El Salvador: Geschichten und Berichte

Im kleinen mittelamerikanischen Staat El Salvador mit seinen ca. 7 Millionen Einwohner*innen verhängte Präsident Nayib Bukele am 21. März einen landesweiten Lockdown, der als einer der striktesten in Lateinamerika eingestuft wurde. Die Regierung ging scheinbar davon aus, dass sich die Bevölkerung nur an die Corona-Eindämmungsmaßnahmen hielte, wenn diese mit der Verbreitung von Angst - über die nationalen Fernseh- und Radiokanäle - sowie mit Gewalt - über staatliche Sicherheitskräfte - durchgesetzt würden. Verstöße gegen die Quarantäneregeln wurden mit bis zu einem Monat Haft sanktioniert. Im Mai saßen daher mehr als 4.000 Menschen, die von Polizei- oder Armee-Einheiten auf der Straße aufgegriffen wurden, in neu eingerichteten „Eindämmungszentren“ in Haft.

Das Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung von Armut betroffen ist, und das von gewaltsamer Jugendbanden-Kriminalität sowie von Massenmigration – insbesondere in die USA – gekennzeichnet ist, war auf die Corona-Pandemie schlecht vorbereitet. Das Angebot zur Gesundheits- und Notfallversorgung ist mit Ausnahme der Hauptstadt San Salvador insbesondere in ländlichen Gebieten unzureichend. Das medizinische Personal war einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt und stieß schnell an die Grenzen seiner Kräfte. Das Johns Hopkins Coronavirus Resource Center verzeichnete am 2. November 2020 34.015 Infizierte und 983 im Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbene. Diese Zahlen sind allerdings mit äußerster Vorsicht zu betrachten, da die Testkapazitäten in El Salvador sehr klein sind und viele Verstorbene nicht nachträglich auf eine Covid-19-Infektion getestet werden. Auffallend viele Krankenhausakten von Verstorbenen in den vergangenen Monaten weisen etwa „Lungenentzündung“ als Todesursache aus.

Über sechs Monate war die Ein- und Ausreise auf dem Land- und Luftweg in El Salvador untersagt. Mithilfe der Aufnahme eines zwei Milliarden-Kredits verteilte die Regierung eine einmalige finanzielle Beihilfe von 300 US-Dollar an bedürftige Familien und setzte Abschlagszahlungen für Wasser, Strom und Telekommunikation sowie Steuern für drei Monate aus. Im Juni zogen zwei Tropenstürme über El Salvador und beeinträchtigten den ohnehin durch die Pandemie erschwerten Zugang zu Lebensmitteln weiter. Ab Mitte Juni wurden die Corona-Maßnahmen stufenweise gelockert, um die Wirtschaft wieder hochzufahren. Dies ging mit einer wieder leicht steigenden Zahl an Neuinfektionen einher. Am 19. September öffnete schließlich der internationale Flughafen in San Salvador wieder, und auch auf dem Landweg können die Landesgrenzen wieder passiert werden.

In den vergangenen Monaten haben wir regelmäßig Informationen mit unseren Partner*innen des Kinderzentrums El Zaite in El Salvador ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Schreiben von Heike Kammer an Spender*innen vom 25.10.2020

Liebe Spender und Spenderinnen,

Nun erleben wir die Coronakrise schon über ein halbes Jahr. In El Salvador sind derweil wieder Märkte und Geschäfte geöffnet, es fahren wieder einige Busse, die Ausgangssperren sind aufgehoben. Viele Betriebe haben aber nicht wieder geöffnet. Auch Familien der Mittelschichten haben Einkommen verloren und stellen keine Gärtner und Hausmädchen mehr an, dazu kommt die Angst vor dem Coronavirus. Kurz gesagt, viele Familien sind weiterhin ohne Einkommen. Schulen und Kitas bleiben mindestens bis 2021 geschlossen.

Rund um das Kinderzentrum in El Zaite organisieren sich die Leute, vor allem die Frauen. Es gibt Kurse zu Familiengärten, zum Bau von Pinatas, seelisch psychologische Begleitung und die monatliche Essensverteilung an 94 besonders bedürftige Familien.

