Indien: Geschichten und Berichte

Der Exodus der Armen

Mit einem Vorlauf von nur vier Stunden verkündete die indische Regierung Modi am 24. März 2020 Ausgangssperren und den Stopp des öffentlichen Lebens - der Lockdown gilt vorerst bis zum 31. Juli 2020 (Stand: 30. Juni). Seitdem erleben indische Städte einen Massenexodus mit humanitärer Krise. Ab dem 31. Mai soll zumindest der öffentliche Nahverkehr wieder starten. Orts- und lageabhängige Lockerungen der Ausgangssperre sind, ebenso wie entsprechende Verschärfungen, je nach Fallzahlen den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten.

Tagelöhner*innen, Wanderarbeiter*innen, vor allem Menschen in ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen, machen sich auf den oftmals hunderte von Kilometer langen Weg „nach Hause“ in ihre Dörfer. Ohne ökonomische Sicherung trägt nur der Rückzug auf das Soziale, in die Familie. Oftmals ohne ausreichende Nahrung oder Geld, ohne Transportmittel sondern zu Fuß, werden diese Reisen zu menschlichen Tragödien.

BBC titelte: „Sie wurden über Nacht zu Flüchtlingen. Ihre Arbeitsplätze schlossen und die meisten Arbeit- und Auftraggeber verschwanden“ (BBC 30.03.2020). Die Krise spitzt sich zu und die Bundesregierung versucht, Busse, Unterbringung und Essen zu organisieren. Allerdings erscheinen die Maßnahmen im Vergleich zu den Notwendigkeiten hilflos. Die Regierung Modi verkündete Hilfszahlungen in Höhe von 22 Billionen Rupien für diejenigen, die von den „lock down-Maßnahmen“ betroffen sind. Dass diese Hilfszahlungen die Bedürftigen flächendeckend erreichen, bleibt fragwürdig. Auch in Indien sind diejenigen, die am meisten leiden, die Armen.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir viele E-Mails mit unseren Partner*innen in Indien ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Maßnahmen der Landesregierung in Kerala

Father Hubby Mathew, Leiter der Peermade Development Society in Kerala, unterrichtete uns bereits am 18.3. 2020 über die Situation im südlichsten Bundesstaat. Zu dem Zeitpunkt gab es offiziell 24 Corona-Infizierte in Kerala. Father Hubby Mathew beschreibt Maßnahmen der Landesregierung Keralas zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19:

1. Früherkennung und vorbeugende Maßnahmen der Landesregierung von Kerala

Zu einem sehr frühen Zeitpunkt hat die Regierung von Kerala energische, partizipative Präventionsmaßnahmen eingeleitet, um die Verbreitung von COVID-19 aufzuhalten. Dazu gehörten Sensibilisierungskampagnen über verschiedene Medien, einschließlich sozialer Medien, die Schließung von Schulen und Hochschulen, die Absage aller öffentlichen Versammlungen und die Aufforderung an religiöse Gruppen, große Ansammlungen von Menschen für Feste, Zeremonien zu meiden sowie die Schließung von Touristenzentren.

2. Karte der infizierten Personen vorbereiten

Die Regierung bereitet eine Karte der Infizierten vor und veröffentlichte sie in den Medien. Sie soll der Öffentlichkeit helfen, Personen zu identifizieren, die enge Kontakte zu den infizierten Personen hatten und den Regierungsbehörden zur weiteren Diagnose / Behandlung / Isolierung Bericht erstatten.

3. Öffentliches Gesundheitssystem

Der Bundesstaat Kerala verfügt über ein gut vernetztes öffentliches Gesundheitssystem. Auf der Basisebene spielen ASHA-Mitarbeiter (Accredited Social Health Activist) eine Schlüsselrolle bei der Mobilisierung von Menschen, der Bewusstseinsbildung, der Erkennung infizierter Personen, der Betreuung der Menschen in der Quarantäne zu Hause usw. Sie sind die Schnittstelle zur Gemeinde und zum öffentlichen Gesundheitssystem. Für jede 1000 Einwohner gibt es einen ASHA-Arbeiter. Die Website der Abteilung wird außerdem mit einem täglichen Bulletin, Anweisungen für die Öffentlichkeit, Videos, Postern usw. aktualisiert (dhs.kerala.gov.in).

4. Hohe Level an Freiwilligenarbeit / Beteiligung der Menschen

In der Kampagne gegen COVID 19 ist im ganzen Staat ein sehr hohes Maß an Freiwilligenarbeit zu beobachten. NGOs, Bürgergesellschaften, Anwohnerverbände, SHGs und Clubs setzen sich aktiv dafür ein, Vertrauen aufzubauen, sich um die Infizierten zu kümmern und den Menschen in der Quarantäne zu Hause zu helfen, indem sie Lebensmittel und weitere Einkäufe erledigen, Aufklärungsarbeit betreiben usw.

5. Resilienz gegenüber Pandemien

Auch hier sind die Menschen besorgt über die Situation. Die Erfahrung im Umgang mit den frühen Überschwemmungen in den Jahren 2018 und 2019 gibt den Menschen jedoch genügend Vertrauen in die Bewältigung der gegenwärtigen Situation. Es gibt keine Menschenmengen in Lebensmittel- oder Supermärkten. Städte und Gemeinden sind ruhig. Die Leute arbeiten immer noch in Büros, Fabriken und auf Feldern. Die Regierung fordert die Menschen wiederholt auf, nicht in Panik zu geraten, sondern wachsam zu sein.

