wenn Du scheiterst“, postete Samuel Mang'era, ein junger Autor aus Kenia, „…wir können Dir nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen, denn wir haben schon eine große Heuschreckenplage …“. Und Mang´era fährt fort: „Ehrlich, Kenianer sind hart im Nehmen und nicht so leicht tot zu kriegen (…) Wir sterben eher an Cholera als durch Dich. Für uns ist jeder Tag ein Wettlauf vor dem Tod (…)“

Nachdem die Zahlen von Corona-Infizierten in Kenia bisher verhältnismäßig niedrig waren, verschärft sich die Lage nun spürbar – 38.529 bestätigte Fälle (davon 24.908 genesen) und 711 Todesfälle (Stand: 01.10.2020). Aus Angst vor möglichen Folgen für das prekäre kenianische Gesundheitssystem, hatte die kenianische Regierung bereits früh Maßnahmen zur Eindämmung einer möglichen Verbreitung ergriffen. Am 28. September wurden viele Maßnahmen noch einmal für weitere 30 Tage verlängert, inklusive der nächtlichen Ausgangssperre von 21:00 bis 04:00 Uhr, die weiterhin polizeilich umgesetzt wird. Zusammenkünfte von mehr als 15 Menschen bleiben untersagt. Die Regierung plant jedoch einige Lockerungen. Zum Beispiel sind seit dem 1. August kenianische Flughäfen wieder für den internationalen Passagierverkehr geöffnet. Auch werden die Ein- und Ausreiseverbote innerhalb Kenias, z.B. für Mombasa und Nairobi, wieder aufgehoben. Schulen hingegen sollen bis Januar 2021 geschlossen bleiben.

Die Heuschreckenplage plagt das Land noch immer. Bereits vor der Coronakrise sorgte dies dafür, dass die Menschen um ihre Existenz fürchteten. Die Preise für Lebensmittel, Gas etc. steigen. Insbesondere verschlechtert sich die Situation für Tagelöhner*innen.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir viele E-Mails mit unseren Partner*innen in Kenia ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Corona-bedingte Schulschließung in Selenkay

Corona Hilfsmaßnahmen für die Selenkay Massai Gemeinde
Selenkay liegt im Südwesten Kenias in der Provinz Kajiado. Hier baut die lokale Massaigemeinde eine waldorfinspirierte Volksschule auf, in der auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder geschult werden. Sechs Klassenzimmer sind inzwischen fertiggestellt. 83 Kinder besuchen regelmäßig die Schule und werden von vier Lehrer*innen betreut. Normalerweise erhalten die Kinder jeden Tag eine Porridge-Mahlzeit, die frisch von der Schulköchin zubereitet wird. Die Eltern sind dankbar für die Mahlzeit und unterstützen das Porridgeprojekt, indem sie die notwendige Milch einbringen. Der Porridge besteht aus Hirse, Mais und Milch und wird in Bechern an die Kinder verteilt.

 

Corona Updates von Leonard Onetu aus Selenkay
Die Auswirkung des Coronavirus und vor allem die damit einhergehenden wirtschaftlichen Konsequenzen beschäftigen nach wie vor die Gemeinde rund um Selenkay. In seinem Projektvorschlag an die Zukunftsstiftung Entwicklung schildert Leonard Onetu, Leiter des Schulaufbaus, detailliert die Realitäten vor Ort. Aufgrund der Regierungsverordnungen sind die 83 Schulkinder der Naretoi Primary School seit März nicht mehr im Unterricht gewesen und die Schulen öffnen frühestens im Frühjahr 2021. Viele Eltern haben durch die Pandemie-Maßnahmen über Nacht ihre Einkommensgrundlagen verloren, so dass sie keine Schulgebühren mehr zahlen können.. Das spüren die vier Lehrkräfte und die Schulköchin, die seit April keinen Lohn mehr erhalten haben. Für das Personal der Schule und ihre Familien wird es immer schwieriger, ihre Grundbedürfnisse erfüllen.

