Indien: Geschichten und Berichte

Der Exodus der Armen

Mit einem Vorlauf von nur vier Stunden verkündete die indische Regierung Modi am 24. März 2020 Ausgangssperren und den Stopp des öffentlichen Lebens – dieser wurde vorerst bis zum 30. September verlängert. Seitdem erlebten indische Städte einen Massenexodus mit humanitärer Krise. Es ist sehr schwer, Zahlen einzuschätzen, da es eine akkurate Erhebung von Daten nicht gibt. Klar ist, dass die Anzahl der Toten mit oder aufgrund von COVID 19 steigen. Diese Zahlen von denjenigen Toten zu trennen, die in Folge des dramatischen wirtschaftlichen Einbruchs für informelle Arbeiter*innen aufgrund mangelnder Versorgung sterben, ist unmöglich. Unsere Partner berichten von einem Gefühl der Panik, das sich verbreitet. Eine Angst, die lähmt.

Die offiziell publizierte Zahl Covid-19 Infizierter ist in Indien in den vergangenen Monaten massiv angestiegen, so dass Indien derzeit mit offiziell knapp 6 Millionen registrierten Corona-Infektionen das am zweitstärksten betroffene Land der Welt ist. Innerhalb von 24 Stunden wurden 82.000 Neuinfektionen registriert (Stand: 29. September). Trotz des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen, sollen die Corona-Einschränkungen weiter gelockert werden. Die Angst vor einem starken Wirtschaftseinbruch ist zu groß.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir viele E-Mails mit unseren Partner*innen in Indien ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Maßnahmen der Landesregierung in Kerala

Father Hubby Mathew, Leiter der Peermade Development Society in Kerala, unterrichtete uns bereits am 18.3. 2020 über die Situation im südlichsten Bundesstaat. Zu dem Zeitpunkt gab es offiziell 24 Corona-Infizierte in Kerala. Father Hubby Mathew beschreibt Maßnahmen der Landesregierung Keralas zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19:

1. Früherkennung und vorbeugende Maßnahmen der Landesregierung von Kerala

Zu einem sehr frühen Zeitpunkt hat die Regierung von Kerala energische, partizipative Präventionsmaßnahmen eingeleitet, um die Verbreitung von COVID-19 aufzuhalten. Dazu gehörten Sensibilisierungskampagnen über verschiedene Medien, einschließlich sozialer Medien, die Schließung von Schulen und Hochschulen, die Absage aller öffentlichen Versammlungen und die Aufforderung an religiöse Gruppen, große Ansammlungen von Menschen für Feste, Zeremonien zu meiden sowie die Schließung von Touristenzentren.

2. Karte der infizierten Personen vorbereiten

Die Regierung bereitet eine Karte der Infizierten vor und veröffentlichte sie in den Medien. Sie soll der Öffentlichkeit helfen, Personen zu identifizieren, die enge Kontakte zu den infizierten Personen hatten und den Regierungsbehörden zur weiteren Diagnose / Behandlung / Isolierung Bericht erstatten.

3. Öffentliches Gesundheitssystem

Der Bundesstaat Kerala verfügt über ein gut vernetztes öffentliches Gesundheitssystem. Auf der Basisebene spielen ASHA-Mitarbeiter (Accredited Social Health Activist) eine Schlüsselrolle bei der Mobilisierung von Menschen, der Bewusstseinsbildung, der Erkennung infizierter Personen, der Betreuung der Menschen in der Quarantäne zu Hause usw. Sie sind die Schnittstelle zur Gemeinde und zum öffentlichen Gesundheitssystem. Für jede 1000 Einwohner gibt es einen ASHA-Arbeiter. Die Website der Abteilung wird außerdem mit einem täglichen Bulletin, Anweisungen für die Öffentlichkeit, Videos, Postern usw. aktualisiert (dhs.kerala.gov.in).

4. Hohe Level an Freiwilligenarbeit / Beteiligung der Menschen

In der Kampagne gegen COVID 19 ist im ganzen Staat ein sehr hohes Maß an Freiwilligenarbeit zu beobachten. NGOs, Bürgergesellschaften, Anwohnerverbände, SHGs und Clubs setzen sich aktiv dafür ein, Vertrauen aufzubauen, sich um die Infizierten zu kümmern und den Menschen in der Quarantäne zu Hause zu helfen, indem sie Lebensmittel und weitere Einkäufe erledigen, Aufklärungsarbeit betreiben usw.