6.„Break the Chain Kampagne“

Die Regierung hat die Öffentlichkeit aufgefordert, die Kampagne "Break the Chain" zu fördern. Darin werden Menschen ermutigt, ihre Hände häufig mit Händedesinfektionsmittel / Seife zu reinigen. Für diese Kampagne gibt es breite Unterstützung. Möglichkeiten zur Händereinigung werden an vielen öffentlichen Orten von NGOs, Bürgergesellschaften, Bildungseinrichtungen usw. in Betrieb genommen.


Videobotschaft von Father Hubby

Naturland, die ebenfalls Partner von PDS in Indien sind, hat eine Videobotschaft von Father Hubby über die Arbeit von PDS in Zeiten von Corona aufbereitet. Das Video möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Lichter der Solidarität

Herr Thomas J., Berater der Peermade Development Society und Experte in Heilkräuteranbau und Verarbeitung, schrieb uns am 6. April 2020:

„Wir sind bis zum 15. April komplett geschlossen. Wir wissen nie, was nach der ersten Ausgangssperrung auf uns noch zukommt. Gestern Abend um 21 Uhr, als Zeichen der Solidarität, schaltete der ganze Bundesstaat Kerala neun Minuten lang die Lichter aus. Wir alle zündeten Kerzen und Öllampen an unseren Türstufen oder auf Balkonen an, um allen Indern, die in ihren Häusern eingeschlossen sind, Kraft und Mut zu geben, und ein Zeichen der Solidarität in diesen dunklen Zeiten zu setzen. Dies sind alles Dinge, die wir in dieser Zeit der vollständigen Ausgangssperrung tun können. Auf nationaler Ebene und im Bundesstaat Kerala wurden Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, indem die Infizierten isoliert wurden und die Schwerbetroffenen behandelt wurden. Soziale Distanz ist strikt beachtet.
 
Trotzdem waren wir nicht auf eine solche Absperrung vorbereitet und konnten nicht einmal rechtzeitig das Nötigste kaufen, um diese Zeitstrecke überleben zu können. Gerade können wir nur ein paar Grundnahrungsmittel bekommen, aber die meisten Artikel sind ausverkauft. Unsere Regierung von Kerala hat jedoch jeder Familie kostenlosen Reis zur Verfügung gestellt, damit sie, je nach Familiengröße, einen Monat oder länger überleben kann. Kerala wird durch einen starken politischen Willen und ein effizientes dezentrales Verwaltungssystem, durch die Beteiligung der Menschen und das vorbildliche Gesundheitssystem, im Vergleich zu allen anderen Staaten in Indien, zu einem Modell für die Welt. Sogar ein altes Ehepaar im Alter von 92 und 89 Jahren wurde nach erfolgreicher Behandlung von Corona entlassen.

Deshalb sind wir in Kerala bisher in Sicherheit. PDS ist bis zum 15. April geschlossen. Hoffentlich gibt es bald eine gewisse Auflockerung in Bezug auf Arbeits- und Reiseregelungen.
 
Bleiben Sie gesund und lächeln!

Mit freundlichen Grüßen

 
Thomas J"


Bewusstseinsbildung und Aufklärung über soziale Distanzierung

Herr K. Rajavelu, Leiter unserer Partnerorganisation Welfare Association for the Rural Mass (WARM) initiierte umgehend ein Programm, um die Bevölkerung rund um Thriuvannamalai Taluk, 194km von der Millionenstadt Chennai (Tamil Nadu) entfernt, über Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 zu informieren. Mithilfe von Aufklärungseinsätzen zu sozialer Distanzierung sowie der Versorgung mit Nothilfepaketen mit Nahrungsmitteln, Seife und Gesichtsmasken, möchten Herr Rajavelu und die MitarbeiterInnen von WARM einen Beitrag zum Schutz der Menschen leisten.

Herr Rajavelu berichtete am 26. März 2020 ausführlich über die Lage in Thiruvannamalai, Tamil Nadu, sowie über die Maßnahmen von WARM:

Herr Rajavelu: „Die Zahl der vom COVID19-Virus betroffenen Menschen steigt von Tag zu Tag.“

“Das Virus ist auch in unser Land eingedrungen und etwa 650 Menschen wurden mit der Krankheit offiziell infiziert (Stand 26.03.2020). Der besorgniserregende Aspekt ist, dass sich das Virus in unserem Land verbreitet hat. Wir befürchten, dass Indien kurz vor dem Eintritt in die Stufe 3 des Viruszyklus steht, in der die Virusexplosion aufgrund der Erfahrungen anderer Länder alarmierend werden könnte, wenn nicht angesichts unserer Bevölkerungsgröße und -dichte unüberschaubar.”

Maßnahmen der Eindämmung

Herr Rajavelu berichtet: “Um die Ausbreitung und die negativen Auswirkungen einzudämmen, hat unsere Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen, wie die Sperrung des gesamten Landes, eine Ausgangssperre zur Einschränkung des Personenverkehrs, die Aussetzung jeglichen öffentlichen Nahverkehrs, die Einschränkung der Einreise aus anderen Ländern. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um die Bevölkerung über die Verbesserung der Hygiene und die soziale Distanzierung aufzuklären, die Isolierung von Menschen usw.”