Zudem befürchtet Leonard, dass sich das Virus in der Region rasant verbreiten könnte. Er bemängelt die Corona-Politik der Regierung, die Corona-Informationen nur auf Kiswahili und Englisch kommuniziert. In Kajiado, wo sich Selenkay befindet, wird überwiegend Massai gesprochen. Aus diesem Grund fehlt es an Bewusstsein dafür, wie man sich vor dem Virus schützt. Es wird dazu geraten, sich so oft wie möglich die Hände zu waschen. Für Viele in Kajiado ist der Zugang zu Wasser jedoch nicht selbstverständlich (nur rund 38% der Bevölkerung hat direkten Zugang zu Wasser) und aus diesem Grund nicht möglich, sich den Anweisungen entsprechend die Hände zu waschen. Eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit wurde verordnet. Die Masken sind in den Großstädten leicht erhältlich, aber nicht in den Dörfern rund um Selenkay. Leonard warnt davor, dass bestimmte Gruppen in diesen Umständen besonders verletzlich sind: die Alten, Menschen mit Behinderungen, das Schulpersonal und die Gemeinschaft um Naretoi.

Porridge für die Schulkinder
In Normalzeiten erhalten die Kinder der Naretoi Primary School jeden Tag eine Porridge-Mahlzeit. Am Anfang der Krise haben die Lehrer*innen den Kindern die restlichen Zutaten für den Porridge mit nach Hause gegeben, um die Versorgung der Kinder zu versichern. Im Anschluss konnten dank weiterer Förderung die Zutaten für den Porridge direkt an die Familien verteilt werden. Allerdings umfassen die Familien ja nicht nur die Naretoi-Schulkinder und so war es zwar eine Hilfe, aber noch nicht ausreichend. Aufgrund der Verschlechterung der finanziellen  Gesamtlage, einhergehend mit großer Trockenheit, verschlechtert sich die Grundversorgung weiter.

Die Vorräte der Familien sind erschöpft

Leonard Onetu, Leiter der Organisation AMDO, schildert eindrücklich, dass die Vorräte der Familien erneut knapp werden. Er sieht sich selbst und die Organisation AMDO dazu verpflichtet, dieser Problemlage entgegenzuwirke n. Um die Versorgung der Kinder zu sichern und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, schlägt er folgende Maßnahmen vor:

 1.  Die vier Lehrer*innen und die Köchin sollen jeweils 600 USD erhalten, für die 6 Monate in denen sie keinen Lohn erhalten haben. So sollen sie wieder ihre Familien versorgen können.

2.  120 Haushalte der Gemeinde, die auf Unterstützung angewiesen sind, wurden identifiziert und sollen Nahrungsmittelpakete bestehend aus Öl, Mais, Bohnen und Mehl erhalten. Zudem enthalten die Pakete Gesichtsmasken, Desinfektionsmittel und antibakterielle Seife. Die Kosten für die Hilfspakete betragen 217 USD pro Familie für einen Monat.

3.  Dies geht einher mit AMDOs Sensibilisierungsarbeit zum Thema Corona.

Um Nahrungsmittelhilfe für 120 bedürftige Familien und die Löhne der Lehrer*innen finanzieren zu können, werden insgesamt 47,200 € benötigt. Wir sind für jegliche Unterstützung sehr dankbar!

Bildunterschriften:
1. Die Eltern und ihre Kinder bedanken sich für die Unterstützung mit Porridge-Zutaten
2. Das neueste Schulgebäude, das im September 2021 fertiggestellt werden konnte
3. Schulkinder im Klassenzimmer

Kenia stellt keine Ausnahme dar

Den ersten Bericht von Joseph Ngugi Mutura, Leiter der Kleinbäuer*innen-Organisationen SACDEP in Kenia, erhielten wir am 19. März 2020. Aufgrund der Covid-19-Pandemie lag die gesamte Arbeit von SACDEP zu diesem Zeitpunkt brach.

Seit dem 2. Juni 2020 kann SACDEP seine Arbeit - unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen - wieder nach und nach aufnehmen. Bereits zuvor konnten die Mitarbeiter*innen von SACDEP erste Schulungen zu präventiven Hygienemaßnahmen durchführen. Untenstehend finden Sie einige Bilder eines Workshops, der vom 29. Mai bis 1. Juni mit jungen Erwachsenen durchgeführt wurde.