5. Resilienz gegenüber Pandemien

Auch hier sind die Menschen besorgt über die Situation. Die Erfahrung im Umgang mit den frühen Überschwemmungen in den Jahren 2018 und 2019 gibt den Menschen jedoch genügend Vertrauen in die Bewältigung der gegenwärtigen Situation. Es gibt keine Menschenmengen in Lebensmittel- oder Supermärkten. Städte und Gemeinden sind ruhig. Die Leute arbeiten immer noch in Büros, Fabriken und auf Feldern. Die Regierung fordert die Menschen wiederholt auf, nicht in Panik zu geraten, sondern wachsam zu sein.

6.„Break the Chain Kampagne“

Die Regierung hat die Öffentlichkeit aufgefordert, die Kampagne "Break the Chain" zu fördern. Darin werden Menschen ermutigt, ihre Hände häufig mit Händedesinfektionsmittel / Seife zu reinigen. Für diese Kampagne gibt es breite Unterstützung. Möglichkeiten zur Händereinigung werden an vielen öffentlichen Orten von NGOs, Bürgergesellschaften, Bildungseinrichtungen usw. in Betrieb genommen.


Videobotschaft von Father Hubby

Naturland, die ebenfalls Partner von PDS in Indien sind, hat eine Videobotschaft von Father Hubby über die Arbeit von PDS in Zeiten von Corona aufbereitet. Das Video möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Lichter der Solidarität

Herr Thomas J., Berater der Peermade Development Society und Experte in Heilkräuteranbau und Verarbeitung, schrieb uns am 6. April 2020:

„Wir sind bis zum 15. April komplett geschlossen. Wir wissen nie, was nach der ersten Ausgangssperrung auf uns noch zukommt. Gestern Abend um 21 Uhr, als Zeichen der Solidarität, schaltete der ganze Bundesstaat Kerala neun Minuten lang die Lichter aus. Wir alle zündeten Kerzen und Öllampen an unseren Türstufen oder auf Balkonen an, um allen Indern, die in ihren Häusern eingeschlossen sind, Kraft und Mut zu geben, und ein Zeichen der Solidarität in diesen dunklen Zeiten zu setzen. Dies sind alles Dinge, die wir in dieser Zeit der vollständigen Ausgangssperrung tun können. Auf nationaler Ebene und im Bundesstaat Kerala wurden Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, indem die Infizierten isoliert wurden und die Schwerbetroffenen behandelt wurden. Soziale Distanz ist strikt beachtet.
 
Trotzdem waren wir nicht auf eine solche Absperrung vorbereitet und konnten nicht einmal rechtzeitig das Nötigste kaufen, um diese Zeitstrecke überleben zu können. Gerade können wir nur ein paar Grundnahrungsmittel bekommen, aber die meisten Artikel sind ausverkauft. Unsere Regierung von Kerala hat jedoch jeder Familie kostenlosen Reis zur Verfügung gestellt, damit sie, je nach Familiengröße, einen Monat oder länger überleben kann. Kerala wird durch einen starken politischen Willen und ein effizientes dezentrales Verwaltungssystem, durch die Beteiligung der Menschen und das vorbildliche Gesundheitssystem, im Vergleich zu allen anderen Staaten in Indien, zu einem Modell für die Welt. Sogar ein altes Ehepaar im Alter von 92 und 89 Jahren wurde nach erfolgreicher Behandlung von Corona entlassen.

Deshalb sind wir in Kerala bisher in Sicherheit. PDS ist bis zum 15. April geschlossen. Hoffentlich gibt es bald eine gewisse Auflockerung in Bezug auf Arbeits- und Reiseregelungen.
 
Bleiben Sie gesund und lächeln!

Mit freundlichen Grüßen

 
Thomas J"


Bewusstseinsbildung und Aufklärung über soziale Distanzierung

Herr K. Rajavelu, Leiter unserer Partnerorganisation Welfare Association for the Rural Mass (WARM) initiierte umgehend ein Programm, um die Bevölkerung rund um Thriuvannamalai Taluk, 194km von der Millionenstadt Chennai (Tamil Nadu) entfernt, über Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 zu informieren. Mithilfe von Aufklärungseinsätzen zu sozialer Distanzierung sowie der Versorgung mit Nothilfepaketen mit Nahrungsmitteln, Seife und Gesichtsmasken, möchten Herr Rajavelu und die MitarbeiterInnen von WARM einen Beitrag zum Schutz der Menschen leisten.

