Brasilien: Geschichten und Berichte

Neben den bedrückenden Nachrichten über Ausgangssperren etc., die die brasilianische Regierung zur Eindämmung einer möglichen Ausbreitung des Corona-Virus angeordnet hat, erreichen uns vermehrt Nachrichten über einen irritierenden Umgang Jair Bolsonaros mit der Pandemie.

Aus Brasilien haben wir in den vergangenen Tagen einige E-Mails mit unserer Partnerorganisation Monte Azul ausgetauscht, einige möchten wir gerne mit Ihnen teilen.



Doch genau jetzt ist die Zeit, füreinander da zu sein!

Die Mitarbeiter*innen der Associação Comunitária Monte Azul, die sich für die Integrale Slumentwicklung in São Paulo einsetzten, arbeiten bereits seit Mitte März, soweit irgend möglich, im Home-Office. Am 20. März berichtete uns eine Mitarbeiterin:

„Die öffentlichen Schulen und Kindergärten sind schon geschlossen und an den Unis findet auch keine Vorlesung mehr statt. Schulen öffnen nur noch über die Mittagszeit, um Mittagessen für die Schüler anzubieten. Wir machen das auch.
Die öffentlichen Transportmittel sind weniger belegt und dennoch sind unglaublich viele Menschen auf den Straßen. Viele können es sich einfach nicht leisten, zu Hause zu bleiben oder haben nicht die Möglichkeit, Home-Office zu machen.   
Schon seit gestern sind unsere Programme nur wenig besucht. Das ist gut, d.h., die Informationen sind bei den Eltern angekommen und sie treffen schon die entsprechenden Maßnahmen. Hier geht es ja gerade erst los.“

Doch genau jetzt ist die Zeit, füreinander da zu sein!

„Liebe Freundinnen und Freunde,

die derzeitige Entwicklung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus trifft auch die Associação Comunitária Monte Azul. Noch stammen die vermeldeten Zahlen der bestätigten Corona Fälle aus den oberen Einkommensschichten Brasiliens, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis der Virus auch seinen Weg in die Favelas gefunden hat.

Jeden Tag werden neue Fälle bekannt. Besonders die Menschen in den Armenvierteln sind dem Corona-Virus hilflos ausgesetzt, da eine ausreichende medizinische Struktur fehlt und die Gesundheitsstationen schon vor der Verbreitung des Corona-Covid19-Virus chronisch überfüllt waren und es sehr lange Wartezeiten gibt.

Auch die notwendigen Abstände und die soziale Isolation können nicht eingehalten werden, da viele Großfamilien mit mehreren Generationen auf engstem Raum leben. Wie können sich Menschen, die der Risikogruppe angehören, schützen, wenn sie in einer 10-köpfigen Familie auf 25m2 in zwei Zimmern leben müssen?  Alkohol bzw. Desinfektionsmittel oder von Zuhause aus zu arbeiten sind dort purer Luxus. Viele Familien haben nicht einmal die Möglichkeit, sich Lebensmittelvorräte anzuschaffen, da das nötige Einkommen fehlt.

Noch können wir nur erahnen, wie schlimm das Ausmaß sein wird. Doch der Schutz unserer betreuten Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen, aber auch unserer Mitarbeiter*innen, hat absolute Priorität.
Daher haben wir seit Anfang letzter Woche (23.03.2020) folgende Maßnahmen getroffen:

  • Die Öffnungszeiten der Gesundheitsstationen des Familiengesundheitsprogrammes Estrategia de Saúde e Família (ESF) werden verlängert, sieben Tage die Woche von 8 bis 22Uhr.
  • Für die bedürftigen Familien der Region werden Grundnahrungsmittel zur Verfügung gestellt.
  • Das Gesundheitszentrum Ambulatório und das Geburtshaus Casa Angela bleiben weiterhin geöffnet.
  • Angebote von Onlinematerial zur Stärkung der Immunität, der Lungen und Übungen für ein besseres Allgemeinbefinden.
  • In allen Programmen wird auf eine besondere Hygiene geachtet.
  • Ältere Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen, die in die Risikogruppe fallen, wurden von der Arbeit freigestellt.
  • Mitarbeiter*innen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sollen, wenn möglich, zu Hause bleiben.
  • Alle Freiwilligen werden in ihre Heimatländer zurückgeschickt.
  • Alle Veranstaltungen und Gruppentreffen wurden abgesagt.
  • Aufgrund der städtischen Verordnung haben wir unsere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bzw. sehr stark eingeschränkt.

Das Coronavirus hat uns alle überraschend getroffen, es ist eine vollkommen neue Situation. Angst und Unsicherheit prägen derzeit unseren Alltag und besonders die Menschen in den ärmeren Regionen trifft es sehr hart.