SACDEP möchte mit seinen Maßnahmen dort ansetzen, wo die staatlichen Maßnahmen nicht ausreichend durchgesetzt werden können – in den Massai Regionen an der Grenze Tansanias, wo die Fallzahlen besonders hoch sind.

Corona-Aufklärung auf Massai
Informationen der Regierung werden nur auf den offiziellen Amtssprachen (Kiswahili und Englisch) kommuniziert. Kenia ist jedoch ein multikulturelles Land, indem mindestens 44 indigene Sprachen gesprochen werden. Laut Angaben von SACDEP, beherrschen 40% der Bevölkerung weder Englisch noch Kiswahili ausreichend, um die Mitteilungen der Regierung verstehen zu können.
Aus diesem Grund möchte SACDEP Radiobotschaften und Informationsflyer auf Massai in den Regionen Namanga, Oloitoktok und Rombo in Kajiado County verbreiten. Die Lage in diesen Regionen ist besonders prekär, auch weil sie an der tansanischen Grenze liegen. Die tansanische Regierung leugnet das Coronavirus und verhängt keine Maßnahmen. Diese Grenzregionen werden von SACDEP anvisiert, damit eine rasante Verbreitung des Virus von der tansanischen Seite verhindert werden kann. Zudem sollen die 10.000 Informationsflyer dank der eingebauten Zeichnungen auch für Analphabet*innen verständlich sein. Diese Aufklärung über das Virus und wie man sich davor schützen kann, soll mehrere hunderttausend Menschen erreichen.

Coronaschutz und Arbeitsbeschaffung in Kajiado
Als eine der präventiven Maßnahmen, wird dazu geraten, sich so oft wie möglich die Hände zu waschen. Für viele in Kajiado County ist der Zugang zu Wasser jedoch nicht selbstverständlich und aus diesem Grund ist es unmöglich, sich den Anweisungen entsprechend die Hände zu waschen. Zudem gilt eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Ein Nichteinhalten der Maskenpflicht kann mit hohen Bußgeldern und sogar mit Freiheitsentzug bestraft werden. Die Masken sind in den Großstädten leicht erhältlich. In den Dörfern in Namanga, Oloitoktok und Rombo ist dies aber nicht der Fall.
Auch hier hat SACDEP eine Lösung vorbereitet. Jugendliche werden von Expert*innen dazu ausgebildet, Seifen und Desinfektionsmittel herzustellen. Zudem werden junge Schneider*innen dazu befähigt, Masken in großen Mengen zu produzieren. In den drei Regionen werden drei kleine Produktionsstätten etabliert. Hier sollen Seife, Masken und Desinfektionsmittel hergestellt werden und auch nach der Corona-Krise können die Jugendlichen hier unternehmerisch tätig sein. Die Einnahmen im informellen Sektor brachen zuletzt um 82% ein. Das kenianische Finanzamt rechnet mit einem Wirtschaftsrückgang von 3 %. Dieses Vorhaben soll die starken wirtschaftlichen Folgen in diesen Regionen gezielt eindämmen.

SACDEP ist seit 1993 ein vertrauter Partner der Zukunftsstiftung Entwicklung. Damit die Pläne der Organisation realisiert werden können, bitten wir Sie um Unterstützung. Die Ausstrahlung eines aufklärenden Radiospots kostet umgerechnet 83 € (30-Sekunden). Auf zwei Radiosendern sollen jeweils 20 Nachrichten 20 Tage lang gesendet werden. Zeichnungen, Layout und Druck der 10.000 Flyer kosten umgerechnet 1,668 €. Der Aufbau einer Produktionsstätte für zehn Jugendliche kostet 1,251 €. Für die Durchführung der gesamten Projektmaßnahmen werden 19.850 € gebraucht.

Bildunterschrift:
SACDEP Mitarbeiter*innen und die Teilnehmenden eines Workshops zur Seifen- und Desinfektionsmittelherstellung.


Workshops bei SACDEP

Seifen, Shampoos, Wasch- und Desinfektionsmittel zum Selbermachen

Eliud Ngunjiri, Leiter der Organisation Ressources Oriented Development Initiative (RODI), die in der Ausbildung und Rehabilitation von Strafgefangenen arbeitet, berichtete uns am 27. März zum ersten Mal von der Situation bei RODI. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte er konkrete Pläne, wie RODI einen Beitrag zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus und Versorgung der lokalen Bevölkerung leisten kann.