Update 08. Oktober 2020

Die Zahl der Infizierten in Indien steigt weiterhin rasant. Laut Angaben der indischen Regierung sind bis zum 6. Oktober 6.687.247 Menschen mit Covid-19 infiziert. Auch der Bundesstaat Tamil Nadu, in der unsere Partnerorganisation WARM tätig ist, ist stark betroffen. Trotz Lockerungen gibt es noch viele Einschränkungen im alltäglichen Leben – insbesondere für die Armen und Tagelöhner*innen wird die Situation unerträglich. Besserung ist nicht in Sicht. Die Einschränkung des Transports von Gütern hat Auswirkungen hinein bis in die Finanzierung der Mikrokredite unserer Partnerorganisation. Rückzahlungen können aufgrund fehlenden Einkommens nicht getätigt werden. Es gibt nur wenig Unterstützung der indischen Regierung. Die unterschiedlichen Hilfsprogramme sind oft leider so angelegt, dass gerade die kleinen Händler und Industriellen die nötigen Bedingungen nicht erfüllen können und durch das Raster für Hilfsleistungen fallen.

Seit dem 1. September wurde der Lockdown nach und nach gelockert. Um einem wirtschaftlichen Zusammenbruch entgegen zu wirken, durften die meisten Betriebe wieder anfangen zu arbeiten. Jedoch meist nur mit der Hälfte der Arbeitnehmer*innen, um nötige Abstände einhalten zu können. Transportwege wurden wieder geöffnet. WARM berichtet, dass die Wirtschaft in ihrem Einzugsgebiet zu ca. 60% wieder ausgelastet ist. Viele Aktivitäten konnten wieder aufgenommen werden und auch die Wanderarbeitskräfte sind wieder in den Städten tätig. Trotz stetig steigender Fallzahlen, kehrt der Alltag zumindest in Teilen und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen nach Tamil Nadu zurück. Die Arbeitsmöglichkeiten sind jedoch immer noch stark eingeschränkt.

WARM leistete viel Unterstützung für die Menschen in den umliegenden Dörfern. 774 bedürftige Familien konnten mit Lebensmittelpaketen bestehend aus Reis, Erdnussöl, Kurkumapulver und anderen Lebensmitteln versorgt werden. Außerdem konnten 20.000 Mund-Nasen-Bedeckungen hergestellt und an die Bevölkerung verteilt werden. Um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen, wurden weitere Aufklärungsworkshops und Seminare für Kinder und ältere Menschen veranstaltet. Freiwillige verteilten Informationsmaterialien an

Familien. Eine enge Zusammenarbeit besteht zwischen WARM und den Distriktbehörden. So sollen Personen, die mit Covid-19 infiziert sind, möglichst schnell eine ärztliche Behandlung erhalten. Gleichzeitig berichtet uns Herr Rajavelu, dass es zurzeit wohl nur ein kurzes Aufatmen gibt.

Die Partnerorganisation WARM setzt sich im südindischen Distrikt Tiruvannamalai für die Eindämmung von Covid 19.

Dazu möchten sie 10.000 Masken für die Bewohner*innen der umliegenden Dörfer nähen und diese verteilen. Die Produktionskosten je Maske liegen bei umgerechnet 25 Cent, insgesamt benötigt WARM dafür 2.500 Euro.
 
In Indien sind aktuell insbesondere Tagelöhner von akuter Armut bedroht, weshalb WARM Nahrungsmittel verteilt. Für eine Grundmahlzeit am Tag sind pro Person rund 90 Cent nötig.
 
In WARMs Nachbarschaft leben 200 besonders bedürftige Menschen. Für die Versorgung dieser 200 Menschen sind für einen Monat insgesamt 5.400 Euro erforderlich.
 
Für dringend erforderliche Masken und Lebensmittel benötigt WARM deshalb 7.900 Euro. Mit ihrer Spende helfen Sie unserer Partnerorganisation WARM bei der Umsetzung dieser Maßnahmen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.