Die Situation bei WARM

In dem Distrikt Tiruvannamalai, in dem unsere Partnerorganisation tätig ist, gibt es bisher keinen bestätigten Fall des Coronavirus. Dennoch bereitet WARM sich vor:

„Noch vor der Entscheidung der Bezirksbehörden, NROs in den Kampf gegen diese Krankheit einzubeziehen, hat WARM die Initiative ergriffen, um unsere Bevölkerung in den Dörfern über das Virus, seine Verbreitung und die zu treffenden Vorsichtsmaßnahmen aufzuklären. Da sich die Bezirksbehörden an uns wenden, um unsere Organisation umfassend einzubeziehen, haben wir nun eine Reihe von Aufgaben übernommen.“

Herr Rajavelu betont die gesellschaftliche Bedeutung WARMs in diesen Zeiten: „30% bis 40% unserer Zielgruppen arbeiten in nahe gelegenen Städten wie Bangalore, Chennai, Selam, Erode und Thirupur, wo ein hohes Risiko der Ansteckung mit dem Covid19-Virus besteht. Hier gibt es eine enorme regionale Migration. So kann sich das Virus sehr leicht unter den einfachen Leuten verbreiten. Bewusstseinsbildung und Aufklärung über soziale Distanzierung sind daher das dringende Gebot der Stunde. Aus diesem Grund bitten wir Sie, uns an diesem kritischen Punkt zu helfen.“

Bisher wurde bereits ein zweitägiger Workshop mit rund 500 Frauen durchgeführt, in dem die Frauen unter anderem von Ärzt*innen des Krankenhauses in Chengam über das Virus und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen informiert wurden. Außerdem veranstaltete WARM einen eintägigen Workshop für Schüler*innen zur Bedeutung verschiedener Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Fußwaschen, Nichtberühren des Gesichts, der sozialen Distanzierung. Auch dieser Workshop wurde gemeinsam mit Ärzt*innen durchgeführt. Auch die Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen bei WARM wurden geschult und geben ihr Wissen nun an weitere Schüler*innen und Studierende sowie Landbewohner*innen weiter. Um diese Vorsichtsmaßnahmen vorbildlich umzusetzen, hat WARM die gemeinsam lebenden SeniorInnen und Kinder in ihren beiden Heimen vorsorglich getrennt untergebracht. WARM hat zudem begonnen, in der eigenen Näherei Atemschutzmasken zu fertigen und bereits 3.000 Atemschutzmasken an Ärzt*innen, Pfleger*innen und Sozial- und Außendienstmitarbeiter*innen ausgeliefert.

Erwartungen der lokalen Regierung an WARM

Da WARM einen ausgezeichneten Ruf bei den lokalen Behörden genießt und ein großes Netzwerk in hunderte umliegende Dörfer hat, sind die Erwartungen der Distriktbehörden an WARM groß. Die Mitarbeiter*innen von WARM sollen es schaffen, die dörfliche Bevölkerung für den Umgang mit einer möglichen Verbreitung des Virus´ und die entsprechenden Maßnahmen der Eindämmung zu sensibilisieren. Tatsächlich verfügt der Regierungsapparat weder über die notwendige Infrastruktur noch über ausreichend Mitarbeiter*innen, um eigene Programme aufzusetzen. Die Regierung ist also auf die breite Unterstützung von Freiwilligen und Nichtregierungsorganisationen angewiesen.

Update 3. Mai 2020

Trotz des bestehenden Lockdowns, der seit dem 24. März anhält und noch einmal bis zum 17. Mai verlängert wurde, steigt die Zahl der Infizierten in Indien. Im Bundesstaat Tamil Nadu, in dem auch WARM tätig ist, hat sich die Zahl der Neuinfektionen in der vergangenen Woche verfünffacht.

Seit nunmehr über zwei Monaten haben viele Menschen in Indien keine Einkommensquelle und sind auf Hilfen der Regierung und von NGOs angewiesen. WARM versucht, so gut es geht, Lebensmittel für den täglichen Bedarf zu mobilisieren und an bedürftige Personen auszugeben. In den vergangenen 15 Tagen konnten so bereits 40 Familien mit Lebensmittelpaketen versorgt werden. Zudem werden in den Projektbüros von WARM in Muraiyar & Arattavadi und den umliegenden Dörfern täglich etwa 30 Senior*innen aus ärmeren Verhältnissen, sowie 20 Familien von Müllsammler*innen und 20 Familien von Straßenfeger*innen mit Nahrungsmitteln versorgt, zusätzlich zu den Bewohner*innen aus zwei Heimen, die WARM unterhält.

Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln hat WARM bisher bereits 5.100 Masken an Freiwillige ausgegeben, die die Menschen vor Ort über Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor dem Virus aufklären und auch mit Lebensmitteln unterstützen.

Die Partnerorganisation WARM setzt sich im südindischen Distrikt Tiruvannamalai für die Eindämmung von Covid 19.

Dazu möchten sie 10.000 Masken für die Bewohner*innen der umliegenden Dörfer nähen und diese verteilen. Die Produktionskosten je Maske liegen bei umgerechnet 25 Cent, insgesamt benötigt WARM dafür 2.500 Euro.
 
In Indien sind aktuell insbesondere Tagelöhner von akuter Armut bedroht, weshalb WARM Nahrungsmittel verteilt. Für eine Grundmahlzeit am Tag sind pro Person rund 90 Cent nötig.
 
In WARMs Nachbarschaft leben 200 besonders bedürftige Menschen. Für die Versorgung dieser 200 Menschen sind für einen Monat insgesamt 5.400 Euro erforderlich.
 
Für dringend erforderliche Masken und Lebensmittel benötigt WARM deshalb 7.900 Euro. Mit ihrer Spende helfen Sie unserer Partnerorganisation WARM bei der Umsetzung dieser Maßnahmen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.