Hier nun das Projekt RODI „COVID 19 Relief Intervention Initiative (CRRII)“:

Hauptziel des Projekts ist, Auswirkungen von COVID-19 auf Gemeindegruppen, Polizeistationen und Gefängnisse in Kenia durch verbesserte Hygiene zu mindern. Erreicht werden 22 Gefängnisse, 16 Polizeistationen und 60 Gemeindegruppen.

Maßnahmen:

1. Herstellung von Masken zur Verteilung an Gefängnisse und Gemeindegruppen.
2. Schulungen für Gefangene und Gefängnispersonal zur Herstellung von Mehrzweckwaschmitteln, Bleichmitteln, Desinfektionsmitteln und Handwaschmitteln.
3. Verbreitung von Informationen zu COVID 19 über Poster, Materialien und Wandbilder, um das Bewusstsein für Präventionsmaßnahmen zu schärfen.
4. Förderung der eigenen Herstellung von Hygiene- und Hygieneprodukten wie Flüssigseife und Desinfektionsmittel durch die Zielgruppen – Verteilung von Rohstoffen.
5. Unterstützung bei Registrierung und Zertifizierung von Hygiene- und Haushaltsprodukten durch KEBS (Kenya Bureau of Standards)

Für dieses auf vier Monate befristetes Vorhaben benötigt RODI insgesamt 30.000 Euro.


Lasst uns vereint sein und uns gegenseitig dabei unterstützen

Margaret Ikiara , Leiterin von CIFORD in Kenia, arbeitet in Meru mit Frauen und Mädchen zusammen. Sie möchte den Mädchen und Frauen alternative Übergangsrituale aufzeigen und Aufklärung leisten, um so gegen weibliche Genitalverstümmelung zu kämpfen. Ferner lehrt CIFORD den organischen Landbau, um die Lebensbedingungen in dieser abgelegenen Region zu verbessern. Auch die Mitarbeiter*innen von CIFORD haben begonnen, die Menschen vor Ort über das Virus zu informieren:

“Bei CIFORD Kenia befinden wir uns in einer ländlichen Umgebung und haben eine Gemeinschaft mit minimaler Bewegung. Dies reduziert die Chancen der Verbreitungshäufigkeit des Virus. Ich bin mir sicher, dass es hier weniger ist, aber wir bringen die Community dazu, die Probleme im Zusammenhang mit Krankheiten zu verstehen und auch, wie man das Virus und auch die Ansteckung vermeidet. Dies wird unseren Mitarbeitern helfen, die Krankheit zu verstehen und sie zu vermeiden.“

CIFORD-Rolle in der Gesundheit der Gemeinschaft

Bereits seit Beginn der weltweiten Corona-Pandemie klärt CIFORD die Menschen im Umfeld der Organisation über die Gefahren des Corona-Virus auf und arbeitet daran, wie die ländlichen Gemeinden die Ansteckung mit der Krankheit vermeiden können. Im Auftrag des Gesundheitsamtes des Sub Countys wendet sich CIFORD an Frauengruppen und schult sie in grundlegenden Hygienepraktiken, wie dem intensiven Händewaschen.

Zugang zu Wasser ist entscheidend

Insbesondere in Zeiten wie diesen, wo die kenianische Regierung ihre Bürger*innen aufgefordert hat, sich alle 30 Minuten die Hände zu waschen, wird die Bedeutung des unmittelbaren Zugangs zu Wasser besonders deutlich.

Grace Nganga, ein Mitglied der Makena-Frauengruppe, erklärt, dass es ihr in dieser Zeit sehr hilft, Begünstigte eines  Wassertanks von CIFORD zu sein:  „Ich muss einfach das Wasser aus meinem Wassertank holen. Dieses kann ich dann zum Waschen meiner Hände und anderer Hygienemaßnahmen nutzen.“  Der Wassertank ist der Stolz der Familie, da sie so während der Corona-Pandemie alle Hygienebedürfnisse erfüllen können.