Die Jugendgruppe „Tu decides – du entscheidest“, deren Themen sich um Familienplanung und  Sexualerziehung bewegen, kann sich auch wieder treffen. Sie haben kleine Videos produziert mit Interviews über das Erleben der Jugendlichen in der Coronakrise und podcasts, die über Radio verbreitet werden, um die Zunahme familiärer Gewalt anzuklagen und Opfer zu ermutigen, sich zu wehren. Frauenmorde und Kindesmisshandlungen sind auch verheerende Begleiterscheinungen der Coronamassnahmen.

In jedem Zusammentreffen wird auf strengste Maskenpflicht geachtet, das Virus wird ernst genommen. Es sind auch einige Infektionsfälle in El Zaite bekannt, auch Todesopfer. Sandra und Martita, die beiden ErzieherInnen, unterrichten die Kinder via WhatsApp im Smartphone. Notfalls machen sie auch Hausbesuche. Wir haben ein paar Videoclips bekommen. Das schönste ist vom Sportunterricht, den Sandra jeden Freitag anbietet.

Ich bin sehr froh darüber, das die Familien in El Zaite, sich weiterhin rund um das Kinderzentrum organisieren und Wege finden, mit der Krise umzugehen, und das wir mit euch zusammen diese Familien unterstützen dürfen.

Mit euren bisher eingegangenen Spenden können wir bis Jahresende die monatliche Verteilung von Grundnahrungsmitteln finanzieren. Ein Teil der Lebensmittel wird jetzt von Convoy of Hope gespendet und der Rest wird von unserem Geld gekauft.

Wir sammeln weiterhin Spenden, da die Unterstützung sicher noch länger notwendig sein wird.
Ganz vielen Dank und gute Gesundheit.
 
Heike Kammer (Milanomi Friedensstiftung)


Schreiben von Carlos Díaz vom 04.09.2020

Guten Tag,

ich sende euch ein paar Neuigkeiten von unserer Seite: Mit den Spenden aus Deutschland haben wir seit Beginn der Pandemie bis zum Juni 150 Familien mit Essenskörben versorgen können. Die Pakete beinhalteten je 2 Pfund Bohnen, 2 Pfund Zucker, 5 Pfund Reis, ein Pfund Nudeln, Toilettenpapier, Masken, Öl und Milch. Die eingegangenen Spenden reichen aus, um 94 Familien, die pandemiebedingt nach wie vor kein eigenes Einkommen erwirtschaften können, zwischen den Monaten Juli bis Dezember weiter zu unterstützen. Die Essenskörbe werden dann weiterhin mit je 2 Pfund Zucker, 2 Pfund Bohnen, einer Flasche Öl bestückt; hinzu kommen je ein Karton mit Eiern und ein Pfund Hartkäse. Glücklicherweise unterstützt uns seit kurzem auch eine US-Hilfsorganisation namens „Convoy of Hope“ mit monatlich 5 Pfund Reis und 2 Pfund Trockenfrüchten für jede der 94 Familien.

Für einige Familien haben wir dringende Medikamente besorgt, darüber hinaus auch Vitamin C-, Zink- und Paracetamol-Tabletten sowie Masken. Mit der lokalen Gesundheitsstation haben wir uns eng abgestimmt, um den Zustand der mit Covid-19 infizierten Menschen zu überwachen und gegebenenfalls Hilfe zu organisieren. Einen kleinen Teil der Spenden verwenden wir für Treibstoff und Transport, um die Lebensmitteleinkäufe zu organisieren und die Versorgungskörbe zu verteilen.

Nach der Lockerung vieler Quarantänemaßnahmen sind einige Unternehmen, Einkaufszentren und Kirchen wieder geöffnet, auch öffentliche Verkehrsmittel fahren wieder. Die Schulen und Universitäten bleiben aber geschlossen.

Alle privaten und staatlichen Krankenhäuser und Gesundheitsstationen kümmern sich ausschließlich um Covid-19-Patienten. Andere Patienten mit schweren oder chronischen Leiden werden nicht behandelt. Auch diese Menschen sterben. Und ohne Test ist es hinterher unmöglich zu bestimmen, was die genaue Todesursache war. In manchen Todesakten steht dann: „Verdacht auf Covid“.