Seife, Masken und hilflose Auto-Fabrikarbeiter

Bablu Ganguly gründete und leitet Timbaktu Collective in Andrah Pradesh, Südindien. Timbaktu Collective arbeitet mit marginalisierten Kleinbäuer*innen und Landlosen, mit Frauen, Kindern, Jugendlichen, sogenannten Unberührbaren und Menschen mit Behinderung in 178 Dörfern und erreicht rund 22.000 Menschen. Timbaktu Collective begleitet deren Selbstorganisierung in Produktionskooperativen. Als Zukunftsstiftung Entwicklung befördern wir den gemeinsamen Aufbau eines organisch/permakulturell/biodynamischen Landbaucollegs.

,,Liebes Team der Zukunftsstiftung Entwicklung.

Wie geht es euch allen? Wie der Familie und den Kolleginnen?

Ich höre, dass Deutschland diese Krise sehr gut bewältigt. Ich hoffe, ihr fühlt euch alle sicher?
Da stecke ich nun in Kailasam auf der Farm der Landwirtschaftsschule fest. Naja nicht wirklich, wirklich fest, da ich immer zu Timbaktu (das Hauptdorf und Sitz von Timbaktu Collective) gehen könnte. Ich genieße diese Isolation tatsächlich. Ich gieße morgens und abends die Obstbäume mit einem Plastiktopf (12 Liter). Wie in alten Zeiten in Timbaktu vor 30 Jahren. Leider haben wir die Landwirtschaftsschule vorerst geschlossen. Aber wir müssen den Platz am Laufen halten, da die Schüler ihre Gärten bepflanzt haben, bevor sie gehen mussten. Wir haben jetzt auch viel Infrastruktur hier und wollen daher nicht einfach gehen. Ich versuche, die 1.000 Bäume in einem der ersten Obstgärten, die wir gepflanzt hatten, wiederzubeleben. Wir hatten aufgehört zu gießen, da uns aufgrund der fünfjährigen Dürre das Wasser ausgegangen war. Es wird nicht einfach, aber wir werden sehen.

Es gibt Neuigkeiten, dass die Ausgangssperre mindestens um einen weiteren Monat verlängert wird, da die Zahl der Fälle exponentiell zunimmt. Nicht, dass alle positiv wären. Aber die Angst ist real.
Wir bauen auch viel Gemüse und Obst an. In Kürze werden wir auch ein Grundstück für Getreide vorbereiten, damit wir völlig unabhängig sind und bei Bedarf auch andere mit Lebensmitteln versorgen können. Meine alten Muskeln und Gelenke beschweren sich, aber es ist in Ordnung, nach einigen Jahren wieder in die direkte Landwirtschaft einzusteigen. Heute haben wir auch einen Haufen biodynamischen Kompost gewendet.

Die Wirtschaft hier in Indien ist natürlich zusammengebrochen und die meisten Menschen haben keine Ahnung, was sie tun sollen.

Die Regierung hat langsam einige wesentliche Bereiche wieder geöffnet. Insbesondere die Landwirtschaft und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten. Deshalb hat Dharani, die Bauerngenossenschaft, heute ihre Arbeit wiederaufgenommen und hat mit der Verarbeitung der 14 Tonnen eingelagerten Erdnüsse begonnen. Wir sollten in der Lage sein, ungefähr 5.000 Liter gutes Erdnussöl zu produzieren, das wir den Dörfern liefern können.

Wir haben ungefähr 12.000 Seifen fertig, die wir zusammen mit Masken und Desinfektionsflaschen in die Dörfer verschicken. Der Weberei hat begonnen, Masken mit dem Stoff herzustellen, den sie bereits hergestellt hatte.

Wir führen eine Umfrage unter Menschen und Familien in Not in den Dörfern durch. Am stärksten betroffen sind die Wanderarbeiter. Die meisten Bauernfamilien haben noch etwa einen Monat lang Nahrung. Aber die Landlosen, die Handwerker und andere sind schwer getroffen. Die Landwirte mit der Rabi-Ernte, die kürzlich geerntet wurde oder geerntet werden soll, haben ebenfalls Probleme, da sie in Geldnot sind und ihre Produkte nicht verkaufen werden.

Die Arbeitsmigranten, die für die Kia-Fabrik kamen (Autofabrik, etwa 30 km von dem Hauptsitz von Timbaktu Collective im Aufbau befindlich), stecken hier fest. Im Dorf Guttur selbst leben 71 Männer in drei Räumen, ohne Ziel und ohne Essen. Die Dorfbewohner haben versucht, zu helfen, aber es ist schwierig. Wir starten hoffentlich ab morgen ein Quarantänelager für sie. Am wichtigsten ist das Organisieren von Essen. Wir versuchen in einigen Dörfern Küchen einzurichten. Sobald wir konkrete Zahlen haben, senden wir sie Euch.

Bitte passt auf Euch auf!

Euer Bablu Ganguly von Timbaktu Collective"


Viel hilft – mitunter - viel!

Ramesh Sharma, Koordinator in unserer Partnerorganisation Ekta Parishad,  die eine der größten Volksbewegungen in Indien ist, berichtet von ersten Maßnahmen und Plänen, um einen Betrag zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus zu leisten. Ekta Parishad erreicht in 14 indischen Bundesstaaten insgesamt mehr als 3.650 Dörfer und setzt dafür die freiwillige Unterstützung von rund 3.000 Helfern ein. Durch die Größe und aufgrund des Organisationsaufbaus von Ekta Parishad verfügt die Bewegung über die organisatorischen und personellen Kapazitäten für ein solch großangelegtes Vorhaben.