COVID-19-Taskforce

Die lokalen Behörden baten CIFORD, Mitglied des Sub County Taskforce Committee zu COVID-19 zu werden.Dies hat CIFORD die Möglichkeit gegeben, in die Gemeinden zu fahren und sie über das Coronavirus zu informieren. Besprochen wird, wie es übertragen wird, wie eine Infektion zu vermeiden ist und welche Symptome bei einer Erkrankung auftreten. Aufgrund der Armut in den Gemeinden hat CIFORD beschlossen, hausgemachte Desinfektionsmittel herzustellen, und diese an die Menschen zu verteilen. Die Familien wurden darin geschult, dass sie beim Händewaschen fließendes Wasser benötigen. Aus diesem Grund improvisierten viele Familien einen Handwaschwasserspender. Während der Besuche werden die Familien darin geschult, ihre Hände zu waschen.


CIFORD-Feldbesuche

Impressionen der Sensibilisierungskampagne

In einem Update vom 25. April 2020 teilte CIFORD uns ihre neuesten Aktivitäten mit. Mit Hilfe von jungen Müttern, die das Berufsausbildungsprogramm von CIFORD abgeschlossen haben, wurden 350 Masken genäht und an die Personen verteilt, die im öffentlichen Leben stehen: Zum Beispiel Frauen, die auf Märkten und in Lebensmittelgeschäften arbeiten, sowie Motorradtaxifahrer.
 
Das Team von CIFORD setzt auch seine COVID-Sensibilisierungskampagne durch Besuche von Tür zu Tür und die Verteilung von Seife fort. Ein Mitglied der Witwengruppe Mumui Mwendwa sagte: "Ich bin sehr dankbar für all die Informationen, die Sie mir über diese Krankheit gegeben haben und darüber, wie ich sie vermeiden kann. Ich hatte bisher nur einige unklare Informationen von meiner Nachbarin erhalten und wollte mehr wissen. Jetzt werde ich mich daran halten, das zu tun, was Sie mir beigebracht haben, und ich hoffe, gesund zu bleiben."

Während der Sensibilisierungskampagne trafen die Mitarbeiter*innen von CIFORD außerdem auf eine Frau, die sich mit einem Polyethylenpapier vor dem Virus schützen wollte. Auf Nachfrage berichtete sie: „Eine Gesichtsmaske kostet 50 Schilling. Ich muss mich also entscheiden, ob ich meine Familie mit diesen 50 Schilling ernähren möchte oder ob ich eine gute Gesichtsmaske tragen möchte. Deshalb habe ich mich für ein Polyethylenpapier entschieden."

Die Abwägung zwischen Hunger oder Krankheit betrifft vor allem die Ärmsten. Im Rahmen der Aufklärungskampagne möchte CIFORD insbesondere diese Menschen erreichen.
Bisher konnte CIFORD so 894 Familien aufklären und sie zudem mit Masken und Seife ausstatten (Stand: 22. Mai 2020).

Am 25. Mai erzählte uns Margaret Ikiara, Leiterin von CIFORD die Geschichte von Emma Kathambi, einem sechsjährigen Mädchen aus Meru, das für sich und ihren Bruder Gesichtsmasken aus Decken- und Taschengriffen genäht hatte. "Meine Mutter schickt uns auf den Markt. Sie hat nicht das Geld, Gesichtsmasken für uns zu kaufen, aber ich wollte nicht verhaftet werden. Deshalb habe ich eine Gesichtsmaske für mich und eine für meinen Bruder genäht."

Emmas Familie ist nur eine von vielen Familien, die in dieser Zeit der Corona-Pandemie schwere Zeiten durchmachen. Die meisten Familien müssen sich zwischen dem Kauf von Lebensmitteln oder Gesichtsmasken und Seife entscheiden. Mit Hilfe von CIFORD erhielt die Familie nun Seife und weitere Gesichtsmasken für die gesamte Familie.


Judith Brown berichtet von der Rudolf Steiner Schule Mbagati

Judith Brown leitet die Rudolf Steiner Schule Mbagati in Kenia. Dort lernen Kinder, die vorwiegend aus armen Familien und entlegenen Dörfern kommen. Judith Brown berichtet, was die Entwicklungen in Kenia für den Schulalltag bedeuten.