Das Problem ist auch, dass die Regierung über das Gesundheitsministerium die Informationslage zentralisiert und unter Kontrolle hält. Sie bestimmt eigenmächtig, was die Bevölkerung erfahren soll und was nicht. Alle Entscheidungen fallen ohne Einbeziehung der Expertise und Hilfsangeboten von befreundeten Staaten, renommierten Universitäten oder Nichtregierungsorganisationen. Die Hilfsangebote von Kuba, China und Russland wurden scheinbar nicht angenommen. Stattdessen kam eine kleine Delegation aus Spanien. Hierbei handelte es sich jedoch um Sanitäter, nicht aber um Lungenfachärzte oder Internisten. Und die offiziellen Covid-19 Infizierten- und Todeszahlen, die das Gesundheitsministerium veröffentlicht, sind sehr ungenau. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Zahlen höher sind.

Erwähnenswert ist auch, dass die Pandemie die gewalttätigen Jugendbanden gewissermaßen „neutralisiert“ hat. Die Mordrate ist drastisch gesunken. Dafür sind wegen der geschlossenen Landesgrenzen die Lebensmittel knapp geworden und die Preise stiegen entsprechend. Verarbeitete Lebensmittel und andere Gegenstände werden rar, stattdessen zirkulieren mehr Rohstoffe.

Unser Team in der Gemeinde El Zaite arbeitet so gut es geht weiter. Die Mitarbeiter*innen koordinieren ihre Aktivitäten bei Treffen in Kleinstgruppen oder auf virtuellem Weg. Im Kinderzentrum El Zaite findet die pädagogische Arbeit entweder über virtuelle Kommunikation oder über Besuche der Erzieher*innen bei Kindern, deren Familie kein Mobiltelefon hat, statt. Die Erzieher*innen kommen dazu montags, mittwochs und freitags ins Zentrum, bereiten Materialien als „Hausaufgaben“ vor und begleiten pädagogisch die Kinder und ihre Eltern. Auch die Hausaufgabenhilfe für Grundschüler*innen kann weiterhin angeboten werden – virtuell oder im direkten Gespräch. Die Mitglieder der Frauengruppe arbeiten von zu Hause aus mit einem Arbeitsleitfaden zu den Themen geschlechtsspezifische Gewalt, Selbstfürsorge, Trauerannahme und Entspannung. Sie tauschen sich wöchentlich aus und werden dazu von den beiden Gruppenleiterinnen Sonia und Josefa betreut. In ähnlicher Weise arbeiten die Gruppe der heranwachsenden Mädchen und die Jugendgruppe zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit unter Einhaltung der Pandemie-Regeln weiter. Die einzige Bereich, der zurzeit ruht, ist das Gemeinderadio. Wir hoffen sehr, dass es ab Oktober wieder aktiviert werden kann.

Schreibt mir gerne, wenn ihr Fragen habt. Bis bald,
Carlos Díaz


Update vom 04.08.2020

Nach fünf Monaten der Schliessung öffentlicher Märkte, wirtschaftlicher Aktivitäten, öffentlicher Verkehrsmittel, von Schulen und Kirchen, nimmt die Zahl der Infektionen weiter zu. Laut Daten der Regierung  verzeichnet El Salvador aktuell 18.262 Fälle von Covid-19-Erkrankten; 8.822 davon sind weiterhin aktiv, 486 Menschen sind verstorben und 8.954 genesen.

Die Daten stimmen allerdings nicht überein mit den Berichten des Ärzteverbands, Vereinen und Stadtverwaltungen. Es wurden in dieser Zeit weit mehr Beerdigungen auf städtischer Ebene registriert als die Nationalstatistik hergibt. Die Friedhöfe und die wenigen öffentlichen Krankenhäuser sind am Zusammenbrechen.

Wie alle anderen Regierungen zuvor, versucht auch die aktuelle Regierung, aus einer Naturkatastrophe (Tropensturm Amanda – Anfang Juni) und einer von Menschen verursachten Katastrophe (Pandemie) politischen Profit zu schlagen, insbesondere mit Blick auf die nächsten Wahlen, die im Februar 2021 stattfinden sollen. So erfahren die Bürger*innen gerade nichts von den internationalen Hilfen, die El Salvador erhält; oder von dem Diebstahl, der in einigen Ministerien vor sich geht; oder von den Millionenkrediten von Banken; oder aber von den Verzögerungen der Gehaltszahlungen an das Gesundheitspersonal, das an der ersten Front die Pandemie bekämpft.
Erneut sind es die Armen, besonders die Kleinbäuer*innen, die Kinder, die Jugendlichen und die Frauen, die am stärksten unter der Situation leiden. Seit fünf Monaten können viele Frauen und Männer ihrer Arbeit nicht nachgehen. Die Ernten gingen verloren, da sie nicht auf den Märkten verkauft werden konnten, der öffentliche Verkehr stillsteht und Märkte geschlossen sind.
Um die besonders bedürftigen Familien zu unterstützen, leisten wir mit dem Frauenkollektiv psychologische Beratung und Begleitung beim Thema Selbstschutz und Trauer. Gleichzeitig fördern wir den Gemüseanbau in Familiengärten, und wir verteilen solidarische Essenskörbe. In einzelnen Fällen besorgen wir auch dringend benötigte Medikamente.