Seife, Masken und hilflose Auto-Fabrikarbeiter

Bablu Ganguly gründete und leitet Timbaktu Collective in Andrah Pradesh, Südindien. Timbaktu Collective arbeitet mit marginalisierten Kleinbäuer*innen und Landlosen, mit Frauen, Kindern, Jugendlichen, sogenannten Unberührbaren und Menschen mit Behinderung in 178 Dörfern und erreicht rund 22.000 Menschen. Timbaktu Collective begleitet deren Selbstorganisierung in Produktionskooperativen. Als Zukunftsstiftung Entwicklung befördern wir den gemeinsamen Aufbau eines organisch/permakulturell/biodynamischen Landbaucollegs.

,,Liebes Team der Zukunftsstiftung Entwicklung.

Wie geht es euch allen? Wie der Familie und den Kolleginnen?

Ich höre, dass Deutschland diese Krise sehr gut bewältigt. Ich hoffe, ihr fühlt euch alle sicher?
Da stecke ich nun in Kailasam auf der Farm der Landwirtschaftsschule fest. Naja nicht wirklich, wirklich fest, da ich immer zu Timbaktu (das Hauptdorf und Sitz von Timbaktu Collective) gehen könnte. Ich genieße diese Isolation tatsächlich. Ich gieße morgens und abends die Obstbäume mit einem Plastiktopf (12 Liter). Wie in alten Zeiten in Timbaktu vor 30 Jahren. Leider haben wir die Landwirtschaftsschule vorerst geschlossen. Aber wir müssen den Platz am Laufen halten, da die Schüler ihre Gärten bepflanzt haben, bevor sie gehen mussten. Wir haben jetzt auch viel Infrastruktur hier und wollen daher nicht einfach gehen. Ich versuche, die 1.000 Bäume in einem der ersten Obstgärten, die wir gepflanzt hatten, wiederzubeleben. Wir hatten aufgehört zu gießen, da uns aufgrund der fünfjährigen Dürre das Wasser ausgegangen war. Es wird nicht einfach, aber wir werden sehen.

Es gibt Neuigkeiten, dass die Ausgangssperre mindestens um einen weiteren Monat verlängert wird, da die Zahl der Fälle exponentiell zunimmt. Nicht, dass alle positiv wären. Aber die Angst ist real.
Wir bauen auch viel Gemüse und Obst an. In Kürze werden wir auch ein Grundstück für Getreide vorbereiten, damit wir völlig unabhängig sind und bei Bedarf auch andere mit Lebensmitteln versorgen können. Meine alten Muskeln und Gelenke beschweren sich, aber es ist in Ordnung, nach einigen Jahren wieder in die direkte Landwirtschaft einzusteigen. Heute haben wir auch einen Haufen biodynamischen Kompost gewendet.

Die Wirtschaft hier in Indien ist natürlich zusammengebrochen und die meisten Menschen haben keine Ahnung, was sie tun sollen.

Die Regierung hat langsam einige wesentliche Bereiche wieder geöffnet. Insbesondere die Landwirtschaft und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten. Deshalb hat Dharani, die Bauerngenossenschaft, heute ihre Arbeit wiederaufgenommen und hat mit der Verarbeitung der 14 Tonnen eingelagerten Erdnüsse begonnen. Wir sollten in der Lage sein, ungefähr 5.000 Liter gutes Erdnussöl zu produzieren, das wir den Dörfern liefern können.

Wir haben ungefähr 12.000 Seifen fertig, die wir zusammen mit Masken und Desinfektionsflaschen in die Dörfer verschicken. Der Weberei hat begonnen, Masken mit dem Stoff herzustellen, den sie bereits hergestellt hatte.

Wir führen eine Umfrage unter Menschen und Familien in Not in den Dörfern durch. Am stärksten betroffen sind die Wanderarbeiter. Die meisten Bauernfamilien haben noch etwa einen Monat lang Nahrung. Aber die Landlosen, die Handwerker und andere sind schwer getroffen. Die Landwirte mit der Rabi-Ernte, die kürzlich geerntet wurde oder geerntet werden soll, haben ebenfalls Probleme, da sie in Geldnot sind und ihre Produkte nicht verkaufen werden.

Die Arbeitsmigranten, die für die Kia-Fabrik kamen (Autofabrik, etwa 30 km von dem Hauptsitz von Timbaktu Collective im Aufbau befindlich), stecken hier fest. Im Dorf Guttur selbst leben 71 Männer in drei Räumen, ohne Ziel und ohne Essen. Die Dorfbewohner haben versucht, zu helfen, aber es ist schwierig. Wir starten hoffentlich ab morgen ein Quarantänelager für sie. Am wichtigsten ist das Organisieren von Essen. Wir versuchen in einigen Dörfern Küchen einzurichten. Sobald wir konkrete Zahlen haben, senden wir sie Euch.