Judith Brown: „Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, und es liegt viel vor uns, was schwer vorhersehbar ist.  Wir hoffen, dass diese Situation zur Sicherheit Aller so schnell wie möglich vorübergeht. Unsere Gedanken sind bei Euch“ (…).  

„Am 12. März 2020 bestätigte die kenianische Regierung den ersten Corona-Virus-Fall. Er war an einer kleinen Straße an der Masai Lodge, die etwa 1 km von der Schule entfernt ist. Einige unserer Kinder kommen aus genau diesem Block. Wir fingen an, zu überlegen, ob wir die Schule schließen sollten, aber wir mussten die Anweisungen der Regierung befolgen.  Am Sonntag, dem 15. März, gab die Regierung dann bekannt, dass alle Schulen ab Montag, dem 16. März geschlossen werden.

Nach dem Sonntagsabendessen am 15. März wurden alle Internatskinder in der Minihalle versammelt und über die Schließung informiert. Wir sagten den Kindern, dass sie nach Hause gehen müssen. Wir informierten sie über das Virus und die wichtigsten Präventivmaßnahmen wie Händewaschen. Die Kinder stellten viele Fragen, wie: Wie wird es weitergegeben? Wann gehen wir nach Hause? Wir kontaktierten die Eltern. Dienstagabend waren alle Kinder abgeholt. Das Schulgelände ist ungewohnt ruhig.

Jeder Besucher, der nun in die Schule kommt, wird zuerst durch Francis Mugambi, unseren Wächter begrüßt, und darüber informiert, dass er sich die Hände waschen und desinfizieren muss. Von allen, die auf dem Gelände arbeiten, wird erwartet, dass sie sich sozial distanzieren und sich über alle Richtlinien der Regierung informieren, z.B. über die Sicherheitsvorkehrungen, die Symptome des Virus und den Schutz von sich selbst und anderen. Diese Richtlinien liegen zudem im Essbereich aus.
Nur die Kernmitarbeiter*innen sind jetzt in der Schule, die Lehrer*innen sind zu Hause, die Büromitarbeiter*innen arbeiten von zu Hause aus. Die Finanzmitarbeiter*innen bereiten die Auszahlung der Gehälter und die Rechnungsprüfung für 2019 vor.

Die Mitarbeiter*innen aus dem Patenschaftsbereich sind weiterhin aktiv, da wir uns bemühen, finanzielle Sicherheit für die Schule zu schaffen. E-Mails und Skype-Aufrufe werden auch in den kommenden Wochen weitergehen.                                                           

Wir führen die Arbeit auf der Schulfarm fort. Die Kühe müssen gefüttert und gemolken werden, Heu wird vom Feld, das Grünzeug für das Mittagessen wird gesammelt. Wir pflanzen neue Feldfrüchte. In einer anderen Ecke des Geländes flickt ein Vater, der Zimmermann ist, die Rückenlehnen unserer Stühle.
Das Thema Sicherheit ist in dieser Zeit sehr von Bedeutung. Unsere Wächter sind deshalb momentan sehr wichtige Mitarbeiter.    

Die Arbeit unserer Vertragspartner zur Installation unseres Solarprojekts geht weiter, hier sehen wir wunderbare Fortschritte.

Wir bereiten uns auf die Rückkehr der Kinder vor, wann das sein wird, wissen wir nicht. Unsere älteren Kinder, die am Ende des Jahres ihre erste Prüfung ablegen, werden von zu Hause aus mit Textbüchern lernen, so gut sie können. Die Kinder sind in die Schule gekommen, um die notwendigen Bücher abzuholen. Eltern und Schüler vermissen das schulische Umfeld. Die Lehrer*innen überlegen, wie sie den Kindern zu Hause am besten Anleitung geben können, wie sie mit den Familien in Kontakt bleiben können - obwohl dies eine große Herausforderung ist.