Doch genau jetzt ist die Zeit, füreinander da zu sein!

Gemeinsam können wir der Corona-Pandemie etwas entgegensetzen: Unsere Vernunft und unsere Menschlichkeit.

Helfen Sie uns in dieser schwierigen Zeit. Durch ihre Spende können wir vielen Menschen in dieser prekären Situation helfen und deren Lebensumstände verbessern!

Wir alle können etwas tun!

Lassen Sie uns jetzt zusammenhalten. Bleiben Sie zu Hause und achten Sie auf sich selbst und ihre Familie.“


Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel für Bewohner*innen der Favela

Update von ACMA vom 14.04.2020

"Liebe Mitarbeiterinnen der ZSE,

während so gut wie alle Programme der Organisation geschlossen sind, verteilt die ACMA Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel an Bewohner*innen in der Favela. Von unserem Partner Weleda haben wir Flüssigseife bekommen. Ein Team aus dem Gesundheitszentrum (Ambulatório) hat die Produkte letzten Freitag an die Favelabewohner*innen von Monte Azul verteilt. Anbei finden Sie einige Fotos von diesen Aktivitäten.
 
Als ein Zeichen von Respekt und Dankbarkeit gab es für das Personal der  Gesundheitsprogramme eine ganz besondere Überraschung zu Ostern: Es wurden viele kleine Geschenke verteilt.  Außerdem haben sich die beiden Gründerinnen von Monte Azul, Renate Keller Ignacio und Ute Craemer mit einem Video bei diesen Menschen bedankt: Link zum Video.

Nicht zuletzt starteten wir auch verschiedene Spendenkampangnen hier in São Paulo.

Schöne Grüße aus Brasilien!"

Möchten Sie explizit für die Nothilfe von ACMA spenden, wählen sie im Online-Spendenformular den Verwendungszweck "Nothilfe COVID 19 ACMA (F 122 I)" aus.

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ACMA verteilt Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel an Bewohner*innen in der Favela

Bedingungsloses Grundeinkommen in Zeiten von Corona

Von Bruna Augusto, die gemeinsam mit Marcus Brancaglione 2008 den Versuch starteten, Familien durch ein Grundeinkommen zu unterstützen, erhielten wir am 8. April 2020 folgende Nachrichten:

"Wie geht es euch allen in Bochum? Seid ihr gesund? Arbeitet ihr von zu Hause aus? Hier in Brasilien werden wir in diesem Monat wahrscheinlich eine große Infektionswelle erleben. Es sind bereits drei Wochen, in denen wir zu Hause bleiben müssen, aber immer noch arbeiten viele Menschen unverdrossen und so gut es eben möglich ist weiter.

Ausgerechnet in diesen Zeiten wird weltweit das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert. Das Institut ReCivitas erhält in diesen Tagen zahlreiche Anfragen von Institutionen und Organisationen, und wir helfen sehr gerne und klären auf. Wir übermitteln ihnen unser Informationsmaterial und Analysen zum Grundeinkommen, und wir tun dies sehr gerne, denn die aktuelle Krise verdeutlicht aus unserer Sicht, dass ein Zugang zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für sehr viele Menschen sinnvoll wäre.

Wenn es also Interessierte in eurem Umfeld gibt, die die Empfänger des Grundeinkommens hier Quatinga Velho unterstützen wollten, oder aber das Modell an anderen Orten replizieren möchten, bitte vermitteln Sie diese Menschen gerne an uns weiter. Bitte entschuldigt, dass ich unser Anliegen so offen und direkt vortrage, aber die Situation hier in im globalen Süden ist sehr kritisch, und wir wollen helfen, wo wir können.

Mir ist bewusst, dass unser Institut und unser Projekt sehr klein sind, aber nach zwölf Jahren Pionierarbeit, der Ausarbeitung von Konzepten und Methoden, der Erfahrung von Erfolgen und Fehlern und Verbesserungen sind wir zweifelsohne in der Lage, unser Wissen mit anderen Menschen zu teilen.

Alles Gute und passt auf euch auf,
Bruna"


NOTHILFE COVID-19

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiv. Schon jetzt ist deutlich: Besonders betroffen sind die ohnehin Marginalisierten dieser Welt. Helfen Sie mit, insbesondere diese Menschen direkt zu unterstützen!

Ihre Spende im Rahmen der NOTHILFE COVID-19 wird für:

  • Aufklärungskampagnen
  • Gesundheitsaufklärung
  • Lebensmittelhilfe
  • Seifen- und Desinfektionsmittelproduktion
  • das Nähen von Masken

eingesetzt.

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