Zuletzt haben wir am 31. Juli 94 Essenskörbe an die am stärksten betroffenen Familien der Gemeinde El Zaite verteilt. Im Korb befinden sich Reis, Soja, Trockenfrüchte, Eier, Zucker und Käse. Die Verteilung organisieren wir in kleinen Gruppen von max. 5 Personen und mit den nötigen Sicherheitvorkehrungen (Abstand, Handdesinfektion), und die Familien bestätigen durch eine Unterschrift den Erhalt der Lebensmittel. Neben den Spenden aus dem Stiftungsfonds Milanomi (Frau Heike Kammer) haben wir zu diesem Zweck auch Spenden von Convoy of Hope eingesetzt. Wenn möglich, würden wir gerne die monatliche Verteilung von Essenskörben bis zum Dezember 2020 fortsetzen.

Das Land soll mindestens bis zum 20. August in diesem Lockdown bleiben. Danach will die Regierung in fünf Stufen die Wirtschaft wieder hochfahren. Das hieße, dass ab dem 4. Oktober die verschiedenen wirtschaftlichen Sektoren wieder wie vor der Pandemie in Betrieb sein sollten, - sofern es das Infektionsgeschehen erlaubt.

Wir danken euch und Ihnen im Namen aller begünstigten Familien für die Solidarität, die ihr uns seit März diesen Jahres entgegenbebracht habt / haben, denn neben dem Coronavirus wütete Anfang Juni auch der Tropensturm Amanda bei uns. Diese Hilfe ist sehr wertvoll. Dank Menschen wie euch / Ihnen ist eine andere Welt möglich.


Update vom 10.04.2020

Drei Vertreterinnen des Frauenkollektivs der Gemeinde El Zaite (Sonia, Josefa und Deysi) und die zwei Erzieherinnen des Kinderzentrums El Zaite (Sandra und Marta) haben mit Unterstützung der Katastrophenschutzbrigaden die Lieferung der 25 ausstehenden Lebensmittelkörbe am 8. April organisiert. Die Brigaden ermöglichten den Personen die Fortbewegung in der Gemeinde, da man sich ansonsten nicht frei bewegen. Ich füge auch diesmal wieder Fotos der Empfängerfamilien bei.

Seit Beginn der Quarantäne hat die Regierung den einen Slogan : "STAY AT HOME" als Präventivmaßnahme ausgegeben. Aber für die Menschen ist mit diesem Slogan ein großes Problem verbunden, nämlich, nicht ihrer täglichen Arbeit nachgehen zu können. Die Märkte sind geschlossen und der gesamte Handel gelähmt.

Zugleich steigen die Zahlen der Menschen, die an Covid 19 erkranken, daher ordnete die Regierung weitere zwei Wochen, bis Anfang Mai, die Quarantäne und Notstandsmaßnahmen verlängert.

Wir sehen, dass Familien psychisch unter der Situation leiden, Angst und Frustration machen sich breit. Wir hoffen, dass sehr bald alles vorbei sein wird und dass wir zur Normalität zurückkehren werden.