Bitte passt auf Euch auf!

Euer Bablu Ganguly von Timbaktu Collective"


Viel hilft – mitunter - viel!

Update 09.09.2020:

Ramesh Sharma, Koordinator unserer Partnerorganisation Ekta Parishad,  die eine der größten Volksbewegungen in Indien ist, berichtet, dass die Organisation, die eine der größten Volksbewegungen in Indien ist, zwischen März und Juli 2020 rund 40.000 Menschen in 20 Staaten Indiens mit Nothilfemaßnahmen erreicht hat.

Es konnten Lebensmittel an rund 38.000 bedürftige Familien verteilt werden. Die eingeschränkte Mobilität, die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie die ständige Aufmerksamkeit und der Schutz des Teams und der Mitarbeiter*innen von Ekta Parishad benennt Ramesh Sharma dabei als herausfordernd.Eine immense Anzahl an Lohn- und Wanderarbeiterinnen ist weiterhin vom ökonomischen Notstand betroffen. Durch die landesweite Ausgangssperre sind unzählige Arbeiter*innen arbeitslos und obdachlos geworden. Um ebendiese Menschen zu unterstützen, bemüht Ekta Parishad weiterhin im Verbund mit 400 lokalen, kleineren NGOs alle Kräfte.Über die Initiative und Reichweite der Hilfseinsätze von Ekta Parishad wurde mit besonderer Aufmerksamkeit beim „Zentrum für Wissenschaft und Umwelt“ (CSE Delhi) und „Down to Earth“ (ein globales Magazin zu Umweltfragen) berichtet. Verschiedene nationale Zeitungen berichteten ebenso ausführlich über diese Hilfsaktionen.Die Telefonnummer eines Mitarbeiters von Ekta Parishad ist zudem von der indischen Regierung als Helpline-Nummer für Wanderarbeiter*innen offiziell akkreditiert worden. Der Solidaritätskreis von Ekta Parishad erweitere sich und neue Mitglieder kämen jeden Tag dazu, so Ramesh Sharma.

Nothilfe mit Perspektive zur Daseinssicherung

Ekta Parishad kombiniert auf Gemeindeebene Nothilfemaßnahmen mit Aktionen, die den Dorfbewohner*innen helfen, sich ein Einkommen zu sichern. So regt Ekta Parishad an, dass Arbeitsprogramme, die von der Regierung finanziert werden, dazu genutzt werden, dass Dorfbewohner*innen eigene, verfügbarer Ressourcen nachhaltiger nutzen und schützen. Dies geschieht zum Beispiel durch den Aufbau von Wasserschutzstrukturen, Wasserspeicherbecken, um landwirtschaftliche Anbauflächen erweitern zu können und so perspektivisch zu einer besseren Versorgung und Sicherung von Einkommensmöglichkeiten beizutragen.Ekta Parishad bedankt sich herzlich für Ihre Spenden, die diese Hilfe mit ermöglichten und freut sich auf weitere Förderung.


Die Arbeit von Ekta Parishad
 

Versuchen Sie, einen ruhigen, positiven, selbstbejahenden Gemütszustand zu bewahren

Father Clement teilt uns den aktuellen Zustand bei MUHIL mit:

Während der Ausgangsperre war es in den vergangenen Monaten nicht möglich, die mobilen Gesundheitskliniken durchzuführen und medizinische Camps zu organisieren. Aber auch in dieser Zeit gab es Möglichkeiten, die Menschen in den umliegenden Dörfern zu unterstützen. Wir wiesen unsere Dorfgesundheitshelferinnen an, durch die Dörfer zu gehen und die Patient*innen zu besuchen. Danach riefen sie uns an und berichteten über den Gesundheitszustand der Patient*innen. Bei Bedarf fragten sie nach Ölen oder Medikamenten. Um diese transportieren und verteilen zu können, haben wir für unsere Fahrer so genannte „E-Aufkleber“ beantragt, damit sie in die Dörfer fahren und die Medikamente und Öle verteilen dürfen.

Während dieser Zeit ist Dr. Fatima Rani die einzige Ärztin, die die Patienten in Muhil Gardens behandelt. Sie berät auch telefonisch diejenigen, die ihre Dörfer nicht verlassen können.