Aktuell ist eine immense Anzahl an Lohn- und Wanderarbeiterinnen durch den ökonomischen Notstand betroffen. Durch die landesweite Ausgangssperre sind unzählige Arbeiter*innen arbeitslos und obdachlos geworden. Um ebendiese Menschen zu unterstützen, bemüht Ekta Parishad derzeit alle Kräfte. Am 01. Mai 2020 erhielten wir von Ramesh Sharma einen ersten Bericht, in dem er auf die bisherigen Aktivitäten der Organisation eingeht:

„Aktivist*innen und Freiwillige von Ekta Parishad (EP) engagieren sich während der Corona-Pandemie in 20 Staaten Indiens intensiv in der Umsetzung von  Hilfseinsätzen. Diese Staaten sind Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Orissa, Jharkhand, Bihar, Rajasthan, Uttar Pradesh, Bengalen, Assam, Manipur, Kerala, Tamil Nadu, Andhra Pradesh, Telangana, Karnataka, Punjab, Haryana, Delhi, Gujarat und Maharashtra. Mit Lebensmittelpaketen für bis zu 14 Tage und gekochtem Essen hat Ekta Parishad bis jetzt 19.700 Menschen erreicht. Zusätzlich wurden 40.000 Masken verteilt und 160 Handyaufladungen bezahlt. Fast 1.000 Wanderarbeiter*innen wurden unterstützt, damit sie ihre einheimischen Dörfer erreichen konnten.
 
Kurz nach der Ankündigung der Ausgangssperre am 24. März aktivierten sich Feldarbeiter*innen und Freiwillige von Ekta Parishad. Sie versorgten die Tagelöhner*innen und Wanderarbeiter*innen und andere bedürftige Menschen in den verschiedenen Staaten mit Nahrungsmitteln. Ab dem 8. April wurden Online- / mobile Informationssysteme speziell für Tagelöhner*innen und Wanderarbeiter*innen von Ekat Parishad eingeführt. Innerhalb kurzer Zeit gingen Daten von fast 44.000 Personen und/der Familien aus verschiedenen Bundesstaaten ein, die auf ihren Wegen gestrandet waren und Hilfe benötigten.
 
Nachdem Ekta Parishad Informationen von gestrandeten Menschen erhalten hatte, versuchten die Mitglieder der Bewegung zunächst, lokale Verwaltungen zu erreichen, um festzustellen, ob Lebensmittelreserven für Wanderarbeiter*innen verfügbar waren. Wenn es keine gab, wandte sich das Ekta Parishad an lokale NGOs und testete ihre Fähigkeit, schnell zu handeln. Wenn dies positiv bewertet wurde, überwies Ekta Parishad den für den Kauf von Grundnahrungsmitteln erforderlichen Betrag und die NGO übermittelte diese an die Bedürftigen. Wenn keine NGO unterstützen konnte, überwies Ekta Parishad das Geld direkt auf die Konten von Lebensmittelgeschäften, in denen die Leute Grundnahrungsmittel kaufen konnten. Die gesamte Operation wurde vom Büro in Gwalior aus durchgeführt.
 
Alle NGOs arbeiten unter der direkten Koordination des Gwalior-Büros und werden für die Durchführung von Hilfseinsätzen vor Ort beraten. In jedem Staat wurde ein Koordinierungsausschuss gebildet, welcher sich mit Hilfe von lokalen Aktivist*innen um Finanzen und Hilfseinsätze kümmert.
 
Vom Gwalior-Büro aus wird die erforderliche Finanzierung auf der Grundlage der folgenden Kriterien bereitgestellt:

  1. online eingegangene Formulare, mit alle erforderlichen Angaben zu Personen
  2. Dauer der benötigten Unterstützung (7 Tage oder 14 Tage) und Art der erforderlichen Grundnahrungsmittel.

Alle Finanztransaktionen und –belege werden durch das Online-Aufzeichnungssystemen auf dem neuesten Stand erhalten und archiviert.
 
Die Webseite von Ekta Parishad (www.ektaparishadindia.org) erhält aktualisierte Informationen zu allen Vorgängen; über ihre WhatsApp-Gruppe tauscht das Ekta Parishad-Team Informationen und Beratung mit über 400 Menschen und Organisationen.
Über die Initiative und Reichweite der Hilfseinsätze von Ekta Parishad wurde mit besonderer Aufmerksamkeit beim „Zentrum für Wissenschaft und Umwelt“ (CSE Delhi) und „Down to Earth“ (ein globales Magazin zu Umweltfragen) berichtet. Verschiedene nationale Zeitungen berichteten ebenso ausführlich über diese Hilfsaktionen.
Die Telefonnummer eines Mitarbeiters von Ekta Parishad ist von der indischen Regierung als Helpline-Nummer für Wanderarbeiter*innen offziell akkreditiert worden. Der Solidaritätskreis von Ekta Parishad erweitert sich und neue Mitglieder kommen jeden Tag dazu, was uns sehr freut und auch ein wenig stolz macht.
 
Basierend auf der großen Anzahl von Fällen und den verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen, die in den letzten fünf Wochen durchgeführt wurden, bereitet Ekta Parishad ein Buch über bedeutende Initiativen und ihre Auswirkungen vor.
 
Als nächste strategische Aktion startet Ekta Parishad die „Shramdan Camps“. Damit wird Dorfbewohner*innen geholfen, ihr eigenes Gemeindevermögen – also eigene, verfügbarer Ressourcen nachhaltiger zu nutzen und zu schützen, so wie zum Beispiel durch den Aufbau von Wasserschutzstrukturen, Wasserspeicherbecken, damit die Menschen mehr Arbeitsmöglichkeiten in den eigenen Gemeinden finden und nicht mehr gezwungen sind, diese zu verlassen.
 