65 Familien erhalten Lebensmittel

Update von Carlos Díaz am 07. April 2020

„Glücklicherweise hat uns die Polizei eine Erlaubnis erteilt, nach den Einkäufen im Supermarkt die Familien zu besuchen und ihnen die Versorgungskörbe auszuhändigen. Rund 40 davon haben wir schon ausgeteilt, morgen, am 8. April, werden wir weitere 25 Körbe an bedürftige Familien in der Gemeinde verteilen können. Bis morgen werden wir damit insgesamt 65 Versorgungskörbe übergeben haben. Ich nutze die zwei Stunden, in denen ich eine Internetverbindung habe, um euch davon zu berichten und ein paar Fotos von den Familien zuzusenden.“


680 bedürftige Familien

Update von Carlos Díaz am 05. April 2020

„Die Erzieherinnen Marta Mendoza und Sandra Peña stehen in engem Kontakt mit der Frauengruppe der Gemeinde El Zaite. Sie berichten, dass es sehr schwer ist, auf die Straße zu gehen, da die Polizei patroulliert. Menschen, die in einem Auto fahren, werden angehalten, herausgeholt und unverzüglich in ein Quarantänezentrum gebracht. Ständig gibt es Stromausfälle, auch das Wasser wird abgestellt. Ungeachtet dessen versuchen wir vom ersten Tag der Ausgangssperre die Menschen vor Ort zu unterstützen, sie leiden insbesondere unter dem Mangel an Lebensmitteln.

Ich habe dankenswerterweise den Brief der Zukunftsstiftung Entwicklung erhalten, in welchem bestätigt wird, dass ich der Leiter des Kinderzentrums bin und dass ihr darum bittet, zur Abhebung der überwiesenen Spenden zur Bank gehen zu dürfen. Dieses Dokument hilft mir sehr und ermöglicht mir, mich für die wichtigsten Koordinationsgänge fortzubewegen.

Meine Mitarbeiterinnen Marta und Sandra berichten, dass in der Gemeinde El Zaite insgesamt 680 Familien leben. Eigentlich sind die meisten von ihnen bedürftig und leiden an der Lebensmittelknappheit. Natürlich können wir nicht allen helfen. Zunächst unterstützen wir die Familien, deren Kinder im Kinderzentrum betreut werden. Mit den übrigen Spenden möchten wir Familien unterstützen, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Alleinerziehende Mütter
  • Keine fester Arbeitsplatz
  • Familie lebt mit älteren Angehörigen in einem Haus
  • Der Familie gehören Personen mit Behinderungen an“

Förderung bedürftiger Kinder und Familien

Das Kinderzentrum El Zaite in der Gemeinde Zaragoza, El Salvador, betreut ganztägig 50 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren aus Familien, die in wirtschaftlich sehr armen Verhältnissen leben, und die von familiärer Desintegration aufgrund von Bandengewalt betroffen sind. Die Pädagogik unterscheidet sich sehr vom Curriculum öffentlicher Kindergärten in El Salvador: Das Miteinander zwischen Erzieherinnen, Eltern und Kindern wird gefördert, um ein gesundes und harmonisches Umfeld für die Kinder zu schaffen. Spiele und Kunst, Gesundheit und Ernährung, die Vermittlung von Kompetenzen an die Eltern sowie Aktivitäten mit der Gemeinde sind zentrale Bestandteile des integralen Konzeptes des Zentrums. Zwei Erzieherinnen, zwei Mütter, die den Erzieherinnen assistieren, eine Köchin und eine Küchenhilfe, die wiederum Mutter eines betreuten Kindes ist, sowie ein Gärtner, arbeiten im Kinderzentrum El Zaite.

Förderung bedürftiger Kinder und Familien

Am 26. März 2020 berichtete uns Carlos Díaz, Leiter des Kinderzentrums „El Zaite“ in Zaragoza, das erste Mal von der Lage in El Salvador und den Auswirkungen der Ausgangssperre auf die Arbeit vor Ort:

„Ich sende euch hier eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Situation in El Salvador, insbesondere was das Kinderzentrum El Zaite und seine Arbeit anbetrifft.
Am Donnerstag, dem 12.03.2020, verkündete die Regierung die anstehenden Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Covid 19-Virus. Ab dem 13.03.2020 gilt landesweit eine Quarantäne. Die Regierung hat verfügt, dass alle Menschen zu Hause bleiben sollen und nur noch für Lebensmitteleinkäufe oder Medikamentenbesorgungen in Apotheken die Straßen betreten dürfen. Wir mussten also das Kinderzentrum schließen, um die Familien, und insbesondere die Kinder, schwangere Frauen und Großeltern nicht zu gefährden. Es herrscht allgemeine Verunsicherung in der Gemeinde. Die Sorgen sind besonders groß bei den Familien, die auf ihren täglichen Lohn angewiesen sind (zum Beispiel diejenigen, die Dienstleistungen in Häusern und Gärten verrichten und pro Tag einen Lohn von ca. 8.00 US-Dollar (ca. 7,40 Euro) ausbezahlt bekommen). Die Schwierigkeiten vervielfachen sich bei den Familien, die Angehörige mit Behinderungen haben.