Wir haben auch ein Unterstützungsprogramm – "Life Support programme" – initiiert, um den Familien zu helfen, die sich aufgrund der Ausgangssperre in sehr schwierigen Situationen befinden. Da die Schulen geschlossen sind, erhalten Kinder ihre regulären Mittagsmahlzeiten nicht mehr. Es gibt eine größere Anzahl von Vorfällen mit häuslicher Gewalt und der Alkoholkonsum hat zugenommen, nachdem die Regierung die Eröffnung der Weingeschäfte 45 Tage nach der Ausgangssperre genehmigt hatte. Das führt dazu, dass sich Frauen und Kinder erneut in einer äußerst gefährdeten Situation befinden.

Derzeit gibt es 165 Familien, an die wir eine finanzielle Unterstützung von ca. 36 Euro pro Monat sowie Reis, Linsen, Öl und sanitäre Produkte verteilen. 36 Euro sind ungefähr ein Drittel dessen, was eine Familie aus diesen Dörfern unter normalen Bedingungen pro Monat verdient.

Zusätzlich hat Muhil 165 Familien mit notwenidgen Medikamenten versorgt sowie 632 besonders bedürftige Menschen mit Behinderung Lebensmittel und notwendige Medikamente zukommen lassen.

Im September möchte Muhil wieder mit den regulären Projektaktivitäten beginnen und bis Dezember 2020 40 Dörfer besuchen, um dort Basisgesundheitversorgungn für die Menschen zu leisten.


Biodynamisches College geschlossen

Dr. Perumal, Vorstandsmitglied von der Organisation Inba Seva Sangam (29. März 2020) (College für biodynamischen Landbau in Vinobajipuram, Tamil Nadu):

„Guten Morgen und Vanakkam.

Ich schreibe im Namen von Inba Seva Sangam diese persönliche Notiz, um die aktuelle Situation im Kontext der Corona-Virusverbreitung mitzuteilen und um zu erfahren, wie es Ihnen und Ihren Familien in Deutschland geht. Ich hoffe, es geht Ihnen gut und alle Ihre Lieben sind in Bochum und Deutschland sicher und gesund.

Wir in Indien versuchen unser Bestes, um die Verbreitung des Corona-Virus zu kontrollieren oder zu lindern, um jeden Menschen in Indien zu retten und die Natur zu pflegen, so wie wir es getan haben, um Polio, TB, Dengue-Fieber und Windpocken auszurotten.

(…) Wir respektieren die Entscheidung der indischen Regierung wie die der vollständigen Sperrung und folgen den Richtlinien und Vorschlägen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Bisher sind ungefähr 900 Menschen (29.03.2020) in ganz Indien wahrscheinlich mit diesem Virus infiziert. Unsere Brüder und Schwestern in Sevapur, Vinobajipuram und anderen Dörfern aus dem Distrikt Karur sind in Sicherheit und die Situation ist unter Kontrolle.

Bei uns sind die meisten Aktivitäten, einschließlich der ALHSS-Schule, der Herbergen für Jungen und Mädchen und der BD-Schule bis zum 14. April 2020 ausgesetzt. Die Studenten erwarten, dass sie ihre Universitätsprüfung im Mai / Juni 2020 schreiben werden. BD-Studenten wurden aufgrund der Corona-Warnung zu ihren Familien zurückgebracht. Wir halten nur die wesentlichen Arbeiten aufrecht (Viehpflege, Bewässerung von Gemüsepflanzen / Obstgärten und allgemeine Sicherheit des Campus). Die BD-Schule wird ihre Aktivitäten nach dem 14. April 2020 wieder aufnehmen.

Wir beten, dass wir alle stark und gesund aus der gegenwärtigen Situation hervorgehen. Bitte seien Sie vorsichtig und bleiben Sie Zuhause und bleiben Sie sicher. Ich hoffe, wir werden die Schwierigkeiten, die Corona hervorruft, sehr bald überwinden.