Ekta Parishad möchte sich bei allen für ihre Unterstützung und die Ermöglichung dieser Maßnahmen bedanken!"


Die Arbeit von Ekta Parishad

Am 17. Juni 2020 erhielten wir von Ramesh Sharma ein Update zur Situation in Indien und den unermüdlichen Anstrengungen von Ekta Parishad, Nothilfe in Corona-Zeiten zu leisten. Mithilfe hunderter Engagierter konnte Ekta Parishad bedürftige Menschen in den verschiedensten Bundesstaaten u.a. mit Nahrungsmitteln versorgen.

Insgesamt konnten bis zum 11. Juni weitere 10.034 Familien von Wanderarbeiter*innen, die in ihre Heimatdörfer zurückkehren mussten und die Familien von 8.700 Wanderarbeiter*innen, die aufgrund der Lockdowns in unbekannten Dörfern und Städten gestrandet sind, mit Nahrungsmitteln für 14 Tage versorgt werden. Zudem konnten - mithilfe der lokalen Regierung – 6.910 weitere gestrandete Personen für sieben Tage mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Neben dieser grundsätzlichen Versorgung erhielten 2.200 Frauen und Kinder aufgrund von Krankheiten in Folge von Mangelernährung Nahrungsergänzungsmittel. 5.000 Wanderarbeiter*innen, die sich auf der Durchreise befanden, bekamen eine warme Mahlzeit. 41.500 ältere Menschen erhielten jeweils zwei Mundnasenbedeckungen und 400 Wanderarbeiter*innen, die keinen Möglichkeit hatte ihre Familien zu kontaktieren, bekamen die Möglichkeit, die Karten ihrer Mobiltelefone aufzuladen.

Über die unermüdlichen Anstrengungen von Ekta Parishad berichtete am 5. Juni auch das Magazin Frontline, den Artikel finden Sie hier.


Versuchen Sie, einen ruhigen, positiven, selbstbejahenden Gemütszustand zu bewahren

Im Juni 2020 teilte uns Father Clement den aktuellen Zustand bei MUHIL mit:

Während der Ausgangsperre ist es nicht möglich, die mobilen Gesundheitskliniken durchzuführen und medizinische Camps zu organisieren. Deshalb weisen wir unsere Dorfgesundheitshelferinnen an, durch die Dörfer zu gehen und die Patient*innen zu besuchen. Danach rufen sie uns an und berichten über den Gesundheitszustand der Patient*innen. Bei Bedarf fragen sie nach Ölen oder Medikamenten. Um diese transportieren und verteilen zu können, haben wir für unsere Fahrer so genannte „E-Aufkleber“ beantragt, damit sie in die Dörfer fahren und die Medikamente und Öle verteilen dürfen.

Während dieser Zeit ist Dr. Fatima Rani die einzige Ärztin, die die Patienten in Muhil Gardens behandelt. Sie berät auch telefonisch diejenigen, die ihre Dörfer nicht verlassen können.

Wir haben auch ein Unterstützungsprogramm – Life Support programme – initiiert, um den Familien zu helfen, die sich aufgrund der Ausgangssperre in sehr schwierigen Situationen befinden. Da die Schulen geschlossen sind, erhalten Kinder ihre regulären Mittagsmahlzeiten nicht mehr. Es gibt eine größere Anzahl von Vorfällen mit häuslicher Gewalt und der Alkoholkonsum hat zugenommen, nachdem die Regierung die Eröffnung der Weingeschäfte 45 Tage nach der Ausgangssperre genehmigt hatte. Das führt dazu, dass sich Frauen und Kinder erneut in einer äußerst gefährdeten Situation befinden.

Derzeit gibt es 165 Familien, an die wir eine finanzielle Unterstützung von ca. 33 Euro pro Monat sowie Reis, Linsen, Öl und sanitäre Produkte verteilen. 33 Euro sind ungefähr ein Drittel dessen, was eine Familie aus diesen Dörfern unter normalen Bedingungen pro Monat verdient.

Abhängig von den verfügbaren finanziellen Mitteln werden wir versuchen, dieses Programm bis Ende Juli fortzusetzen, wenn die Behörden angekündigt haben, die letzten Kontaktbeschränkungen aufzuheben.

Wir wurden auch gebeten, am Programm für Katastrophenmanagement und Hilfseinsätze teilzunehmen, bei dem Nichtregierungsorganisationen die lokalen Behörden unterstützen, die Menschen die am stärksten von der Krise betroffen sind zu unterstützen. In unserem Fall bedeutet dies, Vertreter der Regierung in die Dörfer zu begleiten und sich um diejenigen zu kümmern, die medizinische Unterstützung benötigen.

Wir versuchen, die Herausforderungen der Covid-19-Krise so gut wie möglich zu bewältigen, aber wir wissen nicht, was von Tag zu Tag passiert. Es gab einen Exodus von Tagelöhnern aus Chennai, die ohne Arbeit blieben und nun in ihre Dörfer zurückgekehrt sind. Ihre Rückkehr hat zu einem Anstieg der Anzahl der gemeldeten positiven Fälle geführt. Gestern meldeten fast zehn der umliegenden Dörfer neue Corona Fälle. Die Stadt Madurai und Thirumangalam haben ebenfalls einen Anstieg der Fälle gemeldet.

Für niemanden ist mehr etwas sicher - wir müssen von Tag zu Tag mit Hoffnung in den Tag gehen.

Viele Grüße an alle!

