Ghana: Geschichten und Berichte

Nachdem am 12. März die ersten beiden Corona-Infizierten in Ghana offiziell bestätigt wurden, verhängte Präsident Nana Akufo-Addo am 15. März Maßnahmen, um das Virus frühzeitig einzudämmen. Öffentliche Veranstaltungen, wie Beerdigungen, Gottesdienste, Workshops etc., wurden verboten und auch Schulen wurden weitestgehend geschlossen. Für Teile von Ghana trat zudem am 30. März eine dreiwöchige Ausgangssperre in Kraft.

Nach drei Wochen des Stillstands wurden am 20. April die ersten Maßnahmen wieder aufgehoben. Mittlerweile sind Kirchen und Moscheen wieder geöffnet. Öffentliche Versammlungen, Sportveranstaltungen und Konferenzen sind jedoch bis auf weiteres verboten. Auch Strände und Bars in geschlossenen Räumen bleiben geschlossen. In Schulen und Universitäten dürfen nur die Abschlussklassen unterrichtet werden. Voraussichtlich bleiben die Schulen bis zum Jahresende geschlossen. Reisen sind innerhalb Ghanas uneingeschränkt möglich und seit dem 1. September ist der international Flughafen in Accra wieder geöffnet. Im öffentlichen Raum besteht die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, auch im eigenen Auto.


Update vom 27. Mai 2020

Liebe Freund*innen von Baobab,

Ich hoffe allen geht es gut, so wie uns hier in Ghana auch. Die Pandemie ist zwar hier angekommen, aber sie verläuft weitgehend anders als in Europa, Amerika und vielen anderen Ländern. Wir haben zwar heute auch schon über 7000 positiv registrierte Fälle, wovon über 2000 Menschen inzwischen wieder gesund sind. Die Zahl der Toten ist beim heutigen Stand 34. Der Verlauf der Krankheit scheint ganz anders als in Europa zu sein. Nur wenige Fälle verlaufen schwer und dann meistens mit Vorerkrankungen. Viele sind nicht im Krankenhaus, sondern zuhause in Quarantäne. Ob es unter anderem daran liegt, dass sich hier das Leben weitgehend im Freien und nicht in geschlossenen Räumen abspielt, ob es am guten Immunsystem der Ghanaer liegt, am Klima, da wird noch gerätselt.

Die Regierung hat ihr Bestes getan und tut es noch. Natürlich kann man immer kritisieren, vor allem wenn man in der Opposition ist und in diesem Jahr auch noch Wahlen anstehen, aber weitgehend sind die Maßnahmen akzeptiert und haben sicher auch Schlimmeres verhindert.

In Ghana wird sehr intensiv auf die Länder in Europa geschaut, wie es dort verlaufen ist und was die Maßnahmen sind. Deutschland wird immer als gutes Vorbild erwähnt, aber was sie im Augenblick aus Deutschland in den Social Media sehen und lesen löst Verwirrung aus.

Ich wünsche allen weiterhin gute Gesundheit, Geduld und viele Kontakte im Rahmen des Möglichen.

Ganz herzliche Grüße aus Ghana Edith de Vos


Baobab Children Foundation unter Covid-19 in Ghana

Edith de Vos ist Geschäftsführerin der ghanaischen Baobab Children Foundation, Herzstück der Organisation ist das Jugendausbildungszentrum. Das Ausbildungszentrum soll insbesondere Kindern und Jugendlichen aus finanziell schwachen Familien eine Chance auf Bildung bieten.
Am 3. Mai berichtete uns Edith de Vos von der Situation in Ghana und den Auswirkungen von Covid-19:

Baobab Children Foundation unter Covid-19 in Ghana

Covid-19 erreichte Ende Februar auch Ghana. Inzwischen haben wir 2.074 bestätigte positive Fälle und 19 verstorbene Patienten. Nach einem 3-wöchigen Lockdown der Hotspots Accra, Kumasi, Tema und Kasoa, läuft jetzt alles wieder wie vorher – Nur mit strengen Auflagen: Hände haben wir schon überall Ende Februar gewaschen, Social Distancing, weniger Passagiere in Kleinbussen „Trotros“ und Taxis. Seit neustem besteht auch eine Maskenpflicht - „ You have it, you enter!“ - ohne Maske geht gar nichts mehr. Auf Märkten auf dem Land ist das aber alles noch nicht so wirklich angekommen. Dort sieht man noch sehr wenig Masken und auch kein Social Distancing.