Mit Frieden, Kraft und Freude
Perumal


In Indien sind wir euch ein wenig hinterher…

Angelika Ehrle, Gründerin und Leiterin von Deepam, einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Auroville, berichtet aus Auroville von der Situation in Indien:

Ihr Lieben,

bestimmt verfolgt ihr die Nachrichten aus Indien. Leider verbreitet sich Corona nun auch bei uns im ländlichen Raum und es gibt mehr Fälle in den umliegenden Dörfern. Leider wurde letzte Woche meine Kollegin Selvi und zwei ihrer Familienmitglieder positiv getestet. Sie hatten anhaltendes Fieber und Kopfschmerzen. Zum Glück geht es ihnen inzwischen körperlich wieder gut, doch emotional sind sie noch niedergeschlagen. Von drei Personen kommen eine ganze Menge Kontakte zusammen und es war alles sehr aufregend und einige Personen wurden auch getestet. Wir sind froh, dass die Ergebnisse negativ waren. Unser gesamtes Deepam Team ist vorsichtshalber noch in Home-Quarantäne.

Die Aussichten, dass wir Deepam bald offiziell öffnen dürfen sind nicht gut. In ganz Indien sind seit März immer noch alle Schulen geschlossen.

Unsere Mitarbeiter waren voller Tatendrang. Wir stehen mit allen unseren Kindern und ihren Familien in Kontakt und helfen in unterschiedlicher Weise, so weit dies jetzt möglich ist. Auch haben wir uns auf Dinge konzentriert, die sonst zu kurz kommen und haben beispielsweise interne Fortbildungen gemacht. Leider werden wir immer wieder gebremst.

Gestern Abend habe ich erfahren, dass es in Tiruvannamalai im Ramana Maharshi Ashram auch COVID-Fälle gibt und einer der Küchenmeister daran verstorben ist. Einige von euch wissen, dass ich gerne dort im Ashram bin und dies ein Ort ist, der mir sehr am Herzen liegt. Heute Morgen hat die Pflanze zum ersten Mal wunderschön geblüht, deren Ableger ich vor zwei Jahren von dort (vom Skandashram, der Höhle oben auf dem Berg) mitgenommen hatte. Dies war für mich wie eine wunderbare Botschaft: "Alles wird gut!" Wir brauchen im Moment viel Vertrauen und Durchhaltevermögen. Dennoch bin ich jeden Tag dankbar hier in Auroville zu sein, wo wir gut versorgt sind und in einer wunderschönen Umgebung leben.

Hoffe ihr seid alle wohlauf!

Herzliche Grüße aus Auroville,

Angelika

 

Angelika Ehrle aus Deepam schreibt am 24.09.2020:

„Wir sind echt stolz auf unsere Dharani, von der die Stickerei auf dem Foto stammt. Sie ist inzwischen 23 Jahre alt und kommt zu Deepam seit sie zwei war. Leider hat sie ein Sturge-Weber-Syndrom, eine angeborene neurologische Erkrankung, die mit schwerer Epilepsie und anderen Komplikationen einhergeht. Ihre Eltern sind beide an HIV verstorben, und Dharani musste in ihrem Leben viele Schwierigkeiten und Traumata meistern. Glücklicherweise kümmert sich ihre ältere Schwester liebevoll um sie. Über die Jahre hat Dharani bei Deepam Krankengymnastik, Bildung, sowie medizinische und soziale Hilfen erhalten und hat unglaubliche Fortschritte gemacht. Zu normalen Zeiten betreuen wir sie in unserer Ganztagsgruppe und in unserem Werkraum. Ihre Stickerei aus der schwierigen aktuellen Zeit hat eine starke Botschaft: "Hallo, ich bin Dharani, ich vermisse die Deepam Schule und möchte euch alle wiedersehen. Wir werden gegen Corona gewinnen!"


Nichts ist für immer außer Veränderung

Unser Kooperationspartner Mr. Muni aus dem Mahabodhi International Meditation Centre in Ladakh berichtet, dass nach dem monatelangen Lockdown die Schulen und Colleges laut Regierung ab dem 15.10.2020 wieder öffnen dürfen.

Die lokalen Behörden werden in Kürze noch detaillierter entsprechende Anforderungen veröffentlichen, wir werden an dieser Stelle weiter darüber berichten. 

 

 


NOTHILFE COVID-19

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiv. Schon jetzt ist deutlich: Besonders betroffen sind die ohnehin Marginalisierten dieser Welt. Helfen Sie mit, insbesondere diese Menschen direkt zu unterstützen!

Ihre Spende im Rahmen der NOTHILFE COVID-19 wird für:

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  • Gesundheitsaufklärung
  • Lebensmittelhilfe
  • Seifen- und Desinfektionsmittelproduktion
  • das Nähen von Masken

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