Father Clement, Mitgründer und Leiter der Organisation MUHIL,  setzt mit  den Mitarbeiter*innen des Muhil Health Centers auf umfassende Aufklärungsarbeit. Bereits am 17. März schickte MUHIL einen Handlungsleitfaden, ausgearbeitet von ihren Sozialarbeiter*innen und Siddha-Mediziner*innen. 

Neben auch uns bekannten Hygieneregeln wie dem ausgiebigen Waschen der Hände, dem Vermeiden unnötigen Kontakts mit Gegenständen wie Türklinken etc. sowie dem Tragen von Gesichtsmasken, umfassen die Empfehlungen von Muhil auch allgemeine Ernährungstipps und tägliche Routinen (Bewegung und Yoga), die das Leben in der Ausnahmesituation erträglicher machen sollen.

Der Plan bestand darin, diese in den Dörfern rund um die Millionenstadt Madurai in Thirumangalam Taluk zu verbreiten und so die Ausbreitung des Corona-Virus unter den Dorfbewohner*innen zu verhindern.

Aufgrund strikter Anweisungen der Bezirksregierung vom 31.3.2020 musste Muhil das umfassende Programme erst einmal auf Eis legen und die eigene Arbeit weitestgehend, bis auf die inoffizielle Behandlung im eigenen Health Center, aussetzen.

Am 7. April 2020 erhielten wir einen gemeinsamen Ostergruß von Father Clement, Dr. Rani und Father Jeyaraj, und zugleich ersten Bericht von der Situation vor Ort. Ein Update der Situation bei MUHIL erhielten wir von Father Clement am 21. April 2020, den entsprechenden Bericht finden Sie hier.


Biodynamisches College geschlossen

Dr. Perumal, Vorstandsmitglied von der Organisation Inba Seva Sangam (29. März 2020) (College für biodynamischen Landbau in Vinobajipuram, Tamil Nadu):

„Guten Morgen und Vanakkam.

Ich schreibe im Namen von Inba Seva Sangam diese persönliche Notiz, um die aktuelle Situation im Kontext der Corona-Virusverbreitung mitzuteilen und um zu erfahren, wie es Ihnen und Ihren Familien in Deutschland geht. Ich hoffe, es geht Ihnen gut und alle Ihre Lieben sind in Bochum und Deutschland sicher und gesund.

Wir in Indien versuchen unser Bestes, um die Verbreitung des Corona-Virus zu kontrollieren oder zu lindern, um jeden Menschen in Indien zu retten und die Natur zu pflegen, so wie wir es getan haben, um Polio, TB, Dengue-Fieber und Windpocken auszurotten.

(…) Wir respektieren die Entscheidung der indischen Regierung wie die der vollständigen Sperrung und folgen den Richtlinien und Vorschlägen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Bisher sind ungefähr 900 Menschen (29.03.2020) in ganz Indien wahrscheinlich mit diesem Virus infiziert. Unsere Brüder und Schwestern in Sevapur, Vinobajipuram und anderen Dörfern aus dem Distrikt Karur sind in Sicherheit und die Situation ist unter Kontrolle.

Bei uns sind die meisten Aktivitäten, einschließlich der ALHSS-Schule, der Herbergen für Jungen und Mädchen und der BD-Schule bis zum 14. April 2020 ausgesetzt. Die Studenten erwarten, dass sie ihre Universitätsprüfung im Mai / Juni 2020 schreiben werden. BD-Studenten wurden aufgrund der Corona-Warnung zu ihren Familien zurückgebracht. Wir halten nur die wesentlichen Arbeiten aufrecht (Viehpflege, Bewässerung von Gemüsepflanzen / Obstgärten und allgemeine Sicherheit des Campus). Die BD-Schule wird ihre Aktivitäten nach dem 14. April 2020 wieder aufnehmen.

Wir beten, dass wir alle stark und gesund aus der gegenwärtigen Situation hervorgehen. Bitte seien Sie vorsichtig und bleiben Sie Zuhause und bleiben Sie sicher. Ich hoffe, wir werden die Schwierigkeiten, die Corona hervorruft, sehr bald überwinden.

Mit Frieden, Kraft und Freude
Perumal


In Indien sind wir euch ein wenig hinterher…

Am 23. März 2020 erhielten wir einen ersten Bericht von Angelika Ehrle, Gründerin und Leiterin von Deepam, einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Auroville, in dem sie von der Situation in Indien berichtet.

Am 15. Juni 2020 berichtete uns Angelika Erhle nun ein weiteres Mal von der Situation bei Deepam:

Liebe Mitarbeiterinnen der Zukunftsstiftung Entwicklung,

In unserem Bundesstaat Tamil Nadu bleiben weiterhin alle Schulen zu. Auch dürfen wir bei Deepam offiziell nicht öffnen. Es ist traurig, weil unsere Kinder, die unterschiedlichste Behinderungen haben, regelmäßig Therapie und Zuwendung benötigen. In 28 Jahren hatten wir nie länger als zehn Tage geschlossen. Unsere Mitarbeiter*innen halten mit unseren Familien Kontakt und wir konzentrieren uns darauf, mit Lebensmitteln zu helfen. Die Kinder und Jugendlichen aus dem nahe gelegenen Dorf kommen seit vier Wochen wieder zum Mittagessen. Einige spielen oder basteln bei Deepam. Leider darf unser Schulbus nicht auf die Straße, um die Kinder aus weiter abliegenden Dörfern abzuholen. Wir haben unser Team in zwei Gruppen eingeteilt, die an alternierenden Tagen kommen und alles instand halten; auch nutzen wir diese Zeit für Besprechungen und Fortbildungen.