Mitte April wachten wir aus der Schockstarre auf. Sie entstand Mitte März, nachdem die Schulen endgültig geschlossen wurden und alle unsere Gäste, vorwiegend Freiwillige und Touristen, abreisen mussten. Nachdem das Baobab Haus vier Wochen geschlossen war, wollten wir aktiv werden und etwas tun. Zunächst stand die Renovierung unseres Hauses an, da es keine Gäste gab und dadurch im ganzen Haus renoviert werden konnte. Nun strahlt das historische Haus in alter Pracht und die Gäste könnten kommen. Unsere Überlegung ging weiter: 15 Menschen arbeiten im Baobab Haus und müssen am Ende des Monats bezahlt werden. Im April hat das nun die Baobab Foundation übernommen.

Es wurden Mitarbeiter*innen zurückgerufen, nachdem sie vier Wochen lang Zuhause waren.  Neun von ihnen sind ehemalige Schüler*innen der Baobab Schule.  Unsere Mitarbeiterinnen haben den Vorteil, dass auch sechs das Schneidern gelernt haben, auch wenn sie im Restaurant als Köchinnen oder Serviererinnen arbeiten oder den Laden leiten. Zusammen mit der hauptberuflichen Schneiderin Mariama begannen sie, Gesichtsmasken zu nähen, da es absehbar war, dass es auch in Cape Coast eine Maskenpflicht geben würde. Diese Masken sollten im wiedereröffneten Laden zum Selbstkostenpreis von 3 Ghana Cedis (50 Cent) verkauft werden.

Die Schule sollte sich auch beteiligen. Ende April waren die Osterferien zu Ende und wir riefen die Schneider- Lehrer*innen und Prüfungsschüler*innen zurück. 500 Gesichtsmasken sollen zunächst einmal genäht werden, um sie der armen Bevölkerung in unseren Dörfern zu spenden. Auf dem Land ist weder Social Distancing zu beobachten noch tragen die Marktfrauen, Taxifahrer und Traders Masken. 5 GHC kostet uns eine Maske, damit auch das Essen für die produzierenden Schüler*innen finanziert ist. 400,- € kostet uns diese Aktion insgesamt.

Nun hörte ich im Radio, dass das Metropolitan Hospital in Cape Coast zum Behandlungshospital für Covid-19 Fälle erkoren wurde und der Teamleiter um Spenden bat. Sie brauchen alles: Eimer, Mobs, Seife, Putzmittel, Papierhandtücher, Toilettenpapier, Servietten, Desinfektionsmittel und ….. gesundes Essen für die Kranken. Da horchte ich auf, haben wir doch das Vegetarische Moringa Restaurant im Baobab Haus. Sofort besprach ich die Notsituation mit unserer Küchenchefin und der Managerin. 3x die Woche könnten wir doch zehn Essen und zehn Moringasäfte spenden. Gesagt, getan!
Ab dem 4.Mai beginnen wir. Das Krankenhaus ist sehr glücklich über diese Initiative. Und auch wir sind froh, dass wir helfen können.
500 Essen/Säfte/Wasser haben wir uns vorgenommen. Je Essen + Saft + Flasche Wasser rechnen wir mit 30 Ghana Cedis - 5 €. Diese Aktion wird uns also 2.500,- € kosten.

Für 500 Gesichtsmasken und 500 Essen mit Säften und Wasser bräuchten wir 2.900-, €
WIR HELFEN – DANK IHRER SPENDE

Update: Nachdem wir diese Nachricht von Edith de Vos erhalten haben, hat die Baobab Children Foundation sich (wegen des hohen Bedarfs) dazu entschieden sogar jeden Tag frisch für das Krankenhaus zu kochen. Zudem hat die Foundation begonnen roten Reis an ihre Schüler*innen zu verteilen. Bei den Hausbesuchern erfahren sie auch, wie es den Schüler*innen in dieser Zeit geht.

Arbeit der Baobab Children Foundation in Zeiten von Corona


NOTHILFE COVID-19

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiv. Schon jetzt ist deutlich: Besonders betroffen sind die ohnehin Marginalisierten dieser Welt. Helfen Sie mit, insbesondere diese Menschen direkt zu unterstützen!

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