Ich bin nun auch zu Hause und stehe in Verbindung mit Sandra Peña, der Erzieherin für die Kinder im Alter von vier und fünf Jahren, sowie mit Marta Mendoza, der Erzieherin der Sechsjährigen. Wenn keine Polizeistreifen zu sehen sind, versuchen sie, die Familien aufzusuchen und sie nach ihren dringendsten Bedürfnissen zu befragen. Den Familien fehlen Lebensmittel, Trinkwasser und Schutzmasken. Da auch die meisten Arbeiter der Elektrizitätswerke zu Hause bleiben müssen, kommt es zu langen Stromausfällen.

Wenn ich es auf einen Nenner bringen soll: Wir versuchen, die 50 Familien, deren Kinder in normalen Zeiten im Zentrum El Zaite betreut werden, bei der Deckung ihrer Grundbedürfnisse zu unterstützen.

Wir hatten im Zentrum noch Reserven an Reis, Soja und Weizen, und daher fassten wir den Entschluss, in einem ersten Schritt diese Reserven an die Familien zu verteilen. Leider musste mich Marta darüber informieren, dass diese Reserven nur für 26 Familien gereicht haben.

Wenn die Maßnahmen und Repressionen gegen das Volk so weitergehen wie angekündigt, dann werden wir noch mindestens bis zum 13. April durchhalten müssen. Doch bis dahin sind es noch mehr als 15 Tage! Sofern das alles so stimmt, könnten wir das Kinderzentrum am 14. April wieder öffnen. Doch mit Sicherheit kann man das noch nicht sagen.

Bis dahin konzentrieren wir uns auf die Versorgung der Familien mit den notwendigsten Gütern wie etwa Trinkwasser, Bohnen, Reis, Öl, Zucker, Seife, Toilettenpapier und Streichhölzer. Die Erzieherinnen Sandra Peña und Marta Mendoza sind nun dazu übergegangen, Einkäufe in einem Supermarkt zu tätigen und Körbe in einem Wert von 15 US-Dollar (ca. 13,90 Euro) zusammenzustellen, die jeweils eine Familie für etwa 10 Tage mit dem Nötigsten versorgt. Hierzu gehören folgende Dinge: 1 Liter Öl, Nudeln, 2 Kilo Bohnen, 2 Kilo Zucker, 1 Büchse Sardinen, 5 Tüten Fertigsuppe,1 Packung Klopapier, 1 Stück Seife, 1 Schachtel Streichhölzer.

Bitte passt auch euch auf. Ich hoffe, dass wir weiter in Kontakt bleiben. Wenn von mir mal keine elektronische Nachricht kommen sollte, dann liegt das an der fehlenden Internetverbindung oder am fehlenden Strom.

Carlos Díaz“



Die Mitarbeiter*innen des Kinderzentrums „El Zaite“ verteilen Lebensmittel

Projektinformationen

Gefördert wird dieses Projekt aus Mitteln der Milanomi Friedensstiftung, die von Frau Heike Kammer, Menschenrechtspreisträgerin der Stadt Weimar (1999), ins Leben gerufen wurde (https://heike-kammer.jimdofree.com). Die Zukunftsstiftung Entwicklung leitet Spenden, die Frau Kammer über ihre Stiftung sammelt, vollumfänglich an das Kinderzentrum weiter und begleitet die Umsetzung des Projektes.

Angesichts der von Carlos Díaz geschilderten Situation hat Frau Heike Kammer einen Spendenaufruf geschaltet, damit die Versorgung mit Essenskörben an die Betroffenen Familien weitergeführt werden kann, solange die Einschränkungen des täglichen Lebens aufgrund der COVID-19-Pandemie in El Salvador weitergehen. Die Spenden werden auf dem folgenden Konto gesammelt:

Zukunftsstiftung Entwicklung
IBAN:   DE05 4306 0967 0012 3300 10 - GLS Bank
Betreff: milanomi friedensstiftung/El Zaite, Essenskorb




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