Hier sind wir nun in der Lockdown-Verlängerung Nr. 5, doch es gibt einige Lockerungen. Die Geschäfte sind wieder geöffnet und der Verkehr ist genauso turbulent wie zuvor. Zum Glück haben wir hier in der ländlichen Gegend bisher keine COVID-19 Fälle, aber es ist eine Frage der Zeit, bis es Infizierte geben wird. Viele Leute halten sich nicht an die Abstandsregelungen und die Maskenpflicht, was bei der Hitze und dem Lebensstil auch kaum möglich ist. Ich befürchte, uns steht noch einiges bevor und es wird noch Monate dauern, bevor wir dies durchgestanden haben. Dies sind keine schönen Aussichten.

In den großen Städten Indiens steigt die Zahl der Infizierten rasant und die Kapazität des Gesundheitssystems ist bereits erreicht, obwohl sich nun die Zahl der Neuerkrankungen jeden Tag drastisch erhöht. Indien war von Mitte März für zwei Monate unter einer totalen Ausgangssperre, was bestimmt gut war, um Corona einzudämmen, aber die Wirtschaft ging völlig danieder und viele Millionen Tagelöhner hatten keinen Verdienst, um Essen zu kaufen. Auch sind Millionen von Wanderarbeitern irgendwo hängen geblieben, meist ohne Bargeld. Inzwischen sind viele davon irgendwie (manche sogar zu Fuß) in ihren abgelegenen Heimatorten angekommen und so verbreitet sich leider Corona in Gegenden, wo es keine Krankenhäuser gibt. Das Ausmaß dieses Leids ist kaum vorstellbar. Millionen von Menschen in Indien haben derzeit kein Einkommen und keine soziale Absicherung und keine Aussichten auf eine bessere Zukunft. Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs werden wahrscheinlich jahrelang anhalten. Zum Glück sind die Menschen in Indien hart im Nehmen und generell sehr positiv eingestellt und es bleibt zu hoffen, dass viele einen Weg finden, um mit der Situation klar zu kommen.

Euch wünsche ich allen Gesundheit und viel Kraft für eure wertvolle Arbeit, die viel Not lindert!
Angelika Ehrle


Nichts ist für immer außer Veränderung

Auch Gautama Buddha aus dem Mahabodhi International Meditation Centre grüßt uns herzlich aus Ladakh und beschreibt die Situation vor Ort (Stand: 11. April 2020): 

„Liebe Unterstützer*innen und Freunde von MIMC Ladakh!

Ein sehr herzlicher Gruß aus Mahabodhi in Ladakh, Indien!
 
Ich hoffe, dass Sie und Ihre Familie in diesen Zeiten der Unsicherheit sicher und gesund sind, da die Welt mit einer globalen Pandemie kämpft.
 
Die indische Regierung kündigte eine dreiwöchige landesweite Ausgangsperre an, um die Ausbreitung der Infektion zu stoppen. Obwohl Ladakh in einem abgelegenen und isolierten Teil des Landes liegt, ist es von dieser Epidemie doch nicht verschont geblieben. Bis heute gab es in Ladakh 15 positiv bestätigte Fälle. Tatsächlich war Ladakh eine der ersten Regionen in Indien, die über Infektionen berichtete. Aufgrund der strengen Umsetzung der Ausgangsperre durch die lokale Verwaltung und der sozialen Distanzierung haben sich elf Patienten vollständig erholt, vier sind immer noch positiv und erfahren Behandlung. Es gibt keine Todesfälle.
 
Allen unseren Schüler*innen und den Bewohner*innen im Altersheim geht es gut. Die Schulen und Herbergen in Ladakh wurden seit dem 8. März auf Befehl der örtlichen Verwaltung geschlossen. Die Student*nnen und die Bewohner*innen der Herbergen kehrten ebenfalls zu ihren Familien zurück. Um sicherzustellen, dass die Schüler*innen nicht den Kontakt zu ihrem akademischen Studium verlieren, haben unsere Lehrer*innen WhatsApp-Gruppen für ihre jeweiligen Klassen eingerichtet. Aufgezeichnete Audio- und Videokurse werden an die Schüler*innen in ihren jeweiligen Fächern gesendet. Auch YouTube-Links werden mit den Schüler*innen geteilt, damit diese die Konzepte besser verstehen können. Die Hausaufgaben werden den Schüler*innen über das Internet gesendet; die Schüler*innen senden Fotos mit ihren erledigten Hausaufgaben zur Überprüfung zurück.
 
Das Mahabodhi-Krankenhaus wurde von der örtlichen Verwaltung auch als spezielles Covid19-Krankenhaus für den gesamten Leh-Distrikt ausgewiesen. Ein Covid19-positiver Patient wird derzeit in unserem Krankenhaus behandelt. In Zukunft werden alle neu positiv diagnostizierten Patienten im Mahabodhi-Krankenhaus aufgenommen und behandelt.
 
Weitere Entscheidungen bezüglich der Wiedereröffnung der Schulen oder der Verlängerung der Ausgangssperre werden in den nächsten Tagen von der Regierung getroffen.
 
Im Namen unseres Präsidenten, Ven. Sanghasena, der Mitarbeiter*innen, der Student*innen und aller Mitglieder des Mahabodhi-Zentrums hier in Ladakh, möchte ich mich bei Ihnen für Ihre großzügige Unterstützung für unsere Student*innen bedanken. Wir beten und wünschen Ihnen und Ihrer Familie Gesundheit, Seelenfrieden und Glück."


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