Die Regierung hat die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben, und dies hat große Auswirkungen auf das soziale und wirtschaftliche Leben vieler Menschen. Wir machen uns Sorgen um unsere Kinder, von denen einige unter sehr schwierigen häuslichen Bedingungen leben, in denen das Essen einer Mahlzeit pro Tag eine Herausforderung darstellt. Aufgrund der empfohlenen sozialen Distanz gehen Eltern und Erziehungsberechtigte nicht auf Arbeitssuche, und selbst diejenigen, die gehen, finden keine Gelegenheitsarbeit. "

Am 15. Juni 2020 erhielten wir von Judith Brown ein kurzes Update der Situation bei der Rudolf Steiner School, worin sie allen Spender*innen insbesondere dafür dankt, dass die Gehälter der Lehrer*innen trotz Lockdown weitergezahlt werden können:

"Ich möchte Ihnen und unseren Sponsor*innen von unseren Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen im Allgemeinen unseren Dank aussprechen, dafür dass sie weiterhin ein Gehalt erhalten können. Private kenianische Schulen, die den kenianischen Lehrplan anbieten, brechen gerade zusammen, und die Lehrer*innen erhalten keine Gehälter - dies ist eine äußerst schwierige Situation für die Lehrer*innen und die Schulen. Deshalb möchten wir unseren Geldgeber*innen unseren Dank aussprechen. Die bedürftigen Familien, die Essen von uns erhalten, sind ebenfalls sehr dankbar."


Sebastian Maina Wambugu berichtet von YARD

Sebastian Maina Wambugu, YARD  (31. März 2020) Leiter der Organisation Youth Action for Rural Development (YARD), die sich für die Versorgung, Begleitung und Förderung von Aidswaisen einsetzt, schreibt:

„Wir hoffen sehr, dass es Euch allen bei der GLS gut geht. Wir bei YARD sind soweit noch in Ordnung. Wir tun, was möglich ist, um uns selbst zu schützen. Wir arbeiten vom Büro aus, haben jedoch nur noch sehr eingeschränkten Zugang zu den Bauerngruppen. (…) Wir alle halten Distanz zueinander, desinfizieren unsere Hände regelmäßig und befolgen sowohl die Regierungsrichtlinien als auch die des Gesundheitsministeriums. Hier herrscht viel Angst und Unsicherheit darüber, was als nächstes passieren wird.

Bestätigte COVID-19-Fälle in Kenia liegen jetzt bei 50. Es ist ein besorgniserregender Trend und es gibt viele Anzeichen dafür, dass die Zahlen weiter steigen werden. Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, indem sie von 19.00 bis 05.00 Uhr eine Ausgangssperre verhängt hat. Was wir jetzt schon absehen können, ist ein kompletter Lock Down, wenn die Zahlen weiter steigen.

Die Situation ist schon jetzt schwierig, da viele Unternehmen nicht mehr arbeiten können, die meisten Firmen ihre Arbeiter nach Hause geschickt haben, wobei viele nun tatsächlich ohne Bezahlung auskommen müssen. Am stärksten betroffen sind Menschen, die für Tageslöhne arbeiten. Und obwohl es viele Menschen gibt, die solidarisch betroffene Familien mit Nahrungsmitteln unterstützen, wird es nicht reichen. Die Lebenshaltungskosten sind absolut gestiegen, besonders die Preise für die wichtigsten Lebensmittel.
Alle sozialen Versammlungen wurden auf Eis gelegt, darunter Gottesdienste und kulturelle Zeremonien, an Bestattungen dürfen nur noch 15 Personen teilnehmen, und jede andere Form der Versammlung ist untersagt.

Wir arbeiten besonders in Bereichen, die keine intensiven Präsenzkontakte zu den Kleinbäuer*innen brauchen: Wir kaufen Saatgut, Kleinvieh und geben sie an notleidende Gruppenmitglieder - ganz ohne die Freude und die Tänze, die mit solchen Aktivitäten normalerweise einhergehen.

Je nach Wohnort müssen Mitarbeiter*innen komplett von zu Hause aus zu arbeiten, da der Transport stark beschränkt ist und die Zeiten sehr lange werden. Auch wir anderen erwägen jedoch, weniger ins Büro zu kommen und komplett von zu Hause aus zu arbeiten, wenn die Situation so weitergeht.

Mit freundlichen Grüßen,
Maina Wambugu Sebastian


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